Drei Männer und eine Frau …

Beim 34. Mitropa-Cup in Mayrhofen/Österreich spielt Elisabeth Pähtz im deutschen Open-Team mit – Eine Vorschau von RAYMUND STOLZE

 

IM Elisabeth Pähtz (by Jürgen Müller)

IM Elisabeth Pähtz (by Jürgen Müller)

Mag sein, dass der Mitropa-Pokal im Schach zu Unrecht ein Schattendasein führt. Das liegt nicht etwa an der Idee, ein Turnier aus der Mitte Europas alljährlich zu veranstalten. Die tolle Idee stammt von Gertrude Wagner [* 26. Juni 1925, † 25. Oktober 2009] Die Österreicherin war immerhin u.a. eine international sehr geschätzte Schiedsrichterin und der Höhepunkt für sie war in dieser Funktion sicherlich der Weltmeisterschaftskampf 1981 zwischen Anatoli Karpow und Viktor Kortschnoi in Meran, den Gertrud Wagner gemeinsam mit Hauptschiedsrichter Paul Klein aus Ecuador leitete.

 

Vom 13. bis 22. Juni gibt es nun die bereits 34. Auflage, und das in ihrem Heimatland. Im Congress Zillertal in Mayrhofen werden in der Open Klasse zehn Viererteams aus zehn Ländern an den Start gehen. Das Teilnehmerfeld der Nationen bei den Frauen, wo nur „Zweier“-Mannschaften um den Pott spielen ist fast identisch, sieht man vom Fehlen der Französinnen ab, für das ein zweites Team der Gastgeber in die Bresche springen wird.

 

TurnierseiteResultate Open SectionResultate Frauen SectionLIVE Beginn der Partien ab 15 Uhr (14. bis 22.6.)

 

Beim Blick auf die Aufstellungen fällt eine Personalie sofort besonders auf. Im deutschen Open-Team wird Elisabeth Pähtz [Elo 2458] an Brett 4 mit von der Partie sein. Vor ihr werden die frisch gebackenen Großmeister Matthias Blübaum [2600] und Dennis Wagner [2569], für die es der letzte Wettkampf im Rahmen des DSB-Schachjahres ist, sowie der IM Andreas Heimann [2551] agieren. Ich denke, dass das deutsche Mannschaft in jedem Fall bei der Vergabe des Mitropa-Pokals ein gewichtiges Wort mitsprechen dürft. Allerdings wollen auch die Österreicher, die bisher lediglich ein einziges Mal 1977 in Bad Kohlgrub auf dem Siegerpodest standen [u.a. mit Karl Robatsch!], kräftig um Platz 1 mitmischen. So wurden für die beiden Spitzenbretter immerhin Markus Ragger [Elo 2676] und David Shengelia [2569] nominiert.

 

Bei der Premiere 1976 in Innsbruck hieß der Sieger übrigens Bundesrepublik Deutschland. Den allerersten Mitropa-Cup gewannen damals Hans Joachim Hecht, Hans Guenter Kestler, Johannes Eising, Rudolf Teschner und Klaus Wockenfuss. Insgesamt trugen sich deutsche Teams siebenmal in die Siegerchronik der Open Section ein, zuletzt 2011 im Merlimont/Frankreich. Damals waren bereits Matthias Blübaum und Andreas Heimann dabei. Letzterer ist überhaupt ein erfahrener Mitropa-Cup-Spieler, denn im Vorjahr stand er auch im deutschen Silber-Team in Ruzomberok/Slowakei.

 

Was Elisabeths Teilnahme angeht, so dürfte es ein Novum in der Geschichte dieses Wettbewerbs sein, dass eine Frau allein unter drei Männer aufgeboten ist, aber ich denke einmal, dass sich Bundestrainer Dorian Rogozenko dabei durchaus etwas gedacht haben wird …

 

Obwohl mit Gertrude Wagner eigentlich eine Frau „Mutter der Veranstaltung ist“, mussten die Damen bis zum Jahr 2002 warten, ehe erstmals auch für sie die „Mitropa-Pokal-Stunde“ schlug. In Mayrhofen wird also erst der zwölfte Sieger gekürt.

 

Für das deutsche Team sind die beiden erfahren Nationalmannschafts-Spielerinnen Sarah Hoolt [Elo 2283[ und Judith Fuchs [2286] unterwegs, und eine Medaille sollte für das Duo drin sein: manchmal läuft es ja völlig anders. So wie 2012 in Sibenik/Kroatien, wo Julia Bochis und Jade Schmidt sensationell den bisher einzigen Pokalsieg für Deutschland holten.

 

Pokalverteidiger 2015 ist Italien, dessen Team mit Olga Zimina [2349], Elena Sedina [2326] und Marina Brunello [2301] auf Platz 2 der Setzrangliste hinter Ungarn [Szidonia Vajda/2351, Ticia Gara/2333 und Anna Rudolf/2348] liegt. Und vor den beiden Deutschen rangiert auch noch die Slowakei [Julia Kochetkova/2292, Veronika Gazikova].

 

Dann lassen wir uns doch einfach einmal von Sarah und Judith – sie stand im Vorjahr in Ruzomberok im deutschen Silber-Team – so richtig überraschen!

 

 

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