Raphael Rehberg macht 100% in Magdeburger DSAM (A)

Der reisende Raphael kam, zog und siegteundsiegteundsiegte … – Ein Beitrag von Ralf Mulde

 

Raphael Rehberg

Raphael Rehberg

Natürlich hat es das schon einmal gegeben. Eine Turnierserie, die Anfang November 2001 startete, hat schon (fast) alles erlebt, obwohl das organisierende Team rund um Dr. Dirk Jordan personell konstant blieb. Aber etwas wirklich ausragend Besonderes ist es schon, so ein Sieg mit glatten 100% in der schwierigen A-Gruppe (Ratingkorridor: 2101 – 2300).

 

Dieses Kunststück mit „fünf aus fünf“ gelang nun Raphael Rehberg beim Advents-Turnier der DSAM in Magdeburg. Er spielt für Lok Brandenburg, hissste schon zuvor mit Turnierleistungen wie 2473 (Lichtenberg) oder 2553 (Wildau) eine klar sichtbare Signalflagge, und in genau diesem Stil ging es der Go-Experte (Lasker lässt grüßen) dann eben auch in Magdeburg an. Raphael Rehberg wurde im Juli 1989 in Rheda-Wiedenbrück geboren und ist nun, kurze Zeit später, Student der TH Brandenburg. Auch das Fernsehen zeigte sich interessiert und interviewte so fleißig, wie es eben bei einer Deutschen Meisterschaft so ist.

 

Sonderbares geschah während des Turniers auch anderswo. Nicht nur in den fernen USA, wo sich in einem Kurz-Wettkampf die Herren Carlsen und „Car Jack“ Karjakin übten, sondern auch bei den Kickern, wo in der regional hoch bedeutenden Begegnung Magdeburg – Halle das bröselige (neue!) Stadion auch wegen der gewöhnlich rhythmisch hüpfenden Zuschauer knapp vor der Absage stand. Die stets sozialen, deutschen Amateur-Schachspieler zeigten sich gewohnt solidarisch und auferlegten sich ein freiwilliges Hüpfverbot im Turniersaal. Magdeburg siegte 1-0. Turnierseite

Hubert Walkewitz

Hubert Walkewitz

Die DSAM-Gruppe B umfasst den Ratingbereich 1901 – 2100. Peter Oppitz (Wolfenbüttel), Martin Fenner (Tönsberg) und Uwe Ritter (Zwischenahn) spielten phantastisch, galoppierten mit 4,0 Pkt. ins Ziel, der Magdeburger Benjamin Wagner folgte mit einem halben Punkt weniger und dann kam schon „der Mann aus Niemegk“ herangebraust: Der älteste Teilnehmer des gesamten Turniers war der 1934 geborene Hubert Walkewitz aus Niemegk, der sich mit größter Gelassenheit auf dem fünften Platz der B-Gruppe direkt für das Finale qualifizierte! Natürlich handelt es sich bei diesen Etiketten mit „ältester“, „jüngster“, „schönster“ etc. immer nur um hauchfeine Unterschiede, gleichsam die Feinwertung des Lebens, es waren noch weitere des Jahrgangs 1934 am Start.

 

Es gab noch mehr wirklich besondere Leistungen zu bestaunen, wobei das Abendbuffet des gastgebenden RAMADA-Hotels mit erwähnt werden muss. Bester Magdeburger wurde Jonas Roseneck von Aufbau Elbe, der einen schönen 7. Platz erklomm. Das beweist: Nicht jeder Magdeburger heißt „Otto“ – es sitzt ja auch nicht jeder auf einem Pferd neben dem Dom. Der älteste Teilnehmer des gesamten Turniers findet sich gemeinhin in einem Senioren- oder gar Nestoren-Turnier wieder und wird ebenso wie die Kinder, Jugendlichen, Frauen zwar mit Extra-Ehren bedacht, steht damit aber – scheinbar! – nicht mehr so richtig normaler, sportlicher Konkurrenz zu den vielleicht 40jährigen Spielern.

 

Das ist und war (und bleibt) bei der DSAM schon immer anders. Hier spielt jeder mit jedem, Alter egal, Haarfarbe auch, als Hinweis, in welche der 6 Gruppen es einen verschlägt, dient einzig die TWZ, die Turnierwertungszahl, also der höhere Wert von DWZ oder Elo. Ein Spieler ausschließlich mit nationalem peruanischen oder nepalesischen Rating würde wohl eingeschätzt werden.

 

Lara Schulze

Lara Schulze

Gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann die Leistung der Damen im Turnier. Manch eine wird erst noch zur Dame wie die in der E- oder F-Gruppe spielenden Kinder (geht aber schneller als man denkt!), andere sind es schon. WM-Teilnehmerin Lara Schulze aus Lehrte bei Hannover zog auch aus diesem Grund manches Interesse auf sich, die in der „sauschweren“ B-Gruppe punktgleich mit dem Vierten abschloss, aber durch die Feinwertung Elfte wurde.

 

Der schachlich komplett ahnungslose Autor begeisterte sich jedoch auch am Spiel der mit 11 Jahren noch sehr jungen Elina Heutling, die in der F-Gruppe „geteilte Vierte“ wurde, wenn man die Feinwertung einmal abräumt. Ihr Vater Thomas war in dieser Gruppe mit seinem Tabellenplatz jedenfalls schon nicht mehr so ganz in Sichtweite, was für Kinder natürlich immer ein Triumph – und Ansporn – besonderer Art ist. Noch nicht ganz so weit ist die 2004 geborene Magdalena Rabenstein, die im USC Magdeburg mit ihrem König ihre Kreise … Moment mal, geht das? Die also mit ihrem Springer ihre Kreise zieht. Einundfünfzigste von 67 klingt nach nix, aber es war ja auch erst das fünfte Turnier der Kleinen – welches Rating hattest Du eigentlich in ihrem Alter?

 

Unter „besondere Leistung“ einer ganz besonderen Dame fällt ganz sicher auch der jahrelange Aufwand, den Martina Jordan den Spielern, der DSAM und damit dem DSB zukommen lässt. Die Dresdnerin, Ehefrau des Turnierdirektors, war diesmal als „DSAM-Schatzmeisterin“ mit ihrem einhundertsten Turnier am Spielort! Anreise jeweils ein Tag vor Anpfiff, Abreise frühestens am Tag der Ehrung der Sieger, oft einen Tag später, bei 100 Turnieren sind mehr als 400 Tage und damit mehr als 146.000 Stunden – plus der Zeit, die keiner misst, nämlich die für Vor- und Nachbereitung. Klaus Deventer, Vize-Präsident des Deutschen Schachbundes, aß … äh … überreichte eine riesige Torte, deren funkensprühende Wunderkerzen im Rekordtempo abbrannten – genau nach dem Geschmack unserer „Dresdner Bank“, die ja während des Turniers dauernd etwas Wichtiges zu tun hat.

 

Natürlich wird sie auch beim Weihnachts-Turnier in Aalen mit dabei sein. Hier gilt: „Anmeldestopp für Aalen (16.-18.Dez.2016 ), Sie können sich nur als Nachrücker anmelden. Auch das Hotel in Bergedorf bei Hamburg (6.-8.Jan.2017) ist für das Neujahrs-Turnier der DSAM zwar ausgebucht, aber Anmeldungen sind noch möglich!“ Na, denn mal los … der nächste Termin wäre dann erst das Karnevals-Turnier in Brühl bei Köln am 24.-26.Feb.2017.

 

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Veröffentlicht unter DAM |