Heißes Schach im Finale!

Von Ralf Mulde.

Eigentlich, so sollte man meinen, sei Schach eher eine Wintersportart, bezieht man sich auf die vielen, endlosen Fahrten durch noch schwärzeste Winternacht in den Amateurligen. Völlig ungewohnt also sind die Außen-Temperaturen von 20-30°C, die auch diesmal wieder beim Finale der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft DSAM in Niedernhausen nahe Wiesbaden herrschen.

Die Turnierseite ist

https://www.dsam-cup.de/niedernhausen/

Partien der Spitzenbretter kann man sich ab Runde 2 live begucken, wenn auch die Telekom und die Götter des Internet ein Einsehen haben werden (Link dorthin auf der DSAM-Seite) und hier der Pokal. Aber der hat seine eigenen Gesetze.

https://www.dsam-cup.de/live/

und

http://cloudserver.chessbase.com/NDc4MTA1/replay.html

Im Saal des H+-Hotels (der Name „Ramada“ ist Vergangenheit) versammelten sich 179 Herren und 29 (= 16 %!) Damen jeglichen Alters, also 208 Finalisten. Die küren ab heute in 6 Leistungsklassen die Besten, und nach den zu spielenden 5 Runden gibt’s zur Belohnung dann auch wieder Pudding zum Nachtisch. CM Hubert Walkewitz, geb. 1934 von Grün-Weiß Niemegk, ist der älteste Spieler im Feld. In Anbetracht der zweithöchsten Spielklasse B, in der er als Nummer 2 der Setzliste mattiert, ist er aber auch ganz gewiss einer der besten.

Der Jüngste am Brett ist Matteo Metzdorf von der recht nahe gelegenen SG Trier: Man schlendert in Wiesbaden über die Rhein-Brücke, steht in Mainz und von da nach Trier ist’s eben nicht weit. Matteo wurde 2007 geboren und ist in der Gruppe D aktiv, also genau im mittleren Rating-Bereich des Turniers. Furchtbar, wie sich die Schachfreunde Walkewitz und Metzdorf also so was von überhaupt nicht bemühen, den gängigen Vorurteilen zu genügen, dass „man“ gefälligst am Rating-Ende zu rangieren habe, wenn man angeblich „zu jung“ oder eben „zu alt“ zum Siegen sei.

Noch ein paar Vorurteile? Die Damen … In Gruppe A, in deren Rating-Bereich lange Zeit fast keine Dame vorstieß, schieben mittlerweile drei aussichtsreich Spielende ihre Gegner zusammen – sie versuchen es zumindest. Die drei sind WGM Barbara Hund, die an Fünf gesetzte Europameisterin WFM Fiona Sieber und die anscheinend immer noch (und weiterhin schnell) besser werdende Annmarie Mütsch aus Eppingen. Zwar sind Spieler wie FM Bernd Laubsch und Hartmut Zieher in der A noch immer leicht favorisiert, aber wartet’s nur ab! Die Frauenpower kommt!

Und auch im Studio B spielen die Damen einen flotten Rhythmus. Die Deutsche Damenmeisterin und offenbar multibegabte Schachtickerin Jana Schneider ist vom Rating her ungefähr gleichauf mit Lara Schulze, und die dritte in diesem Ring ist Sarah Hund. Deren Rating-Kurve schlug zwar in letzter Zeit die falsche Richtung ein, aber hier im Finale in Niedernhausen kann sich das ja flott ändern: Der Umschwung zum Aufschwung!

Aber da ist ja auch die Europameisterin WFM Fiona Sieber. Sie ist an Fünf gesetzt und es wäre sicher nicht unvernünftig von der für Magdeburg in der Damen-Bundesliga spielende Göttingerin (irgendwie verwirrend …), sich einen besseren Rang als die 5 als Endplatzierung vorzunehmen. Die Erwartungen der manchmal nüchternen Realität anpassen kann man ggfs. ja immer noch. „Für meine Turniere habe ich eine ganz einfache Strategie: Ich betrachte jede Partie einzeln und versuche jeweils mein Bestes zu geben. Ein Spiel auf Remis ist nicht meine Sache“, sagte sie den Machern der hervorragenden Seite des Erfurter Frauenschachfestivals:

http://www.frauenschachfestival-erfurt.de/include.php?path=article&contentid=30

Meine Herren, man kann so etwas auch als Drohung verstehen …! Die Fiona ist gewiss nicht irgendwer (haben wir sowieso nirgends im Angebot), sondern die junge Dame ist Eu-ro-pa-meis-te-rin!!! Sie hat eiskalt Griechinnen, Monegassinnen und Liechtensteinerinnen hinter sich gelassen! „Nur“ bei der U.16? Naja, dann versuche mal Dein Glück.

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Veröffentlicht unter DAM |