„Zug um Zug“ im Berliner Hauptbahnhof

Ein Erlebnisbericht von meiner Simultanpartie gegen GM Arik Braun beim 5. Schachfest von JULIA KIRST

 

Julia Kirst

„Zug um Zug“ und „Schach für alle!“ – mit diesen Slogans wurde seitens der Emanuel Lasker Gesellschaft für das 5. Schachfest im Berliner Hauptbahnhof (13. und 14. Juni 2015) geworben. Vor der Imbissbude McDonald’s hatte die Emanuel Lasker Gesellschaft ihre Zelte aufgeschlagen. Das Programm war vielfältig. Simultanschach am Samstag (GM Arik Braun) und Sonntag (WIM Filiz Osmanodja), etliche Schauvorführungen des Lebendschachensembles Ströbeck, ein Schnellschachturnier an beiden Tagen und ein Freundschaftsvergleichswettkampf im Schnellschach zwischen der Emanuel Lasker Gesellschaft und der Deutschen Bahn um den Pokal des Berliner Hauptbahnhofes am Samstag.

 

Ich war nur am Samstag beim Simultan mit von der Partie, sodass ich ausschließlich darüber berichte. Züge wurden nicht nur am Brett gespielt, sondern fuhren auch direkt unter uns mit donnerndem Getöse durch. Perfekter kann Werbung für Schach nicht sein.

 

Nun zu meiner Simultanpartie gegen GM Arik Braun, seines Zeichens Schachschwergewicht in Deutschland mit ELO 2559, dem Jugendweltmeistertitel u18 im Jahre 2006 sowie dem Deutschen Einzelmeistertitel 2009.

 

Soviel gibt es dazu nicht zu sagen. Nach Zugumstellung kommt ein Fianchetto-Königsinder aufs Brett. Damit vermeidet Weiß die sonst üblichen taktischen Komplikationen im Königsinder und setzt auf strategisches Spiel, um mögliche schwarze Aktivitäten auszutrocknen und dann seinen Raumvorteil siegbringend umzusetzen.

 

GM Arik Braun – Julia Kirst

 

Königsindische Verteidigung [E68]

 

  1. c4 d6 2. Sc3 Sf6 3. d4 g6 4. Sf3 Lg7 5. g3 0-0 6. Lg2 Sbd7 7. 0-0 e5 8. e4 a6 9. h3 Tb8 [Hier hätte ich auch 9… b5 versuchen können, denn Weiß kann den Bauern nicht gewinnen wegen 10. cxb5 axb5 11. Sxb5? La6 und Schwarz gewinnt Material. Aber der Textzug verdirbt noch nichts…] 10. Dc2 b5?? [… der allerdings schon. Schwarz verbleibt mit einer strategischen Ruine. Hier hätte ich z. B. 10… exd4 11. Sxd4 Se5 12. De2 c5 mit Gegenspielchancen am Damenflügel versuchen sollen.] 11. dxe5 dxe5 [Auch 11… Sxe5 ändert nicht viel, Schwarz steht einfach schlecht.] 12. Td1 De7 13. Sd5 Sxd5 14. cxd5 Nun ist es ersichtlich: Schwarz hat zu viele Schwächen am Damenflügel: rückständiger Bauer auf c7, schwache Felder c5 und c6 sowie schlechte Figurenkoordination. 14… Sb6 15. b3! Lässt Schwarz keine Chance. Seine Figuren sind zur Passivität verdammt. 15… f5 16. Sd2 f4 17. a4 fxg3 18. fxg3 Lh6 Auch das hilft nicht, sondern entwickelt eher noch die weißen Figuren. 19. Sf1 Lxc1 20. Taxc1 Tb7 Die perfekte Stellung für den Turm J 21. Kh2 Ld7 22. a5 Sc8 Das Gleiche gilt für den Springer J 23. Se3 Db4? Tempoverlust. Er lässt sich natürlich nicht von der Drohung des Bauernschnapps auf a5 beeinflussen. 24. Tf1 De7 25. Txf8 Kxf8

 

1
Weiß am Zug

 

Wie man sieht, steht Weiß deutlich überlegen. Die Frage ist nur: Wie gewinnt man am schnellsten? Sehr gute Spieler wie Arik finden den schnellsten Weg, auch wenn sie gleichzeitig gegen 24 weitere Gegner spielen. 26. d6!! Das Räumungsopfer lohnt sich, denn der Springer auf d5 wird ein Monster. 26… cxd6 27. Sd5 De6 28. Tf1+ Kg7 29. Df2 Kh8 30. Df8+ Dg8 31. Df6+ Dg7 32. Dd8+ und nach 32… Dg8 33. Tf8 verliert Schwarz die Dame. Daher: 1 – 0!

 

Nur schade, dass die Veranstaltung zumindest am Sonnabend nicht so zahlreich besucht war, wie ich angenommen hatte (ein „riesiges Event“ wurde mir angekündigt). Schade, denn die Veranstalter haben sich sehr große Mühe gegeben. Das soll hier an dieser Stelle unbedingt erwähnt werden, denn ohne ehrenamtlich aktive Schachfreunde ist so eine Veranstaltung nicht möglich!

Print Friendly, PDF & Email