Reykjavik-Open mit Giri, l’Ami, Gupta, Donchenko, Hjartarson usw.

Im Titel nenne ich mal den Ersten der Setzliste, die Sieger der beiden letzten Jahre, den besten deutschen Teilnehmer und einen über den sich die Veranstalter offenbar besonders freuen – auch wenn er nach aktueller Elo nicht der beste isländische Teilnehmer ist. Natürlich sind unter den insgesamt 265 Teilnehmern noch mehr bekannte, und naturgemäss auch unbekannte Namen – von Elo 1000 bis fast 2800 ist alles dabei, im unteren Bereich vor allem Isländer und auch einige von den Faroe-Inseln. Nochmals die ersten vierzehn der Setzliste: Giri, Andreikin, Jobava, Almasi, Shirov, Movsesian, Jones, Vidit, Kamsky, Grandelius, l’Ami, Yilmaz, Landa und Gupta. Vierzehn nenne ich diesmal um die Sieger 2015 (l’Ami) und 2016 (Gupta) dabei zu haben – jeweils zählten sie nicht zum engsten Favoritenkreis und gewannen trotzdem. Ausserdem sind das die Spieler mit Elo über 2600.

Das Titelfoto – alle Fotos von der Turnierseite – bekommt keiner, sondern der Austragungsort Harpa, das Konzert- und Konferenzzentrum in Reykjavik. Bei den Spielern vorne in der Setzliste erübrigt sich die Frage “wann hat der denn zuletzt ein offenes Turnier nach Schweizer System gespielt?”. Giri war zweimal in Katar dabei; dieses Jahr ist sein Terminkalender – da nicht mehr Stammteilnehmer der Chess Tour – vielleicht etwas weniger voll, also nun auch Reykjavik Open, vermutlich bekam er auch ein seinen Erwartungen entsprechendes Angebot. Die anderen sind ohnehin erweiterte bzw. (Shirov und Kamsky) ehemalige Weltklasse und spielen oft in offenen Turnieren. Aus der aktuellen top20 haben offenbar nur Aronian und Grischuk “noch nie” bzw. zuletzt vor vielen Jahren ein Open gespielt.

Etwas weiter unten in der Startliste, ab Nummer 15 direkt hinter Gupta, mehrere Senioren. Nummer 15 ist Alexander Beliavsky (*1953), Nummer 23 der bereits erwähnte Johann Hjartarson – noch nicht ganz so alt (*1963), aber seine grössten Erfolge hatte er im letzten Jahrtausend. Gemeint sind nicht unbedingt die geteilten Siege beim Reykjavik Open 1984 (mit Olafsson und Reshevsky) und 1992 (mit Shirov). Erstmals seit 1996 ist er nun wieder bei diesem Turnier dabei. Nummer 37 der Filipino Eugenio Torre, zuletzt mit sehr gutem Ergebnis bei der Olympiade in Baku.

Nächste Kategorie (auch hier kein Anspruch auf Vollständigkeit) sind Jugendliche. Nummer 16 der Startliste Jorden van Foreest erwähne ich, da ich ihm schon mehrfach persönlich begegnet bin. 2017 war für ihn bisher eher durchwachsen, die ihm Januar in Wijk aan Zee verlorenen 28 Elopunkte vermisst er nach wie vor – sonst hätte ich ihn (da zuvor Elo über 2600) schon eingangs erwähnt. Weitere Namen aus der Kategorie “sehr jung”: IM Awonder Liang aus den USA (*2003), IM Praggnanandhaa aus Indien (*2005), FM Nihal Sarin ebenfalls aus Indien (*2004), Lance Henderson de la Fuente aus Spanien (*2003).

Auch wenn Indien insgesamt nicht so zahlreich vertreten ist wie zuletzt in Sharjah und Dubai kommen die nominell besten Damen auch aus Indien – Dronavalli Harika und Tania Sachdev. Dabei sind auch einige, die ihren Ehemännern Gesellschaft leisten – Sopiko Guramishvili, Alina l’Ami und relativ weit unten in der Setzliste auch WIM Sue Maroroa (Frau von Gawain Jones). Alexandr Fier erlaubte seiner Freundin WGM Nino Maisuradze offenbar, in Reykjavik mitzuspielen obwohl er selbst nicht dabei ist – oder sie machte das einfach so?

Bei den deutschen Teilnehmern erwähne ich ausser Alexander Donchenko noch niemand – die anderen sind FMs, CMs und titellose Spieler, die müssen sich das erst verdienen oder erarbeiten, zum Beispiel durch einen Sieg gegen einen bekannten GM. Marcus Scheele hat seine erste, und womöglich einzige Chance bereits in Runde eins gegen Beliavsky.

Nur noch ein paar Standard-Infos: Gespielt wird vom 19.-27.4., Rundenbeginn ist meistens um 15:00 Ortszeit (17:00 in Mitteleuropa, d.h. die erste Runde läuft bereits), Ausnahmen: am 20.4. Doppelrunde um 9:00 und 17:00 lokal, am 24.4. ab 17:00, letzte Runde am 27.4. ab 11:00. Preisgeld ist etwas bescheidener als zuvor in Sharjah und Dubai – erster Preis 5000 Euro, zweiter Preis 2000 Euro, usw., bei Punktgleichheit nach Hort-System aufgeteilt.

Zum Schluss: Was ist das Besondere an diesem Turnier? Wohl vor allem der Austragungsort Island, durchaus eine Reise wert (ich war dreimal beruflich dort und habe das teilweise mit Urlaub kombiniert). Bisher war das Turnier im März, dieses Jahr im April – da sind die Tage länger und das Wetter besser/wärmer. Das Turnier hat immer auch ein Rahmenprogramm mit u.a. Ausflügen:

Gullfoss (oben) und Geysir (unten) sind Teil einer üblichen “Golden Circle” Tagestour ab Reykjavik, speziell für Schachspieler ergänzt durch einen Besuch im Bobby Fischer Center und Grab des Ex-Weltmeisters, der seine letzte Ruhestätte in Island fand (zur Ruhe kam er da ja bereits bevor er verstarb). Wohl deshalb beginnt die Runde am Montag erst um 17:00, am selben Tag davor diese Tour.

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