Mannschafts-EM Runde 3

Deutschland punktgleich mit Russland!

 

Das ist die gute Nachricht aus deutscher Sicht – die schlechte Nachricht (auch aus russischer Sicht) ist, dass momentan 14 Teams mehr Mannschaftspunkte auf dem Konto haben, darunter Deutschlands heutiger Gegner Georgien sowie z.B. Weissrussland, die dritte polnische Mannschaft und beinahe auch Österreich.

Zum heutigen Kampf gegen Georgien: Deutschland spielte ohne Naiditsch – warum, das wusste Klaus Bischoff in der deutschen Liveübertragung auch nicht. Vielleicht wird Sportdirektor Uwe Bönsch es verraten, gegen 18:00 ist er zu Gast in der morgigen Sendung. Georgien gab Ersatzmann IM Nigalidze, nominell klar schwächer als die vier Stammspieler, eine Chance (den Ruhetag bekam nicht etwa Pantsulaia nach seiner gestrigen Marathonpartie, sondern Gagunashvili). Vielleicht war es seine erste und letzte Chance, denn – die gute Nachricht aus deutscher Sicht: Fridman erreichte gegen ihn mit einem kleinen Trick bereits nach 7 Zügen deutlichen Vorteil und gewann in 24 Zügen. Die schlechte Nachricht: die anderen drei Bretter holten nur einen halben Punkt. Khenkins Remis war genauso ungefährdet wie das seines Gegners Mchedlishvili. Sie produzierten eine symmetrische Stellung, in der nach 10 Zügen die Damen und um den 20. Zug alle vier Türme abgetauscht wurden. Vielleicht hätte Khenkin mit Weiss etwas mehr riskieren sollen, hinterher ist man immer schlauer. Meier und Baramidze haben also verloren, und zwar so:

 

Meier hatte Schwarz gegen Jobava, der gleich zu Beginn gemein war: die ganze Nacht suchte der deutsche Eröffnungstrainer Nisipeanu nach einer Widerlegung von 1.b3!?, und dann spielt Jobava 1.e4 e6 2.f4!? – das macht noch nicht einmal Morozevich, allerdings z.B. (einmal) Nakamura. Meier spielte genauso kreativ wie sein Gegner, und es entstand eine Art Königsgambit mit einer zunächst chaotisch-ausgeglichenen Stellung. Bis zum 27. Zug:

Hier empfiehlt Houdini, typisch für die gesamte Partie, das freche 27.-Lxd5 28.Sg5 Lxg2+ 29.Kxg2 Dd5+ 30.Le4 Dxg5+. Meier spielte stattdessen 27.-Kh8? was 28.Lxh7! usw. erst ermöglichte – mit nahezu hoffnungsloser Stellung und 1-0 nach 34 Zügen.

 

Baramidze, gestern noch der Held, griff ebenfalls fehl. Sein Gegner Pantsulaia kopierte Carlsens Partieaufbau aus der ersten WM-Partie, verzichtete aber auf das aggressive 7.d4 zugunsten von 7.d3 (die Datenbank hat Vorgänger von vor allem Pantsulaia). Der vorletzte Vorgänger ist übrigens eine Partie zwischen dem damals relativ jungen Taimanov und dem sehr jungen Peter Leko (Nettetal-Open 1994). Nach 21 Zügen stand es so:

Der schwarze e-Bauer ist angegriffen, man kann ihn mit 21.-f5 decken oder z.B. 21.-Te7 oder 21.-b6 spielen, eine verbesserte Version der Partiefortsetzung da b7 dann nicht hängt. Baramidze spielte 21.-Lb8?! 22.Lxe4 Lxg3!? 23.fxg3 Sxg3 24.Lxb7 Sxf1 25.Txf1 und konnte diese Stellung nicht halten.

Bischoff verriet übrigens in der Liveübertragung noch, warum zwei andere Spieler gar nicht im deutschen Team sind. Gustafsson hat keine Zeit für die EM da er mit einem “grösseren Projekt” schwer beschäftigt ist – offenbar in Hamburg, nicht etwa in Chennai. Bischoff ist zu alt und nicht gut genug – so Bischoff über Bischoff.

 

Ein kurzer Überblick zu den anderen Paarungen: An den beiden vordersten Tischen (Frankreich-Ukraine und Tschechien-Türkei) gab es jeweils ein Kurzremis in 16 bzw. 14 Zügen, aber an den sechs anderen Brettern wurde gekämpft. Bei Volokitin – Vachier-Lagrave standen am Ende nur noch zwei Könige auf dem Brett, ansonsten gewann Frankreich zweimal und Tschechien dreimal; diese beiden Teams sind nun die einzigen mit einer weissen Weste. Tkachiev hatte schon wieder ein Damenendspiel, diesmal gewann er. Eine kuriose Stellung aus der Partie Yilmaz-Babula ist mir ein Diagramm wert:

Weiss akzeptierte diesen aktiven König freiwillig, um eine Zugwiederholung zu vermeiden. Kaum zu glauben aber wahr: Laut dem Engine-Orakel ist diese Stellung nach diversen weissen Zügen im Gleichgewicht, darunter 35.Kb5. Es folgte 35.f5? Dc2! (nur so) 36.Df4 Txc3+ 37.bxc3 Txe4+ 38.Dxe4 Dxe4+ 39.Kb5 Dxd5 0-1

 

Armenien – Österreich endete 2,5-1,5 – Sargissian gewann ein anfangs ausgeglichenes Damenendspiel, deshalb ist Österreich nur punktgleich mit Deutschland. Aserbaidschan-Polen ebenfalls 2,5-1,5, da Swiercz gegen Radjabov eine theoretische Remisstellung mit Turm gegen Turm und Bauer verlor. Russland-England 2-2 (Jones besiegte Morozevich) – und damit waren die Russen noch gut bedient, da Grischuk an Brett 1 gegen Adams zwischenzeitlich auch auf Verlust stand. Schliesslich Niederlande – Israel 1,5-2,5 – wie im Vorbericht erwähnt, die sieben besten Israelis sind zu Hause oder irgendwo, womöglich in Chennai.

 

Morgen gibt es natürlich Frankreich-Tschechien, ausserdem u.a. Ukraine-Armenien, Österreich-Russland und Spanien-Deutschland – nach der Nummer 12 Polen und Nummer 14 Georgien nun Nummer 11 der Startliste.

 

Die deutschen Damen besiegten die Türkei 3,5-0,5 wobei nur Elisabeth Paehtz am Spitzenbrett die Lage jederzeit unter Kontrolle hatte und souverän siegte. Morgiger Gegner ist Litauen, wieder eine auf dem Papier lösbare Aufgabe.

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