Wir setzen gemeinsam ein Zeichen!

Schach-Ticker eröffnet demnächst eine Hall of Fame des deutschen Schachs im Internet

 

Nun ist Schach sogar ein Thema in einer Sitzung des Deutschen Bundestages geworden. Am 21. Mai gab es in der 35. Sitzung des hohen Hauses eine mündliche Anfrage des Abgeordneten Dr. André Hahn [Die Linke] zur Streichung der Fördermittel durch das Bundesinnenministerium [BDI].

 

„Ist es zutreffend, dass im Bundesministerium des Innern entschieden worden ist, die Förderung des Deutschen Schachbundes noch in diesem Jahr vollständig einzustellen, obwohl im Deutschen Bundestag bislang weder der Haushaltsplan für das Jahr 2014 beschlossen wurde noch die künftige Bezuschussung der einzelnen Sportarten in Deutschland im fachlich zuständigen Sportausschuss überhaupt diskutiert worden ist, und wenn ja, welche Gründe gaben für die überraschende Streichung der Zuschüsse den Ausschlag, nachdem auch der Deutsche Olympische Sportbund noch auf seiner letzten Mitgliederversammlung am 7. Dezember 2013 bezüglich Schach einstimmig für die Beibehaltung des Status als Sportart votiert hatte?“

 

BDI-Staatssekretär Dr. Günter Krings antwortete wie folgt:
 

 

„Das Bundesministerium des Innern legt seinen Förderentscheidungen die Kriterien der DOSB-Fördersystematik zugrunde. Schach erfüllt danach nicht alle Kriterien. Insbesondere fehlt die ‚beim Denksport nicht vorliegende eigenmotorische Aktivität’.“

 

Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter diese Argumentation diskutieren, Fakt ist aber ganz sicher, dass der Deutsche Olympische Sportbund [DOSB] mit den in seiner neuen Fördersystematik für die nichtolympischen Spitzensport 2014 bis 2014 festgelegten Kriterien ein klassisches Eigentor geschossen hat. Da nützt ein sicherlich ehrlich gemeintes Votum auf der DOSB-Vollversammlung am 7. Dezember rein gar nichts, Schach entgegen im zum gleichen Zeitpunkt von ihm verabschiedeten Förderkonzept weiter für förderungswürdig zu erachten.

 

Ich kann nur sagen: Dumm gelaufen, denn ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen und ertrunken, dann ist es zu spät, um diesen oben abzudecken…

 

Konsequent wäre es aber, wenn beim Schach tatsächlich keine eigenmotorische Aktivität vorliegt – wer hat das eigentlich wissenschaftlich festgestellt? – Dr. Emanuel Lasker [24. Dezember 1868 bis 11. Januar 1941] umgehend aus der Hall of Fame des deutschen Sports zu streichen [http://de.wikipedia.org/wiki/Hall_of_Fame_des_deutschen_Sports ] in den man den bisher einzigen deutschen Schachweltmeister [1894 bis 1921] am 6.Mai 2008 aufgenommen hat, ersatzlos zu streichen, oder?!

 

Weil Schach für uns Sport ist – ich verweise in diesem Zusammenhang auf meinen zugegebener Maßen provozierenden Beitrag „Warum Schach nicht olympisch wird … [http://www.chess-international.de/Archive/20653#more-20653 ] – tragen wir uns beim Schach-Ticker schon längere Zeit damit eine Hall of Fame des deutschen Schachs auf unserer Webseite zu eröffnen. Und uns scheint durch diese mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbare Entscheidung gegen den Schachsport tatsächlich der richtige Zeitpunkt zu sein, ein wahrnehmbares Zeichen zu setzen.

 

Was in Saint Louis, der „Chess City of the Year“ 2009 und 2011 möglich ist, wo es sowohl eine WORLD CHESS HALL OF FAME [ www.worldchesshof.org ] als auch eine U.S. HALL OF FAME, sollte auch in Deutschland möglich sein.

 

In der World Chess Hall of Fame wurden übrigens seit 2001 insgesamt 19 Schachgiganten aufgenommen, darunter die Deutschen Emanuel Lasker und Siegbert Tarrasch [5. März 1862 bis 17. Februar 1934]. Weiterhin gehören zu diesem auserlesenen Kreis neben Paul Morphy und Michail Tschigorin die Weltmeister José Raoul Capablanca, Wilhelm Steinitz, Robert James Fischer, Michail Botwinnik, Tigran Petrosjan, Wassili Smyslow, Boris Spasski, Michail Tal, Alexander Aljechin, Max Euwe, Anatoli Karpow und Garri Kasparow sowie die Schachköniginnen der Frauen Vera Menchik, Nona Gaprindaschwili und Jelisweta Bykowa.

 

Wir schlagen Ihnen für den Zeitraum zwischen 1890 und 1945 erste Kandidaten vor. Dazu gehören selbstverständlich die beiden ewigen Rivalen Lasker und Tarrasch, ferner die beiden Damen Sonja Graf und Wally Henschel sowie Walter Robinow, fünfter Vorsitzender des Deutschen Schachbundes [1920 bis 1933], der wegen seiner jüdischen Herkunft nach der verhängnisvollen Machtergreifung der Nationalsozialisten alle seine Ämter verlor. Der außergewöhnlichen Persönlichkeit des Hamburger Kaufmanns war es ganz wesentlich zu verdanken, dass die vierte Schacholympiade 1930 in der Hansestadt stattfand.

 

Natürlich möchten wir wissen, was Sie von dieser Idee halten und noch mehr bitten wir um Ihre tätige Mitarbeit. Diesmal geht es nicht um schnöden Mammon, sondern wir brauchen Ihre Vorschläge für das große Zeitfenster von 1946 bis zur Gegenwart. Und gleichermaßen würde uns auch interessieren, welche Kriterien Sie für eine Hall of Fame des deutschen Schachs für angemessen halten.

 

Schicken Sie also bitte Ihre konkreten Vorschläge möglichst mit Begründung per Email entweder an service@chess-international.de oder raymund.stolze@t-online.de .

 

Wir brauchen ihre Kompetenz für dieses bisher einmalige Projekt im deutschen Schach, der für uns Breiten- und Leistungssport war, ist und bleiben wird!!!

 

Raymund Stolze

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