Kommen sie, oder kommen sie nicht…

Ein Vorbericht  zum drittes Treffen der lebenden Schachlegenden in Dresden von RAYMUND STOLZE
Die zweite Hälfte im Monat August wird eine schachliche Hochzeit in zwei deutschen

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Boris Spasski ist skeptisch, aber seine Fliege sitzt top!

Bundesländern sein. So findet im Freistadt Thüringen das 1. Internationale Erfurter Frauenschachfestival [24. bis 31. August] statt [http://www.frauenschachfestival-erfurt.de/] und Dresden, die Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen erlebt bereits  das  ZMDI-Schachfestival.  Die 23. Auflage dieser wahrlich  traditionellen Veranstaltung mit Angeboten für jedermann bis hin zum Urlauber- und Touristenturnier erwartet  ab kommenden Sonnabend [15. August] seine Gäste. Das Interesse dabei wird natürlich auf dem ZMDI Open 2014  im Hotel Wyndham Garden Dresden [ehemals RAMADA Hotel] in der Wilhelm-Franke-Straße liegen, wobei aktuelle Setzliste in der A-Gruppe – gespielt werden neun Runden im Schweizer System – mit   mehr als 100 Teilnehmern von Ferenc Berkes [Elo 2658] aus Ungarn angeführt wird.

 

Einer der absoluten Programmhöhepunkte  des Dresdner Schachsommers ist allerdings ein außergewöhnlicher Event, der im August 2012 Premiere hatte. Der Pegasus IGM Chess Summit, so der Name des Treffens,  soll den Mitgliedern der ältesten Generation der FIDE-Großmeister die Chance geben, einige gemeinsame Tage miteinander zu verbringen. Eingeladen werden dank des großzügigen Sponsorings der PEGASUS Courtyard Dresden GmbH und seines Geschäftsführers Dr. Rainer Maas  alle jene Großmeister, die das 75. Lebensjahr beendet haben. Das waren zum Auftakt immerhin 36 Männer sowie als Ehrengast IM Andreas Dückstein [2. August 1927] aus Wien, der damals gerade seinen 85. Geburtstag  gefeiert hatte und der lebende Beweis dafür ist, dass man Schach bis ins hohe Alter spielen kann.

 

Die spannende und sicherlich bisweilen dramatisch menschliche Frage lautet jedes Mal auch: Kommen sie, oder kommen sie nicht?  So hatte Svetozar Gligoric [2. Februar 1923 bis 14. August 2012] zum I. Pegasus IGM Chess Summit fest zugesagt, aber er verstarb bedauerlicherweise zuvor an den Folgen eines Schlaganfalls.  Im August 2012 war dagegen der Karl-May-Verleger Lothar Schmid [10. Mai 1928 bis 18. Mai 2013] noch dabei, obwohl es ihm gesundheitlich sehr schlecht ging. Die Sightseeing-Tour durch Dresden und Umgebung führte auch an seinem Geburtshaus in Radebeul vorbei,  und ich hatte als Augenzeuge das Gefühl, dass Lothar wehmütig Abschied für immer von diesem Ort genommen hat – wie sich herausstellte war das so.

 

In Erinnerung wird mit allerdings immer sein trockener Humor von der ersten Matchpartie mit dem Lebendschach-Ensemble zwischen den deutschen und russischen Schachlegenden auf dem Neumarktplatz vor dem Panorama der  weltberühmten Dresdner Frauenkirche. Nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 konnte es Wolfgang Uhlmann nicht abwarten – Burkhard Malich hielt sich zurück – und zog a tempo 3…c5. „Wolfgang, von jetzt an kannst Du allein weiterspielen“, lautete sein Kommentar. Ganz so war es dann doch nicht, aber das russische Trio Juri Awerbach, Mark Taimanow und Jewgeni Wasjukow dominierte fortan die Partie und gewann schließlich auch.  Beim zweiten Match im Vorjahr war bei den Russen Exweltmeister Boris Spasski neu im Team, während bei den Deutschen diese Rolle Klaus Darga übernahm.

 

Zum ersten Treffen war auch Viktor Kortschnoi [23. März 1931] eingeladen worden,  aber der hatte sich seinerzeit noch berechtigte Hoffnungen gemacht, in der  Schweizer Nationalmannschaft bei der Schacholympiade zu stehen. Doch wiederum setzte die Gesundheit ein Stoppzeichen, denn er erlitt einen leichten Schlaganfall, so blieb es für den Seniorenweltmeister von 2006 – was für einen späte Genugtuung für  Viktor Lwowitsch! – bei 17 Olympiateilnahmen zwischen 1960 und 2010, davon sechs für die Sowjetunion. Doch Schach ist nun mal sein Leben, und so spielte „Viktor der Schreckliche im März 2014 im Rollstuhl sitzend in Leipzig zwei Schaupartien gegen Wolfgang Uhlmann, die er beide gewann [ http://www.lvz-online.de/sport/regionalsport/kortschnoi-gegen-uhlmann-die-analyse-der-beiden-leipziger-partien/r-regionalsport-a-232915.html  ] . Ob er diesmal dabei sein kann, hängt von seiner Transportfähigkeit ab, das er will, daran gibt es keinen Zweifel…

 

Das trifft genauso auf Boris Spasski zu, dessen Teilnahme nach einem Krankenhausaufenthalt offen ist. Dagegen hängt bei Jewgeni Wasjukow alles davon ab, ob er das beantragte Visum rechtzeitig erhält.

 

Ganz sicher dabei sein wird Stammgast Fridrik Òlafsson aus Island. Feste Zusagen gibt es auch von Yair Kraidman aus Israel, Mark Taimanow [7. Februar 1926] aus Russland und Andreas Dückstein. Erstmals wird Nikola Padewski aus Bulgarien erwartet. Die deutschen Schachlegenden werden mit Klaus Darga, Hans Joachim Hecht, Dr. Burkhard Malich und Lokalmatador Wolfgang Uhlmann aller Voraussicht nach vollzählig sein.

 

Das Programm für dieses wahrhaft „königliche Treffen“ in Elbflorenz  ist doch für die älteren Herren ziemlich kompakt. Zum Auftakt am Donnerstag [21. August] erwartet sie ein festlicher Empfang auf dem Lignerschloss. Tags darauf gibt es einen Citytrip, ehe dann ab 14 Uhr auf dem Dresdner Neumarkt das Open Air des PEGSUS Chess Summit 2014 ruft.  Der Höhepunkt wird sicherlich das dritte Duell mit den lebenden „Schachfiguren“ auf einem 100 m²-Feld sein. Im Vorjahr wurde die Partie, die unentschieden endete, bei tropischen Temperaturen von 750 Zuschauern verfolgt. Wo, bitte schön, gibt es hierzulande sonst eine solche Kulisse für das Königliche Spiel???

 

Den Abend wird schließlich ein Galadinner im bekannten Restaurant „Classico Italiano“ krönen, indem schon 2008 zur Schacholympiade die Olympiasieger aus Armenien mit ihrem Staatspräsidenten Sersch Sarkisjan ihre Goldmedaille feierten.

 

An dieser Stelle sei unbedingt erwähnt: Die Kosten für die gesamte Veranstaltung, darunter die An- und Abreise, das Programm und der Aufenthalt der Gäste, werden von der PEGASUS Courtyard Dresden GmbH getragen. Die Bauträgergesellschaft engagiert sich im Rahmen seines “social sponsoring” vor allem im Sportbereich (Schach) und im Kulturbereich der sächsischen Landeshauptstadt. Und das wird, wie ich den schachbegeisterten Unternehmer Dr. Rainer Maas kenne, auch in Zukunft so bleiben. Da kommt Freude auf…

Die Schachlegenden vor dem Match auf dem Dresdner Neumarkt:

Klaus Darga, Burkhard Malich, Wolfgang Uhlmann vs. Jewgeni Wasjukow, Boris Spasski im Rollstuhl und Mark Taimanow; der Mann mit Sonnenbrille im Hintergrund ist übrigens Dr. Rainer Maas, auf dessen persönliches Engagement hin dieses einmalige Treffen zustande kommt.

Das russische Team mit Mark Taimanow, Boris Spasski und Jewgeni Wasjukow [von links]; der Mann mit dem Hut ganz außen ist übrigens Ihr Autor, der die ehrenvolle Aufgabe übernahm, die Notation der denkwürdigen Partie zu führen…

 

Alle Fotos: Dr. Gabriele Stolze

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