Das war’s – und es war schön! DASM in Brühl

Alle schauen zuerst auf den Sieger der A-Gruppe, also der stärksten Schach-Brigade der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft DSAM Brühl 2017. Machen wir jetzt auch. Wir mussten erst die dicke Konfetti-Schicht absaugen, dann fanden wir ihn darunter wieder: Stefan Schiffer, der Mann aus

Stefan Schiffer

Brühl, ist Jahrgang 1995 und erzielte auch fast so viele Punkte, nämlich 4,5. Aus nur fünf Partien, wohlgemerkt. Damit distanzierte er die folgenden Spieler um einen ganzen Punkt und das ist in einem solchen Turnier nun doch recht ungewöhnlich.

Andreas Schulze, Dr. Jens Hinkmann, und Prof. Dr. Friedbert Prüfer kamen auf gute 3,5 Punkte, konnten diesmal den Brühler aber einfach nicht aufhalten. Zu bedenken ist aber, dass der Bochumer Dr. Hinkmann unter den 28 Spielern dieser Gruppe lediglich auf Platz 26 gesetzt worden war und doch phantastischer Dritter wurde: Zauber der Ratinglisten, vor allem aber ein schöner Erfolg für den Dottore aus dem Ruhrpott.

Ähnlich energisch wie Stefan Schiffer in A ging der junge Lübecker Frederik Svane in Gruppe B die Geschäfte an. Bis zur letzten Runde hatte er noch 100% und die Mitteilung über das Remis gegen den dann Zweiten André Kienitz, Erkelenz, entstand keineswegs nach kürzester Zeit; die beiden saßen sich durchaus längere Zeit am Brett gegenüber und werden sich währenddessen nicht nur aus der Tageszeitung vorgelesen haben. Stört ja auch die anderen, so was.

Frederik Svane

Frederik Svane

Wenn Du in B auf Platz 48 gesetzt bist, solltest Du doch auch bitteschön so spielen, damit nicht alles durcheinander kommt, oder? Das hätte dem Stefan Gutt von den Bergischen Schachfreunden aber vorher jemand sagen müssen! So hatte der gigantisch Aufspielende eine Runde vor Schulz im Studio B plötzlich 3,0 Punkte und mit ein wenig mehr … naja, Durchblick … wären es am Ende ebenso viele Punkte gewesen wie sie der Zweite glückstrahlend aus dem Saal trug. War aber nicht so. Fünfzehnter Platz. Schach hat etwas Grausames.

Zu drei Sensationen sind wir ja noch gar nicht gekommen! Drei Spieler sind mit glatten 100% durch dieses Turnier marschiert, unaufhaltsam, immer weiter. Wären es noch drei, vier mehr Runden gewesen, hätten sie die vielleicht auch noch gewonnen, obwohl … bei den beiden in der F-Gruppe, Mathias Resch, SK Altenkirchen und Michail Charalambakis, SV Altbach, wäre es so gewesen, dass sie irgendwann eben doch gegeneinander hätten spielen müssen. So war diese Gruppe mit ihren insgesamt 60 Teilnehmern ein wirklich seltenes Beispiel dafür, dass es nach 5 Runden wirklich noch 2 Teilnehmer geben kann, die ALLES gewonnen haben.

Und das hatte Frank Sturm von Germania Cadenberge in der viel höheren Gruppe C auch, der hat nämlich ALLES gewonnen! 100% – und zwar, man wäre sonst ja irre geworden, alleine. Frank Sturm wurde 1965, geboren steigert mit diesem imponierenden Erfolge seine Elo 1814 und auch die DWZ 1802 wohl nicht gerade in „Welten, die nie ein Mensch gesehen hat“, aber ganz bestimmt um einen beachtlichen Absatz.

Es gibt mittlerweile drei TV-Krimis aus der „tatort„-Reihe, die mit Karneval zu tun haben. Bei der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft DSAM Brühl 2017 spielte der vierte. Kann es denn Spannenderes geben als die Frage, ob Schwarz den Bauern gerade noch rechtzeitig umwandeln können wird, ob Weiß mit Minus-Qualität doch noch alle Einbruchsfelder decken können wird und, nicht zuletzt, ob einer am Nebentisch das Matt noch schafft, bevor die Platte fällt? Am Ende setzten sich in diesem Turnier die Jüngeren weitgehend durch. Warum? Weil die lustigen Älteren schon draußen im Alaaf!-Karneval herumtobten, während sich die Jüngeren im Endspiel noch mit dem König nach b4 kämpften.

Beweise gefällig? Der Lübecker Frederik Svane. Geboren: 2004. Punkte: 4,5. Resultat: Sieger der B-Gruppe. Beste Dame der C-Gruppe: Lisa-Marie Möller. Geboren: 2001, Punkte: 4,0. Gruppen-Dritte & zugleich beste Dame der D-Gruppe: Eva-Maria Titgemeyer. Geboren: 1998, Punkte: Ja. Und zwar 4,5. Zweiter der E-Gruppe: Yanis Toma, Hamburger SK. Geboren: 2006, Punkte: 4,0. Zum Glück waren diesmal keine Sechsjährigen am Start – die hätten womöglich auch ihre Gruppe gewonnen. Tatsächlich aber: Ich finde so etwas toll. Wir alle können uns freuen, auf solche Talente zu stoßen, die irgendwann vielleicht auch die DSAM gewinnen werden.

Im Turnier gab es natürlich noch viel, viel mehr Partien, Bilder, Stories, Triumphe, … wer schauen möchte, schlägt genau hier nach:

Turnierseite

Halt! Eins noch: Für das DSAM-Turnier in Kassel, 31. Mrz. – 2. Apr. 2017, gibt es nun einen kompletten Anmeldestopp; den Hotelstopp gab es ja schon länger.

Ein Beitrag von Ralf Mulde

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Veröffentlicht unter DAM |