Herbstmeister: DSAM Bad Soden 2016

360 Schach-Amateure bei der DSAM in Bad Soden an den Brettern – Ein Beitrag von Ralf Mulde

 

Dr Dirk Jordan _ Turnierdirektor DSAM

Dr Dirk Jordan _ Turnierdirektor DSAM

Bad Soden im herbstlichen Taunus ist seit vielen Jahren fester Bestandteil des Turnierkalenders des Deutschen Schachbundes. Die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft DSAM startete am heutigen Freitag mit dem ersten der sechs Qualifikations-Turniere in die neue Saison. 325 „Knaben“ und 35 „Mädel“, mithin 360 Spieler, donnerten ihr 1.e4, 1.d4 oder was immer es war auf die Bretter. „Wir sind nicht nur über die 9,7% weibliche Teilnehmer glücklich, sondern auch, dass die Gesamtzahl von 360 einen neuen Rekord für Bad Soden bedeuten“, sagte Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan. Er unterstrich jedoch zugleich, dass es sich bei den knapp 10% Damen-Anteil um „einen durchaus noch steigerungsfähigen Lichtblick“ handele.

 

Erste Runde hat begonnen

Erst ab der mit 89 Wettstreitern besetzten C-Gruppe finden wir Damen in größerer Zahl. Offenbar ist dem DSB der erste Schritt gelungen, nämlich in den Vereinen und in den Turnieren mehr Damen für das Schach zu entflammen, aber der zweite, eine größere (und dann auch reisefreudige) Anzahl in Rating-Bereiche um 2200 oder gar 2300 zu hieven, steht eben noch aus. Es gibt deutsche Damen auf diesem Niveau, aber bisher noch nicht sehr viele. Kommt aber noch.

 

Die meisten Spieler entsandte, durchaus verständlich, mit 13 Teilnehmern der SC Bad Soden. Unerwartet und dadurch noch erfreulicher ist, dass gleich 7 Spieler vom nicht gerade „um die Ecke“ liegenden Hamburger SK an den Main eilten. Die jüngste der Mädels ist Frieda von Beckh, Eschborn, die 2007 zur Welt kam, dicht gefolgt von der ganz aus Erfurt in den Saal geeilten Viktoria Wagner, Jahrgang 2006. Der Jüngste im Saal ist freilich der achtjährige Frankfurter Kilian Gabriel Gräf. Er wird versuchen, die F-Gruppe aufzumischen. Ähnliches hat auf der anderen Seite der Geburtenskala gewiss auch der erfahrenste Teilnehmer vor, nämlich der 1932 geborene Gerhard Hund, der weiterhin für Freiburg-Zähringen aktiv ist.

Ratingstärkster Spieler der A-Gruppe ist der Bulgare Georgi Tomov – aber heißt das, dass er am Ende Erster sein wird? Die Erfahrung zeigt, dass die „Papierbesten“ in der DSAM eher selten durchmarschieren, das ist im Schach zum Glück ein bisschen anders als beim Autorennen. Die beiden vom Rating her spielstärksten Damen sind WGM Barbara Hund in der A-Gruppe und in der B-Staffel Sarah Hund – dass der Name Hund hier in wenigen Zeilen gleich dreimal erscheint, war nicht beabsichtigt, wirft aber ein schönes Licht auf diese deutsche Schachfamilie, der der DSB einiges zu verdanken hat.

 

 Holger Bergmann

Holger Bergmann

Das Turnier wurde im bekannt stilvollen Rahmen eröffnet und ein solcher Premium-Wettbewerb des DSB bietet auch immer eine für alle sehr schöne Umgebung, um eine Ehrung vorzunehmen. Holger Bergmann wurde von seinem Hessischen Schachverbands-Präsidenten mit der Silbernen Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet, die er sich für 25 Jahre äußerst zuverlässige Tätigkeit in der Presse-Arbeit als Pokal-Veranstalter und eben auch als hochrangiger Schiedsrichter verdient hat. Solche Auszeichnungen würdigen stets die Tätigkeit des Geehrten, dienen aber auch als „Wegmarke“ für Andere, es ihm möglichst gleich zu tun.

 

Jürgen Kohlstädt und Breitenschach-Chef Hugo Schulz reisten derweil mit Thorsten Ostermeier zum Holstentor. Während nämlich die einen Bundesliga-Schiedsrichter eben sehr wohl neben Kilian und Viktoria in der F-Gruppe stehen – und keineswegs nur in der A-Gruppe zu finden sind -, eilten ihre Kollegen vom Main bei Bad Sodener an die Trave nach Lübeck, um sich am Hauptausschuss des DSB seelisch zu erquicken (oder doch nur am Lübecker Marzipan zu naschen?) – und gewiss auch, um das Neueste von der Deutschen Einzel zu hören, die ebenda zeitgleich mit den Amateuren stattfindet.

 

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Veröffentlicht unter DAM |