Duell der Königinnen

Das Erfurter Schachfestival

Das Match der Ex-Weltmeisterinnen Alexandra Kosteniuk (33/Russland) und Elisabeth Pähtz (32) – beide gehören zu den Top 20 der Welt – ist das Herzstück des 2. Internationalen Erfurter Frauenschachfestivals, das vom 29. Juli bis 6. August im Radisson- Blu-Hotel stattfindet. Ein internationales Turnier junger Meisterinnen, ein gut besetztes Open sowie das deutsche Grand-Prix-Finale der Mädchen sorgen dafür, dass das Erfurter Festival auch bei seiner zweiten Auflage seinem Ruf als größtes und stärkstes Frauenschachturnier Europas gerecht wird. Umrahmt wird es von den deutschen Meisterschaften im Schnellschach (28. und 29. Juli) und Blitzschach (5./ 6. August).

Die ehemaligen Schach-Weltmeisterinnen vor ihrem Match im Sommer in Erfurt – Von Axel Eger

Foto: by Alina l’Ami

Alexandra Kosteniuk – Weltmeisterin 2008 bis 2010, Halbfinalistin 2017

Sie wurden 2016 russische Meisterin und standen in diesem Jahr im Halbfinale der WM von Teheran. Können Sie sich als einstige Weltmeisterin auch darüber noch freuen?

Ich bin nicht nur sehr glücklich darüber. Ich bin sogar überrascht, denn es fühlt sich so an, dass ich seit Ewigkeiten Schach spiele und trotzdem kommen immer wieder neue Erfolge hinzu. Sie sind sogar bedeutender für mich als damals. Während meiner Karriere hatte ich viele gute und schlechte Momente. Diese Erfahrungen haben mir beigebracht, die guten Resultate mehr zu schätzen und mit schlechten besser umzugehen.

Sie hatten von 2008 bis 2010 den Schach-Thron inne. Wie hat sich das Frauenschach seitdem entwickelt?

Im letzten Jahrzehnt ging es im Frauenschach voran. Es ist attraktiver geworden und selbst junge Mädchen können heutzutage über eine Profikarriere
nachdenken. Ich hoffe, dass wir noch viele junge neue Gesichter in unserem Sport sehen werden.

Sie betreiben einen Blog, haben Bücher geschrieben und in einem Film mitgewirkt, warben als Fotomodell für Schach. Welche sportlichen Ziele hegen Sie noch?

Wie gesagt, ich spiele seit Ewigkeiten Schach und über ein Vierteljahrhundert nur das zu tun, ist gar nicht so leicht. Es gab viele Phasen, wo ich sehr nah dran war, aufzuhören und selbst heutzutage holen sie mich ab und zu wieder ein. Deshalb habe ich keine bestimmten Ziele mehr im Schach. Manchmal spüre ich den Wunsch, noch besser zu werden, aber mir ist klar, dass das mit Mitte 30 kaum möglich und die beste Zeit dafür vor zehn
Jahren gewesen ist. Inzwischen bin ich Mutter und habe viele Verantwortungen. Das macht es Jahr für Jahr schwieriger.

In Erfurt treffen Sie wieder auf Elisabeth Pähtz. Was schätzen Sie an Ihrer Gegnerin?

Unser erstes Aufeinandertreffen war bei den Europameisterschaften der Zehnjährigen 1994. Ich habe diese Partie damals verloren. Ich kenne Elisabeth also schon sehr lange. Und sie ist seit unserer ersten Begegnung immer ein unangenehmer Gegner für mich geblieben.

Vor 14 Jahren spielten Sie in Mainz ein dramatisches Schnellschach-Match gegeneinander, das nach acht Partien unentschieden stand. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Allgemein habe ich gute Erinnerungen an Mainz. Mir hat es immer Spaß gemacht, dort zu spielen und das Jahr gegen Elisabeth war keine Ausnahme. Ich hoffe, dass unser Match in Erfurt mindestens ebenso spannend wird.


Foto: by David Llada

Elisabeth Pähtz – Jugend- und Junioren-Weltmeisterin 2002/2005

Bei den Europameisterschaften in Riga landeten Sie kürzlich nur einen halben Punkt hinter den Medaillenrängen. Wie viel Schwung und Motivation nehmen Sie daraus mit?

Ehrlich gesagt nicht viel. Für mich ist es ein bisschen traurig, dass ich nach 2016 auch in Riga meine Medaillenchance in der letzten Runde verpasst habe. Beide Europameisterschaften liefen für mich einfach viel zu gut, um dann „nur“ eine Top-ten-Platzierung zu erreichen. Motivierend ist, dass man sieht, dass die anderen Spitzenspielerinnen nicht wirklich besser sind. Das Selbstbewusstsein macht den Unterschied, daran muss ich arbeiten.

Ihr größtes sportliches Ziel?

Ein Titelgewinn bei einer EM, WM oder eines Grand Prix.

Müsste noch mehr für das Frauenschach getan werden?

Das Frauenschach hat sich international in den vergangenen zehn Jahren stark entwickelt. Es gibt nicht nur mehr Turniere, auch die Preisgelder sind angehoben wurden. Selbst in Deutschland verzeichnen wir durch die Einführung des German Masters der Frauen dank unseres Sponsors UKA einen Aufschwung. Durch den neuen Bundestrainer haben wir mehr Trainingslehrgänge als früher. Für mich ist es etwas schade, dass es so etwas wie das Dortmunder Sparkasseneeting nicht äquivalent bei den Frauen gibt.

Erfurt könnte solch eine Tradition begründen . . .

Ja, man könnte natürlich das Konzept übernehmen, indem man zum Beispiel der Siegerin des Gibraltar Open einen Freiplatz einräumt und weitere Top-Spielerinnen nominiert. Aber wie überall geht es nicht ohne Sponsoren.

In Erfurt treffen Sie wieder mal auf Alexandra Kosteniuk. Was schätzen Sie an ihr?

Für mich besitzt sie einen der besten Charaktere für das, worauf es beim Schach ankommt: mentale Stärke. Sie hat keine Angst, ist zielstrebig und draufgängerisch.Dafür beneide ich sie.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Mainz 2003 und dem dramatischen Duell mit der ewigen Kontrahentin?

Schon meine Anreise war ungewöhnlich. Durch die Jahrhundertflut musste ich mit meinem Trainer Miroslaw Shvarts von Dresden mit dem Zug über Polen fahren, um erst nach Berlin und schließlich nach Mainz zu kommen.  Das Match an sich war ziemlich spannend. Mich ärgerte nur, dass im Tiebreak die entscheidende Partie ohne Auslosung der Farbe mit Weiß an Alexandra ging. Warum damals darauf verzichtet wurde, habe ich bis heute nicht verstanden.

Unser Dank für den Nachdruck geht an Axel Eger (Thüringer Allgemeine)

Foto Kosteniuk: Alina l’Ami
Foto Pähtz: David Llada
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