European Chess Club Cup in Skopje (Mazedonien)

Deutschland ist vertreten durch den SV Werder Bremen und den Hamburger SV

 

Vladimir Kramnik (by Frank Hoppe)

Vladimir Kramnik (by Frank Hoppe)

[von Thomas Richter bearbeitet] Vom 17. bis 25. Oktober wird in Skopje (Mazedonien) die Europäische Vereinsmeisterschaft der Frauen und Männer ausgetragen. Bei den Männern sind insgesamt 50 Teams (unterschiedlichen Niveaus) dabei, bei den Damen nur 12 die offenbar (etwas kurios) auch sieben Runden nach Schweizer System spielen. Die Partien werden ab dem 18.10. täglich ab 15 Uhr live im Internet übertragen (Ortszeit, kein Zeitunterschied mit Deutschland).

 

Zahlreiche Spieler der absoluten Weltklasse sind wieder dabei. Hier einige Teams mit ihren Spitzenbrettern:

live

SOCAR Aserbaidschan: Caruana, Topalov, Giri, Adams, Mamedyarov, Radjabov (gut geölte Truppe, hinten noch zwei Azeris)

Siberia: Kramnik, Aronian, Grischuk, Wang Yue, Li Chao, …

Alkaloid (Mazedonien): Andreikin, Ivanchuk, Jakovenko, Kryvoruchko, (zwischendrin zwei Einheimische), Tomashevsky, Yu Yangyi.

Obiettivo Risarcimento: Nakamura, Karjakin, Leko, Vachier-Lagrave, Bacrot (und dann drei Italiener)

Mednyi Vsadnik (neuer Name für St. Petersburg?): Svidler, Dominguez, Vitiugov, …

Novi Bor (CZE): Wojtaszek, Navara, Harikrishna, ….

 

Da mache ich mal Schluss, wobei diverse andere Teams zumindest einen (ehemaligen oder erweiterten) Weltklassespieler haben: Gelfand spielt für Belorechensk aus Russland, Nepomniachtchi für SHSM aus Moskau (offenbar neuer Sponsor Legacy Square, auch bei der WM in Berlin beteiligt), Shirov für Schachgesellschaft Zürich, und auch Howell für Cheddleton aus England hat aktuell Elo über 2700.

 

TurnierseiteResultate

 

Und die deutschen Teams?

Hamburger SV: Rasmus Svane 2531 IM; Jonas Lampert 2448 IM; Dmitrij Kollars 2437; Julian Kramer 2312; Jonathan Carlstedt 2460 IM; Lars Hinrichs 2205; Bardhyl Uksini 2181. [Jugend forsch. Vielleicht haben sie erst kurzfristig erfahren, dass sie – Zehnter der Bundesliga-Saison 2014/2015 – mitspielen dürfen, da neben Baden-Baden noch diverse andere Vereine verzichteten.]

 

Werder Bremen: Vlastimil Babula 2559 GM; Gennadiy Fish 2461; GM Stephan Buchal 2267 FM; Dr. Joachim Asendorf 2275 FM; Sven Charmeteau 2247; Fabian Brinkmann 1956; Olaf Steffens 2286 FM. [wie letztes Jahr nicht in vize-meisterlicher Bestbesetzung]

 

Bei den Frauen ist Deutschland leider nicht mit einer Mannschaft vertreten.

Noch ein paar allgemeine Bemerkungen: Mir ist unter anderem aufgefallen, dass Frankreich und Spanien zwar recht starke Ligen haben, aber beim Europacup fehlen – nicht jeder Sponsor kann oder will sich das Abenteuer Europacup leisten? Mazedonien hat Heimvorteil, aber dennoch gewisse Reisekosten (auch bei den Damen für Spielerinnen aus Bulgarien, geht noch, Russland, China und Kasachstan); bitterarm ist das Land was Schach betrifft offenbar nicht. Wolfgang Grenke schickt weder Baden-Baden noch Bischwiller – gegebenenfalls wäre es sicher entweder-oder, da es weitgehend dieselben Spieler sind, viele spielen jedoch in Skopje für andere Vereine.

Aus der Rubrik Statistik (mit Dank an chess-results): Insgesamt sind 110 Grossmeister dabei. Gesamt-quantitativ (nicht was GMs betrifft) ist Deutschland recht zahlreich vertreten: an den Brettern sitzen insgesamt 29 Russen, 27 Niederländer, 26 Deutsche, 25 Mazedonier, … z.B. nur drei Spieler aus der Ukraine – die momentan natürlich andere Probleme hat als eigene Teams nach Skopje zu entsenden. Hamburg und Bremen haben zusammen 11 Deutsche im Aufgebot, 15 weitere spielen also für ausländische Vereine – aber ich habe nicht untersucht, wer (warum) wo spielt.

Das Feld ist zwei- bis dreigeteilt: einige Teams (mindestens die sechs oben erwähnten) können und wollen wohl ganz oben mitspielen. Andere wollen die Spitzenteams eventuell ärgern (jedenfalls an einzelnen Brettern) oder zumindest mal gegen sie antreten. Und für viele ist es eher ein Vereinsausflug mit der Idee, internationale Erfahrungen zu sammeln – wenn ich z.B. in Wales oder Irland wohnen würde, könnte eventuell auch ich mit nationaler Elo ca. 1950 mitmachen. Ein niederländischer FM-Schachfreund sagte mal auf meine Frage „Wie war’s beim Europacup?“ „Klasse, im selben Saal wie Shirov zu spielen!“. Das Zitat ist einige Jahre alt, damals war Shirov noch absolute Weltklasse. Damals spielte mein Bekannter für einen belgischen Verein, letztes Jahr spielte er mit seinem niederländischen Club in Runde 1 (so war die Auslosung) gegen Team Shirov.

Was Auslosung betrifft: die deutschen Teams sind in der oberen Hälfte der Setzliste, Werder Bremen gerade so – damit bekommen sie in Runde 1 relativ leichte Gegner. Hätte Werder Bremen etwas schwächer aufgestellt, oder die Setzlisten-Nachbarn Tammer Shakki aus Finnland etwas stärker, dann gäbe es zu Beginn unter anderem SOCAR-Werder Bremen – und ein Grossmeister müsste sich eventuell (wenn er das macht) auf 1.b4 von Olaf Steffens vorbereiten … . So bekommen Hamburg und/oder Bremen nur dann Spitzenteams vorgesetzt, wenn sie gegen schwächere bis gleichwertige Gegner ordentlich punkten.

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