Schau an, Platz 5 für die Damen!

Beachtliche Leistung von Neuling Bad Königshofen beim Europapokal des Landesmeister in Bilbao – Ein Rückblick von REGINA VOSSENKAUL

 

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Ankunft in Bilbao: Mannschaftsführer Rene Gabel begleitete sein Bad Königshofer Team zum Europacup: Lilit Mkrtchian, Elisabeth Pähtz, Maria Schöne und Anastasia Savina [von links]

„Wir können stolz sein und das sind wir auch“, so das Fazit von Jürgen Müller, Vorsitzender des Schachclubs 1957 Bad Königshofen, nachdem die Frauenmannschaft den 5. Platz im Kampf um den Europapokal errungen hatte. „Es war aber definitiv mehr drin, denn der SC Bad Königshofen unterlag zweimal nur ganz knapp mit 1,5 Punkten (zwei Punkte wären unentschieden) und haben sogar gegen Moskau 2:2 gespielt. Theoretisch wäre sogar eine Bronzemedaille möglich gewesen“, so Müller, dem Mannschaftsführer Rene Gabel zustimmt. Aufgrund der Durchschnitts-Elo war Bad Königshofen auf Platz sechs von acht teilnehmenden europäischen Landesmeistern gesetzt, das Team hat sich also um einen Rang hochgekämpft.

 

Nach langem Kampf um die Finanzierung der Fahrt für den Deutschen Meister nach Bilbao wurden die Teilnehmerinnen festgelegt. Rene Gabel begleitete die vier Mitglieder der Bad Königshofer Mannschaft [IM Elisabeth Pähtz, IM Lilit Mkrtchian, IM Anastasia Savina, WIM Maria Schöne] und versorgte den Verein mit Berichten und Fotos. Eigentlich war der SC durch sechs Spielerinnen vertreten, denn GM Walentina Gunina und WGM Olga Girya, die in der Frauenbundesliga ebenfalls für den SC Bad Königshofen spielen, saßen für den Moskauer Schachverein SHSM an den Brettern. So ließ es sich nicht vermeiden, dass die Kolleginnen aufeinander trafen – kurios, aber jede gab ihr Bestes für ihre Mannschaft.

 

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IM Anastasia Savina war mit sechs von möglichen sieben Punkten beste Spielerin der EU-Meisterschaft an Brett drei

Die erste Runde gegen die israelische Mannschaft Rishon Letzion konnte der SC Bad Königshofen souverän gewinnen mit 3,5:0.5. Alle brachten ihr Spiel durch, lediglich an Brett eins einigte sich Pähtz mit Gegenerin Marsel Efroimski auf Remis. In Runde zwei verlor der SC unglücklich gegen Georgien mit 1,5:2,5. Pähtz fand keinen Gewinnweg und musste nach dreimaliger Stellungswiederholung ins Remis einwilligen, ähnlich erging es Mkrtchian und Savina, während Schöne den Punkt abgeben musste.

 

In Runde drei traf der SC auf den Favoriten Monaco, der in den ersten beiden Runden völlig überraschend Niederlagen einstecken musste. Spannungsgeladen war vor allem das Aufeinandertreffen der deutschen Nummer eins, Elisabeth Pähtz (2467), mit der amtierenden Weltmeistern Hou Yifan (2663). „Weltmeisterin Hou Yifan beißt sich an Elisabeth Pähtz die Zähne aus“, berichtete Rene Gabel aus Bilbao. „Wie eine Löwin spielte Elli gegen Hou Yifan, die alles probierte um unsere deutsche Nr. 1 zu bezwingen. Das Match dauerte am längsten von allen, knapp sechs Stunden bei 108 Zügen, bevor die Weltmeisterin alle ihre Gewinnversuche einstellen und Elli zum Remis gratulieren musste – ein toller Erfolg für Elli“, berichtete Gabel. Gegen den Favoriten hat sich der SC mit drei Remis und einer Niederlage teuer verkauft (1,5:2,5) und gezeigt, dass er mit den europäischen Spitzenmannschaften mithalten kann.

 

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Kurios: Sechs Bad Königshöfer Spielerinnen saßen sich gegenüber beim Duell zwischen dem SC Bad Königshofen und dem Moskauer Team SHSM – am Spitzenbrett traf Elisabeth Pähtz [rechts] auf Europameisterin Walentina Gunina

Am vierten Spieltag traf das Bad Königshöfer Quartett auf das als Nummer zwei gesetzte russische Team von SHSM Nashe Nasledie. Pähtz saß an Brett 1 ihrer Bundesliga-Vereinskollegin Walentina Gunina (2540) gegenüber und konnte deren Druck mit ihren schwarzen Steinen standhalten – am Ende gab es ein Unentschieden. Das zweite Remis steuerte Mkrtchian nach Zugwiederholungen bei , Schöne musste ihre Partie nach einem guten Start leider aufgeben. Einen ganzen Punkt brachte Savina (2373) mit Schwarz gegen ihre Freundin und Mannschaftskollegin Olga Girya (2476) ein. In einem positionellen Springerendspiel konnte sie dem Druck ihrer Kollegin stand halten und sogar gewinnen – Endergebnis 2:2 gegen die beste der drei russischen Mannschaften!

 

Volle vier Punkte gab es am fünften Spieltag gegen das auf Platz acht gesetzte zweite israelische Team, gegen die zweite russische Mannschaft Herzliya Chess Club, wurden dem SC jedoch in Runde sechs wieder die eigenen Grenzen aufgezeigt. Mkrtchian musste ihre Partie nach 25 Zügen aufgeben, Schöne folgte und auch Pähtz verlor zum ersten Mal in dem Turnier eine Partie. Savina an Brett drei war jedoch in Bestform und rettete die Ehre des SC, indem sie trotz Zeitnot ihre Gegnerin Baira Kovanova (2399) bezwang. Mit einem Sieg gegen Ladya, die dritte Mannschaft aus Russland (2,5:1,5) beendete der SC Bad Königshofen sein Debüt bei der Europameisterschaft.

 

Zwei Punkte fehlten zu Rang 3, so blieb es bei Platz fünf, immerhin hat der SC drei Mannschaftspunkte mehr als erwartet erkämpft. Pähtz hat sich am Spitzenbrett super geschlagen, herausragend war auch Savina, die mit sechs aus möglichen sieben Punkten aus dem Turnier herausging und am Ende zur besten Spielerin an Brett drei erklärt wurde. Pähtz wurde mit vier Punkten viertbeste Spielerin an Brett 1.

 

Bestens motiviert kehrten das Team zurück und bereitet sich derzeit auf den Start der Frauenbundesliga vor – am ersten Spielwochenende [27. und 28. September] trifft Bad Königshofen als Gastgeber gleich auf Vizemeister Baden-Baden.

 

 

Runde 1:

Rishon Letzion 0,5 : 3,5 SC Bad Königshofen                                                         

Efroimski, Marsel       ½ : ½   Pähtz, Elisabeth

Madivani, Maka         0 : 1     Mkrtchian, Lilit

Vardi, Shlomit           0 : 1     Savina, Anastasia

Federovski, Adi         0 : 1     Schöne, Maria

 

Runde 2

SC Bad Konigshofen 1,5 : 2,5 Batumi Chess Club „Nona“      

Pähtz, Elisabeth          ½ : ½ Khotenashvili, Bela

Mkrtchian, Lilit         ½ : ½   Melia, Salome

Savina, Anastasia       ½ : ½   Batsiashvili, Nino

Schöne, Maria         0 : 1        Mikadze, Miranda

 

Runde 3

Cercle d’Echecs de Monte-Carlo 2,5 : 1,5 SC Bad Konigshofen

Hou, Yifan                 ½ : ½   Pähtz, Elisabeth

Muzychuk, Anna        ½ : ½ Mkrtchian, Lilit

Lagno, Kateryna        ½ : ½ Savina, Anastasia

Skripchenko, Almira  1 : 0   Schöne, Maria

 

Runde 4:

SHSM Nashe Nasledie   2 : 2 SC Bad Konigshofen

Gunina, Walentina        ½ : ½           Pähtz, Elisabeth

Kosteniuk, Alexandra               ½ : ½            Mkrtchian, Lilit

Girya, Olga                      0 : 1           Savina, Anastasia

Kovalevskaya, Ekaterina 1 : 0           Schöne, Maria

 

Runde 5:

SC Bad Konigshofen   4 : 0 Herzliya Chess Club 4:0

Pähtz, Elisabeth           1 : 0   Len, Irina

Mkrtchian, Lilit             1 : 0  Yakovleva, Tatiana

Savina, Anastasia         1 : 0   Lian, Marina

Schöne, Maria             1 : 0    Haitovich, Avital

 

 

Runde 6:

Ugra 3 : 1 SC Bad Königshofen

Ushenina, Anna       1 : 0       Pähtz, Elisabeth

Pogonina, Natalija   1 : 0       Mkrtchian, Lilit

Kovanova, Baira       0 : 1      Savina, Anastasia

Shadrina, Tatiana     1 : 0       Schöne, Maria

 

 

Runde 7:

SC Bad Königshofen 2,5 : 1,5         Ladya

Pähtz, Elisabeth          1 : 0   Galliamova, Alisa

Mkrtchian, Lilit          ½ : ½ Zatonskih, Anna

Savina, Anastasia       1 : 0   Atalik, Ekaterina

Schöne, Maria            0 : 1    Zaiatz, Elena

 

Endstand des Frauen-Europapokals 2014

 

  1. Batumi Chess Club „Nona“ [Georgien] 14:0 Mannschaftspunkte, 2. Cercle d’Echecs de Monte-Carlo 10:4, 3. SHSM Nashe Nasledie 9:5, 4. Ugra [beide Russland] 8:6, 5. SC Bad Königshofen 7:7, 6. Ladya [Russland] 6:8, 7. Rishon Letzion 2:12, 8. Herzliya Chess Club[beide Israel] 0:14.

 

[Redaktion Raymund Stolze]

 

Bildunterschriften:

  • IM Anastasia Savina war mit sechs von möglichen sieben Punkten beste Spielerin der EU-Meisterschaft an Brett drei.
  • Kurios: Sechs Bad Königshöfer Spielerinnen saßen sich gegenüber beim Duell zwischen dem SC Bad Königshofen und dem Moskauer Team SHSM – am Spitzenbrett traf Elisabeth Pähtz [rechts] auf Europameisterin Walentina Gunina
  • Ankunft in Bilbao: Mannschaftsführer Rene Gabel begleitete sein Bad Königshofer Team zum Europacup: Lilit Mkrtchian, Elisabeth Pähtz, Maria Schöne und Anastasia Savina [von links]

 

Fotos: Rene Gabel

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