Bei anderen gelesen [8]

„Sprache ist alles“ – ein SPIEGEL-Gespräch mit dem US-Informatiker Douglas Hofstadter, der davon überzeugt ist, das der Mensch intelligenter ist als jeder Rechner

 

„Spiegel-Lefgdser wissen mehr!“ – als Abonnent seit fast einem Vierteljahrhundert kann ich das nur bestätigen. Inzwischen habe ich mich altersbedingt von den meisten zahlreichen Printausgaben diverse Tageszeitungen und Magazine getrennt, nur nicht von den wöchentlichen Heften des Hamburger Nachrichtenmagazins. In meinem Archivraum im Keller stehen sie nach Jahrgängen geordnet vom Spätherbst 1989 an nach wie vor griffbereit zur Verfügung.

 

Die aktuelle Ausgabe Nummer 18 vom 28. April ist dort allerdings noch nicht „einsortiert. Und das aus gutem Grund. Meine Frau, die auch zu den aktiven SPIEGEL-Lesern gehört, machte mich nämlich auf ein interessantes Gespräch „Sprache ist alles“ [Seiten 124-128] mit dem US-Informatiker Douglas R. Hofstadter

 

[ http://de.wikipedia.org/wiki/Douglas_R._Hofstadter ] in der thematischen Rubrik KULTUR aufmerksam. Der Sohn des Physik-Nobelpreisträgers Robert Hofstadter ist davon überzeugt, dass der Mensch intelligenter als jeder Rechner ist. Link: https://magazin.spiegel.de/digital/index_SP.html#SP/2014/18/126717981 .

 

 

Der Anlass für den Beitrag ist das im Verlag Klett-Cotta erschienene neue Buch Die Analogie. Das Herz des Denkens , in dem er gemeinsam mit dem Franzosen Emmanuel Sander über dem Zusammenhang von Sprache und Geist beschäftigt [ bei Youtube finden Sie unter https://www.youtube.com/watch?v=71VE7ld0Jrw ein Video mit den beiden Autoren].

 

Unter der Schlagzeile Mensch schlägt Maschine: eine fulminante Kritik des digitalen Zeitalters ist da auf der Verlagsseite zu lesen:

 

„Sie sind der Treibstoff und das Feuer unseres Denkens: In den Analogien liegt für Douglas Hofstadter und Emmanuel Sander der Urquell unserer Kreativität. Nur durch sie finden wir uns in der Welt zurecht – und sind obendrein viel intelligenter als Computer…

 

Sie steigen in einen Aufzug, mit dem Sie noch nie zuvor gefahren sind. Wissen Sie, was Sie tun müssen, um nach oben zu kommen? Natürlich – und der Grund dafür sind die Analogien: Der Aufzug funktioniert wie alle anderen Aufzüge. Alles, was wir wissen, setzen wir in Beziehungen und schaffen es dadurch, Ähnlichkeiten zu entdecken, uns im Chaos der Welt zurechtzufinden. Diese Ähnlichkeiten machen wir uns täglich und meist ganz unbewusst im Umgang mit Neuem und Fremdem zunutze. Wie dieses Feuerwerk des Denkens „funktioniert“, das zeigen Douglas Hofstadter, brillanter Autor und Pulitzer-Preisträger, und der Psychologe Emmanuel Sander. Sie nehmen uns mit auf eine abenteuerliche Reise in die Welt der Sprache und des Geistes – und sie zeigen uns, warum Gedanken ohne Einfluss der Vergangenheit undenkbar sind. Ein inspirierendes Lesevergnügen! [ https://www.klett-cotta.de/buch/Philosophie/Die_Analogie/42863 ]

 

Und das kann ich auch über das SPIEGEL-Gespräch sagen. Wobei die letzte Frage, wie weit es Hofstadter gelungen sei, der u.a. zu den Entwicklern des IBM-Computers „Watson“ gehörte, der im Februar 2011 in dem US-Fernsehquiz „Jeopardy“ menschliche Champions besiegte, auf seinen Computern echtes Verständnis und echte Einsichten zu programmieren, eine überraschende Antwort parat hat.

 

Hofstadter verweist nämlich auf das Duell zwischen dem Schachcomputer Deep Blue [http://de.wikipedia.org/wiki/Deep_Blue ] , der ein Vorgänger von Watson ist, und dem 13. Schachweltmeister Garri Kasparow im Jahr 19971. Er begründet auch, warum das System das Match gewann. Entscheidend sei die brachiale Rechenkraft gewesen, mit dem die Maschine Abermillionen Stellungen pro Sekunde im Voraus berechnete.

 

„Mir der Art, mit der Kasparow Schach spielt, hat das allerdings überhaupt nichts zu tun. Nun stellen Sie sich dagegen einen Computer vor, der Analogien herstellt, genau wie Kasparow es tut: Er sieht eine Gefahr auf dem rechten Flügel, er erkennt einen Bauern als Schwachpunkt seiner Stellung, er denkt darüber nach, wie er das Brett kontrollieren kann. Bisher gibt es keinen Computer, der so etwas könnte, und einen solchen zu bauen ist viel schwieriger, als immerschnellere Prozessoren und noch größere Speicher zu bauen…“

 

Ich denke, dass beim Duell Mensch gegen Maschine also doch wieder Hoffnung aufkommt. Wir müssen auch im Schach einfach nur auf unsere Intelligenz vertrauen – zu der nicht zuletzt auch Kreativität und Intuition gehören. Wie formulierte es doch einst der Schachzauberer Mischa Tal: „In dem Buch über mein WM-Match 1960 gegen Botwinnik schrieb ich, dass bei einem hohen Niveau des modernen Schachs, wo alle alles wissen, ein Schachspieler, um erfolgreich zu sein, manchmal beweisen muss, dass 2 x 2 = 5 ist…“

 

[Redaktion des Beitrages: Raymund Stolze]


1 Garri Kasparow spielte zwei Wettkampfe gegen Deep Blue. 1996 gewann er in Philadelphia 4:2, wobei er am 10. Februar die erste Partie verlor. Ein Jahr später verlor der Weltmeister das Match 2,5:3,5, weil er in der sechsten und letzten Begegnung mit Schwarz einen unerklärlichen Blackout hatte, was zugleich eine der kürzesten Niederlagen seiner Karriere zur Folge hatte: 1. e4 c6 2. d4 d5 3. Sc3 de4 4. Sxe4 Sd7 5. Sg5 Sgf6 6. Ld3 e6 7. Sgf3 h6?? 8. Sxe6 De7 9. 0-0 fxe6 10. Lg6+ Kd8 11. Lf4 b5 12. a4 Lb7 13. Te1 Sd5 14. Lg3 Kc8 15. axb5 cxb5 16. Dd3 Lc6 17. Lf5 exf5 18. Txe7 Lxe7 19. c4 [1-0]

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