Kalenderblätter [13]

„Schach ist scheen! … wenn man kann“ – zum 80. Geburtstag von Manfred Mädler [15. Juli 1934]

 

Dass ich Manfred Mädler kennen gelernt habe, verdanke ich eine „Westreise“. Als verantwortlicher  Lektor für das Schachbuchprogramm im (Ost-)Berliner Sportverlag hatte ich nach einer gründlichen Marktanalyse dem Verleger Horst Schubert den Vorschlag gemacht, doch ein Joint Venture mit  einem der zu diesem Thema führenden Unternehmen auf der anderen Seite des geteilten Deutschlands zu machen. Meine Wahl fiel auf den Walter Rau Verlag in Düsseldorf, der sich diesem Projekt gegenüber sehr aufgeschlossen zeigte. Und so konnte ich, wenn meine Erinnerungen stimmen, im Frühjahr 1989 die Einladung des „strategischen Partners“ im so genannten „kapitalistischen Ausland“ – was für ein „Nonsens-Begriff – endlich annehmen.

 

Ich werde nie vergessen, wie ich mit dem Nachzug nach Düsseldorf  in eine für mich fremde Welt aufbrechen durfte, weil da ja noch die Ausreise über den berühmten „Tränenpalast“ am Bahnhof Friedrichstraße anstand. Ehe ich von meinen Platz in einem menschenleeren Abteil besitzt ergriff, wurde der „Interzonenzug“ gründlichst von den Grenzern inspiziert, sogar mit Hunden, die an den Fahrgestellen menschliche Spuren aufnehmen sollten. Es war fürwahr ein gespenstischer Beginn, und dennoch war ich privilegiert, eine solche Reise überhaupt anzutreten…

 

 

Nun, meine  Düsseldorfer Gespräche mit der Verlegerin Beatrix Rau verliefen dann wahrlich in entspannter Atmosphäre. Sie war wirklich eine angenehme Gastgeberin, und da es um Schach ging, war es alles andere als ein Zufall, dass ich bei dieser Gelegenheit auch Manfred Mädler vorgestellt wurde, der zu dieser Zeit  eine eigene Edition  im Walter Rau Verlag hatte – u.a. gab er die in beiden Teilen Deutschland geschätzte Gambitrevue heraus.

 

Ich kann mich noch gut an diese erste Begegnung mit dem  gebürtigen Dresdner erinnern. Beeindruckt hatte mich vor allem jenes Dachgeschosszimmer, das der Hausherr für Vlastimil Hort reserviert hielt, der bekanntlich 1979 aus der Tschechoslowakei nach Deutschland übergesiedelt war, aber danach zunächst weiterhin für sein Heimatland spielte. So gewann er 1982 bei der Schacholympiade in Luzern mit dem Team der CSSR Silber hinter den übermächtigen Sowjets, die an den Spitzenbrettern mit  Anatoli Karpow und Garri Kasparow antraten – 1. Reserve war übrigens Michail Tal!

 

Nach diesem kurzen Besuch im „Mädler Haus“ Düsseldorf – ich weiß gar nicht mehr, ob ich seine sympathische Gattin Monika zu Gesicht bekam, war’s das mit dem persönlichen Kontakt zunächst über weit  mehr als ein Jahrzehnt.

 

Erst im Sommer 2005 wollte es diesmal nicht der Zufall, sondern eine gezielte Bitte meinerseits, dass wir uns zum zweiten Mal begegneten. Ich war damals mit der Recherche für ein Schachbuchprojekt beschäftigt und suchte Bent Larsens Ich spiele auf Sieg!. Also Anruf bei Manfred – nicht in Düsseldorf, sondern in Dresden-Blasewitz, wo die Mädlers seit 1996 im Familienanwesen in der Wägnerstraße 5 ihr Zuhause haben. Hier hat auch das renommierte Schachhaus Mädler

[ http://www.schachhaus-maedler.de/shopsystem/index.php ] seinen Sitz, das zu den anerkannten Branchenspezialisten gehört.

 

Spätestens an dieser Stelle ist Auskunft darüber zu geben, wie denn Manfred Mädler zu diesem Beruf kam.

 

Was diese Geschichte angeht, so mache ich mir es einfach, denn am 1.November 2008 hat die Elbhang-Kurier Redaktion die Mädlers in ihrem Domizil besucht und da war dann zu lesen:

 

Ursprünglich erwarb es Großvater Heinrich Mädler, der noch als Striesener Schmiedemeister in der Spenerstraße Nachbar von Herbert Wehner und dessen Eltern gewesen war.  Sohn Paul Mädler blieb in der Metallbranche und betrieb bis 1962 eine angesehene Eisenwarenhandlung, ursprünglich in der Blochmannstraße, nach dem Zweiten Weltkrieg in der Wägnerstraße. Schließlich lernte Enkel Manfred (heute ‚Schach-Mädler’, Jahrgang 1934) ebenfalls Eisenwarenhändler – bei „Eisen-Richter“ auf dem Weißen Hirsch und in Bühlau – , ging aber bereits 1951 in den „Westen“, wo er es bis zum Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Eisenwarenhändler brachte. [An dieser Stelle ist von mir eine Ergänzung nötig, denn in dieser Funktion bereiste Manfred Mädler rund 5000 Geschäfte. Noch bevor die Branche zu schwächeln  begann, war er an den Konzepten für die ersten OBI-Baumärkte  beteiligt – man nennt so etwas auch „vorausschauendes Denken“, was sich auch im Schach auszahlt…]

 

Dem Schachspiel frühzeitig „verfallen“, führte er seit 1972 ein „Doppelleben“ zwischen Eisenwaren- und Schach-Handel, das in zahlreiche Zusatzfunktionen mündete, u. a. als Schach-Dozent bei der Volkshochschule Düsseldorf (seine gelehrigste Schülerin Monika wurde schließlich seine Frau), als Journalist u. a. für den „Stern“ (Die Schachecke), das „Handelsblatt“ und das „Deutsche Ärzteblatt“ (noch heute ist er Ausrichter der Deutschen Schachmeisterschaft der Ärzte und Ärztinnen…

 

Den Einstieg als  Schachhändler wagten Manfred Mädler übrigens in Lübeck. Mit Erfolg wie sich zeigt, denn heute werden geschäftliche Beziehungen in mehr als 70 Ländern unterhalten.

 

Was die eigenen sportlichen Ambitionen angeht, so war Manfred Mädler in der Bundesrepublik Deutschland vor allem als Fernschachspieler aktiv. Und das durchaus erfolgreich. Immerhin bekam er als fünfter deutscher Spieler den Titel Internationaler Fernschachmeister verliehen.

 

Viel wichtiger als so ein Titel sind ihm jedoch die Erlebnisse im täglichen Umgang mit „Schachfreunden und solchen, die es vielleicht beabsichtigen noch zu werden“. Darüber hat er das  kleine, aber feines Bändchen  „Schach ist scheen! …wenn man kann“ geschrieben.

 

„Die Anregung, außer den verschiedenen Schachspalten auch einmal etwas Lustiges zu Papier zu brignen, kam von meinem Freund Vlastimil Hort, in seiner Jugend Eishockeyspieler in seiner Heimatgemeinde. Immer, wenn er nicht im Tor stand, gewann die Mannschaft. Da beschloss er, sich einer ‚schwerelosen’ Sportart zu verschreiben. Das war der Anfang einer großen Karriere. Ihm verdanke ich manche Geschichte, weshalb ich ihm dieses Büchlein widme…“

 

Hier eine Kostprobe mit der Überschrift Die Hängepartie aus dem Kapitel VON UND ÜBER UNS.

 

„…bei Ihnen ist doch immer Großmeister Hort. Zeigen Sie ihm bitte die folgende Stellung meiner Hängepartie. Wenn er mir die noch rettet, kann er sich bei mir einen schlachtreifen Stallhasen aussuchen. Mein zweites Hobby außer Schach ist die Kaninchenzucht, wo ich allerdings viel erfolgreicher bin.“

 

Was das Larsen-Buch angeht, so war es leider nicht mehr antiquarische zu erwerben. Aber mit einem Griff in die bestens sortierte private Schachbibliothek im ersten Stock wurde der Titel von den Mädlers  zutage befördert und selbstlos zum Kopieren im eigenen Haus freigegeben. Was für ein Service! Und als mich die Gastgeber nach diesem Besuch verabschiedeten, war das tatsächlich hoffentlich nicht nur für mich der Beginn der bis heute andauernden freundschaftlichen Beziehungen. Wobei keinen geringen Einfluss darauf haben könnte, dass wir bekennende Katzenliebhaber sind.  Deshalb als „Nachschlag“ noch die folgende Geschichte „Alles für die Katz“:

 

Unsere Verlagskatze hieß „Spasski“, bis sie eines Tages ausbüxte. „Spasski“ war bei unseren Kunden bekannt wie ein bunter Hund. Unsere Namensgebung für den freundlichen Kater hatte offensichtlich ihre Wirkung auf die Katzen- und Hundekinder der Kundschaft. Jedenfalls informierte man uns stets, wenn es wieder einen Anatoli, Garri oder Bobby gab. Der Höhepunkt war letztlich ein Kater, der „Herr Spielmann“ getauft wurde.

Raymund Stolze

Manfred Mädler (rechts) in Lübeck beim städtischen Pokalausscheid, 1975. [Foto: privat]

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