Tolle Einschaltquote bei Junioren-WM

Bei Halbzeit der U20-Titelkämpfe liegt Matthias Blübaum (Foto) aussichtsreich im Verfolgerfeld – Filiz Osmanodja hat sich nach zuletzt vier Siegen in Folge zurückgekämpft

 

 

Ich gebe gern zu: Auch mein Blick gilt jeden morgen zunächst den Einschaltquoten des Schach-Ticker. So wurden am gestrigen Dienstag 164.058 Seitenaufrufe reshotgistriert, und was mich besonders freut: In den Popular Posts des letzten sieben Tage halten die Junioren-Weltmeisterschaften in Chanty Mansijsk mit den Live-Übertragungen souverän Platz 1!

 

Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Veranstalter ein tolles Angebot auf der WM-Webseite in Englisch und der Landessprache Russisch bereit halten [ http://wjcc2015.fide.com/category/news/ ]. So konnte beispielsweise mit Wladimir Barski der auch hier bekannte Schachjournalist und ehemalige Sekundant von Alexander Morosewitsch als Experte gewonnen werden. Der Internationale Meister unterzieht dabei in seiner Kolumne jede Runde einem höchst subjektiven Urteil.

 

TurnierseiteTeilnehmerLIVEZeitplan In Chanty-Mansijsk ist es 3 Stunden später als in Deutschland.

 

Und natürlich werden rund um das Championat die aktuellen News, Bilder, Videos und alle wichtigen statistischen Details angeboten. Das freilich größte Interesse gilt der Live-Berichterstattung aus der „Weltschach-Hautstadt“, wie kürzlich FIDE-Präsident Kirsan Iljumschinow Chanty Mansijsk charakterisierte.

 

Nach dem gestrigen Dienstag [8. September] sind nun sieben von insgesamt 13 Runden gespielt, und die Spreu hat sich sozusagen vom Weizen getrennt. Damit kann man sicherlich eine vorsichtige Prognose für die zweite Halbzeit wagen, wobei nach dem heutigen einzigen Ruhetag noch viel möglich ist.

 

Bei den Girls haben wir mit Zhansaya Abdumalik [Elo 2380] eine überraschende Spitzenreiterin. Die Kasachin hat wie das „tapfere Schneiderlein“ bisher sieben auf einen Streich vorzuweisen und damit bereits 1,5 Punkte Vorsprung vor dem Duo Nataliya Buksa [Ukraine/Elo 2199] und ihrer Landsfrau Dinara Saduakossova [2409].

 

Und wo ist unsere Starterin Filiz Osmanodja [Elo 2309] in dem 48 Teilnehmerinnen starken Feld zu finden? Nun, nach einem völlig verplatzen Start mit 0/3 hat sie einen fulminante Aufholjagd gestartet und zuletzt vier Siege in Folge verbucht. Damit liegt die Setzranglistenneunte in einem Quintett mit 4/7 auf Platz 19. da geht also noch etwas, freilich vor allem mit ziemlich großem Risiko und manchmal auch am Rande das Abgrundes, weil zudem die Zeiteinteilung der 19-Jährigen Medizinstudentin einen bisweilen zittern lässt. Nachspielen kann man auch ihre Partien bei unserem Partner ChessBomb unter dem Link http://www.chessbomb.com/arena/-/2015-wj-u20 ].

 

Im Open – Boys ist nicht korrekt, denn es ist den jungen Damen durchaus gestattet, in dieser Konkurrenz zu starten, und mit Alexandra Gorjatschkina [Elo 2497] nimmt die Junioren-Weltmeisterin der letzten beiden Jahre dieses Recht auch wahr – hat sich dagegen noch keiner der insgesamt 62 Aktiven deutlich abgesetzt. Dass der Pole Jan-Krzysztof Duda [Elo 2645] – er ist für die Bundesliga-Saison 2015/16 an Brett 1 des Hamburger SK gemeldet – mit 6/7 vorerst den Platz an der Sonne einnimmt, kommt nicht überraschend. Schließlich führt er auch die Setzrangliste an. Nur einen halben Punkt hinter ihm liegt mit Ulvi Bajarani [Elo 2535] ein Außenseiter aus Aserbaidschan, und den verfolgt eine Meute mit Michail Antipow [Russland/2538], den beiden Niederländern Benjamin Bok [2586] und Jorden van Foreest [2541], dem Italiener Francesco Rambaldi [2540] sowie unserem Matthias Blübaum [2580], der sich zuletzt von Bok remis trennte.

 

Ich lege mich einmal fest: Aus diesem Feld wird der neue Weltmeister U20 kommen, und unserem Jungen vom SV Werder Bremen traue ich durchaus eine Medaille zu. Mit vier Siegen bei zwei Unentschieden und nur einer Niederlage [gegen Antipow in Runde 4 mit Schwarz] hat er sich eine sehr gute Ausgangsposition erkämpft, und es ist dem 18-Jährigen „Schachprinzen“ durchaus zuzutrauen, diese in Runde 8 gegen den Armenier Karen Grigorjan [Elo 2609/4,5/7] durchaus zu verteidigen.

 

Alexandra Gorjatschkina [28. September 1998] mischt bei den Jungen übrigens anständig mit, und die Zwischenbilanz der noch 16-jährigen Russin von 4/7 kann sich durchaus sehen lassen. Dass sie gegen Großmeister Benjamin Bok verlor, ist keine Schande, und zwischenzeitlich hatte sie am 5. September um 18:35 Uhr erstmals sogar beim Live-Rating mit 2500,5 Elopunkten diese für Frauen immer noch wichtige Schallmauer geknackt. Ich denke jedenfalls, dass es Ihrerseits die richtige Entscheidung war, nicht mehr bei den Juniorinnen anzutreten, obwohl sich in der sportlichen Karriere sicherlich drei U20-WM-Titel nacheinander sehr gut ausgenommen hätten. Dass Alexandra bei den Jungen gewinnt, war dagegen auf keinen Fall zu erwarten gewesen.

 

Gespannt sein dürfen Sie nach dieser Einschätzung aus der Ferne jetzt auf den Zwischenbericht von Filiz sein, denn sie hat dem Schach-Ticker fest zugesagt, am Ruhetag ihren Zwischenbericht zu mailen. Heute spielt sie mit Weiß gegen die Ungarin Julianne Terbe, und diese Partie, daran besteht kein Zweifel, ist für die sympathische Dresdnerin so etwas wie ein Weichensteller …

 

Raymund Stolze

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