„Und werde morgen weiter machen und mein Bestes geben …“

Von der 26. Jugend-Europameisterschaft in Prag berichtet für den Schach-Ticker JANA SCHNEIDER – heute Tagebuch Teil 1

 

17. August 2016 – Anreise

Prag_PanoramaUm 10 Uhr geht es endlich los. Zur Jugend-Europameisterschaft 2016 in Prag (Tschechien). Wochenlang war ich aufgeregt, habe mich aber auch sehr auf dieses besondere Event gefreut, und heute ist es dann so weit. Zusammen mit Annmarie Mütsch (ebenfalls U14w-Spielerin) und meinen Eltern reise ich mit dem DB-Bus nach Prag. Wegen zwei Stunden Stau kommen wir erst um 20 Uhr im Top Hotel an und verpassen damit leider die Eröffnungsfeier. Trotzdem sind wir froh, endlich da zu sein und genießen die Atmosphäre der vielen Schachspieler um uns herum, von denen ich viele auch von anderen internationalen Turnieren kenne.

 

Das ist das besondere an internationalen Turnieren. Man lernt nicht nur neue Freunde kennen, sondern man trifft auch viele ehemalige Gegner und Schachspieler aus anderen Ländern, die man seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat. Am Abend packen wir unsere Sachen aus, spielen ein bisschen Karten und gehen ins Bett, denn morgen ist die erste Runde. Dann geht es richtig los.

 

18. August 2016 – 1. Runde

Und heute geht es schon los mit der ersten Runde. Meine Gegnerin heißt Angela Flavia Grimaldi und kommt aus Italien. Doch vor der Partie, die für 15 Uhr angesetzt ist, haben wir noch Zeit für Frühstück, deutsches Delegationstreffen, Mittagessen und Eröffnungsvorbereitung mit meinem Trainer GM Michael Prusikin. Schließlich ist es dann so weit und ich sitze am Brett und spiele Schach. Einige Stunden später stehe ich als Siegerin aus einem langen Kampf fest und darf aufatmen. Die erste Runde ist überstanden und ich habe gewonnen! Deshalb heißt es dann am Abend entspannen und ein bisschen über alles quatschen. Auch meine Zimmernachbarin Annmarie hatte gewonnen. und so sind wir beide bester Laune. Mal sehen, was morgen auf uns zukommt, aber jetzt machen wir uns da noch nicht zu viele Gedanken.

 

19. August 2016 – 2. Runde

Auch heute ist wieder derselbe Zeitplan wie gestern. Eine Runde um 15 Uhr. So ist das jeden Tag geplant, nur am 23. August haben wir einen ganz freien Tag, um uns die Stadt Prag anzuschauen oder etwas anderes zu unternehmen. Aber heute ist ja erst mal die zweite Runde. Meine Gegnerin in dieser Partie ist die Französin Meriem Bellahcene. Ich habe 2012 bei der Weltmeisterschaft schon einmal gegen sie gespielt und damals gewonnen. Dieses Ergebnis würde ich natürlich gerne wiederholen, aber ich mache mir nicht zu viel Druck. Am Vormittag spielen wir auf einem nahe gelegenen Fußballplatz ein bisschen Fußball als Ausgleichssport zum Schach. Danach um 10 Uhr bereite ich mich für die Partie mit Michael Prusikin vor und verinnerliche die besprochenen Varianten noch einmal alleine. Dann ist schon leckeres Mittagessen angesagt und am Nachmittag entspannen, bis um 15 Uhr die Runde beginnt. Auch heute liefere ich mir wieder einen harten Kampf auf dem Schachbrett mit meiner Gegnerin, doch schließlich kann ich als verdiente Siegerin daraus hervorgehen. Also habe ich immer noch volle Punktzahl, genauso wie Annmarie, die ihre Partie ebenfalls gewinnen konnte. Abends spielen wir dann noch ein paar Gesellschaftsspiele mit anderen deutschen Schachspielern.

 

20. August 2016 – 3. Runde

Nach diesem Tag ist schon ein Drittel des Turniers vorbei, wie schnell das geht. Aber darüber möchte ich im Moment gar nicht nachdenken. Lieber die Zeit und die Partien hier genießen. Auch heute spielen wir früh wieder Fußball und gehen im nahegelegenen Supermarkt Getränke einkaufen. Im Spielsaal gibt es jedoch immer freies Wasser für uns Spieler. Mit meinen zwei Siegen habe ich mich schon auf Brett 5 vorgearbeitet. Dabei werden die ersten acht Bretter live im Internet übertragen. Diese Runde spiele ich gegen die Polin Pola Moscicka. Wieder kämpfe ich lange, doch ich komme leider schlecht aus der Eröffnung heraus und trotz meinen Versuchen, das Blatt noch zu wenden, lässt sie mir keine Chancen und ich verliere meine erste Partie hier auf der Europameisterschaft. Natürlich hätte ich gerne gewonnen, aber meine Konkurrentin hat eben besser als ich gespielt. Am Abend bin ich dann ein bisschen traurig, aber die Anderen heitern mich schnell wieder auf und ich bin hochmotiviert morgen weiterzukämpfen. Noch ist nichts verloren, ich darf jetzt bloß nicht aufgeben, weil eine Partie nicht so gut lief. Ich werde weiter machen und mein Bestes geben.

 


ZUR PERSON

 

Jana_Schneider_2016JANA SCHNEIDER [*11. April 2002] hat Schach von ihren Vater mit vier Jahren gelernt, der sie dann auch im Kindergarten und bis 2010 in der Grundschule in einer Schulschach AG betreute. Seit 2008 spielt sie bei der SpVgg Stetten 1946. Ihr Heimtrainer ist Alexander Wurm, außerdem trainiert sie seit 2010 regelmäßig bei GM Michael Prusikin. Im gleichen Jahr wurde sie bereits EU-Vizemeisterin U10. Weitere internationale Erfolge der mehrfachen deutschen Jugendmeisterin – zuletzt 2016 in der Altersklasse U14: EU-Meisterin 2012 U10 und 2015 in der U14. Jana hat mehrmals an EM- und WM-Turnieren teilgenommen.

 


 

 

Logo_Prag_2016Die Jugend-EM in Prag verzeichnet mit insgesamt 1309 Aktiven aus 49 Ländern – dazu kommen noch mehr als 1000 Begleitpersonen – einen neuen Teilnehmerrekord. Bei den Girls U14 sind allein 99 Mädchen am Start, wobei Jana an Platz 9 gesetzt ist. Eine Live-Berichterstattung finden Sie unter dem Link http://www.chessbomb.com/arena/-/2016-european-youth-championships, die Ergebnisse und Paarungen der insgesamt neun Runden liefert wie immer zuverlässig Chess-Results.com unter http://chess-results.com/tnr233626.aspx?lan=1&art=3&fedb=ISR&turdet=YES&flag=30&wi=821 .

 

Annmarie Mütsch hat übrigens auch ihre dritte Partie gewonnen.

 

 

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