Deutschlands Schachlegende zu Gast

Ein Text-Bild-Bericht über die Simultanveranstaltung von Dr. Robert Hübner in Uedem von HERBERT CLOOSTERS, Kleve

 

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Er ist eine Schachlegende, gilt als Deutschlands bester Schachspieler nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Unzählige Erfolge säumen seinen schachlichen Werdegang. In seiner großen Zeit (in den 1970-er und 1980-er Jahren des letzten Jahrhunderts) klopfte er an die Tür zur Weltmeisterschaft, belegte Platz 3 der Weltrangliste. Seine Sensibilität und Feinfühligkeit verhinderten möglicherweise noch Größeres. Heute betreibt er Schach nur noch als Nebenbeschäftigung. Wichtiger sind ihm jetzt andere Dinge, wie beispielsweise die Malerei, der er sich mit Interesse widmet, oder auch seine Übersetzungstätigkeit. In etlichen Sprachen ist er „zu Hause“. Die Rede ist von Dr. Robert Hübner.

 

Ihn durften die ausrichtenden Schachvereine aus Kevelaer, Kranenburg und Uedem zu einer (nostalgischen) Simultanveranstaltung am Niederrhein begrüßen. In gewisser Weise schloss sich jetzt ein Kreis. Im Jahre 1963 gewann Hübner hier als Youngster die 5. Internationalen Uedemer Schachtage.

 

 

1In Engelhardts Schach-Taschen-Jahrbuch 1964 ist auf Seite 178 zu lesen: „Am 18. und 19. Mai 1963 fand unter der Beteiligung von 150 Spielern das 5. Internationale Niederrhein-Turnier statt, In der Gruppe I der Meisterklasse siegte der 15-jährige Hübner (Köln) vor Bachmann (München), Achenbach (Oberhausen) und Nowak (Duisburg-Hamborn).“

 

Anzumerken ist dazu, das Robert Hübner [6. November 1948] allerdings erst 14 Jahre alt war.

 

Bürgerhaus Uedem – 12. April 2014, 14.00 Uhr.

 

Nach lan4gen Vorbereitungen für die Veranstaltung betrat der äußerst bescheidene Star die Szenerie. 38 Gegner/innen durften sich geehrt fühlen, gegen Hübner antreten zu dürfen. Spieler/innen aus sechs verschiedenen Vereinen, zwischen 10 bis über 70 Jahre alt, wollten es mit ihm aufnehmen. Von Brett zu Brett eilten die Schritte des immer noch erstaunlich fitten Meisters. Die ehrgeizigen Amateure leisteten zum Teil erheblichen Widerstand. Nach mehr als fünf Stunden Spielzeit war folgendes Endresultat erreicht:

 

1)

38 Spiele

2)

27 Siege Hübner

3)

5 Remis

4)

6 Niederlagen Hübner.

 

Wobei zwei der Niederlagen mehr als unglücklich zustande kamen. Eigentlich waren es nur vier "echte" Niederlagen. Alle, die aktiv oder auch als Zuschauer an dieser Veranstaltung teilgenommen haben, werden diesen Tag sicherlich nicht so schnell vergessen.

 

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2P.S.: Dr. Robert Hübner feierte am 6. November 2013 seinen 65. Geburtstag in aller Stille, was seiner bescheidenen Art entspricht. Aufsehen um seine Person in der Öffentlichkeit ist im fremd. Davon konnte sich der Schach-Ticker-Mitarbeiter beim zweiten Schachlegenden-Treffen in Dresden im August vergangenen Jahres selbst überzeugen. Gern erinnert er sich im Übrigen an die Zusammenarbeit bei dem Buchprojekt „Zaubern wie Schachweltmeister Michail Tal…“ – die deutsche Ausgabe ist bei der Edition Olms 2010 erschienen. Damals hat Dr. Robert Hübner einen Beitrag „Zur Erinnerung an Michail Tal“ beigesteuert, in dem er die berühmte Partie Tal-Keller vom Internationalen Großmeisterturnier in Zürich 1959 in der ihm unverwechselbaren Art eingehend analytisch untersucht…

 

 

[Redaktion: Raymund Stolze]

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