Gashimov-Memorial – Weltklasse in Shamkir

Warum gebe ich Sergey Karjakin das Vorschau-Titelbild (Quelle Turnierseite)? Ich sortiere die Teinehmer des vierten Gashimov-Memorials mal nicht nach Elo und auch nicht alphabetisch, sondern danach, wie oft sie – laut chessgames.com – gegen Vugar Gashimov gespielt hatten: Karjakin 15, Radjabov 14, Mamedyarov 10, Kramnik 8, Topalov 7, Eljanov 4, Wojtaszek 3, Harikrishna 2, Adams 1, So 0.

Zum Vergleich diese „Tabelle“ der gerade beendeten Kortchnoi Zurich Chess Challenge: Gelfand 25, Anand 17, Kramnik 15, Pelletier 10 (alles in der Schweiz, vor allem in Biel), Svidler 6, Nakamura, Nepomniachtchi, Oparin 0. Demnach sagt diese Statistik weder etwas über Karjakins Chancen in Shamkir, noch „muss“ Wesley So da Letzter werden.

Noch einige Beispiele: Beim Tal Memorial und erst recht beim Aljechin Memorial haben wohl nahezu alle Teilnehmer in dieser Kategorie null Punkte (Anand spielte immerhin einmal 1989 gegen Tal, ansonsten Fehlanzeige wobei ich es nicht komplett recherchierte). Beim Keres Memorial zu dessen 100. Geburtstag 2016 erwähnte Organisator Alexander Tammert in einer email an mich, dass zwei Teilnehmer – Evgeny Sveshnikov und Juri Balashov – noch gegen Paul Keres spielten.

Irgendwann wird das Gashimov-Memorial den besonderen Status, dass die meisten Teilnehmer den Geehrten kannten, verlieren – noch ist es nicht soweit. Wesley So wurde bereits 2015 „trotzdem“ eingeladen, aktuell steht er natürlich im Rampenlicht. Zu den anderen Teilnehmern, nun nach Elo sortiert: Kramnik ist der einzige, der in diesem Monat zwei Topturniere spielt – Zürich kann man ja mit Gashimov-Memorial kombinieren, Grenke Chess Classic kann man mit keinem der beiden anderen Turniere kombinieren. Mamedyarov und Radjabov sind als Lokalmatadoren dabei. Adams, Harikrishna, Eljanov und Wojtaszek bekommen gelegentlich Superturnier-Einladungen, auch wenn sie nicht unbedingt engere Weltklasse sind. Mit Topalov ging es bekanntlich zuletzt rapide bergab, aber in Shamkir darf er mitspielen – vielleicht weil er mehrfach beim Europacup für SOCAR Aserbaidschan spielte.

Warum eigentlich nicht Arkadij Naiditsch, der seinen Verbandswechsel nach Aserbaidschan unter anderem damit begründete, dass er da mehr Superturniere spielen kann? Dieses Jahr gibt es gleich zwei Gründe: 1) Er passt elomässig nicht zum Teilnehmerfeld, 2) Er spielt teilweise parallel beim Grenke Chess Classic – Wolfgang Grenke unterstützt ihn weiterhin, Dortmund hat ihm den Wohnort-Wechsel nach Baden-Baden verziehen aber nicht den (mit Verbandswechsel) nach Baku. Die letzten Jahre wäre statt Mamedov oder Safarli auch Naiditsch ein potentieller Teilnehmer in Shamkir, dem war allerdings nicht so.

Die Turnierseite hat – naturgemäss – bisher noch nicht allzu viel, in der Rubrik „News“ immerhin (inzwischen auch auf Englisch) Interviews mit Karjakin und Kramnik und ein „Statement“ von Mamedyarov. Sowie natürlich – nach unten scrollen – Regelwerk und Zeitplan. Gespielt wird vom 21.4.-30.4. um 15:00 Ortszeit (letzte Runde eine Stunde früher, in Mitteleuropa 13:00 bzw. 12:00) mit Ruhetag am 26.4. . Zeitkontrolle ist 2 Stunden für 40 Züge, 1 Stunde für die nächsten 20 Züge und dann 15 Minuten für den Rest, mit erst ab dem 61. Zug 30 Sekunden Inkrement. Durchaus grosszügig, wobei Zeitnotschlachten möglich sind wenn die Spieler sich ihre Bedenkzeit nicht richtig einteilen. Wenn zwei Spieler punktgleich vorne liegen sollten, gibt es einen Stichkampf; bei drei oder mehr entscheiden – wie für die anderen Plätze – Tiebreaks (Anzahl Siege, dann direktes Resultat, dann Sonneborn-Berger). Geld gibt es natürlich auch: insgesamt 100.000 Euro, davon 25.000 für den Sieger.

Worum geht es ausserdem? Wie immer auch um Elopunkte und Weltranglistenplätze. Speziell um Platz zwei zwischen So und Kramnik, und darum ob Mamedyarov sich in der top10 behaupten kann. Da auch anderswo Schach gespielt wird, können andere da eingreifen: um Platz zwei Caruana (falls er sich in Baden-Baden berappeln sollte) und eventuell Carlsen (falls es für ihn in den verbleibenden Runden in Baden-Baden gar nicht laufen sollte). Carlsen ist allerdings bereits für (mehr als) das nächste Kandidatenturnier qualifiziert, die drei anderen müssen dafür noch ihre aktuellen Elozahlen behalten bzw. verbessern. Um Platz 10 Giri, derzeit spielt er das Reykjavik-Open (Ding Liren spielte drei Partien in der chinesischen Liga und hat nun offenbar Pause).

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