Das ALLES kann Mädchenschach …


Ein persönlicher Saison-Rückblick von EBERHARD SCHABEL, Mannschaftsführer des Frauen-Zweitliga-Teams von TuRA Harksheide

 

Abschluß 2015

Abschluß 2015

Eine richtig gute Öffentlichkeitsarbeit für den Schachsport kann ein ehrenamtliches Webseite-Team niemals allein machen. Da braucht es vor allem vielfältige Unterstützung durch unsere Besucher. So wie die von Eberhard Schabel von TuRA Harksheide [ www.tura-jugendschach.de ].

 

„Zum Thema Mädchen/Frauenschach, möchten wir auch diesmal wieder einen kleinen Rückblick auf die vergangene Spielzeit innerhalb der 2. Frauen-Bundesliga schicken. Natürlich aus unserer Sicht.

 

Im vergangenen Jahr freuten wir uns, dass unser Bericht mit der Überschrift „Sie wollen nur spielen“ bei Ihnen veröffentlicht wurde, und so hoffen wir auch diesmal darauf, dass unsere Eindrücke Zugang auf ihren Medien findet…“, so der Mannschaftsführer des wohl jüngsten Frauen-Zweitliga-Teams – und das nicht nur in der West-Gruppe.

 

Emily Rosmait

Emily Rosmait

Gern veröffentlichen wir seinen Beitrag und erinnern einmal schon daran, dass am kommenden Wochenende [18./19. April] die letzte Doppelrunde in der Frauen-Bundesliga ansteht …

 

Auch nach unserer dritten Spielzeit innerhalb der 2. Frauen-Bundesliga bleiben unsere Mädchen auf Bundesebene präsent. Dabei standen die Vorzeichen diesmal nicht so günstig, wie noch in der Vorsaison. Mit dem SV Holstein Quickborn und dem SV Horst-Emscher kamen zwei spielstarke Teams in die 2. Liga Gruppe West. Zudem rückte der SV Mülheim- Nord I, nach dem freiwilligen Abstieg aus der 1. Liga in die West-Staffel, und auch der SK Doppelbauer Kiel verblieb nach dem „Aufstiegsverzicht“ in unserer Staffel.

 

Eine weitere neue Situation war die Umsetzung des Beschlusses, dass jedes Frauenteam ab Bundesebene nunmehr pro Wettkampf vier Gastspielerinnen einsetzen durfte. Eine Regelung, die aus unserer Sicht, einer positiven Mädchenschacharbeit in Deutschland nicht gerade förderlich ist. Und dennoch hatten auch wir uns darauf einzustellen und nutzen diesen Umstand natürlich für unsere jeweilige Aufstellung.

 

Wie in den Spielzeiten zuvor, bestand unser Kader auch diesmal ausschließlich aus jungen Spielerinnen. Unser Team ging mit einem Durchschnittsalter von 15,9 Jahren in die Saison 2014/15. Ziel war der Ligaerhalt um weiterhin an den kommenden Aufgaben zu wachsen.

 

Unser Team vor dem Ligastart:

Luise Diederichs (16 Jahre)

Annika Polert (17)

Carina Brandt (20)

Annika Evers (20)

Nathalie Wächter (14)

Inken Köhler (12)

Emily Rosmait (16)

Anna-Blume Giede (14)

Anna-Lena Schramm (16)

Luisa Janke (14)

 

Inken Köhler

Inken Köhler

Die ersten beiden Runden wurden in Delmenhorst gegen Quickborn [3:3] und die Mannschaft von Doppelbauer Kiel [1:5] gespielt. Ohne unserer Spitzenspielerin Luise Diederichs, die zu diesen Zeit in Südafrika bei der Jugend- WM weilte, taten sich unsere Mädchen sehr schwer und gingen aus der 1. Doppelrunde als Tabellenletzte raus. Kein guter Start und dennoch viel Luft nach oben.

 

Unser 2. Wochenende spielten wir beim Aufsteiger SV Horst-Emscher. Der Spielsaal befand sich in einem Schloss. und mit dem 3:3 gegen die Gastgeberinnen und dem überraschen hohen 5:1 gegen den SV Heiden, spielten unsere Mädchen wie kleine Königinnen. Lohn hierfür war Platz 5 nach vier Spielen und ein Polster von zwei Teampunkten zu den beiden Abstiegsplätzen.

 

Im Dezember folgte das Match gegen unsere Reispartnerinnen Delmenhorster SK. Das sportliche Ziel war mindestens ein Remis, um weiter im sicheren Mittelfeld zu verweilen. Daraus wurde nach sechs Stunden spannendem Kampf nichts, denn wir verloren knapp 2,5:3,5. Zwar verblieben wir auf Platz 5, aber der Abstand zum ersten Abstiegsplatz schmolz auf einen Brettpunkt zusammen.

 

Luise Diederichs

Luise Diederichs

Das 3. Doppelrunden-Wochenende versprach somit ganz viel Spannung hinsichtlich der Abstiegsfrage. Platz 1 war vor dem Saisonfinale fast sicher an den SK Doppelbauer Kiel vergeben. Ab dem SV Heiden [2. Platz] befanden sich alle Teams im Kampf um den Liga-Erhalt. Neben Quickborn war unser Verein Ausrichter der letzten Runden und nach einem holprigen Start, gelang es am 1. Tag den SV Wattenscheid knapp und etwas glücklich mit 3,5:2,5 zu bezwingen. Ein wichtiger Sieg und bis auf einen, noch fehlenden halben Brettpunkt, war für uns der erneute Ligaerhalt gesichert. Ein wirklich schönes und befreiendes Gefühl für unser junges Team. Das finale Match war zugleich auch das Spiel um Platz 2, hinter den feststehenden Meisterinnen aus Kiel. Die Gegnerinnen waren die Frauen und Mädchen des SV Mülheim- Nord und auch diesmal wurde es sehr eng bevor mit 3,5:2,5 erneut ein knapper Gewinn für unsere Mädchen fest stand.

 

Zum Saisonschluss konnten wir uns über unsere bisher beste Platzierung und den VIZE-Titel der 2. Frauen-Bundesliga Staffel West freuen. Während wir dem SV Quickborn, aus unserem Bundesland, fest die Daumen für den Ligaerhalt gedrückt hatten [leider vergebens], gehen auch hier unsere Glückwünsche nach Kiel zur überlegenen Meisterschaft 2014/15.

 

Saisonfazit aus Sicht des TuRa SCHACH:

 

Unsere Spielerinnen sind auch 2014/15 weiter zusammen gewachsen und konnten mit guten Ergebnissen ihr weiteres gestiegenes Schachwissen nachweisen. Dies zeigte sich nicht immer nur unbedingt an zählbaren Punkten. Aber natürlich sind Brettergebnisse entscheidend für die Spielausgänge und so freuen wir uns mit Emily Rosmait, die aus sieben Runden 5,5 Punkte erobern konnte. Ebenfalls fleißige “Sammlerinnen” waren Nathalie Wächter und Inken Köhler, die Beide 4 aus 7 erspielen konnten.

 

Nr. Name Alter DWZ Pkt Sp. %
1 Diederichs, Luise (G) 17 2000 3 5 60
2 Polert, Annika 18 1837 1 1 100
3 Brandt, Carina (G) 20 1827 6 25
4 Evers, Annika (G) 20 1816 ½ 7 7
5 Wächter, Nathalie (G) 15 1886 4 6 67
6 Köhler, Inken 13 1765 4 7 57
7 Rosmait, Emily 17 1830 7 79
9 Schramm, Anna-Lena 17 1410 1 1 100
10 Giede, Anna-Blume 14 1483 1 2 50

 

12

Stehend v. l.: Annika Evers, Anna-Lena Schramm, Inken Köhler, Nathalie Wächter,

Sitzend v. l.: Emily Rosmait und Luise Diederichs

 

WICHTIG für uns war jedoch nach dem Ende des Spieljahres, die Erkenntnis, dass unser junges Team sich weiter in der 2. Frauen- Bundesliga etablieren konnte. Wohin unser Weg in den nächsten Jahren führen könnte, ist noch nicht Gewiss, was jedoch sicher ist, ist der Fakt, dass TuRa SCHACH auch weiterhin jungen Spielerinnen die Chance geben möchte, als Team so hoch wie möglich zu spielen. Dabei bieten wir nicht nur Einsätze in unserem Team, sondern helfen dabei mittels Training und Turnierbetreuung, die Mädchen weiter beim Schach zu halten.

 

Sicherlich ist es natürlich einerseits ein Vorteil, dass unser Team noch jung und damit Entwicklungsfähig ist, allerdings ist es andererseits natürlich auch so, dass unsere jungen Spielerinnen in ihrer Lebensplanung noch am Anfang stehen und wir nicht vorhersehen können, wo die Reise bei unseren Mädchen zukünftig noch hingehen wird. Aus diesem Grund sind wir seit Jahren dabei bereits eine nächste Generation junger Mädchen an unser erstes Team heran zu führen.

 

Nathalie Wächter

Nathalie Wächter

Ein erstes Sprungbrett für die Spielerinnen wird dabei wieder unser U 14-Mädchen-Team sein, wo wir bisher seit neun Jahren ununterbrochen auf deutscher Ebene erfolgreich dabei sind. So wurden Annika Polert, Anna-Lena Schramm, Inken Köhler und Luise Diederichs 2010 Deutscher Meister, nachdem bereits 2009 Platz 2 erobert werden konnte. Anna-Blume Giede, Nathalie Wächter und Luisa Janke gelang es 2014 ebenfalls Deutsche VIZE in der gleichen Altersklasse zu werden. Mit Carina Brandt und Emily Rosmait waren zudem zwei weitere Spielerinnen mit ihrem Team bei der U 20w im Jahr 2013 sehr erfolgreich, denn sie eroberten bei der Deutschen Vereinsmannschaftsmeisterschaft Bronze.

 

Dabei ist „Schach für Mädchen“ auch für unseren Verein kein Selbstläufer und es ist nicht selbstverständlich, dass jedes Jahr wieder neue spielstarke weibliche Talente in das Team hinein wachsen, aber dies führt bei TuRa SCHACH nicht dazu, dass wir darauf setzen würden „fertige“ Spielerinnen etwa aus Osteuropa, zu motivieren bei uns zu spielen.

Dies würde doch auch bedeuten, dass selbst wenn wir eines Tages es schaffen sollten, in die „Beletage“ des nationalen Frauenschachs aufzusteigen, es so sein wird, dass dann beispielsweise die Großmeisterinnen anderer Vereine unseren jungen Mädchen gegenüber sitzen werden und es dann mit Sicherheit nicht leicht haben, sie zu bezwingen  🙂  .

 

Nicht nur wir sind gespannt, wie sich das Mädchenschach bei TuRa Harksheide weiter entwickeln wird, aber was jetzt schon sicher ist, ist die Tatsache, dass es sich immer lohnt Mädchenschach im Verein zu pflegen und zu hegen. Unsere Mädchen danken es uns mit viel Freude, Spaß und Lust auf Schach als Spiel und Sport.

 

Übrigens… dass erste Mal Wettkampfschach erlebten die meisten Spielerinnen unseres Teams beim „Schach auf dem Reiterhof“. Ein Projekt was dieses Jahr sein 10-Jähriges feiert und wo auf der Webseite http://www.maedchenschach.de/index.html mehr zu erfahren ist. Einfach einmal vorbei schauen!

 

Zum Abschluss geht unser Dank an unseren Hauptverein TuRa Harksheide von 1945, unseren Eltern und Fans, die gerade bei unserem Heim- Wochenende uns zahlreich unterstützten und unserem Sponsor „Wabfis- Schachschule“ [ www.wabfis.de ], der uns vor allem finanziell half, die Saison 2014/15 erfolgreich zu bestehen.

 

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P.S.: Übrigens kann es mit dem erwähnten Aufstieg durchaus viel schneller gehen als von Eberhard Schabel gedacht. Sollte nämlich der Westmeister Doppelbauer Kiel erneut nicht sein Aufstiegsrecht wahrnehmen wollen, sind die Mädchen aus Harksheide gefragt, ob sie in der kommenden Spielzeit 2015/16 sich auf das Abenteuer Frauen-Bundesliga einlassen wollen …

 

[Redaktion Raymund Stolze]

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