DSAM in Kassel 2017 sonnig beendet!

Die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft DSAM erlebte ihr letztes Turnier dieser Saison im Monatswechsel März / April 2017. Der geräumige Spielsaal des Kasseler RAMADA-Hotel bot die passende Kulisse für so manche ganz erstaunliche Leistung.

Fiona Sieber

Dass der DSB zeitgleich in Bad Wiessee mit der Deutschen Frauen-Einzel sogar noch ein zweites Spitzenturnier austragen konnte, demonstriert die inzwischen erfreulich hohe Zahl weiblicher Spitzenkräfte (und Schiedsrichter) im Schach, denn auch in Kassel (wohlgemerkt: A-Gruppe) triumphierte eine Dame! Gleich bei ihrem Erststart in der DSAM drehte die U16-Europameisterin WFM Fiona Sieber aus Magdeburg mit 4,5 aus fünf den Turniersaal auf links: Ein ganzer Punkt Vorsprung nach nur so wenigen Partien, das ist schon großartig. Schließlich spielen die Jungs, die ihr nolens volens den Weg frei machten, durchaus auch Oberliga, also einen Schritt vor den Fleischtöpfen der (zumeist) bezahlten Buli.

Noch ein Beispiel für Frauenpower? Spross einer inzwischen bekannten Schachfamlie ist Felicitas Ophelia Köllner; ihre beiden Brüder sind sind ebenfalls tolle, junge Spieler. Felicitas wurde 1998 geboren, spielt in Bergneustadt und hat eine aktuelle Elo von 1661 (DWZ 1653). Die 19jährige Dame schnappte sich mit tollen 4,5 Punkten den alleinigen ersten Rang, distanzierte die Konkurrenz um einen halben Zähler und gab auf dem Weg zur Preisverleihung lediglich in der Schlussrunde ein Remis gegen den Zweiten, Tom Sadewasser aus Bitterfeld ab.

Bisher seltsam unbemerkt blieb zumindest die DSAM ein Beispiel für die integrative Kraft des Schachs; schon ein Blick auf die „Siegerfotos“, die auf der Turnierseite, die diesmal ganz bewusst nur aus Gruppenbildern besteht, zeigt recht viele Schachfreunde, die dem

Susanne Roehr

ersten Eindruck nach nicht in Deutschland wurzeln. Und, es sei betont: Es sind die Abbildungen er Sieger dieses Turniers. Im Deutschen Schachbund wird nicht nur jede und jeder – egal woher – willkommen geheißen, sondern es kann auch jeder gewinnen. „Ja und die tun das dann auch noch …“, stöhnt mancher Wettkämpfer.

Aber zumindest irgendein Mindestalter wird es doch noch geben, wenn nun schon Frauen und Eingereiste …? Nein. Die jüngste Teilnehmerin des Turniers war Lin Englert, acht Jahre jung, ist an Vielerlei interessiert und spielte ihr erstes größeres Turnier (nunja, es waren ja nur 336 Teilnehmer, darunter 30 Spielerinnen) ganz gelassen runter: Mit 2,0 Pkt. wurde sie 33. von 47 in der F-Gruppe. Es sind schon welche schwächer ins Schachleben gestartet!

Frappierende Beispiele für die Kampfkraft und Spielkunst sehr junger Spieler bieten auch (und erst recht) der bereits WM-erfahrene Ruben-Gideon Köllner, der lediglich in der letzten Runde ein Remis rausrückte und so mit grandiosen 4,5 Punkten aus fünf Runden in der starken B-Gruppe siegte! Und in der C-Gruppe feuerwerkte die Jugend erst recht: Nils-Lennart Heldt, Werder Bremen (aktuelle Elo 1896, geb. 2001) und Tobias Röhr, USV Potsdam (aktuelle Elo 2003, geb. 1908) und Aaron Noah Köllner, Bergneustadt / Dersch (aktuelle Elo 1788, geb. 2002) sammelten jeweils erstaunliche je 4,5 Punkte und standen somit zu dritt auf den „Edelmetall-Plätzen“ der C-Gruppe. Lasst mich tippen: Das war noch längst nicht das letzte Positive, was wir über diese drei Schachspieler hören werden!

Warten wir auf das Finale. Niedernhausen, 15.-17.Juni, wie immer zusammen mit dem Dähne-Finale. Die Figuren werden schon aufgestellt … Turnierseite

(Ralf Mulde)

 

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One thought on “DSAM in Kassel 2017 sonnig beendet!

  1. Lieber Schachfreund Ralf Mulde,

    vielen Dank für die aktuelle, auf verschiedenen Schachseiten unterschiedliche, immer lesenswerte Berichterstattung zur DSAM.

    Gestattet sei mir eine kleine Richtigstellung bzw. Ergänzung zu
    „… Erststart in der DSAM drehte die U16-Europameisterin WFM Fiona Sieber aus Magdeburg …“.
    Bereits vor drei Jahren durfte ich anlässlich der DSAM in Kassel gegen besagte, im Raum Göttingen beheimatete Schachfreundin spielen (und verlieren). Sie fiel mir damals neben ihren guten Zügen dadurch auf, dass sie sich offensichtlich wie u. a. „Chucky“ – allerdings nur sitzend am Zug ! – „in der Luft“ eine imaginäre Position vorstellte. Damals fragte ich mich, ob sie dieses Verhalten zu Trainingszwecken praktizierte. Jedenfalls kam ihre Gewinnkombination nach einem solchen Blick auf’s Brett:
    https://www.ramada-cup.de/2013_2014/kassel/turnier.html?gruppe=B&typ=tab

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