Grand Prix in Moskau

Ein gut gehütetes Geheimnis wurde inzwischen gelüftet: Wer spielt vom 12.-21. Mai beim zweiten Turnier der FIDE Grand Prix Serie? Insider, u.a. die Spieler selbst, wussten es wohl schon länger. Die wissen sicher auch, wo (genau) in Moskau gespielt wird – das verrät die Turnierseite nicht, sonst auch nicht allzu viel, immerhin wann die Runden beginnen: jeweils um 14:00 Ortszeit in Moskau, also um 13:00 für Mitteleuropäer, am 17.5. ist Ruhetag. Wo – ausser gegen Bezahlung auf der Turnierseite – man die Partien live verfolgen kann ist bei Redaktionsschluss noch unklar, aber ein Vorbericht sollte vor der ersten Runde erscheinen …. . UPDATE: Die erste Runde läuft, Chessbase hat offenbar einen Deal mit Agon und überträgt, sonst – soweit ich es überblicke – ausser der Turnierseite niemand.

Gestern war laut Turnierseite die Eröffnungsfeier – offenbar allerdings ohne Fotograf oder dessen Kamera war kaputt. Was dann als Titelfoto? Das erste Turnier in Sharjah hatte drei punktgleiche Sieger – Mamedyarov und Grischuk habe ich gerade erst im Rahmen der russischen Mannschaftsmeisterschaften gezeigt, also Vachier-Lagrave. Der hatte auf seiner relativ neuen Homepage (auf Französisch) bereits verraten, dass er in Moskau mitspielt – fast in letzter Minute bekam er auch das nötige Russland-Visum.

Bei achtzehn Spielern ist es einfacher, diejenigen zu nennen die diesmal nicht dabei sind: Es fehlen – sortiert nach Zwischenstand in der GP-Wertung – Jakovenko, Eljanov, Li Chao, Rapport, Aronian und Riazantsev. Ja, Aronian ziemlich weit hinten, da er in Sharjah kein gutes Turnier erwischte: seine Aufholjagd (objektiv bereits recht chancenlos) ist also vertagt. Vielleicht ist Moskau für Vegetarier wie ihn kulinarisch kompliziert – auch das hat MVL in seinem Bundesliga-Abschlussbericht verraten: Beim Baden-Badener Bundesliga-Meisteressen im Berliner Restaurant Grill Royal gab es leckeres Fleisch für fast alle, und immerhin leckeren Fisch für Aronian und Anand (der ja auf die GP-Serie komplett verzichtete).

Opening Ceremony

Ersetzt werden diese sechs durch sechs andere, davon vier mit Kandidatenturnier-Erfahrungen – Giri, Gelfand, Svidler und Radjabov. Radjabov ist inzwischen nicht mehr engere Weltklasse, die drei anderen (wie auch Harikrishna, Inarkiev wohl auch eher nicht) wollen sich wohl für das nächste Kandidatenturnier qualifizieren.

Die besten Karten haben natürlich momentan Grischuk, Mamedyarov und Vachier-Lagrave. Aus der Verfolgergruppe (Platz vier bis acht in Sharjah) sind Adams, Ding Liren, Nakamura und Nepomniachtchi dabei – auch die alphabetisch sortiert. Hoppla, nun kann ich auch noch die fünf restlichen Spieler(innen) nennen: Vallejo, Hou Yifan, Tomashevsky, Salem Saleh und Hammer. Jedenfalls zwei (Hou Yifan und Hammer) aus der Kategorie „jedes Remis wird von ihren Fans bejubelt und fast jedes Remis bringt Elopunkte“.

Sagte ich Remis? Sharjah war insgesamt recht remislich, Moskau (und noch mehr danach Genf und Palma de Mallorca) bekommt vielleicht eine andere Turnierdynamik, da die GP-Gesamtwertung sich ja allmählich entwickelt: einige Spieler haben/entwickeln Nachholbedarf und müssen – jedenfalls wenn sie, und das zählt am Ende, bei den besten zwei landen wollen – irgendwann mehr riskieren.

Bei den Paarungen aus Runde eins nenne ich nur zwei: MVL-Adams und Giri-Gelfand – jeweils haben da die jungen oder jedenfalls jüngeren (ist MVL mit 26 noch jung?) Spieler Weiss.

Das sollte als Vorbericht reichen, immerhin mehr als die kommerzielle Konkurrenz Chessbase, chess.com und chess24. Wie/ob die zum Turnier berichten wird sich herausstellen, das gilt auch für den Schachticker.

TurnierseiteLIVE-Chessbomb

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3 thoughts on “Grand Prix in Moskau

  1. Frechheit! Für die vielen Remispartien wollten die auch noch Geld haben bei der LIVE-Übertragung.

  2. Um mal so zu beginnen: Heute bin ich jedenfalls kein Fan von Nepomniachtchi – sein Weissvortrag war ähnlich naiv bis katastrophal wie in der letzten Runde in Wijk aan Zee gegen Wesley So. Hou Yifan und Hammer profitierten vielleicht von ihrer Aussenseiterrolle – die Gegner haben viel riskiert, das kann (aus deren Sicht) auch mal schiefgehen.
    Was genau ist „kämpferisches und interessantes Schach“, und was nicht? Salem-Grischuk natürlich nicht, aber die Versuche von Giri und MVL würde ich zumindest nicht als „jämmerlich“ bezeichnen. Giri versuchte es positionell – dass es kein „typischer“ sizilianischer Drachen wurde lag an Gelfands seltenem 8.-d5. Vachier-Lagrave versuchte, gegen Marshall was zu erreichen. Jeweils funktionierte es im Gewinnsinne nicht, Remis ist ein legitimes Ergebnis. Gelfand und Adams sind nun einmal keine Patzer – Hou Yifan und Hammer auch nicht, aber da wäre (abgesehen davon dass Giri sich gegen Hou Yifan immer schwer tut) Remis für diese Weisspieler etwas enttäuschend, passieren kann es trotzdem.
    Wenn Hou Yifan (gerne auch mal ohne recht offensichtliche gegnerische Hilfe) und/oder Hammer weiterhin (für ihre Verhältnisse) erfolgreich spielen, haben sie ein gutes Turnier erwischt. Zum Fan werde jedenfalls ich nicht aufgrund einzelner Ergebnisse.

  3. Thomas Richter schreibt: „Jedenfalls zwei (Hou Yifan und Hammer) aus der Kategorie „jedes Remis wird von ihren Fans bejubelt und fast jedes Remis bringt Elopunkte“.“

    Das sind ja geradezu prophetische Worte, lieber Herr Richter. Jedenfalls haben genau die beiden Genannten in der 1. Runde das mit Abstand kämpferischste und interessanteste Schach geboten, obwohl sie jeweils die schwarzen Steine gegen nominell überlegene Gegner führten. Man vergleiche mal ihre Partien mit den jämmerlichen (Gewinn-?)Versuchen eines Giri, MVL oder gar Salem, die alle Weiß hatten. Am Ende des Spieltages ist Hou Yifan sogar die einzige Gewinnerin! Sie und Jon Ludvig Hammer dürften heute einige neue Fans dazugewonnen haben, vielleicht sogar Sie – trotz Ihrer etwas herablassend anmutenden Eingangsbemerkung?

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