Schach als Unterrichtsfach

Die Friedrich-Ebert-Realschule bietet NRW-weit einzigartige Profilklassen an. 59 Kinder üben sich einmal wöchentlich zusätzlich im Spiel der Könige

Von Barbara Hoynacki

Aus der Begeisterung eines Schülers wurde ein Schulprofil: Die Friedrich- Ebert-Realschule ist im Schachfieber. Seit dem Schuljahr 2016/17 gibt es dort – nach Angaben
der Schule einzigartig in NRW – zwei Schachklassen. Und es sollen noch mehr werden.

„Er macht jetzt sein Abitur“

Heike Minneken über René, den Begründer des Schachfiebers

Mit einem gespendeten Schachbrett für die Schulbücherei fing 2015 alles an. Doch der damals 15-jährige René Fiedler gab sich damit nicht zufrieden. Weil seine Leidenschaft so ansteckend wirkte, trainierten bald rund 30 Schüler in drei Schach-Arbeitsgemeinschaften.

    Auf den Schultischen liegen Schachbretter: An der Friedrich-Ebert-Realschule
gehört das königliche Brettspiel zum regulärenUnterricht.

Deutschlehrerin Heike Minneken wurde AG-Leiterin. Mit den Schülern René Fiedler und Nikolas Windheuser sowie mit Iris Windheuser von der Ganztagsbetreuung büffelte sie in einem Abendseminar für das Schach-Diplom.

„Im Januar 2016 beschloss die Schulkonferenz dann einstimmig, dass wir ab dem Schuljahr 2016/17 eine Schach-Profilklasse anbieten“, erzählt Heike Minneken. Nach dem

Anmeldeschluss stand fest: Zwei Schachklassen mit insgesamt 59 Kindern konnten durchstarten: die Turmklasse 5a und die Springerklasse 5f. In diesem Jahr soll das Angebot ausgeweitet werden.

Denn inzwischen nahmen zehn Lehrkräfte, ein weiterer Schüler und die Schulsozialarbeiterin an einer internen Schachfortbildung teil. Drei Lehrer (darunter Heike
Minneken) erwarben das Schulschach-Patent. Erste außerschulische Erfolge stellten sich ein: Sechs Realschüler nahmen 2016 an der Schach-Jugendstadtmeisterschaft teil.

„Noah Segat (7e) wurde bester vereinsloser Spieler des Turniers“, sagt Heike Minneken stolz. René Fiedler hat seine Realschule inzwischen verlassen. „Er macht
jetzt sein Abitur.“ Nikolas (15) ist noch dabei. Mit seinem Schulfreund Tim (16) leitet er die fast täglich für alle Schüler stattfindenden Schach-Abeitsgemeinschaften und gibt so seine Liebe zu diesem Sport weiter. An Tyler (10) zum Beispiel, der das Brettspiel bereits in der Grundschule kennenlernte: „Ich habe mich wegen der Schachklassen für diese Schule entschieden.“

Die Aufmerksamkeit trainieren

Gina (10) und Laura (11) nicken. Die Mädel gehören zu den Teilnehmern der Schach-Stadtmeisterschaft der weiterführenden Schulen, die am 16. Februar in der Friedrich-Ebert-Schule stattfindet. Gina zieht seit fast zwei Jahren mit Bauer und Turm ins Feld. Ihr Vater brachte sie auf den Geschmack. „Bei mir war’s mein Opa“, erzählt Laura.

„Schach trainiert die Konzentration, fördert die eigenständige Problemlösung und regt die Fantasie an“, schwärmt Minneken. „Und es macht Spaß!“, sagt Luis (11). Für ihn hat sich der zusätzliche einstündige Unterricht pro Woche gelohnt: „Jetzt verliere ich nicht mehr, wenn ich mit meinen Eltern spiele.“

Besten Dank an die WAZ, dass der Bericht veröffentlicht werden darf!

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