Der „Blindspieler“ tritt wieder auf …

Weltrekordler MARC LANG äußert sich exklusiv für den Schach-Ticker über eine außergewöhnliche Simultanshow am 18. April im Berliner Cafe „en passant“

 

MARC LANG

MARC LANG

Vom SCHACH-Chefredakteur Raj Tischbierek kam der Terminvorschlag für ein längst überfälliges Treffen. Am 18. April, also nächsten Sonnabend, würde er eine außergewöhnliche Blindschach-Veranstaltung in Berlin moderieren, was natürlich meine journalistische Neugierde weckte. Ort des Geschehens ab 14 Uhr wird das Schach-Cafe „en passant“ in der Schönhauser Allee 58 sein.

 

Katja Sommaro, Abteilungsleiterin Schach des ausrichtenden Vereins SV Berolina Mitte, teilte mir mit, dass an 14 Brettern gespielt wird: viermal Normalschach, einmal Fischer Random Chess, einmal Backgammon, dann Tandem, einmal Mühle, zweimal Räuberschach, zweimal Atomschach und dann noch ein exotisches Spiel (wahrscheinlich Schachzwo). Der Eintritt zu der faszinierenden Veranstaltung ist natürlich frei. „Es wird sicherlich ein vergnüglicher Nachmittag. Vorm En Passant werden wir auch Schachbretter und Uhren zum Blitzen zur Verfügung stellen“, so Katja.

 

Als ihre E-Mail bei mir eintraf, hatte ich allerdings schon zu Marc Lang, dem „Blindspieler“, Kontakt aufgenommen, dessen verblüffende Auftritte ich sowohl auf der DSB-Webseite als auch nach meinem Rücktritt als Referent für Öffentlichkeitsarbeit danach beim Schach-Ticker mit Beiträgen begleitet habe. Auffällig ist dabei, dass Marc sich immer wieder neue Herausforderungen sucht. Und das wird auch dieses Mal in Berlin der Fall sein.

 

Obwohl der Schwabe aktuell bissle „Druck“ hatte , weil er auf dem Sprung nach Schwäbisch Hall war, um das Bundesliga-Wochenende zu übertragen – „Ich mache dort auch die Videoübertragung und da dabei ein paar neue Kameras zum Einsatz kommen werden, bin ich noch eifrig am Testen, damit auch ja nix schief geht. Hier finden Sie das Intro bzw. den Trailer dazu: https://www.youtube.com/watch?v=RcH_yt3ocIk&hc_location=ufi , der wurde heute in einer langen Nachtsitzung gerade noch rechtzeitig fertig.“ – gab er mir am Donnerstag [9. April] bereitwillig Auskunft, und noch dazu schriftlich …

 

Fangen wir an mit der Vorbereitung. Wie so oft würde ich gerne, doch dann fehlt es mir an der Zeit. Ich hab einmal einen kurzen Test (bis ca. Zug 10) gemacht und ansonsten alles bei Spaziergängen gedanklich durchgespielt, aber eine echte Vorbereitung war praktisch unmöglich. Beruflich hatte ich zu viel zu tun und dann kamen noch die Osterferien dazu – beide Kinder sind zu Hause und verlangen (zu Recht) nach ihrem Papa. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für konstruktive Vorbereitung und abends ist man dann zu platt dafür.

 

Ob es Vorgänger gibt – offen gestanden weiß ich es nicht. Vermutlich eher nicht. Gäbe es welche, dann würde ich es vermutlich auch nicht (so) machen wollen. Ich suche halt immer nach Formaten, von denen ich hoffe, dass sie das Publikum faszinieren, Presse anlocken und somit einen positiven Effekt auf unseren Sport haben. Ob es letztlich machbar ist oder nicht, kann ich nicht sagen. Ich hoffe halt immer, dass es schon „irgendwie“ gut geht. Bislang hat es geklappt, aber irgendwann wir es mich schon mal erwischen (hinsichtlich des Verlusts der Übersicht und ähnlicher kleiner Katastrophen). Zumal Katja noch zwei Dinge vergessen hat. Am Tag der Veranstaltung bekomme ich beim Frühstück noch einen Zettel mit einer 1000-stelligen Zahl und eine Datei mit 50 vom Veranstalter ausgesuchten Schachstellungen ausgehändigt. Beides muss ich mir bis zum Veranstaltungsbeginn einprägen – und das wird dann während des Events immer mal wieder abgefragt. Die 1000-stellige Zahl schreibe ich dann auf – immer mal wieder ein paar Dutzend Ziffern; man kann sich das so vorstellen, dass es quasi ein virtuelles 15. Brett gibt, an dem ich diese kleinen „Extras“ dann immer statt eines Zuges mache. Zu den 50 Stellungen dagegen bereiten die Organisatoren Fragen vor, die ich beantworten muss. Etwa: „Wo steht der weiße König in Stellung Nr. 17?“. Solche Dinge eben.

 

Ob ich tatsächlich eine 1000-stellige Zahl schaffe, ist allerdings offen. Ich lasse sie mir halt mal geben und lerne sie dann soweit auswendig, wie ich komme. Gewisse Sorgen bereitet mir das Spiel „Schachzwo“, das habe ich noch nie gespielt und ehrlich gesagt kenne ich noch nicht einmal die Regeln so genau. Das wird schwer werden, hier gegen Katja, die das Spiel ja soweit ich weiß, mit erfunden hat, irgendwie mitzuhalten.

 

Beweisen…will ich etwas beweisen? Eher nicht. Mein Antrieb ist ein ziemlich alberner, ehrlich gesagt. Ich liebe diesen Moment, wenn man den Veranstaltern etwas komplett Hirnrissiges vorschlägt, diese dann ungläubig den Kopf schütteln – und dann setzt man noch ein, zwei Dinge drauf, bis sie endgültig glauben, dass man den Verstand verloren hat. Meistens bereue ich das dann kurze Zeit später wieder, aber ohne dass irgendwann ein Lerneffekt eintritt 🙂 .

 

Meine Rekorde? Keine Ahnung, muss ich selbst nachschauen :-). [Smiley einbauen!!] Nun ja, da wäre der „normale“ Weltrekord im November 2011 gegen 46 Gegner in Sontheim (+25 =19 –2, und dann gibt es noch die beiden Veranstaltungen mit Uhr, über die man, wenn man so viel Energie hat, im Hinblick auf ihre „Weltrekordlichkeit“ natürlich streiten kann: Einmal das Blindblitz im Juli 2011 auf dem Straßenfest in Sontheim, wo ich 60 Blindblitzpartien nacheinander zu dröhnender Blasmusik gespielt habe (wenn man so geschrieben vor sich sieht, wird’s irgendwie noch alberner :-).[Smiley einbauen!!!] Aber die Musik klingt mir heute noch im Ohr. Das Endergebnis hatte ich vergessen und musste ich nachschauen: 50,5:9,5) und dann der Wettkampf gegen 13 Gegner im Schnellschach 2013 (Anfang November) in Zürich. Das ging am Ende deutlich für mich aus (10,5:2,5, wenn ich mich recht erinnere), war aber extrem anstrengend. Unter Zeitdruck zu spielen ist im Blindsimultan eine echte Tortur, weswegen ich das aktuell nicht mehr spielen mag. Zudem ist der Aufwand eine Katastrophe und die von mir ein wenig schludrig programmierte technische Seite sehr anfällig für Ausfälle.

 

Wenn wir aber schon mal dabei sind: *Eventuell* gibt es 2017 eine Neuauflage des Weltrekordversuchs, diesmal an 64 Brettern. Warum gerade 64, liegt irgendwie auf der Hand, das wäre eine wirklich schöne, „magische“ Zahl, was den Versuch allein schon rechtfertigen würde. Warum nicht einfach 47? Nun, das kann man aus dem, was ich weiter oben gesagt habe, logisch ableiten – ich konnte mich halt nicht beherrschen :-) .

 

Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass beispielsweise ein Sergej Bubka immer wieder Massen faszinieren konnte, wenn er seinen Weltrekord im Stabhochsprung zentimeterweise verbessert hat. Aber so ein Sprung dauert auch nur eine Minute, ein großes Weltrekord-Blindsimultan dagegen 24 Stunden (und mehr). Das kann man den Leuten nicht allzu oft zumuten und wenn, dann nur im Rahmen eines großen „Gesamtevents“. Schauen Sie sich z.B. mal das hier an, das wäre mein persönlicher, großer Traum: https://www.youtube.com/watch?v=3MzNe1f-5_o . So muss (und kann) man meines Erachtens Schach prima vermarkten. Schach nicht als „Alleinunterhalter“, sondern als Zugpferd, während um das Schach herum alles Mögliche noch passiert, so dass gerade auch Familien mit Kindern (und das ist meiner Meinung nach. das Allerwichtigste) gerne kommen, den halben Tag dabei verbringen und sich trotzdem nicht langweilen. Wenn man so etwas auf die Beine stellt, muss man, denke ich, nicht lange nach Sponsoren fragen. Klar, das ist aber natürlich auch ein enormer Organisationsaufwand. Wie auch immer, wie (und ob überhaupt) das 2017 stattfindet, ist aktuell noch offen. Schön wäre es jedenfalls …

 
Beste Grüße, Marc Lang
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P.S. Wer mehr Infos über Marc Lang und seine beeindruckenden Schachaktionen wissen will, der sollte einfach seine Webseite http://www.blindsimultan.de/ besuchen – lohnt sich wirklich!

 

Und noch ein heißer Tipp: Wenn ein Verein oder Unternehmen gerne mit einem publikums- und medienwirksamen Blindsimultan für sich werben und/oder mediale Aufmerksamkeit erzielen möchte, steht Marc Lang gerne für einen Schaukampf an bis zu 15 Brettern zur Verfügung. Wie das möglich werden kann – siehe Link http://www.blindsimultan.de/index.php/marc-herausfordern .

 

„Die Spielstärke meiner Gegner ist mir dabei nicht wichtig; ich habe auch kein Problem damit, von einer starken Gegnerschaft den Hintern versohlt zu bekommen 🙂  – was für mich zählt ist einzig der Spaß und der Trainingseffekt. Besondere Ansprüche an einen Veranstaltungsort bestehen nicht; es sollte natürlich nicht übermäßig laut sein …“ Also, nutzen Sie Ihre Chance und fordern den Meister im Blindsimultan doch einfach heraus!

 

[ Redaktion Raymund Stolze ]

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