Karpow hier, Karpow da

Stefan Löffler – Am Montag wird im Bundestag Schach gespielt. Die Linke-Fraktion lädt ein, und Hobbyspieler wie Eberhard Gienger (CDU) oder Öczan Mutlu (Grüne) haben sich angekündigt. Es ist nämlich eine Delegation der russischen Duma in Berlin zu Gast. Angeführt wird sie von Anatoli Karpow, der seit 2011 für Putins Partei „Einiges Russland“ im russischen Parlament sitzt und seine Bekanntheit nun als eine Art Schachdiplomat in Diensten des Kremls einsetzt.

Der frühere Weltmeister hat schon eine Reihe solcher Schachvergleiche initiiert. Als die Schachspieler aus der Duma vor drei Jahren das Berner Bundeshaus besuchten, regte sich Kritik. Wie konnten sich Schweizer Abgeordnete mitten in der Ukrainekrise mit Vertretern des Aggressors ans Schachbrett setzen? Ebenfalls 2014 besuchte er Wien und hielt eine Brandrede gegen die NATO.

Dafür dass sein Arbeitsplatz eigentlich im russischen Parlament ist, häufen sich Karpows Auftritte am Brett. Im April weilte er wieder in Wien, dieses Mal auf Einladung der UNO, spielte ein paar Simultanpartien und stellte Teile seiner Briefmarkensammlung aus. Neben Schachmotiven sammelt er nämlich auch zum Thema UNO. Vor vier Wochen spielte er bei der Zentralen Endrunde der Deutschen Bundesliga am Spitzenbrett des SV Hockenheim, der Deutscher Vizemeister wurde. Wenige Tage später war er bei den Russischen Mannschaftsmeisterschaften im Einsatz. Im Juli ist er als Stargast des 50. Bieler Schachfestivals angekündigt, wo er am Schnellschach-Einladungsturnier teilnehmen soll. Starthonorare verlangt er mitunter gar nicht, sondern nur die Übernahme der Reisekosten… Weiterlesen auf dem Schachblog der FAZ

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