Großer Respekt, Nona!

Die Russin Alexandra Kostenjuk (Foto) gewinnt die Schnellschach-Europameisterschaft. Platz 6 für Elisabeth Pähtz – Ein Bericht von RAYMUND STOLZE

 

Auf der Abschlussfeier singen der GM Emil Sutovsky (Präsident der Association of Chess Professionals) und IM Elisabeth Paehtz

Für die georgischen Gastgeber war mit Abschluss der 15. Frauen-Europameisterschaften in Chakwi die „Schach-Hochzeit“ noch lange nicht zuende. Wer von den 98 Teilnehmerinnen wollte oder auch konnte, der war herzlich nach Kutaissi zur Schnellschach-EM eingeladen. Von den TOP 10 der kontinentalen Titelkämpfe im Klassischen Schach reisten mit Natalja Schukowa und Nino Batsiashwili die Gold- und Silbermedaillengewinnerinnen sowie Salome Melia [8.] und Inna Gaponenko [9.] immerhin ein Quartett in der zweitgrößten Stadt Georgiens. Mit Walentina Gunina und Alexandra Kostenjuk, die in Chakwi noch pausiert hatten, stieß außerdem ein aussichtsreiches Duo zu den insgesamt 50 Starterinnen dazu. Mit dabei waren unter ihnen die beiden Deutschen Elisabeth Pähtz und Zoya Schleining.

 

Und die große „alte Dame“ des Frauenschachs Nona Gaprindaschwili (Foto: by Emil Sutovsky), die am 3. Mai ihren 74. Geburtstag gefeiert hat und zuvor den zweiten EM-Titel bei den Seniorinnen 65+ gewonnen hatte [ http://de.wikipedia.org/wiki/Nona_Gaprindaschwili ].

 

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Wer der dachte, dass Nona, die als erste Frau der Welt 1978 den Großmeistertitel erhalten hatte, ihren Auftritt lediglich als PR-Gag nutzten würde, der irrte sich gewaltig. So stand beispielsweise in Runde 10 unsere Zoya Schleining nach 18 Zügen ziemlich schlecht, wie das Diagramm zeigt:

 

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Es folgte 19.Df1 d5 20.f3 b6 21.c4, doch in Zeitnot – gespielt wurde mit einem Modus von 15 Minuten plus 10 Sekunden pro Zug – griff nun die fünfte Weltmeisterin der Schachgeschichte [1962-1978] mit 21… Sxf5? fehl [richtig ist 21…d4!] und verlor zwangsläufig die Partie. In der finalen Runde folgte aber eine schneller Sieg, was unterm Strich 5,5/11 und Platz 27 nach Wertung für sie bedeutete. Großer Respekt, Nona! Und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir die bewundernswerte Georgierin vielleicht schon in diesem Jahr beim vierten Dresdener Schachlegendentreffen begrüßen können. In der Vergangenheit war Nona Gaprindaschwili jedenfalls eingeladen worden, hatte aber wegen wichtiger persönlicher Verpflichtungen absagen müssen.

 

Dass Alexandra Konstantinowa Kostenjuk in Kutaissi ausgeruht an den Start ging, dürfte für die zwölfte Frauen-Weltmeisterin [2008-2010] schon ein Vorteil gewesen sind. Hinzu kam, dass diese Veranstaltung auf drei Tage verteilt wurde, also zweimal vier und einmal drei Partien zu spielen waren. In der ersten Etappe war die 31-Jährige noch nicht in der Spitze zu finden. Mit 4/4 dominierten zu diesem Zeitpunkt Inna Gaponenko und mit Antoaneta Stefanowa ein weitere Frauen-Weltmeisterin im Klassischen Schach [2004-2006], dicht gefolgt von Deutschlands Nummer 1 Elisabeth Pähtz mit 3,5/4. Aber am zweiten Tag übernahm das Weltmeister-Duo Stefanowa & Kostenjuk die Führung [je 6,5/8], während Elisabeth mit nun 1,5/4 doch auf Platz 8 zurück fiel. Noch einen Punkte weniger hatte Zoya mit 4/8.

 

Der letzte Durchgang am Mittwoch [3. Juni] gestaltete sich dann durchaus hoch dramatisch. Für die Russin wurde der Sieg im Spitzenduell gegen die Bulgarin in Runde 9 zum wichtigen Weichensteller in Richtung EM-Titel. Danach schlug sie auch Inna Gaponenko, was sie ihr mit 8,5 Punkten die alleinige Tabellenführung brachte. Mit einem halben Punkt Rückstand folgte Alexandras Landsfrau Walentina Gunina, auf den Plätzen 3-5 lauerte im Kampf um Silber und Bronze das Trio Antonaneta Stefanowa, Nino Batsiashwiliund Natalja Schukowa mit jeweils 7/10.

 

Die Ansetzungen in der Schlussrunde waren nicht ohne Zündstoff: Kostenjuk–Batsiashwili, Schukowa–Gunina und Stefanowa–Melia [Georgien]. Klar war nur, dass Walentina unbedingt einen Sieg brauchte, um Alexandra vom Thron zu stoßen, und diese durfte sich in einem solchen keinen Fall Niederlage leisten. Doch Walenina verlor überraschend gegen die georgische Team-Weltmeisterin und konnte somit die große Chance nicht nutzen, denn für Alexandra gab es tatsächlich eine „Null“.

 

Die neue Schnellschach-Europameisterin heißt also Alexandra Kostenjuk [8,5/11], während ihre Gegnerin Nino Batsiashwili Bronze hinter Walentina Gunina gewinnen konnte. Für Natalja Schukowa bleibt nach ihrem zweiten EM-Titel im Klassischen Schach nach der Premiere im Jahr 2000 in dem Trio mit jeweils 8/11 nur der undankbare vierte Platz durch die schlechteste Wertung.

 

Was unsere beiden deutschen Teilnehmer angeht, so belegte Elisabeth Pähtz mit 7,5/11 einen guten sechsten Rang, Zoya Schleining wird mit 6,5/11 in der Tabelle als 17. geführt.

 

Alle Partien zum Nachspielen finden Sie unter dem Link http://www.chessbomb.com/arena/2015-ewcc-r, die komplette Statistik mit den Einzelergebnissen sowie den entsprechenden Tabellen bietet wie immer der Service von Chess-Results.com – ausdrücklicher Dank an Heinz Herzog! – unter   http://www.chess-results.com/tnr164130.aspx?lan=0&art=1&rd=11&turdet=YES&flag=30&wi=984 .

 

PS.: Auf der Abschlussfeier singen der GM Emil Sutovsky (Präsident der Association of Chess Professionals) und IM Elisabeth Paehtz ein altes russisches Volkslied.

Das Lied heißt: milenki ty moi
Das bedeutet: “Mein kleiner Schatz”
Der Text:
Sie singt: Mein kleiner Schatz, nimm mich mit weit ins ferne Land. Dort will ich deine Frau sein.
Er antwortet: Ich würde dich gerne mitnehmen, aber im fernen Land habe ich bereits eine Frau.
Sie singt: Mein kleiner Schatz, nimm mich mit weit ins ferne Land. Dort will ich deine Schwester sein.
Er antwortet: Ich würde dich gerne mitnehmen, aber im fernen Land habe ich bereits eine Schwester.
in der letzten Strophe will sie seine Fremde sein und er erwidert dass er eine Fremde nicht gebrauchen kann.

 

Fotos: ChessPro

 

 

Fotos: Emil Sutovsky

 

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