Kurz & Knapp [17/14] – Die Schach-Ticker Turnier-Umschau


+++ Jewgeni mit der besten Drittwertung in Wunsiedel +++ Double für China beim Asian Nations Cup 2014 +++ „Fürst“ Igor gewinnt in Zalakaros +++

 

WUNSIEDEL. Dass hierzulande Open restlos ausgebucht sind, ist sicherlich nicht die Regel. Vom bereits 8. Snisipeanu-300x225chachfestival in Wunsiedel – wo bitte liegt das? [natürlich im Oberfränkischen im Fichtelgebirge!] – kam diese erfreuliche Nachricht, wo es vom 29. Mai bis 1. Juni gleich zwei Open mit insgesamt 250 Teilnehmern gab. Im Meisterturnier, für das sich mit Liviu Dieter Nisipeanu (Foto) Deutschlands neue Nummer 2 entschieden hatte und dem natürlich die Aufmerksamkeit gehörte, war es nach sieben Runden mehr als spannend, wie Verena Zier auf der Webseite des Veranstalters berichtete [ http://www.wunsiedel-schachfestival.de/?path=start ]: Eigentlich sollte der Titel dieses Textes eine Anspielung an den Film ‚Sieben’ sein. Allerdings spielten sich gleich acht Spieler mit 5,5 Punkten ins Ziel, wodurch ich die Überschrift etwas anpassen musste. Acht Spieler, nur durch Buchholz getrennt. Die Top drei lagen sogar in dieser Feinwertung gleichauf. Auf dem Siegertreppchen entschied dann schließlich das berühmte Quäntchen Glück, besser bekannt als ‚Performance’-Wertung.“ Hier war Jewgeni Romanow der Glückliche, denn der russische Großmeister und Bundesliga-Spieler der SF Katernberg kam auf 2643 und verwies Aleksander Delchev [Bulgarien] mit 2601 und Normunds Miezis [Lettland] mit 2596 auf die Plätze zwei und drei. Bester DSB-Spieler war überraschend Jonas Lampert vom Hamburger SK auf Rang 6, für den dieses Turnier eine sehr gute Generalprobe für die am kommenden Sonnabend [7. Juni] in Magdeburg beginnenden Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaften war, wo er in der Altersklasse U18 starten wird. Nisipeanu dagegen machte eine Niederlage gegen den italienischen U16-Spieler Francisco Rambaldi in Runde 3 einen Strich durch die Rechnung. Mit 5/7 [+4 =2 – 1] blieb ihm bei der kurzen Distanz so nur Rang 10, zumal er in den beiden finalen Runden gegen die beiden Tschechen Jiri Stocek und Pavel Cech jeweils „nur“ remis spielte.
 

 

TÄBRIZ. Nichts Neues ist vom asiatischen Kontinent zu vermelden, denn die Chinesen dominieren weiterhin. Beim Asian Nations Cup 2014 [20. bis 30. Mai] in der 1,5-Millionen Einwohner großen iranischen Stadt Täbriz sorgten jedenfalls die Frauen und Männer aus dem Reich der Mitte für das erwartete Double. Und das nicht mit der ersten Reihe! Die Damen um die aktuelle Weltranglistensiebte Ju Wenjun [Elo 2532/Stand: 1. Juni 2014] gewannen alle fünf Matches, dazu die Schnellschach-Konkurrenz. Nur im Blitz mussten sie sich mit Platz 2 hinter Indien begnügen, wobei das direkte Duell mit 1,5:2,5 verloren wurde.

 

Die Herren sammelten alle drei Titel ein. Am umkämpftesten dabei war der im Klassischen Schach, weil es im direkten Duell gegen den Rivalen Indien eine 1,5:2,5-Niederlage gab. Doch die Inder gaben ihrerseits zwei Punkte nach jeweils einem 2:2 gegen Vietnam [mit Blitzweltmeister von 2013 Le Quang Liem, der aber seinen Titel in Dubai nicht verteidigen wird] und Iran A [in der letzten Runde!] ab. So waren beide nach insgesamt neun Runden mit jeweils 16:2 Mannschaftspunkten gleichauf, aber die Chinesen hatten mehr Brettzähler eingesammelt [30,0: 27,0].

 

Zur Information empfehlen wir Ihnen die Webseite des Veranstalters [http://an2014.ircf.ir/ ] sowie den Link http://chess-results.com/tnr135081.aspx?lan=0&art=0&wi=821, wo sie alle statistischen Details finden sowie 159 Partien aus dem Open und 47 von den Frauen zum Downloaden.

 

ZALAKAROS. Noch ein Schachfestival mit A- und B-Open. Und das in bereits 33. Auflage. Na ja, Ungarn ist eben ein Schachland. Der Ort Zalakaros soll die schönste Blumenstadt im Lande sein und macht sich dazu einen Namen als aufstrebender Thermalkurort – es ist inzwischen der sechsgrößte in Ungarn! Baden gehen wollten allerdings die Schachspieler nicht unbedingt. Nach neun Runden konnte sich Igor Kovalenko als alleiniger Sieger in die Turnier-Chronik eintragen. Der Lette kam auf 7/9. Einen halben Punkt hinter ihm landete ein Verfolger-Quintett mit Axel Bachmann [Paraguay], Alexander Kovchan [Ukraine], Gawain Jones [England] und Alexander Beljawski [17. Dezember 1953 in Lemberg/Ukraine]. Der inzwischen 60-jährige ehemalige Weltklassemann, der mit Elo 2620 in seiner slowenischen Wahlheimat immer noch die Nummer 2 hinter Luka Lenic [2659] ist, denkt keineswegs an den schachlichen Ruhestand. Mit „Al“ ist also weiterhin zu rechen!

 

Im A-Open belegt unter 70 Startern IM Alexander Donchenko [5,5/9] Rang 15. Der 16-jährige Schachprinz [Elo 2492] wird ebenso wie seine Mitstreiter Matthias Blübaum [2510], Dennis Wagner [2485] und Rasmus Svane [2493] jedoch nicht an den diesjährigen Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaften [7. bis 15. Juni] dabei sein. Das trifft übrigens auch auf Schachprinzessin Filiz Osmanodja [7. März 1996] zu, die nach ihren tollen Mitropa-Cup-Auftritt [8/9!] nun wieder in Berlin von ihrem Medizinstudium gefordert wird.

 

Raymund Stolze

Print Friendly, PDF & Email