Schwarz am Zug gewinnt!?

Und Oparin über Oparin Teil zwei

bocharov-oparin
 
Mal was Neues: als Titelbild ein Diagramm – mit Dank an Chessbase (die Software, nicht die Webseite), Grigoriy Oparin der mich informierte und wahrscheinlich eine Engine, die Oparin informierte. Oder fand er es nach (nicht während) der Partie ohne Engine, oder wurde es von einer russischen Quelle erwähnt? Schwarz am Zug, was tun? Oparin nennt es eine “really nice idea”, dass er hier (Schwarz gegen Bocharov im Superfinale der russischen Meisterschaften) mehr hatte als – wie in der Partie gespielt – Dauerschach. Daher wähle ich auch die Kategorie “Faszination Schach”. Leser dürfen, falls gewünscht, zunächst selbst grübeln – oder auch Engines befragen, wobei “meine” (Gratisversion von Stockfish auf einem Laptop) anderthalb Minuten brauchte und die der Liveübertragung auf chess24 (Einstellungen für Premium-Mitglieder) es erst kapiert, wenn man sie mit dem richtigen schwarzen Zug füttert.

 

Ansonsten: Chess24 hat zu diesem Turnier (und auch sonst) Peter Svidler, der Schachticker hat (mit Dank an chess24) Grigoriy Oparin – Teil eins war nach dem Halbfinale, Teil zwei nun. Bei uns dauerte es etwas länger und ist weniger ausführlich, dafür gibt es zwei Gründe: Chess24 hat Svidler bezahlt, das können wir nicht, und Oparin hat neben Schach auch andere Dinge zu tun. Hat Svidler zwar auch – Frau und Kinder, im Fernsehen Serien oder auch Kricket gucken. Aber vor Ort in Nowosibirsk musste er wohl auf ersteres verzichten, und hat letzteres zumindest verzögert und zuvor direkt nach der jeweiligen Runde seine Partien video-analysiert.

 

Nach dem Superfinale hatte ich auf chess24 User “OparinGrigoriy GM” diese Nachricht geschickt:

 

TR Dear Grigoriy, Als Ergänzung zum Halbfinale (Higher League), darf ich Dich um Kommentar zum Superfinale bitten? Meine Einschätzung: Du kannst wohl zufrieden sein, sowohl mit dem Ergebnis (5,5/11) als auch mit dem “Gehalt” jedenfalls einiger Partien. Vielleicht (arguably) war das Ergebnis (Partien gegen Goganov und Jakovenko) etwas besser als “verdient” – aber das gehört zu kreativem und riskantem Schach!? Aus der NL-Perspektive etwas vergleichbar mit Jorden Van Foreest – aber ein Sieg im ersten Anlauf bei Deiner (stärker besetzten) nationalen Meisterschaft wäre zuviel gefragt oder too good to become true!?
Cheers Thomas

 

Gestern kam Antwort, ich zeige erst noch ein ziemlich aktuelles Foto von ihm:

 

oparin

 

Das stammt – wie alle Turnierfotos – vom russischen Schachverband, laut Stellung auf dem Brett Runde 4 gegen Goganov. Im Halbfinale erschien Oparin noch im Karohemd, nun etwas schicker gekleidet.

 

Oparin: “Good evening, Thomas! Tut mir leid, dass die Antwort so lange dauerte, ich hatte an der Uni viel zu tun. Nun, das Gesamtergebnis ist recht gut, aber ehrlich gesagt wollte ich vor dem Turnier um die Qualifikation für das nächste Superfinale mitspielen (Platz 1-3 reicht). Aber fast von Anfang an merkte ich, dass ich von meiner Bestform weit entfernt bin, zu viele Fehler in fast allen Partien. Stolz bin ich nur auf die letzte Partie. Ich würde nicht sagen, dass ich besser abschnitt als verdient. Ja, ich stand gegen Kokarev und Jakovenko total verloren, und gegen Goganov viel schlechter. Aber andererseits habe ich selbst viele taktische shots verpasst. Zum Beispiel, 28.Le5 gegen Riazantsev, 30…dxc4 gegen Inarkiev (in meiner Meinung habe ich bis dahin sehr gut gespielt – a great game – glaub den Computerurteilen nicht, die irren sich wohl) oder das unglaubliche 59…g5!! (really nice idea!) gegen Bocharov. Ich war auch sehr nahe am Remis gegen Grischuk (51…b5 52.axb6 Sxb6 53.Txa6 Tf6 war nicht so schwer zu finden). Daher ist 50% etwa das logische Ergebnis. Was meinen Stil betrifft, ich habe in den letzten Turnieren viel zu solides Schach gespielt (+2 =7 beim Abu Dhabi Open sagt eine Menge …), also wollte ich diesmal mehr riskieren (zum Beispiel mit Schwarz immer Najdorf).”

 

Damit ist die Lösung zum Titeldiagramm bereits erwähnt, aber nun chronologisch durch Oparins Turnier. Zuvor das: Im Interview mit Eteri Kublashvili direkt nach dem Superfinale (Original hier, Auszüge – mit Dank an Google Translate – in meinem ersten Oparin Special) sagte Oparin noch sinngemäss “toll, dass ich im Superfinale dabei bin, aber ich mache mir eher keine grossen Hoffnungen oder Illusionen”. Im übersetzten Wortlaut “Chance, gegen viele starke Gegner zu spielen … (lachend) vor allem Training”. Und nun wollte er vor dem Turnier um die ersten drei Plätze mitmischen – sagte sein Trainer Sergey Shipov ihm zwischenzeitlich “sei nicht so bescheiden!” ?

 

Runde 1 gegen Tomashevsky kann ich quasi ignorieren – ein sicheres Schwarzremis gegen den Titelverteidiger war in der ersten Runde und überhaupt wohl OK. Runde 2 gegen Riazantsev – kritischer Moment nach 27.-g6?:

 

oparin-riazantsev

 

Riazantsev investierte dafür dreieinhalb Minuten, nach 45 Sekunden spielte Oparin das automatische, logische, hier aber nur zweitbeste 28.hxg6 – 28.Le5! Sxe5 29.dxe5 Tff8 30.hxg6. Kurz danach, nach 38 Zügen, wurde es Remis – im Turnier galt Remisverbot vor dem 40. Zug, aber das kann man mit einer Zugwiederholung umgehen. Zur Partie insgesamt: es war, hier noch deutlich erkennbar, ein verrammelter Franzose. Mit 27.-g5 konnte Riazantsev die Partiefortsetzung halb erzwingen (wobei 28.Lg3 genauso weiterhin ausgeglichen ist wie 28.hxg6 e.p., 28.Le5 hier jedoch gut ist für Schwarz). Es war also eine eher zufällige Chance für Oparin, aber auch die kann (und sollte!?) man nutzen.

 

Kannten die beiden sich eigentlich? Ja, zuletzt spielten sie (umgekehrte Farbverteilung, dasselbe Ergebnis) in der letzten Runde des Halbfinales (Higher League) gegeneinander. Nun in Nowosibirsk bewies Riazantsev im weiteren Turnierverlauf, dass ein Qualifikant sich durchaus direkt für das Superfinale 2017 qualifizieren und sogar noch mehr erreichen kann – aber das ist nicht Thema dieses Artikels, das hatte ich bereits (wer es verpasst oder vergessen hat: neuer russischer Meister ist Alexander Riazantsev). Wieder zu Oparin:

 

Runde 3 Schwarz gegen Kokarev – der kurioseste Moment des Turniers, des Jahres, des Jahrzehnts!?

 

kokarev-oparin

 

Weiss am Zug, was tun? Nach fast dreizehn Minuten spielte Kokarev 26.Sxe3, warum denn nicht 26.Sxf6+ ? Vielleicht – das kommt später nochmals – “ich geb dem Gegner doch nicht genau was er will …”. Hier glaubte Oparin, der seine Stellung als “total verloren” bezeichnet, offenbar nicht an Remis/Festungschancen nach 26.Sxf6+ Sxf6 27.Kh1 Lxc5. Kurz danach konnte Weiss nochmals “kompliziert” die schwarze Dame gewinnen – da er wiederum darauf verzichtete (diesmal wohl, weil er 28.h4!! nicht gesehen hatte), wurde es nach 32 Zügen (also wieder Zugwiederholung) remis.

 

Runde 4 Weiss gegen Goganov:

 

oparin-goganov

 

Etwa diesen Moment meint Oparin wohl mit “ich stand viel schlechter”. Aber Goganov verlor nach und nach den Faden, bereits hier musste 28.-Sd8?! nicht sein was 29.a5! ermöglichte. Später gewann Oparin einen Bauern zurück und gar die Partie – das Läuferpaar wurde aktiv, der Turm konnte auf der siebten Reihe eindringen, das ist die Schlusstellung nach 42.Txh7 1-0:

 

oparin-goganov-move-42

 

Runde 5 Schwarz gegen Grischuk:

 

grischuk-oparin

 

Zu Oparins 51.-b5 52.axb6 e.p. Sxb6 53.Txa6 Tf6 kann ich wenig ergänzen – Schwarz bekommt die kurz zuvor und eher notgedrungen geopferte Qualität zurück. Stattdessen wählte er eine andere taktische Lösung mit Loch: 51.-Se5 (gefällt Computern noch, die an etwa ausreichende schwarze Kompensation glauben) 52.Tca4 c4?! 53.Tb1 cxb3 54.Txb3 Sd7? 55.Txb7! (das geht) 55.-Sc5 56.Tc4 (deshalb geht das) und 1-0.

 

Runde 6 Weiss gegen Jakovenko: Oparins Reti-Aufbau überliess dem Gegner Zentrum und Raumvorteil – ging alles noch, aber dann landete sein König wieder in der Brettmitte, Schwarz hatte einen d-Freibauern und eine eingedrungene Dame:

 

oparin-jakovenko

 

Schwarz am (40.) Zug, was tun? Etwa zehn Züge sichern weiterhin klaren Vorteil, 40.-Dh1 ist für Engines die sechzehnte Wahl und wird mit 0.00 beurteilt. Warum – es droht doch 41.-Dh4 mit weiterem Bauerngewinn? Ja, aber … 41.g5 – einziger Zug und nun isses remis. Wieviel oder wenig Zeit Jakovenko für seinen 40. Zug hatte, lässt sich nicht rekonstruieren, Oparin investierte dann (Zeitkontrolle geschafft) sechseinhalb Minuten und spielte 41.g5. Regelkonform wurde nach dem 43. Zug remis vereinbart.

 

Runde 7 Schwarz gegen Bocharov, das Titeldiagramm nochmals (Schwarz am Zug):

 

bocharov-oparin

 

Auf den ersten Blick hat Weiss einen Mehrbauern, auf den zweiten Blick hat Schwarz Dauerschach, da der weisse König keinesfalls nach h3 auswandern darf: 59.-Se3+ (wie in der Partie, kein Fragezeichen da Schwarz eine zweite Chance bekommt) 60.Kh2 Sf1+ 61.Kh3? f4! – führe ich mal nicht weiter aus, Schwarz gewinnt. Stattdessen 61.Kg1 Se3+? (nun muss das Fragezeichen objektiv sein) und remis.

 

Richtig war – das hat Oparin mir, das habe ich den Lesern bereits verraten – 59.-g5!! (oder auch 61.-g5!!, aber ich bzw. Engines analysieren nun ab 59.-g5). Da muss nun ein kleiner Variantenbaum her: Was droht eigentlich? Nach z.B. 60.Dxa6 oder 60.bxa6 kommt 60.-Sg3+ 61.Kh2 Dh1+ 62.Kxg3 Dxh4+ 63.Kf3 De4+ 64.Kg3 Df4+ 65.Kh3 Dh2 matt. Was passiert nach 60.hxg5? 60.-h4! 61.f4 Se3+ (61.-Sg3+ gewinnt auch, aber eine Variante reicht) 62.Kf2 Sd1+ nebst 63.-Sc3+ (entweder Springer-oder Abzugschach) und 64.-SxDa4 – es sei denn, Weiss spielt hier 63.Kf3 De4 matt. Ist es so einfach, wenn Schwarz 59.-g5!! sieht? Nein, Weiss hat noch 60.Sg6+ Kg7 61.Dxa6 Se3+ 62.Kh2 Sg4+ 63.Kg3 und nun z.B. 63.-De1 (jeder Damenzug, der f2 angreift, ist gut – bis auf 63.-Dc2 da Weiss dann Damentausch forcieren kann). Wieder zunächst, wie Weiss schnell verlieren kann: 64.Da2 Dc3+ 65.f3 Dc7+ 66.Kh3 Dh2 matt (oder für Feinschmecker 66.-Sf2+ 67.Dxf2 g4+ 68.fxg4 fxg4 matt [68.-hxg4 matt ist auch gut]). Und nun die Hauptvariante: 64.hxg5 Dxf2+ 65.Kh3 Dg1 66.Kg3 h4+ 67.Sxh4 Dh2+ 68.Kf3 Dxh4

 

bocharov-oparin-analysis

 

Ich bin mir nicht total sicher, dass/ob Schwarz wirklich gewinnt – er hat ja nur noch einen Bauern zur Mehrfigur und muss sowohl die weissen b-Bauern als auch eventuelle Dauerschachmotive im Auge behalten. Keine triviale, aber wohl eine “technische” Gewinnstellung!? Zur Bedenkzeit: Oparin spielte nach gut einer Minute 59.-Se3+ und nach vier Minuten 61.-Se3+. Etwas Restbedenkzeit hatte er also, und vielleicht “spürte” er dass mehr drin war als Dauerschach, sah es jedoch nicht.

 

Runde 8 Schwarz gegen Inarkiev

 

inarkiev-oparin

 

Stellung nach 30.Lc4? Ob sizilianische Konturen noch sichtbar sind, sei dahingestellt – Reti wo Weiss Schwarz ein starkes Bauernzentrum gönnt war es jedenfalls nicht, da spielt Weiss ja g3 und Lg2. Es war Najdorf, im 26. Zug bekam Schwarz einen “Drachenläufer” auf g7. Bis zum 29. Zug war die Stellung für Engines etwa dynamisch-ausgeglichen – dachte Oparin, dass er mit Schwarz (klar) besser steht? Dazu könnte man einen unabhängigen Experten befragen, z.B. MNVL (Maxime Najdorf Vachier-Lagrave) – ich hatte ihn zwar in Wijk aan Zee gesprochen und weiss auch, wo ich seine email-Adresse finden kann, aber das sprengt doch den Rahmen dieses Beitrags.

 

Wie dem auch sei, 30.Lc4? war falsch – wenn Schwarz das macht, was Weiss offenbar will: 30.-dxc4! 31.Td7 Df6 32.Txc7 Txc7 33.Dxc7 – Weiss hat die Figur zurück und einen nun umwandlungsbereiten c-Freibauern, aber Schwarz hat 33.-e4! und steht besser. Stattdessen spielte Oparin 30.-e4?! 31.Txd5! exf3 (31.-Sxd5 32.Lxd5 Td6 33.fxe4 – aus schwarzer Sicht zu viele Bauern für die Qualität) 32.Td7 usw. – Weiss bekam, was er wollte und behielt dabei den Lc4, später 1-0. Oparins Bedenkzeit war vielleicht latent schon etwas knapp, aber für den 30. Zug konnte er noch 10 Minuten verwenden.

 

Runde 9 kann ich wieder auslassen. Gegen Vitiugov erreichte Oparin mit der verzögerten spanischen Abtauschvariante (1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.Lxc6) wenig bis nichts, Remis nach 33 Zügen (also durch Zugwiederholung). Runde 10 Schwarz gegen Svidler war ein wilder Schlagabtausch, ich zeige die Stellung nach 29.Sf8+ Kg8:

 

svidler-oparin

 

Gewisse Ähnlichkeiten zu Bocharov-Oparin, unter umgekehrten Vorzeichen – und Weiss hat offensichtlich nicht mehr als Dauerschach. Svidler redete über diese Partie gut 55 Minuten, auch für seine Verhältnisse lang (etwa 30-45 Minuten war üblich). Aber ich habe mir das noch nicht angehört, alles geht nicht und im gegebenen Rahmen ist es ja nur eine von elf bzw. neun Partien.

 

Runde 11 war der Höhepunkt des gesamten Turniers (einige Runden zuvor sehr remislich), und auch – so sieht er es – von Oparins Turnier. Mit Weiss gegen Fedoseev machte er schon wieder, was ich selbst als grosser Freund des Läuferpaars nie oder jedenfalls ungern mache – früh LxSc6, diesmal im Anti-Berliner 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.d3 Lc5 und nun 5.Lxc6, danach lange Rochade. In der WM-Eröffnungsvorschau Teil eins für chess24 schreibt IM David Martinez “Trotzdem denke ich, dass moderne Computeranalysen dieser verdächtig aktionistischen Herangehensweise, einen Springer auf c4 und eine Dame auf e2 zu stellen, sowie die Bauern am Königsflügel nach vorne zu preschen, standhalten können.” Oparin machte es etwas anders, Dame nach e2 aber sein Damenspringer blieb auf d2 bis er über e4 eingreifen konnte, und gewann souverän-spektakulär. Das letzte theoretische Wort zu diesem Abspiel? Natürlich hat Fedoseev da was falsch gemacht, aber das ist nicht Thema dieses Artikels. Die Schlussstellung:

 

oparin-fedoseev

 

Schon im Turnierartikel schrieb ich, dass a7-a5-a4 noch kein Königsangriff ist, Weiss war am anderen Flügel “etwas” schneller. Hier muss man nach (nicht mehr gespielt) 32.-Df7 nicht unbedingt die Computervariante 33.h7!!? Dxf5 34.h8D+ usw. sehen und spielen, 33.Dxf7+ Kxf7 34.Sxd6+ nebst schwarzen Te8 verhaften reicht völlig.

 

Das war Oparins Turnier. Zu “Ich würde nicht sagen, dass ich besser abschnitt als verdient. … 50% etwa das logische Ergebnis.”: Ich sehe, was er meint, aber meine These (auch zu meinen eigenen Amateurpartien) lautet: Im Schach gibt es kein Pech – für eigene Fehler und ausgelassene Chancen ist man selbst verantwortlich und sonst niemand. Im Schach gibt es Glück – gegnerische Fehler und nicht genutzte Chancen sind Glückssache. Was schon sein könnte: Bei besserer Form konnte er durchaus eventuell mindestens Dritter werden, auch so war er jedenfalls nicht “Fremdkörper” sondern, auch in den Remispartien, belebendes Element im Turnier.

 

Noch zwei Exkurse: In Russland kann sich die “zweite Garnitur” (dort auch noch Grossmeister mit Elo 2600+) über ein Habfinale nach Schweizer System für das Superfinale qualifizieren und spielt dann gegen die allerbesten Landsleute – nicht alle machen im Superfinale mit, aber doch viele. Vielleicht wäre ähnliches auch in Deutschland einen Versuch wert? Berufstätige Amateure wollen oder können vielleicht nicht in einem Jahr dreimal Urlaub nehmen, um bei der deutschen Meisterschaft zu spielen (regionale Meisterschaft, Halbfinale und dann DEM) – dann bleibt keine Zeit mehr für noch ein Open und/oder einen nicht-schachlichen Urlaub. Man kann auch sagen, dass sich die Sieger des Halbfinales (bei mehreren Quali-Plätzen gibt es mehrere Sieger) für die DEM des nächsten Jahres qualifizieren, und das Halbfinale dann parallel zu diesem Rundenturnier austragen. Stünde das Halbfinale dann im Schatten des Finales? Nicht unbedingt: in Wijk aan Zee bekommt die B-Gruppe zwar weniger Aufmerksamkeit als die A-Gruppe, aber eher mehr als ein vergleichbares Rundenturnier anderswo ohne ein noch stärkeres nebendran. Wie man Spitzenspieler zur Teilnahme an der deutschen Meisterschaft motivieren oder gar zwingen kann/könnte, ist nochmal ein anderes Thema das ich hier nicht beleuchte.

 

Und was war in Abu Dhabi? Darüber hatte der Schachticker dieses Jahr nicht berichtet, das war Oparins Turnier:

 

Rd. Bo. SNo Naam Rtg FED Pts. Res. we w-we K rtg+/-
1 14 82 Raja Harshit 2354 IND 3,5 s ½ 0,82 -0,32 10 -3,20
2 34 80 Iniyan P 2368 IND 5,0 w 1 0,81 0,19 10 1,90
3 16 47 IM Igonin Temur 2466 UZB 3,5 s ½ 0,70 -0,20 10 -2,00
4 17 67 IM Das Sayantan 2399 IND 4,5 w ½ 0,78 -0,28 10 -2,80
5 19 60 IM Shyaamnikhil P 2421 IND 5,0 s 1 0,75 0,25 10 2,50
6 11 41 IM Aryan Chopra 2485 IND 6,0 w ½ 0,68 -0,18 10 -1,80
7 12 37 GM Vishnu Prasanna. V 2512 IND 5,5 s ½ 0,64 -0,14 10 -1,40
8 12 38 IM Ly Moulthun 2501 AUS 5,5 w ½ 0,66 -0,16 10 -1,60
9 12 34 GM Mekhitarian Krikor Sevag 2550 BRA 5,5 s ½ 0,59 -0,09 10 -0,90

 

Viele junge Gegner (neben einigen Indern ist auch der Usbeke Temur Igonin, *2000, noch jünger als Oparin selbst, Baujahr 1997), viele Inder, viele Remisen gegen nominell schwächere Gegner – er selbst war mit Elo 2617 Nummer 14 der Setzliste und landete auf Platz 33. Mit Schwarz spielte er gegen 1.e4 einmal geschlossen Spanisch, einmal den Sweschnikov-Sizilianer (auf Amateurniveau, ich spielte es selbst jahrzehntelang, gut für “drei Ergebnisse”, aber auf hohem Niveau mittlerweile recht remislich) und zum Schluss doch Najdorf, aber auch das wurde remis. Auch noch höher eingeschätzte Spieler hatten zum Teil kein gutes Turnier: Der an zwei gesetzte Wang Hao wurde Fünfzehnter (6/9, +4=4-1) – er hat wohl den Höhepunkt seiner Karriere hinter sich und steht mittlerweile im Schatten anderer Chinesen. Oparins Landsmann Fedoseev wurde, an vier gesetzt, 27. – nicht weil er einmal remisierte, sondern weil er drei Partien verlor. Besser machte es ein anderer Russe, der generell auch als solide gilt: Dmitry Andreikin war vor dem Turnier Elofavorit und nach dem Turnier Turniersieger.

 

Print Friendly, PDF & Email