Alkaloid „im Schongang“ Europacup-Sieger (Oparin UPDATE)

Good ol‘ Ivanchuk bester individueller Spieler

 

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Man kann den Europacup für Vereinsteams aus verschiedensten Blickwinkeln betrachten: aus Teamsicht, aus individueller Sicht, aus internationaler, deutscher oder auch niederländischer Sicht. Ich mache ein bisschen alles und riskiere damit – der Leser ist vorgewarnt – Überlänge, zumal es nur einen Bericht zu sieben Runden gibt.

 

Ich beginne mal mit dem Endstand (Mannschaftspunkte, dann nach Tiebreak sortiert): Alkaloid (Mazedonien) 12/14, Mednyi Vsadnik (St. Petersburg), SHSM Moskau, Ashdod (Israel), Odlar Yurdu (Aserbaidschan), Syberia 11, Zhiguli (Samara), AVE Novy Bor, VSK Sveti Nikolaj Srpski (ja, Serbien), Schachgesellschaft Zürich, Ladya Kazan 10. Die Sponsoren kommen aus den genannten Orten und Ländern, die Spieler nur teilweise. 9 Mannschaftspunkte erzielten unter anderem OR Padova (damit sicher nicht zufrieden) und Werder Bremen (damit wohl zufrieden, und damit habe ich „aus deutscher Sicht“ bereits eingebaut).

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Women

 

„Im Schongang“ ist vielleicht falsch was Team Alkaloid betrifft – aber erst hatten sie etwas Losglück, dann knappe Ergebnisse zu ihren Gunsten in eigenen und teils auch passende Ergebnisse in anderen Matches. Individuell war bei ihnen eigentlich niemand überragend – rein elomässig durchaus Pavel Eljanov an Brett 3 (4,5/6, TPR 2810), aber das waren drei Siege gegen Spieler mit Elo unter 2650 und dreimal Remis gegen 2700+. Andererseits hat auch niemand enttäuscht, es war also eine Teamleistung. Haben bei ihnen auch Mazedonier mitgespielt? Ja, in den ersten vier Runden einer (zwei verschiedene) am sechsten Brett.

 

Da es kein Teamfoto von Alkaloid gibt, bekommt ein anderer das Titelfoto – immer fotogen, mal schachlich gut drauf und mal nicht. Diesmal erwischte „good ol‘ Ivanchuk“ ein Superturnier – in der letzten Runde Schwarzsieg gegen ein absolutes Schwergewicht (nicht nach Kilogramm, also nicht der lange Kramnik, aber nach Elopunkten), insgesamt 5,5/7, TPR 2888! Alle Fotos von Lennart Ootes via die Turnier-Facebookseite.

 

„Runde für Runde“ teils im Schnelldurchlauf. In Runde 1 recht grosse Elounterschiede, obere gegen untere Hälfte der Setzliste, und daher klare Ergebnisse, 6-0 dabei nur gelegentlich. Auch deutsche und niederländische Teams an den vordersten Tischen: Alkaloid – Schachfreunde Berlin 5-1 (immerhin aus Berliner Sicht Remisen für Polzin gegen Jakovenko und ihren Schweden FM Lundin gegen Kryvoruchko). En Passant – OR Padova 0,5-5,5: Vereinssponsor Dick de Graaf (Elo 2195) konnte am sechsten Brett ein Endspiel gegen GM Dyirnyy remis halten – mit Können und sicher auch Glück, zwei Mehrbauern sollte aus gegnerischer Sicht eigentlich reichen, aber am Ende nicht. Spitzenbrett Friso Nijboer stand gegen Gelfand gar auf Gewinn, aber verlor dann noch in Zeitnot. SISSA (Groningen) – Ashdod 1,5-4,5, Achtungserfolge mit Schwarz: GM Georgiev – FM Hummel 1/2 und da war für den Aussenseiter sogar mehr drin, sowie

 

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GM Volokitin – van Foreest 0-1! Beim Schwarzspieler habe ich den GM-Titel nicht etwa vergessen – es war nicht Jorden (der verlor an Brett eins gegen Ivanchuk, kann passieren) sondern sein noch titelloser jüngerer Bruder Lucas. Der Schwarzspieler kannte eine neu-altmodische Variante im spanischen Marshallgambit offenbar besser als sein grossmeisterlicher Gegner. Neu-altmodisch, da sie (Stellung nach 17.-Lg6) auf recht hohem Niveau etwa alle zehn Jahre wieder auftauchte: 1990 und 1993 in Dolmatov-Khalifman und Dolmatov-Kamsky, 2005 und 2008 in zwei Schwarzpartien von Jan Gustafsson, 2015 versuchte es dann Svidler: mit Riesenerfolg bei der Europa-Meisterschaft gegen Ivanchuk, dann Niederlage in Baku gegen Karjakin (naja, das war eine von vielen chaotischen Partien im Weltcup-Finale). Ob Svidler sich zuvor ein chess24-Eröffnungsvideo eines gewissen Jan Gustafsson angeschaut hatte, müsste man ihn fragen.

 

Volokitins 18.h4 (nach 20 Minuten) war nicht ganz neu – so hatte ein anderer Jan bereits gespielt, der mir unbekannte Jan Slawenik in zwei Fernpartien. Etwa anderthalb Stunden später (beide investierten nun viel Bedenkzeit) waren 20 Züge gespielt und Schwarz war ab hier durchgehend am Drücker. Ob Volokitin das verlieren „musste“, sei dahingestellt, nach 62 Zügen gab er jedenfalls auf. Vielleicht etwas früh, van Foreest musste gar nicht zeigen, dass er mit Läufer und Springer mattsetzen kann.

 

Werder Bremen war an 19 gesetzt, das ist obere Hälfte der Setzliste – 5-1 gegen die Dänen von Bronshoj Skakforening.

 

In Runde 2 teilweise bereits knappere Ergebnisse, aber weiterhin Favoritensiege. Zwei Resultate will ich herausgreifen: Werder Bremen – KGSRL Gent 3,5-2,5, das war knapp aber die Belgier waren auch fast gleichwertig. Entscheidend, dass am Spitzenbrett Matthias Bluebaum für Bremen spielte und Romain Edouard (auch im Bremer Bundesliga-Team) diesmal für Gent – Bluebaum-Edouard 1-0 und fünfmal remis. LSG IntelliMagic (aus Leiden, NL) – Mednyi Vsadnik (aus St. Petersburg, RU) 1,5-4,5: Das Leidener Spitzenbrett Jan Michael Sprenger schockierte Peter Svidler gleich zweimal: nicht mit seinem Doppeltitel IM und Dr. (Professor ist er auch, ausserdem FAZ-Schachblogger), sondern zunächst (diese Info stammt von der Leidener Vereinshomepage) indem er mit einem Pushkin-Buch zur Partie erschien [Mednyi Vsadnik bedeutet „Goldener Reiter“ und bezieht sich auf ein Pushkin-Gedicht]. Und dann, indem er im Zaitsev-Spanier mit Weiss die Züge wiederholte (11.Sg5 Tf8 12.Sf3 Te8 13.Sg5 Tf8 14.Sf3 Te8 15.Sg5) – schon oft gespielt, Svidler war einverstanden. Sinn der Sache war vielleicht auch die Perspektive GM-Norm – um das bereits zu erwähnen, am Ende klappte es für Sprenger (TPR 2605, quasi Punktlandung). Zwei seiner Teamkollegen hatten Schwarz gegen Grossmeister und remisierten ebenfalls durch Zugwiederholung, jeweils Dauerschach – bei Rodshtein-Bosman „korrekt“, bei Khairullin-de Jong war für den Aussenseiter gar mehr drin.

 

In Runde 3 gab es bereits Duelle etwa auf Elo-Augenhöhe und demnach knappe, teils überraschende Ergebnisse:

 

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Srpski – OR (Obiettivo Risarcimento) Padova 3,5-2,5: Zwar gewann der Italiener in italienischen Diensten (Brett 6 Vocaturo-Perunovic 1-0), aber die prominenteren Spitzenbretter verloren: Mamedyarov – Vachier-Lagrave 1-0 – manchmal verliert MVL auch im Grünfeld-Inder, hier die Version mit von Weiss g3 und von Schwarz -c6 nebst -d5.

 

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Aronian-Rapport 0-1! Das schwarze Eröffnungsexperiment 1.d4 d5 2.c4 Sc6!? (auf hohem Niveau bekannt aus Partien von Morozevich, Ivanchuk und Rapport) funktionierte wunderbar! Kannten die beiden sich eigentlich? Ja, vor wenigen Monaten verlor (der Baden-Badener) Aronian in der Bundesliga gegen (den Solinger) Rapport – damals war es am Ende meisterschaftsentscheidend, und auch diesmal kostete es Team Aronian Mannschaftspunkte. Gelegenheit zur Revanche hat Aronian im Januar 2017 in Wijk aan Zee, und danach vielleicht auch (wenn beide mitspielen) beim deutschen Bundesliga-Finale in Berlin.

 

SHSM Moskau – Syberia 2,5-3,5 war erwartungsgemäss, dabei knapp. Es war Chefsache:

 

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Inarkiev-Kramnik 0-1 und fünfmal remis.

 

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Ashdod-Schachgesellschaft Zürich 3-3 war für die Israelis weniger als erwartet. Hatte Ivanchuk eigentlich einen Gegner?

 

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Ja, Loek van Wely – der mit seinem Schwarzremis wohl zufrieden war, überhaupt und da er zuvor in einem Sizilianer klar schlechter stand.

 

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Zhiguli – Novy Bor 4-2! Und damit waren die favorisierten Tschechen noch gut bedient. Das Match war bereits entschieden, als Grigoriy Oparin (hier wieder im Karohemd) im remisen Turmendspiel gegen Wojtaszek patzte und verlor. Nur an diesem Brett konnte Novy Bor mit Weiss gewinnen, Zhiguli schaffte selbiges gegen die Elo-Hackordnung dreimal: Sjugirov-Harikrishna 1-0, Predke-Shirov 1-0, Geller-Laznicka 1-0 (nicht Efim Geller, der ist tot, sondern Jakov Geller).

 

UPDATE: Die Antworten von Grigoriy Oparin auf meine Fragen kommen manchmal spät, aber sie kommen. Zu seinem eigenen Turnier: „Irgendwie war der European Club Cup für mich ein sehr hartes Turnier, wahrscheinlich war ich nach dem Superfinale etwas müde. Ich spielte das Endspiel gegen Wojtaszek wirklich furchtbar, kann immer noch nicht glauben dass ich das verloren habe. Ich war nicht in der Lage, auch nur einen Zug voraus zu berechnen (ich sah 80.e6 erst, als es auf dem Brett gespielt wurde …).“ Da muss nun wohl ein Diagramm her:

 

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Schwarz am Zug, was tun? (Weiss am Zug wäre einfach und noch peinlicher für Schwarz). Turmendspiele sind bekanntlich „immer“ remis, aber das muss man am Brett beweisen. Weiss droht matt. Falsch wäre 78.-Tb8?? wegen 79.Kg5 nebst 80.e6 – geht dann übrigens auch nach 79.-Te8: 80.e6 Txe6 81.Ta8+ Te8 82.Txe8+ Kxe8 83.Kh6 Kd7 84.Kh7! (nur so mit gewonnenem Bauernendspiel). Richtig ist 78.-Ke8 (man kann auch erst 78.-Th1+ spielen). Falsch war, wie in der Partie, 78.-Kg8?? 79.Ta8+ Kh7 80.e6! – nun sah Oparin es auch und gab auf.

 

Oparin zu seinem Team: „Nun, fast alle Spieler haben einen Draht zur Region Samara. Da gibt es die Tolyatti Grandmaster School mit einigen sessions pro Jahr. Einige Spieler unseres Teams sind da Trainer, andere Studenten. Ich bin der einzige, der da nie dabei war, aber ich bin mit allen befreundet. Ich wurde von Yuri Yakovich, Haupttrainer der Tolyatti Grandmaster School, eingeladen.

 

Ende des Exkurses: Dahinter hatte Alkaloid keine Probleme beim 5,5-0,5 gegen Cheddleton. War auch ein relativ leichter Gegner: vorne immerhin der recht starke GM David Howell, der dann auch gegen Andreikin remisierte, dahinter durchgehend Elo unter 2500, an Brett 6 nur 2141 (trotzdem wird die Dame später fotografiert – siehe separate Bildergalerie). Noch ein Tisch dahinter links international bekannte Spieler, rechts (vielleicht bis auf Brett eins) nicht so bekannte:

 

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Mednyi Vsadnik – Werder Bremen 4,5-1,5. Matthias Bluebaum stand gegen Peter Svidler zunächst mit Schwarz durchaus gut, irgendwann nicht mehr und dann 1-0. Besser machten es, auch vom Ergebnis her, Jan Werle, Vlastimil Babula und auch Spartak Grigorian, die ihren prominenten Gegnern (Dominguez, Vitiugov und Rodshtein) jeweils ein Remis abknöpften. Und dabei belasse ich es was Runde drei betrifft.

 

Runde 4: Zhiguli bekam zur Belohnung für den Erfolg tags zuvor den nächsten Brocken: Alkaloid – und verlor nur knapp 2,5-3,5. Bei den „Mazedoniern“ durfte, letztmals im Turnier, an Brett 6 ein Mazedonier mitspielen, das wurde Nedev-Brodsky 0-1. Punkten konnte der Favorit bei Yu Yangyi-Frolyanov 1-0 (souverän) und Eljanov-Oparin 1-0, da der Schwarzspieler im Najdorf-Sizilianer zu viel riskierte. Srpski – Mednyi Vsadnik 1-5! Schluss mit lustig für die Serben – hinten verloren Serben (Fedoseev-Perunovic 1-0, Markus-Matlakov 1-0), vorne verloren Gastspieler (Mamedyarov-Svidler 0-1, Morozevich-Vitiugov 0-1). Syberia – Odlar Yurdu 3-3! Zu wenig für das Starteam mit sibirischem Sponsor. Auf Korobov war Verlass (Sieg an Brett 6 gegen Abasov), auf Grischuk nicht – Weissniederlage gegen einen Königsinder von Arkadij Naiditsch. Kramnik stand an Brett eins gegen Mamedov zwar besser, aber nicht gut genug – Remis, am Ende war im Endspiel König gegen König nicht mehr drin.

 

Einige Teams, die tags zuvor verloren, erzielten nun Kantersiege gegen Aufbaugegner: OR Padova – Crvena Zvezda 5,5-0,5, Novy Bor – Werder Bremen 5-1 – dabei war für Thorben Koop mit Schwarz gegen Navara mehr als remis drin. Etwas weniger hoch Maria Saal – Moskau 1,5-4,5 – die Österreicher haben immerhin Markus Ragger, der an Brett eins gegen Inarkiev gewann, aber der Rest konnte kaum mithalten.

 

Runde 5 – zuvor hatten zwei Teams noch 100%, also trafen sie aufeinander und es wurde Alkaloid – Mednyi Vsadnik 3,5-2,5. Zwar hatte der Mazedonier Ding Liren am Spitzenbrett die Aktivität der gegnerischen schwarzen Figuren unterschätzt und verlor gegen Svidler, aber die St. Petersburger Truppe musste zwei Weissniederlagen hinnehmen: Dominguez-Andreikin 0-1 – Weiss stand ohnehin schlecht, dann war der Tempoverlust 43.Ka2? (43.Kb2) 43.-Lxd5 44.Kb2 (es gab nichts besseres) zu viel. Fedoseev-Kryvoruchko 0-1, ein schwarzer Tag für den zuvor mit 4/4 zuverlässigen Jungstar (obwohl er Weiss hatte): im Mittelspiel verirrte sich sein Turm auf b5, was eine Qualität kostete. Die gab der Gegner zurück um in ein besseres, vielleicht nicht absolut gewonnenes Endspiel abzuwickeln. Im Endspiel landete der weisse(!) König auf e8 – nicht um einen eigenen Freibauern zu unterstützen, sondern um einen schwarzen Springer zu fressen. Dummerweise war der weisse Läufer ganz alleine nun überfordert gegen schwarze Freibauern.

 

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Ashdod-Syberia 2,5-3,5: Am Spitzenbrett Ivanchuk-Kramnik wurden nach und nach Figuren abgetauscht, dann remis. Entscheidend zugunsten des Favoriten dass Korobov (gegen Georgiev) schon wieder gewann (sein vierter Sieg in fünf Partien) und dass „sogar“ Giri gegen Vallejo gewann (erster Sieg in vier Partien). Da konnten sie die Niederlage von Li Chao gegen Moiseenko verkraften. Ladya Kazan – Zhiguli 1,5-4,5 – Kazan hat an den hinteren Brettern zwei FMs, die verloren, und der sonst sehr erfolgreich spielende Kamsky verlor ebenfalls (gegen Oparin – der ein durchwachsenes Turnier erwischte, insgesamt 3,5/7 dabei nur ein Remis). Die anderen Favoriten lösten Pflichtaufgaben.

 

Runde 6:

 

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Syberia-Alkaloid 3-3 – das passiert wenn keiner gewinnt und keiner verliert.

 

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OR Padova – Odlar Yurdu 3-3. Da gewann zwar vorne Vachier-Lagrave „irgendwann“ gegen Mamedov, aber dummerweise hatte das italienische Team an Brett 6 einen Italiener, und Alberto David verlor gegen Emil Sutovsky. Damit konnte OR Padova definitiv nicht mehr Europameister werden.

 

Zhiguli – Moskau 1,5-4,5: Lange war für den Elo-Aussenseiter zumindest ein knapperes Ergebnis drin, aber dann kippten mehrere Partien. Warum Oparin gegen Dubov mal wieder opferte, müsste man ihn selbst fragen – will ich aber nicht schon wieder tun. Es war jedenfalls wohl inkorrekt und direkt danach ein Einsteller. Predke misshandelte gegen Malakhov ein Turmendspiel, wieder war ein halber Punkt dahin.

 

Novy Bor – Srpski 2,5-3,5, der Sieger hatte noch Medaillen-, eventuell gar Titelchancen, der Verlierer nicht mehr.

 

Vor der letzten Runde führte damit Alkaloid mit 11 Mannschaftspunkten vor drei russischen Teams und Srpski mit 10.

 

Runde 7:

 

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Alkaloid-Moskau 3-3 – wieder sechsmal Remis. Sollte das (für Alkaloid) reichen? Es reichte, denn

 

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Mednyi Vsadnik – Syberia ebenfalls 3-3. Für die St. Petersburger war Fedoseev wieder zuverlässig und besiegte Rublevsky – Bauerngewinn durch ein kleines taktisches Motiv im 22. Zug und dann „Technik“. Für Syberia war Giri da, wenn er gebraucht wurde, und gewann bereits seine zweite Partie im Turnier – ebenfalls „technisch“ im Schwerfiguren-, dann Turmendspiel. Nicht so gut war Tomashevskys Endspieltechnik gegen Bu Xiangzhi, nach zuvor klarem Vorteil dann remis (sein sechstes in sieben Runden, einmal pausierte er). Wenn man Alkaloid gefragt hätte „wie soll dieses Match enden?“ hätten sie sich für 3-3 entschieden.

 

Odlar Yurdu – Srpski 3,5-2,5 war aus mazedonischer Sicht ebenfalls OK, da Odlar Yurdu vor der Runde 9 Mannschaftspunkte hatte. Rapport-Radjabov 0-1, was hat der Ungar falsch gemacht? An 1.b3 lag es nicht, eher an später dem Opfer 17.Scxd5 – das war inkorrekt. Naiditsch-Morozevich 1-0 wäre zu Moros besten Zeiten eine Überraschung, nun gewann eben Elo 2684 gegen Elo 2683. 31.-g6? kostete ein bis zwei Bauern – Naiditsch verwertete seinen Vorteil nach und nach und dann plötzlich, da der schwarze König in einem Mattnetz landete. Odlar Yurdu konnte verkraften, dass Sutovsky sich gegen Robert Markus verkombinierte und verlor. Srpski konnte nämlich nicht verkraften, dass Ivanisevic ein gewonnenes Turmendspiel gegen Safarli zum Remis vergeigte.

 

OR Padova – Ashdod 2,5-3,5 zum schlechten Ende für die Multikulti-Truppe aus Italien – Nummer drei der Setzliste, am Ende Platz zwölf. Das matchentscheidende Ergebnis hatte ich bereits anfangs angedeutet: Vachier-Lagrave – Ivanchuk 0-1!.

 

Dass Ivanchuk damit das beste Einzelergebnis von allen erzielte, hatte ich bereits eingangs erwähnt, Elo plus 13,5 bedeutet, dass er wieder in der top20 erscheint. Individuell gute Turnier hatten (aus der top100) ausserdem Svidler (4,5/6, Elo plus 10,5), Radjabov (5,5/7, Elo plus 14, damit wieder im Club 2700+), Korobov (5/6, Elo plus 10,7 – wird auf 11 aufgerundet, damit wieder genau 2700) und auch Altmeister Kamsky (6/7, Elo plus 13) sowie der junge Dubov (5/7, Elo plus 12). Nicht so gut lief es vor allem für Aronian (2,5/5 an Brett zwei kostete 10 Elopunkte), Dominguez (2,5/6, minus dreizehn), Grischuk (3/7, minus vierzehn) und Li Chao (3/6 an Brett 5, minus 10).

 

Bisher weitgehend aus der Perspektive der Spitzenteams, nun noch zu einigen anderen:

 

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Werder Bremen (Teamfoto von Käpten Stephan Buchal, Quelle Vereinsseite) am Ende durchaus im (hell)grünen Bereich. Auf dem Foto von links nach rechts Vlastimil Babula, Matthias Bluebaum, Stephan Buchal (also isses ein Selfie?), Sven Charmeteau, Spartak Grigorian, Jan Werle und Thorben Koop. Die ersten vier Runden hatte ich bereits, danach ein 5-1 gegen Oslo (keine Angst vor Norwegern!), elogerecht 3-3 gegen Timisoara und (wichtig für den Platz in der Abschlusstabelle) zum Schluss 4,5-1,5 gegen Maria Saal aus Österreich. Individuell ist Thorben Koop (2,5/7) wohl nicht zufrieden, Spartak Grigorian (5/7, IM-Norm) sicherlich, der Rest etwa im Elosoll bzw. etwas darüber.

 

Die Schachfreunde Berlin bewarben sich um den Titel des Remiskönigs: dreimal 3-3 gegen nominell etwa gleichwertige bis (Maria Saal) stärkere Gegner. 1-5 zu Beginn gegen „Mazedonien“ (Alkaloid) ging in Ordnung, auch der knappe 3,5-2,5 Sieg gegen das belgische Team Rochade Eupen-Kelmis. Nicht so toll dann das 1-5 gegen die nominell etwa gleichwertigen Mazedonier (vier Spieler mit FIDE-Code MKD) Gambit ASSECO SEE [wofür auch immer das steht, „Gambit“ verstehe ich], knapp in die falsche Richtung das 2,5-3,5 gegen SISSA Groningen. So wurde es Platz 47. Individuell recht unterschiedliche Ergebnisse, siehe hier.

 

Blick in die Niederlande: LSG IntelliMagic Leiden – mal hohe, mal knappe Siege und weitgehend (bis auf Mednyi Vsadnik) knappe Niederlagen. GM-Norm für Brett eins Jan Michael Sprenger (einzige im Turnier), IM-Norm für Brett vier Michiel Bosman, Novi Sad hat sich also gelohnt. SISSA Groningen war zwischenzeitlich weit unten in der Tabelle, dann zwei Siege: 6-0 (hurra!) gegen Abergavenny aus Wales, zum Schluss bereits erwähnt 3,5-2,5 gegen SF Berlin, so wurde es doch noch Platz 30.

 

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Das sind alle, durchaus gut gelaunt. Individuell nur zwei Spieler und ein Nachname:

 

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Van Foreest – links Lucas, rechts Jorden. Für Lucas ein insgesamt gutes Turnier, Wermutstropfen in der letzten Runde trotz Mannschaftssieg gegen Berlin: Marco Baldauf gönnte ihm das nicht, was er (Baldauf) bereits hat – den IM-Titel. Drei Normen hat Lucas, Elo 2400 fehlt noch, ein Remis hätte wohl gereicht für genau das aber er verlor. Für Jorden diesmal kein gutes Turnier, dadurch nun eine runde Elozahl: genau 2600, vorher 2614. Niederlagen zu Beginn gegen Ivanchuk (OK) und Howell (auch OK), dann noch gegen gm Kharchenko (Elo 2450, eher nicht OK).

 

Bei En Passant war der Höhepunkt ein 3,5-2,5 gegen das klar favorisierte serbische Team Itaka, am Ende lief es nicht mehr. Auch hier zwei Fotos:

 

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Das sind alle gegen die Finnen von Tammer Shakki (3-3 leicht enttäuschend).

 

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Das sind Vedder und Vedder – nicht Vettern sondern Brüder. Stehend FM Richard, sitzend IM Henk – beide vielleicht nicht zufrieden mit der Stellung auf dem Brett.

 

Kennemer Combinatie aus meiner Provinz Noord-Holland, genauer gesagt aus Haarlem, war und blieb relativ weit unten in der Tabelle – laut Berichten auf der Vereinshomepage war die Stimmung dennoch OK. Höhepunkt zu Beginn ein 5-1 gegen Butrinti aus Albanien, und am Ende immerhin ein knappes 3,5-2,5 gegen Ezerelio Vaivorykste.

 

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Gegen Ladya Kazan (rechts Kamsky) waren sie in Runde 3 erwartungsgemäss chancenlos, auch in Runde 4-6 dann weniger Brett- und Mannschaftspunkte als erhofft.

 

War da noch was? Zum Damenturnier nur so viel: Die klaren Favoritinnen von Cercle d’Echecs Monte Carlo (Hou Yifan, doppelt Muzychuk, Cramling und gelegentlich mal Skripchenko) gewannen alle Matches und damit auch das Turnier. Hou Yifan gewann dabei sechs ihrer sechs Partien – 4,5/6 wäre das normale Ergebnis, so hat sie mal wieder 15 Elopunkte zugelegt. Deutschland war nur durch Elisabeth Paehtz, Spitzenbrett des italienischen Lazio Scacchi, vertreten – kein gutes Turnier für ihr Team und für sie persönlich.

 

Am Layout werde ich noch basteln [inzwischen geschehen], und Bildergalerie kommt noch separat, nun gute Nacht! Es ist 1:45.

 

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