Reykjavik Open: König Anish, Vizekönig Jorden

Die Anspielung im Titel muss ich wohl erklären: Heute feierten die Niederlande den 50. Geburtstag von König Willem-Alexander (ehemaliger Spitzname “Prins Pilsje”); Bier trinken gehört am Nationalfeiertag Koningsdag (früher, bis zum Thronverzicht von Königin Beatrix, Koninginnedag) für viele dazu. Gleichzeitig wurde beim Reykjavik Open die letzte Runde gespielt, mit gutem Ende für zwei Niederländer die zusammen noch keine 50 Jahre alt sind – dafür brauchen sie noch den ebenfalls beteiligten Erwin l’Ami.

Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, sagte Anish Giri in einem Interview, dass er (gar) keinen Alkohol trinkt. Jorden van Foreest darf es nach niederländischem Recht noch nicht: Mindestalter 18 Jahre, und seinen 18. Geburtstag feiert er erst in einigen Tagen (30. April). Das war übrigens bis 2013 NL-Nationalfeiertag, da Geburtstag von Beatrix’ Mutter Juliana – und ihr eigener Geburtstag am 31. Januar passte nicht, da das Wetter da nicht so toll ist.

Genug NL-Bezug. Giris Erfolg war nicht überraschend, nicht nur da er Elofavorit war. Der (nach Wertung) zweite Platz für Jorden van Foreest etwas aus dem Nichts heraus dank passendem Ergebnis in der wichtigen letzten Runde. Das war der Endstand: Giri 8.5/10, Van Foreest, Movsesian, Gupta, Kamsky 8 (soweit alle GMs), IM Kavutskiy, GM Blomqvist, FM Pigott, GM Grandelius, GM Almasi 7.5, usw. . Die Reihenfolge auf Platz 2-5 sowie Platz 6-10 wurde jeweils durch, so sehe ich es, für Schweizer System unsinnige Tiebreaks beeinflusst, das Preisgeld dabei nach Hort-System verteilt. Das Titelbild bekommt natürlich Anish Giri – alle Fotos ab der Turnierseite via Facebook, fast alle von Lennart Ootes, eines (dann gekennzeichnet) von Maria Emelianova.

Von den insgesamt 19 Spielern mit 7/10 nenne ich nicht alle, aber doch einige: Wertungsbester Emre Can (kann der ausser Fussball auch Schach spielen? Es sind Namensvettern.) hatte sowohl Pech als auch Glück. Die drei im Vorbericht erwähnten Senioren Eugenio Torre, Johann Hjartarson und Alexander Beliavsky. Erwin l’Ami und Santosh Gujrathi Vidit fielen durch Niederlagen in der letzten Runde zurück, Mitfavorit Dmitry Andreikin konnte dagegen nie in den Kampf um den Turniersieg eingreifen. Beste Damen wurden, nach Wertung ganz knapp voneinander getrennt, Dronavalli Harika und Tatev Abrahamyan. Der Kanadier IM Aman Hambleton ist aus dieser Gruppe wohl am zufriedensten mit seinem Turnier. Bester deutscher Teilnehmer wurde erwartungsgemäss Alexander Donchenko – zwischenzeitlich schien mehr drin, aber Giri war damit nicht einverstanden.

Aus der Gruppe mit 6.5/10 nenne ich nur die bekanntesten Namen – nach Wertung nebeneinander Jobava und Shirov, beide sicher nicht zufrieden. Da lag es jeweils letztendlich an einer Niederlage in der letzten Runde – Jobava, über weite Turnierstrecken ganz oben dabei, verlor gegen einen GM, Shirov gegen einen FM. Ebenfalls nicht zufrieden ist wohl Gawain Jones mit 6/10, zumal nach anfangs 4/4.

Nun zuerst kurz und knapp zu den ersten fünf, dann nochmals “Runde für Runde” in der entscheidenden Turnierphase.

Giri nochmals abgebildet, diesmal entspannt-glücklich-lächelnd nach einer Partie (der Rest der Fotoserie zu Jobava-Giri 0-1 später). Er gewann die ersten vier Partien, remisierte dann dreimal und gewann die letzten drei Partien, zwei davon mit Schwarz. So wurde aus einem halben Punkt Rückstand auf ein Spitzen-Quintett nach Runde 7 ein halber Punkt Vorsprung am Ende auf ebenfalls ein Quintett (aber nur ein Name identisch).

Jorden Van Foreest begann gegen nominell klar unterlegene Gegner zu Beginn holprig und gewann irgendwie doch. Dann eine Niederlage gegen Giri in Runde 4, danach genug Punkte um weit vorne zu landen – nebst Wertungsglück um offiziell Zweiter zu werden.

Sergei Movsesian nahm, als einziger der ersten sechs, ein “bye” – und zwar in Runde 3, die zweite am zweiten Turniertag. Dafür gab es, bzw. das kostete einen halben Punkt. Remis spielte er dann am Brett gegen Wunderkind Awonder Liang (turbulente Partie mit am Ende Dauerschach), später verlor er gegen Gupta. Drei Siege zum Schluss, und er war wieder fast ganz vorne mit dabei.

Von Vorjahressieger Abhijeet Gupta gibt es offenbar kein individuelles Foto, also zeige ich ihn (rechts) zusammen mit dem ebenfalls bärtigen Nils Grandelius. Gupta hatte durchaus Chancen, seinen Titel zu verteidigen, aber Giri war dann halt besser. Gupta blieb ungeschlagen und remisierte dabei viermal gegen durchweg nominell überlegene GM-Kollegen (Andreikin, Jones, Vidit und zum Schluss Grandelius). Wen er zum Schluss besiegte, siehe unten. Da er immerhin 23 Elopunkte auf die Heimreise mitnehmen kann war es ein gutes Turnier für ihn.

Von Gata Kamsky kein Foto. Dass er so weit vorne landete lag vor allem an drei gewonnenen Endspielen – in Runde 5 gegen IM Robert Ris sowie zum Schluss gegen GM Can mit reichlich gegnerischer Hilfe, das in Runde 9 gegen GM Perelshteyn war dagegen von Anfang an jedenfalls klar vorteilhaft für ihn.

Nach Runde 3 hatten noch sechzehn Spieler(innen) 100% – zu viele um alle zu nennen, nur zwei die bereits einen nominell überlegenen Gegner besiegten:

IM Robert Ris besiegte in Runde 3 Altmeister Beliavsky. Anschliessend zu Gast in der Liveübertragung schien er davon überzeugt, dass sein Qualitätsopfer korrekt war. Computer glauben nicht daran, aber der erfahrene und prominente Gegner verlor die Übersicht – total dann mit 30.-c2?? .

WGM Tatev Abrahamyan – der favorisierte (200 Elopunkte bessere) türkische GM Can erlitt mit Sizilianisch ein blaues Wunder gegen blaue Haare. Hatte er seinen Namensvetter den Fussballer geschickt? Nein er hatte wohl mit Schwarz zu viel riskiert.

In Runde 4 dann zweimal NL gegen NL. An Tisch 1 das Prestigeduell Giri – Van Foreest 1-0: der nominell bessere Spieler (auf die NL-Meisterschaft hatte er verzichtet) gewann im Mittelspiel zwei Figuren gegen Turm und musste danach noch Endspieltechnik demonstrieren. An Tisch 7 endete l’Ami-Ris voll ausgekämpft remis. Der favorisierte Weisspieler stand zwischenzeitlich besser, war dann zumindest nahe dran zu überziehen, und dann wurde es remis. Wie zwei weitere Partien an den acht Spitzenbrettern, damit lag nun ein Quintett vorne: Giri, Jones, Grandelius, Vidit, Gupta, alle 4/4.

In Runde 5 spielten diese fünf alle remis – Vidit und Giri sowie Grandelius und Jones gegeneinander, Gupta gegen Andreikin. Vidit und Giri kann man eventuell Absicht unterstellen – Zugwiederholung ab dem neunten Zug. Giri, danach 45 Minuten zu Gast in der Liveübertragung, bestritt kategorisch dass er und sein Sekundant das Ergebnis vor der Partie kannten – “ob Du das glaubst oder nicht, ich habe noch nie Remis vor einer Partie vereinbart”.

So konnten weitere Spieler zur Spitze aufschliessen – erwartungsgemäss Jobava, Almasi und Kamsky. Letzterer profitierte davon, dass Robert Ris offenbar fälschlich davon ausging, dass ungleichfarbige Läufer Remis bedeuten (44.Sg4+?? Lxg4!) – hier nicht der Fall, da Schwarz (Kamsky) forciert zwei verbundene Freibauern bekam. Ein Ergebnis war unerwartet:

IM Hambleton – GM l’Ami, später 1-0! – das zweite Ausrufezeichen des Kanadiers nach zuvor Schwarzsieg gegen Shirov. Dieses Foto von Maria Emelianova. Vorne lagen damit nun neun Spieler mit 4,5/5 – acht GMs und IM Hambleton.

In Runde 6 spielten die Grossmeister untereinander remis, und Hambleton erlitt mit seinem Sizilianer gegen Movsesian Schiffbruch (einzige Niederlage im Turnier, wobei er noch vier weitere GMs vorgesetzt bekam). Zur Spitze aufschliessen konnten neben Movsesian noch drei recht bekannte Grossmeister (Andreikin, Landa und Can) sowie zwei relativ unbekannte Inder: GM Panchanathan war mir kein Begriff, WIM Vaishali auch nicht – sie hat immerhin einen recht bekannten Bruder, es ist die ältere Schwester von Praggnanandhaa. Nach GM Torre besiegte sie auch GM Perelshteyn, verlor dann allerdings die vier verbleibenden Partien. Stand nach dieser Runde: vorne 14 Spieler(innen) mit 5/6.

In Runde 7 spielte Giri schon wieder remis, heute gegen Kamsky. Das wurde auf Twitter “einschlägig” kommentiert, und nun hatte der Favorit Nachholbedarf da es das nächste Remis erst an Tisch 8 gab: Praggnanandhaa-Beliavsky 1/2. Der junge Inder hatte zuvor – wie davor in Sharjah – glatt gegen Landsmann Vidit verloren nebst 4,5/5 gegen ihm nominell unterlegene Gegner (FMs und titellose Spieler). Ein volles Ausrufezeichen sollte noch kommen, am Ende zwar Elo plus sechs aber bei weitem keine GM-Norm. Zurück zu turnierrelevanten Partien:

Grandelius-Andreikin 1-0 – das war’s dann quasi für den russischen Mitfavoriten (letztes Jahr ebenfalls an zwei gesetzt wurde er damals alleiniger Zweiter hinter Gupta), zumal er in den verbleibenden Runden gegen Elo unter 2500 nur 2/3 erzielte (zwar zum Schluss Sieg gegen Praggnanandhaa, aber davor nur Remis gegen dessen ebenfalls jungen Landsmann FM Nihal Sarin). Die heutige Partie beschrieb Grandelius tags darauf in der Liveübertragung so: “In der Zeitnotphase stand ich schlecht, nach der Zeitnotphase hatte ich plötzlich zwei Mehrbauern.” Nur einen konnte er behalten, dann war das Turm/Läuferendspiel mit drei gegen zwei Bauern am selben Flügel eigentlich remis, aber Andreikin fiel auf einen (O-Ton Grandelius) “letzten Trick” herein.

Ebenfalls überraschend Can-Jones 1-0 – der Engländer verdaddelte einen Bauern, später noch einen. Nicht überraschend andere Ergebnisse, am wenigsten Panchanathan-Vidit 0-1 und l’Ami-Vaishali 1-0. Nun lagen fünf Spieler (Can, Vidit, Grandelius, Gupta, Jobava) mit 6/7 vorne, dahinter elf Spieler mit 5,5/7. Unter anderem Alexander Donchenko, war da noch Luft nach oben?

Die andere brennende Frage: Hat DJK Aufwärts Aachen ihm kein T-Shirt spendiert, oder warum vertrat er in Reykjavik seinen französischen Verein? Diese Frage kann ich nicht beantworten, die andere wurde oben bereits quasi beantwortet.

Runde 8:

Die Spitzenpaarung Grandelius-Jobava endete Remis. Auf dem Foto ist neben Jobavas Kuchen-Doping (nach der Runde und laut Livekommentar auch zum Mittagessen genehmigte er sich auch Bier) auch erkennbar, dass der Georgier Russisch spielte und dagegen konnte Grandelius nichts erreichen. Auch Brett 2 Vidit-Gupta endete remis.

Almasi-Can 1-0 wobei der Ungar mit Elo fast 2700 (nach dem Turnier wieder mal knapp über 2700) anfangs nicht toll stand. Almasi konnte damit zur Spitze aufschliessen, Can fiel zurück. Wer konnte noch zur Spitze aufschliessen? Viermal Remis an Tisch 5-8, die also alle nicht. Jorden Van Foreest konnte ein für Computer glatt gewonnenes, für Menschen trickreiches Turmendspiel gegen Aman Hambleton nicht gewinnen, für den Kanadier der nächste Schritt zur GM-Norm. War da noch was?

Tisch 4 Donchenko-Giri 0-1: Giri opferte insgesamt drei Bauern, bzw. den ersten hatte er (laut eigener Aussage hinterher im Livekommentar) eher eingestellt. Für drei Minusbauern hatte er dann jedenfalls Kompensation, und bekam danach schnell Oberwasser. Wer wagt gewinnt, hinterher Gesprächsbedarf:

Damit lag nun – immer (mal wieder) Quintett ist langweilig – ein Sextett vorne: Giri, Jobava, Gupta, Vidit, Grandelius, Almasi, alle 6.5/8. Ein Ergebnis etwas weiter hinten (Tisch 12) sollte ich noch erwähnen: GM Jones – IM Praggnanandhaa 0-1! – der favorisierte (und preisgeldhungrige) Engländer wollte unbedingt gewinnen, vermied mehrfach Zugwiederholungen und wurde dann ausgekontert.

Runde 9: Almasi-Vidit und Grandelius-Gupta wurde remis, dann war da noch

Jobava-Giri 0-1: Schon der Beginn war interessant – Jobava verbrauchte gut acht Minuten für (theoretisch wohlbekannt) 6.Lg5, was war los? Giri spielte Najdorf-Sizilianisch, damit hatte Jobava offenbar nicht gerechnet – “ich, Baadur Jobava, spiele mit Schwarz Russisch, und der Remisschieber Giri spielt Najdorf??!”. Beide rochierten kurz, Giri konnte Jobavas Königsangriff abfedern und übernahm dann selbst am Königsflügel das Kommando – trotz Damentausch und Jobavas Mehrbauern am Damenflügel waren auch irrelevant. Nach dem 40. Zug gibt es 30 Minuten Zugabe, aber Jobava war schnell wieder in Zeitnot während Giri vorläufig noch ein gewisses Bedenkzeitpolster hatte. Zuvor das nächste Foto – Jobava grübelt, Giri kibitzt bei Jobava-Giri:

Giris Bedenkzeitpolster schmolz auf der Suche nach einem forcierten Gewinn dahin, 48.-Tc2 (übrigens für Computer der im Vorteilssinne einzige Zug) kommentierte Giri hinterher so: “das sollte ihn verwirren, mich selbst hat es auch verwirrt”. Prompt patzte Jobava und wurde mattgesetzt (bzw. gab rechtzeitig, einen Zug vor dem Matt, auf). Wiederum Gesprächsbedarf:

Giri schmeckt der Kugelschreiber (da beide denselben haben, offenbar vom Veranstalter spendiert), Jobava ist sich da nicht so sicher. Giri nach der Partie mit weiblicher Begleitung:

Dann nahm er sich auch Zeit für eine andere Dame sowie andere vor Ort und vor allem im Internet:

Neben Giri Fiona Steil-Antoni, sitzend hinten Maria Emelianova – die offenbar auch fotografierte aber für diese Runde jedenfalls auf Facebook keine Fotos veröffentlichte. Zuschauer (er)kenne ich nicht, wer steht da hinten denn?

Baadur Jobava, der sich ebenfalls zu Wort meldete

und seine gute Laune wieder fand. Giri wurde auch nach seinem Wunschgegner für die Schlussrunde gefragt und meinte tendenziell “alles ist OK, bloss nicht mein Sekundant Erwin l’Ami”. Giri hatte nun einen halben Punkt Vorsprung auf zehn Verfolger – gegen van Foreest, Vidit, Grandelius und Kamsky hatte er bereits gespielt.

Erwin l’Ami: “Oh Gott, Schwarz gegen Giri!” – nein dieses Foto entstand zu einem anderen Zeitpunkt, aber der Text passt wunderbar? Denn so kam es dann.

Runde 10

Erwin l’Ami vor der Runde ebenfalls mit weiblicher Begleitung – Sopiko Guramishvili und Alina l’Ami haben übrigens, neben moralischer Unterstützung für den jeweiligen Ehemann, auch selbst mitgespielt (erstere recht erfolgreich, letztere weniger). Würden Giri und l’Ami – wie zuvor Giri und Vidit – schnell Remis spielen, was Giri vermeintlich zum Turniersieg reichen würde? Es hätte aufgrund recht absurder Tiebreak-Regeln nicht gereicht, und es kam anders.

Giri wollte es offenbar wissen – erstmals im Turnier mit Jackett statt “casual”

Los ging’s, und schon l’Amis (1.Sf3 Sf6 2.d4 e6 3.g3) 3.-b5!? deutete an, dass es jedenfalls kein schnelles “Buchremis” wird. Ab dem 12. Zug bekam Giri Oberwasser, irgendwann danach wohl dieses Foto:

Giri kibitzt bei Giri – l’Ami – nach 30 Zügen gab Erwin l’Ami auf; Anish Giri erzielte damit (wie Erwin l’Ami vor zwei Jahren) 8,5/10 und war so (wie Erwin l’Ami anno 2015) alleiniger Turniersieger.

Dramatik auch an den Brettern dahinter, am wenigsten vielleicht bei Grandelius-Almasi 1/2 was keinem so recht half. Offenbar stand Grandelius zwischenzeitlich besser, aber in der Kürze der Zeit kann ich das nicht näher untersuchen.

Vidit – van Foreest 0-1! – Vidit überzog eine Angriffsstellung und wurde ausgekontert.

Movsesian-Yilmaz 1-0 war recht glatt, wobei die definitive Entscheidung hier erst nach der Zeitkontrolle fiel.

Gupta-Jobava 1-0! Turnierende in Moll für den Georgier, wobei der Inder (Titelverteidiger) mehrere Matchbälle brauchte um diese Partie zu gewinnen.

Dann war da noch Kamsky-Can 1-0 – lange Zeit total ausgeglichen, die Entscheidung zugunsten des Amerikaners fiel etwa ab dem 98. Zug im Leichtfigurenendspiel, nach 121 Zügen gab Can auf.

Auch zu dieser Runde noch ein überraschendes Ergebnis: FM Pigott – GM Shirov 1-0!!!? – der Engländer John Pigott ist kein Jungtalent, sondern Baujahr 1957. Nach anfangs 2/4 erzielte er dann 5,5/6 – zuletzt Remis gegen IM Bailet, Sieg gegen gm Panchanathan (Elo 2494) und dann auch noch gegen Shirov, insgesamt eine IM-Norm. Der Sieg gegen Shirov erstaunlich glatt – man könnte vermuten, dass Shirov Weiss hatte und einen Amateur zerlegte, aber dem war nicht so. Shirov erzielte gegen Grossmeister 100% – allerdings hatte er im Turnierverlauf nur einen (gm Thorhallsson, Elo 2423). Bilanz gegen IMs 1,5/4 (Niederlage gegen Hambleton), gegen FMs und titellose Spieler nach dieser Runde 4/5. Elobilanz: -21 Punkte.

Tiebreak-Regeln hatte ich bereits angedeutet. Es war in dieser Reihenfolge direktes Resultat (nur wenn punktgleiche Spieler ein komplettes Miniturnier spielten), Anzahl Siege, Anzahl Schwarzpartien und erst dann Buchholz. Anzahl Siege ist im Schweizer System absurd – mit “Schweizer Gambit” bekommt man danach schwächere Gegner und wird dafür auch noch belohnt. Was waren Szenarien, wenn Giri und l’Ami in der Schlussrunde remisieren? Wenn aus der Verfolgergruppe nur Jorden van Foreest gewinnt, ist Giri aufgrund des Sieges im direkten Duell Turniersieger – und van Foreest aufgrund seiner Niederlage gegen Giri Zweiter. Wenn allerdings – und das war der Fall – mehrere Spieler aus der Verfolgergruppe gewinnen, würde van Foreest Turniersieger – quasi aufgrund/”dank” der Niederlage gegen Giri nebst extra Sieg im weiteren Turnierverlauf. Anzahl Schwarzpartien mag sinnvoll sein, das können Spieler aber rein gar nicht selbst beeinflussen. Buchholz mag auch Glückssache sein, ist aber dennoch am ehesten aussagekräftig. TPR ist auch aussagekräftig – auf chess-results.com erwähnt aber gar kein Tiebreaker.

Nach Buchholz oder TPR wäre die Reihenfolge auf Platz 2-5 anders, noch krasser ist es für Platz 6-10. Grandelius und Almasi spielten im Turnierverlauf immer oben mit, deshalb haben sie nur fünf Siege (und fünfmal remis). Die vor ihnen plazierten hatten ein bis zwei Niederlagen, daher ein bis zwei Siege mehr bei insgesamt deutlich schwächeren Gegnern. Wer sich das in Reykjavik ausgedacht hat – gute Frage nächste Frage, es ist dieses Jahr neu.

Zum Abschluss nochmals Bilder:

Siegerinterview für Giri

GGG – Giri gut gelaunt

Drei Sieger im Gespräch: Anish Giri, Jorden van Foreest und (mit Bierglas) Aman Hambleton, der insgesamt 4,5/7 gegen GMs erzielt und einen Schritt machte um selbst einer zu werden – dieses Resultat bedeutet eine GM-Norm. Rasieren will er sich offenbar erst, wenn er den Titel bekommt.

Es ist nun 1:15 nachts – nur Giri, van Foreest, eventuell auch l’Ami und andere können (da es in Reykjavik zwei Stunden früher ist) nach wie vor den niederländischen Nationalfeiertag feiern. Die geplante Bildergalerie kommt mal wieder separat, davor noch ein anderer Turnierbericht.

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One thought on “Reykjavik Open: König Anish, Vizekönig Jorden

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