Presseerklärung: Schach-Weltmeisterschaft in Berlin

22Blitzschnelles Denken und Entscheiden der Großmeister

 

Verteidigt Magnus Carlsen seinen Titel?

Verteidigt Magnus Carlsen seine Titel?

Berlin, 06.10.2015 – Vom 09. bis 14.10.2015 erlebt Berlin ein weltweites Großereignis. Bei der Weltmeisterschaft im Schnell- und Blitzschach messen sich 200 Großmeister im Kampf um den Titel. Eine Europa-Premiere eines Hollywood Films sowie ein vom Deutschen Schachbund aufgestelltes Rahmenprogramm runden das Top-Event in der Bolle-Meierei in Alt-Moabit ab.

 

Videos aus 2014

Weltmeister Magnus Carlsen aus Norwegen als Titelverteidiger und Viswanathan Anand (Indien) sind die klangvollen Namen, die bereits im Vorfeld die Hoffnung auf ein großes Turnier wecken. Mit dem Deutschen Meister Daniel Fridman, Georg Meier und Filiz Osmanodja sind zudem aktuelle Nationalspieler am Start. Am 09.10.2015 wird die Weltmeisterschaft um 19.00 Uhr mit einer grandiosen Kinopremiere im Kino International feierlich eröffnet: „Pawn Sacrifice“ (dt. Bauernopfer) heißt der Hollywoodfilm mit Tobey Maguire in der Hauptrolle. Er zeigt das Spektakel um die Schachweltmeisterschaft 1972 zwischen den Spielern Bobby Fischer (USA) und Boris Spasski, der damals im „Wettkampf der Systeme“ für die UdSSR antrat. Besonders hervorzuheben: Boris Spasski wird persönlich die Premiere eröffnen. Diese Veranstaltung ist ausschließlich Teilnehmern und Pressevertretern zugänglich.

 

Ab Samstag, den 10.10.2015 wird es dann in den Räumen der Bolle-Meierei ernst. Zunächst werden an den ersten drei Tagen täglich ab 14 Uhr die Schnellschachpartien ausgetragen. Hier gilt eine Bedenkzeit von 15 Minuten plus 10 Sekunden pro Zug. Noch spektakulärer, weil deutlich schneller, geht es dann an den Tagen 4 und 5 weiter. Beim Blitzschach sinkt die Bedenkzeit nochmals auf 3 Minuten plus 2 Sekunden pro Zug. Ein rechtzeitiges Erscheinen sichert den Besucherinnen und Besuchern eine gute Position zur Beobachtung, die bei einer derartig kurzen Denk- und Entscheidungszeit sicher notwendig ist. Tagestickets sind für 9 €, das Ticket für die gesamten Titelkämpfe für 30 € zu haben. Im Deutschen Schachbund registrierte Vereinsspieler zahlen 5 € bzw. 15 €. Die feierliche Siegerehrung findet am 14.10.2015 um 19 Uhr in der Bolle-Meierei im festlichen Rahmen statt. Alle Informationen zum Spielplan sowie der Ticketbestellung unter www.schachbund.de/wmblitzrapid2015.html

 

Offenes Rahmenprogramm

 

Trotz einer sehr kurzen Vorbereitungszeit – erst auf dem FIDE-Kongress im August erfuhr das Präsidium des Deutschen Schachbundes vom Zuschlag für Berlin – ist es gelungen, ein Programm für „Jedermann“ auf die Beine zu stellen. Vor allem Kinder und Jugendliche werden vom 12. bis 14.10.2015 täglich ab 10 Uhr das gegenseitige „Schachmatt“ anstreben. Ein VIP-Turnier, Schnellschach oder eine Trainingseinheit zählen genauso dazu wie tägliche offene Turniere. Hier hoffen die Veranstalter auf eine rege Beteiligung.

 

Popularität von Schach fördern

 

„Mit den Titelkämpfen präsentieren wir in Deutschlands Hauptstadt das wichtigste Turnier im Schnell- und Blitzschach der letzten 20 Jahre. Besonders unter den erschwerten Bedingungen einer kurzen Bedenkzeit sind spektakuläre Partieverläufe zu erwarten. Wir wünschen allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, besonders unseren Nationalspielern, viel Erfolg“, so Herbert Bastian, Präsident des Deutschen Schachbundes. Für die Weiterentwicklung der Sportart bleibt es wichtig, in der Breite der Bevölkerung verankert zu sein. Die Vereine und Spielerinnen und Spieler erhalten mit einem so enorm bedeutsamen Turnier zusätzliche Motivation, die Popularität von Schach weiter zu fördern. Hierbei wird sie der Schachbund wie bisher tatkräftig unterstützen.

Die stärksten 30
NameCountryPlaying Rapid Blitz or BothHighest Rating Jan 2015 Aug 15 2015                  
Magnus CarlsenNorwayBoth2914
Maxime Vachier-LagraveFranceBoth2854
Alexander GrischukRussiaBoth2846
Yan NepomnyashchyRussiaBoth2840
Vasyl IvanchukUkraineBoth2835
Anand ViswanathanindiaBoth2816
Teimour RadjabovAzerbaijanBoth2808
David NavaraCzech RepublicBoth2806
Sergey KarjakinRussiaBoth2805
Vladimir FedoseevRussiaBoth2798
Vladimir KramnikRussiaBoth2783
Shakhriyar MamedyarovAzerbaijanBoth2780
Rauf MamedovAzerbaijanBoth2777
Igor KovalenkoLatviaBoth2774
Dmitry AndreikinRussiaBoth2773
Ruslan PonomariovUkraineBoth2770
Maxim MatlakovRussiaBoth2752
Boris GelfandIsraelBoth2751
Petr SvidlerRussiaBoth2750
Alexey DreevRussiaBoth2749
Leinier DominguezCubaBoth2749
Evgeny TomashevskiyRussiaBoth2748
Vladimir MalakhovRussiaBoth2747
Leko PeterHUNBoth2747
Sergey RublevskyRussiaBoth2746
Radoslaw WojtaszekPolandBoth2744
Son Nguyen Ngoc TruongVietnamBoth2743
Vladimir OnischukUkraineRapid2743
Ernesto InarkievRussiaBoth2742
Harikrishna PentalaIndiaBlitz2740
Artikel aus dem letzten Jahr von Thomas Richter

Carlsen holt das Tripel

Ganz knapp kann man das Turnier über zwei Tage und 21 Runden so zusammenfassen: erst sah es nach einem Start-Ziel-Sieg von Carlsen aus, dann wurde es spannend, und am Ende gewann doch Carlsen. Die nächste Ebene: zwei andere Spieler, Nepomniachtchi und Nakamura, hatten auch ihre Chancen auf Gold und bekamen zum Schluss Silber und Bronze. Die übernächste Ebene: einige andere Spieler waren, zu verschiedenen Momenten im Turnier, vorne mit dabei und mussten dann abreissen lassen – die nenne ich noch nicht alle, darunter sind bekannte aber auch (international) relativ unbekannte Namen. Am Ende stand es so: Carlsen 17/21, Nepomniachtchi (leicht besserer Tiebreak) und Nakamura 16, Le Quang Liem 14, Mamedyarov, Anand, Aronian, Mamedov 13.5, Sargissian, Morozevich, Svidler 13, Yudin usw. 12.5. Wer ist bitteschön Sergei Yudin? Dazu komme ich noch.

Carlsen-Fans zitieren nun, bzw. schon einige Zeit, gerne Gary Lineker: “Fussball ist ein einfaches Spiel. 22 Spieler jagen 90 Minuten lang dem Ball hinterher, und am Ende gewinnen immer die Deutschen”. Schach hat zwei Spieler, anfangs 32 Klötze, ein Turnier hat xx Runden, am Ende gewinnt Carlsen. Ob ihnen dabei bewusst ist, dass Lineker allenfalls Respekt, aber nicht unbedingt Bewunderung ausdrücken wollte? Damals spielte die deutsche Mannschaft bevorzugt so: hinten muss die Null stehen, 1-0 ist ein schönes Ergebnis, völlig OK wenn dieses Tor irgendwie nach 85 oder 88 Minuten fällt. Und so ähnlich spielt Carlsen Schach: Ball flach halten, keine Fehler machen, gegnerische Fehler ausnützen, Sieg bevorzugt im Endspiel – dieser Stil ist ja aus meiner Sicht weder “falsch” noch “richtig”.

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Noch eine Fussball-Analogie: Der Livekommentar von GM Komarov erinnerte mich mitunter an Fussball. Im Fussball geht es ungefähr so: “Özil. Podolski. Özil. Khedira. Schweinsteiger. Müller. Gute Schussposition! Er zieht ab! Der Schuss wurde abgeblockt, es gibt Eckball.” Im Schach bringt es natürlich nichts, die Spielernamen ständig zu erwähnen (“Aronian. Carlsen. Aronian. Carlsen. Aronian. Carlsen”), stattdessen nannte er die gespielten Züge mit zwischendurch knappem Kommentar (”Mattdrohung. Abgewehrt.”). Mit beiderseits nur noch Sekunden auf der Uhr mussten die Spieler und Komarov das Tempo erhöhen. Zu Komarovs Kommentar gab es gemischte Kommentare – auf jeden Fall eine Herausforderung, stundenlang alleine zu reden. Zwischendurch war durchaus auch Zeit für etwas mehr Tiefgang und diverse Sprüche/Anekdoten. Er ist Ukrainer, als Spieler inaktiv und offenbar nun Schachtrainer in Dubai. Dass er einen Akzent hat, na und? Sein Englisch war jedenfalls problemlos zu verstehen.

Genug der Vorrede, nun zum Turnier mit Schwerpunkt Tag 2:

Am ersten Tag konnte man das Turnier zwar vielleicht schon verlieren, aber noch nicht gewinnen. Ich wiederhole den Zwischenstand nach 11 Runden: Carlsen 9/11, Meier und Nakamura 8.5, Nepomniachtchi, Lu Shanglei, Le Quang Liem und Sargissian 8. Einige oben bereits erwähnte Namen fehlen da. Wer ist Georg Meier? Beim deutschen Publikum sicher bekannt, und nach Chessbase schrieb auch chess24 (Georgios Souleidis) “Der 26-jährige Trierer gilt als guter Blitzspieler”. Seine laut FIDE-Eloliste bisherigen Erfolge im Blitzschach: geteilter Vierter in Biel 2012 (remis gegen Vachier-Lagrave, Sieg gegen Movsesian), Zweiter beim ZMDI-Blitz in Dresden 2013 (Konkurrenz waren Grossmeister mit Elo maximal 2526, Sieger war Matthias Dann) und drei Partien der Missouri Blitz Championship, darunter ein Remis gegen Le Quang Liem. Ein bisschen Erfahrung gegen Weltklassespieler hatte er also bereits, aber die war doch begrenzt. Am ersten Tag besiegte er u.a. Karjakin, Bacrot, Vitiugov, Fressinet und Nepomniachtchi und remisierte gegen Nakamura.

Wer ist Lu Shanglei? Ein 18-jähriger Chinese, der zu diesem Zeitpunkt Siege gegen u.a. Tomashevsky, Mamedyarov, Dreev, Svidler und (etwas glücklich) Carlsen auf seinem Konto hatte.

Tag zwei im Telegrammstil mit nur einigen Höhe- oder Tiefpunkten:

Runde 12: Belohnung für Georg Meier war Brett 1 und Weiss gegen Carlsen. Nach 33 Zügen stand es so:

1

Das war ein etwas unkonventioneller Reti-Aufbau, Carlsens 24.-g5?! (danach 25.fxg6ep fxg6) hatte die f-Linie geöffnet, Weiss konnte davon profitieren. Andererseits ist da ein potentiell gefährlicher schwarzer Bauer auf a3. Zuletzt geschah 33.Sh2-g4 Lb4-d6, und nun ging 34.c5+! Lxc5 (34.-Kxc5? 35.Txb7 mit Mattdrohungen) 35.Sxe5 und Weiss steht besser. Stattdessen spielte Meier, warum auch immer, wieder 35.Sh2 und entkorkte c5+ erst als es nichts mehr einbrachte. Carlsen kam zu Se8-c7-a6-b4xa2 und der schwarze a-Freibauer entschied die Partie. Es hat nicht sollen sein aus Meiers Sicht … . Ansonsten an den vorderen Brettern: Nakamura-Sargissian 1/2, Lu Shanglei-Nepomniachtchi 0-1 und Fressinet-Le Quang Liem 0-1. Stand vorne: Carlsen 10, Nepomniachtchi, Nakamura und Le Quang Liem 9.

Runde 13: Carlsen-Anand 1/2 (wenig los in der Partie), Le Quang Liem-Mamedyarov 0-1, Nepomniachtchi-Sargissian 1-0, Riazantsev-Nakamura 0-1, Polgar-Meier 1/2, … Yudin-Lu Shanglei 1-0. Stand vorne: Carlsen 10.5, Nepo und Naka 10, dahinter nun Mamedyarov mit 9.5.

Runde 14: Carlsen-Polgar 1-0, Mamedyarov-Nakamura 1/2 (jede Menge los, beide standen mal glatt gewonnen), Nepo-Wang Hao 1-0, Anand-Meier 1-0, Yudin-Le Quang Liem 1/2. Stand vorne: Carlsen 11.5, Nepo 11, Nakamura 10.5, Mamedyarov und Anand 10.

Nach der Runde tweetete Chessvibes: Durch das Remis zwischen Mamedyarov und Nakamura hat Carlsen nun einen vollen Punkt Vorsprung. Nepomniachtchi hat er (Peter Doggers) offenbar übersehen – kann in der Hektik passieren, wenn man das dringende Bedürfnis hat, zwischen den Runden schnell zu tweeten. Hätte er im umgekehrten Fall auch Nakamura übersehen?

Runde 15: Grischuk-Carlsen 1/2 (wieder ein korrektes Remis), Anand-Nepomniachtchi 0-1, Nakamura-Harikrishna 1/2, Bacrot-Mamedyarov 0-1. Stand Carlsen und Nepomniachtchi 12, Nakamura und Mamedyarov 11, dahinter Yudin und Aronian 10.5

Runde 16: Mamedyarov-Nepomniachtchi 0-1, Aronian-Carlsen 1/2 (Carlsen musste eine Stellung mit Minusbauer, später ein theoretisch remises Turmendspiel mit zwei Minusbauern halten), Yudin-Nakamura 1-0. Nakamura stand gewonnen, übersah die einzige zum Remis ausreichende gegnerische Drohung und wollte dann kein Remis. Stand vorne: Nepomniachtchi 13, Carlsen 12.5, Yudin 11.5, Nakamura, Mamedyarov, Dreev, Aronian, Anand 11.

Wer ist Yudin?? Was ich herausgefunden habe: er ist ein russischer GM, Jahrgang 1986, mit vor dem Turnier Blitzelo 2559. Sein letztes Turnier ausserhalb von Russland spielte er offenbar im Dezember 2011, das war das Pavlodar-Open in Pavlodar, Kasachstan. Ausserhalb der ehemaligen Sowjetunion: Fehlanzeige, jedenfalls bis einschliesslich 2010 rückwärts betrachtet.

Runde 17: Nepomniachtchi-Yudin 1-0, Carlsen-Dreev 1-0, Nakamura-Aronian 1-0, Anand-Mamedyarov 1-0. Neuer Stand: Nepomniachtchi 14, Carlsen 13.5, Nakamura und Anand 12.

Runde 18: Mamedov-Nepomniachtchi 1/2, Carlsen-Morozevich 1/2, Nakamura-Anand 1-0. Also Nepomniachtchi 14.5, Carlsen 14, Nakamura 13.

Anand hat sich selbst besiegt (Diagramm nach 41.Ta5):

2

Schwarz am Zug verliert! Wie er das geschafft hat, darf der Leser selber erraten – es gibt nur einen halbwegs plausiblen Verlustzug.

Runde 19: Nepomniachtchi-Korobov 1/2 (Korobov besiegte zuvor Aronian), Mamedov-Carlsen 0-1, Morozevich-Nakamura 0-1, Anand-Yudin 1/2. Neuer Stand: Carlsen und Nepomniachtchi 15, Nakamura 14, dahinter Yudin, Mamedyarov, Anand und Korobov 12.5 – die Medaillen waren praktisch vergeben, nur wer welche Farbe bekommt war immer noch unklar.

Nakamura im Glück, nach 47.-Kc7 stand es so:

3

Zuvor war lange unklar, wer eigentlich noch auf Gewinn spielte, jetzt hat Nakamura im Turmendspiel einen Mehrbauern aber die Stellung ist vermutlich noch in der Remisbreite. Nun kam 48.b5?? (48.Kd3 oder 48.Td3) 48.-Th2+ 49.Kd1 Td2+! 50.Txd2 cxd2 51.Kxd2 Kb6 mit für Schwarz gewonnenem Bauernendspiel – dank des weissen Bauern auf b5.

Carlsen im Glück – gerade hat er (wieder) g7-g5 gespielt, wieder war es übereifrig und objektiv schlecht.

4

Dass 28.Lh3 Sf3+ 29.Txf3 Dxf3 30.hxg5 Txf4 31.gxf4 Dxf4+ 32.Dxf4 Txf4 33.Kg3 nun forciert ist und gewinnträchtig – Weiss behält zwei Mehrbauern – muss man bei knapper Zeit nicht unbedingt sehen und richtig einschätzen, stattdessen kam 28.hxg5 Dxg5 29.Lh3 Th6 und nun 30.Sg6+? Dxg6 31.Txf8 Dh5 32.Dg2? (32.Kg1 Dxh3 ist aber auch hoffnungslos) 32.-Dxd1 usw. . Sieg statt (möglicher) Niederlage, und das in der entscheidenden Turnierphase.

Runde 20: Yudin-Carlsen 0-1 (siehe Diagramm unten), Aronian-Nepomniachtchi 1-0 (nach langem Lavieren im Damenendspiel), Korobov-Nakamura 0-1. Neuer Stand: Carlsen 16, Nepo und Naka 15.

Wieder brachte Carlsen einen übereifrigen Bauernvorstoss (diesmal 11.-b5), wieder hätte es schief gehen können, wieder gewann er die Partie trotzdem in wenigen weiteren Zügen:

5

Hier ging 12.Scxe5! Sxe5 13.Sxe5 dxe5 14.Lxc5 mit einem kerngesunden Mehrbauern, stattdessen 12.Scd2 Lxe3 13.fxe3 Se7 14.Sh4?! Dg4 15.Sf5? (besser reumütig 15.Shf3) 15.-Sxf5 16.Txf5 De2! 17.Dc2? (aber die Stellung war ohnehin hoffnungslos, da d3 und e4 fallen würde) 17.-Sg4 0-1.

Im Blitzschach hat jeder mal Glück (ohne geht es nicht), aber das war ein Doppelpack für Carlsen und zuvor Nakamura in der entscheidenden Turnierphase. Und für Gold war es turnierentscheidend, das gehört aus meiner Sicht zum Turnierbericht dazu. Unabhängig davon, dass ich es Nepomniachtchi am meisten gegönnt hätte – da ich generell mit Spielern sympathisiere, die in den (westlichen) Medien eher unterbelichtet sind.

Runde 21: Carlsen-Korobov 1-0 (dass Korobov eine Springergabel übersah und dadurch eine remisliche in eine Verluststellung verwandelte, ist nur noch ein Detail), Nepomniachtchi-Morozevich 1-0, Nakamura-Dreev 1-0.

Der Tiebreak zwischen Nepomniachtchi und Nakamura war sehr knapp, aber angesichts Runde 18 und 19 hat Nepo aus meiner Sicht Silber verdient und bekommen.

Was wurde am Ende aus Meier, Lu Shanglei und Yudin? Meier fiel mit 3.5/10 am zweiten Tag noch auf den 27. Platz zurück, dennoch kann er mit dem Turnier sicher zufrieden sein. Er gewann auch 64 Blitz-Elopunkte und sollte in der neuen FIDE-Liste um Platz 25 auftauchen. Aus deutscher Sicht noch: Naiditsch (50. mit 11/21) und Glek (88. mit 9.5/21) landeten ziemlich genau da, wo sie laut Setzliste “hingehören” (Meier war 43. der Setzliste). Auch Lu Shanglei fiel zurück und wurde 39. mit 11.5/21. Dass Yudin, an 86 gesetzt, immerhin 12. wurde, weiss der Leser bereits.

Nebenbei hat Sergei (Yudin) damit satte 127 Blitz-Elopunkte gewonnen und landet damit etwa auf Platz 50 der neuen Weltrangliste. Weniger erfolgreich waren Sergei (Movsesian) und Sergey (Karjakin). Der sympathische Neu/Wieder-Armenier wurde 68. und verlor 73 Elopunkte, während Karjakin ein für seine Verhältnisse ganz schlechtes Blitzturnier erwischte: Platz 61 und Elo –127 (hatte ich die Zahl 127 bereits erwähnt?). Derlei Zahlenspiele zeigen aus meiner Sicht auch, dass Blitz-Elozahlen bedingt aussagekräftig sind und immer bleiben werden. Mit K-Faktor 20, vielen Partien pro Turnier und oft extremen Ergebnissen sind derlei starke Schwankungen gang und gäbe – und es gibt insgesamt zu wenige stark besetzte Elo-ausgewertete Turniere für stabile Mittelwerte.

Noch eine ganz kurze stilistische Analyse der drei Medaillengewinner: Carlsen spielte – wie eingangs erwähnt – eher solide und oft endspiel-orientiert. Damit war er diesmal vor allem gegen nominell schwächere Spieler effizient-erfolgreich, während er gegen die stärksten Gegner reihenweise remisierte. Nepomniachtchi und vor allem Nakamura hatten des öfteren chaotische Stellungen mit entsprechend höherer beiderseitiger Fehlerquote.

Bildnachweis: „Magnus Carlsen Tata Steel 2013“ by Frans Peeters; Flikr page at http://www.flickr.com/photos/suspeeters/ – http://www.flickr.com/photos/suspeeters/8396737294/. Licensed under CC BY-SA 2.0 via Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Magnus_Carlsen_Tata_Steel_2013.jpg#/media/File:Magnus_Carlsen_Tata_Steel_2013.jpg

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