Alleine unter Jungs – Ein Bericht von der DJEM 2017

JANA SCHNEIDER berichtet von der Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft (3.-10.6.2017)

Alle Jahre wieder findet die Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft statt, und wie in den letzten Jahren wiederum in Willingen. Es war übrigens meine neunte Meisterschaft. Neu für mich: Ich habe mich entschlossen in der U18 anzutreten. Warum? Nun ich glaube, da gab es viele Gründe, der wichtigste ist, dass ich in der U18 deutlich bessere Gegner bekomme als in der U16 weiblich. Außerdem hätte ich in dieser Altersklasse der Mädchen als Deutsche Frauenmeisterin und Setzranglistenerste doch sehr viel mehr Druck gehabt als in der U18. Hier konnte ich befreit aufspielen und sehr viel lernen.

An 12 in der Offenen Klasse gesetzt, war mein persönliches Ziel unter die Top 5 zu kommen. Ein sehr hochgestecktes Ziel, was garantiert nicht einfach zu erreichen sein würde. Aber vor allem war die DJEM 2017 für mich ein Trainingsturnier, ich habe neue Varianten ausprobiert und versucht, so viel wie möglich aus meinen Partien zu lernen.

Mein Betreuer vor Ort war Großmeister Michael Prusikin, mit dem ich schon jahrelang trainiere.

Die „Deutsche“ ist (nicht nur für mich) eines der schachlichen Highlights des Jahres und dort ist es mir immer besonders wichtig, gut zu spielen. Manchmal klappt das besser, manchmal nicht ganz so gut.

Genug der Vorgerede, es geht schließlich um das Turnier, das ich „alleine unter Jungen“ bestritten habe. Am 3. Juni, einem Samstag, war Anreisetag und abends die Eröffnungsfeier. Dieses Jahr bin ich für Bayern beim Ländereinzug eingelaufen. Was mich aber vor allem nervös gemacht hat, war die Verkündung der Spieler des Jahres 2016. Dieses Mal war ich wieder nominiert, aber bisher hatte ich es nie geschafft, auch den Titel zu erreichen. Aber neben Matthias Blübaum, Fiona Sieber und Vincent Keymer durfte schließlich auch ich mich (mit einem Rekordergebnis von 55,2% der Stimmen) Spieler(in) des Jahres 2016 nennen. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut. Mit der offiziellen Eröffnung begann die Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft nun wirklich.

Wie jedes Jahr wird zunächst am Sonntag eine Doppelrunde gespielt. Für mich bedeutete das am Ende des Tages 1,5/2 Punkte. Mit meiner Auftaktrunde gegen Florian Schmekel (SAV Torgelow) war ich allerdings keineswegs zufrieden. Ich kam in einem sehr guten Endspiel nicht über ein Remis hinaus. Dafür gelang mir in der zweiten Runde gegen Timo Küppers (SF Katernberg)wohl meine beste Partie des Turniers. Die dritte Runde am Montag an Brett 2 gegen Thilo Ehmann (SF Sasbach) endete unentschieden. Auch hier wäre wohl zwischenzeitlich mehr drin gewesen, aber obwohl ich nun den Titel Deutsche Frauenmeisterin trage, spiele ich nun mal nicht perfekt und werde es wohl auch nie. Am nächsten Tag wartete dann am Vormittag der Topgesetzte und spätere Deutsche Meister U18 Roven Vogel vom USV TU Dresden auf mich. Am Ende machte ich in unangenehmer Stellung einen ärgerlichen Fehler, der sofort eine Verluststellung nach sich zog. In der Nachmittagsrunde gab es ein relativ ereignisloses Remis gegen Vinzent Spitzl (SV Griesheim). Nachdem ich ein Remisangebot abgelehnt hatte, kam ich einige Züge später doch nicht über eine Zugwiederholung hinaus.

Damit waren die ersten fünf Runden und damit alle Doppelrunden sowie mehr als die Hälfte des Turniers vorbei. Bisher war ich auch schachlich ganz zufrieden und die DEM ist doch jedes Jahr ein unglaublich schönes und vielfältiges Turnier. So viele Jugendliche kämpfen hier um die Titel und ich habe das Gefühl, es werden Jahr für Jahr mehr. In den älteren Altersklassen sieht man außerdem immer wieder bekannte Gesichter, während ich vor allem bei den Jüngeren oft nur wenige kenne. Und es ist jedes Jahr ein spannender Wettkampf, wer gewinnt. Natürlich geht es auch in den älteren Altersklassen immer äußerst interessant und spannend bis zum Schluss zu.

Die zweite Turnierhälfte ist dabei wohl noch wichtiger als die erste Bei mir lief es leider nicht mehr so gut weiter. In der 6. Runde verlor ich gegen Henrik Hesse (SV Mattnetz Berlin) eine Partie, in der ich viele kleinen falschen Entscheidungen getroffen habe. Daraus kann ich deshalb zwar viel lernen, aber ein Sieg wäre mir trotzdem lieber gewesen. Wem auch nicht?! Aber man kann nun mal nicht immer nur gewinnen. In der 7. Runde gegen Arno Reindl (SG Schwäbisch Gmünd) konnte ich es dann glücklicherweise wieder.

Vielleicht die wichtigste Partie im Turnier war für mich dann in der 8. Runde gegen Tristan Niermann (SF Lieme). Da entschied sich für mich, ob ich mit dem Turnier zufrieden sein konnte oder nicht. Leider verlor ich dieses Spiel. Ein ungenauer, falscher Zug in einer scharfen Stellung mit entgegengesetzten Rochaden – von dieses Zeitpunkt an spielt ich nur noch mit dem Rücken zur Wand und versuchte die Stellung zu halten, was ich letzten Endes nicht schaffte.

Eigentlich wollte ich auf jeden Fall einen positiven Score am Ende am haben. Dies konnte ich nun nicht mehr erreichen. Aber wenigstens die Hälfte der Punkte. Dafür tat ich in der letzten Partie gegen Wilken Brunner (TSV Neubruchhausen) alles, aber es wollte einfach nicht klappen. Als ich dann endlich eine bessere Stellung erreicht hatte, stellte ich sie einige Züge später wieder ein und konnte einer Zugwiederholung nicht mehr ausweichen. Das hieß letztlich 4/9 Punkte und Platz 20 für mich.

Ich bin mit meinen Partien und vor allem dem Ergebnis nicht zufrieden. Sicherlich kann nun einmal nicht jedes Turnier super laufen, und vielleicht habe ich mich auch unbewusst ein bisschen zu viel unter Druck gesetzt. Trotzdem war die DJEM für mich wie jedes Mal ein wunderschönes Turnier, aus dem ich viel mitnehmen werde. Die Siegerehrung war wieder das Highlight schlechthin, obwohl ich zum ersten Mal nach sechs Jahren nicht auf dem Podium stand, sondern einfach nur zuschaute und die Siegerehrung genoss. Gratulation an alle Deutschen Meister, die ich hier nicht erwähnt habe. Ich hoffe, dass mir das keiner übel nimmt. Besonderen Glückwunsch an IM Roven Vogel. Der U16-Weltmeister von 2015, hat die Königsklasse U18, in der ich ja auch mitgespielt habe, ziemlich überzeugend ohne Verlustpartie gewonnen. Ebenso ungeschlagen blieb Vizemeister Leonid Sawlin. Meinen Respekt dafür!

Nun ist wieder eine Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft vorbei, ich freue mich schon auf das nächste Jahr und möchte noch den Veranstaltern und allen danken, die die DJEM ganz sicherlich nicht nur für mich erneut zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.

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Alle wichtigen statistischen Informationen zur AK U18 (Paarungen, Ergebnisse, Abschlusstabelle etc.) sowie die insgesamt 126 gespielten Partien der neun Runden sind unter dem Link http://www.deutsche-schachjugend.de/2017/dem-u18/ zu finden.

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