Bergedorf eiskalt, Amateure heiß auf Schach

Hugo Schulz und Dirk Jordan

Hugo Schulz und Dirk Jordan

Im RAMADA-Hotel in Bergedorf bei Hamburg wird traditionell der Hahn am Amateur-Schach-Jahr wieder aufgedreht, nachdem das Fass im alten Jahr ebenfalls traditionell in Aalen verschlossen wurde. Die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft DSAM riss trotz vorhandenem Eis und angekündigtem Unwetter 505 Spielerinnen und Spieler aus den heimischen Sesseln, die nun eben zwischen Freitag und Sonntag in sechs Leistungsgruppen die zweifellosen Vorzüge einer Vier-Sterne-Rundum-Sorglos-Umgebung genießen. Das ist erst das zweite Mal, dass die DSAM mehr als 500 Teilnehmer versammelt, was ja auch an den nun mal vorhandenen Begrenzungen liegt, die so ein Saal eben so hat.

Willi Meyer ist 91 Jahre jung, spielt mit seiner DWZ 1335 für Billstedt-Horn 91 und räumt jetzt die Gruppe E ab. Vielleicht jedenfalls. Hingewiesen sei darauf: Das ist nun mal nicht die letzte Gruppe. Und er ist auch in der E keineswegs ganz unten gesetzt. Mithin: Senioren spielen selbstverständlich mitten im Turnier und zwar mit beachtlicher Kraft! Man denke dabei nicht nur an den sehr lange spielenden Viktor Kortschnoj, sondern auch an Juri Awerbach, 1922 geboren, ältester lebender GM, davor

Am Rand der Eröffnung - wozu sich erst lange hinsetzen

Am Rand der Eröffnung – wozu sich erst lange hinsetzen

Andor Lilienthal (1911 – 2010) und Fritz „Zeitnot“ Sämisch (1896 – 1975) oder David Janowski (1868 – 1927), die alle sehr, sehr lange und eben oft auch sehr gut spielten.

Von Willi Meyer und Dr. Emanuel Lasker (1868 – 1941) kommen wir nahezu zwangsläufig zum jüngsten DSAM-Teilnehmer in Bergedorf. Das ist der 7jährige Thomas Bosnak (Hamburg, DWZ 1100), der in der Gruppe F spielt und dessen kindliche Vita natürlich noch keine Informationen hergibt: Ein wahrer Luxus im Computer-Zeitalter. – Ob jung, ob alt, in der DSAM gibt es nur „gut“ oder „momentan außer Form“ – vom Rating her haben in der A-Gruppe der Kölner FM Ingo Cordts (2289) und FM Hartmut Zieher (2285 ) vom Hamburger SK die besten Aussichten, die A-Gruppe zu gewinnen, aber wer weiß …?

Ungeheuerliches ist aus der Stadt auch zu vermelden, denn die nicht gerade als reisefreudig bekannten Spieler des – existenten! – Landessschachbundes Bremen wurden nun gleich als Quartett begrüßt, vielleicht, weil Bergedorf an der Bille eben nicht Hamburg an der Alster ist? Die vier Wagemutigen am Dreikönigstag sind Frank Peters, Dr. Andreas Salm (beide Bremer Schachges.), Matthias Kohn (Bremer Osten) und Frank Schindehütte (Findorffer SF).

Ein Beitrag von Ralf Mulde    Fotos: Ingrid Schulz

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