Ein Damenopfer machte ihn unsterblich

Alexander Kotov gehörte in den 50er Jahren zu den besten Schachspielern der Welt. 1952 gewann er das Interzonenturnier in Stockholm mit 16,5 aus 20. Beim folgenden Kandidatenturnier in Zürich spielte er seine wohl bekannteste Partie. Gegen Awerbach gelang ihm ein spektakuläres Damenopfer, das nach 21 weiteren Zügen zum Partiegewinn führte.

Nach einer Altindischen Eröffnung, die hier nicht kommentiert wird, denn dies haben andere oft genug getan, opferte er seine Dame für nur einen Bauern. Dabei begünstigte die beengte Figurenstellung um den weißen König das gespielte Hineinziehungsopfer.

Beobachter des Geschehens berichteten, das nach Kotovs verblüffenden Damenopfer im 30. Zug ein mächtiges Raunen durch den Turniersaal ging. Auf dem Gesicht der Spieler war ein deutliches Schmunzeln zu erkennen .

Bedingt durch Zeitnot wiederholte Kotow mehrfach die Züge. Natürlich hätte er im 33. Zug auch anders spielen können. Es zählt allein, dass seine Zugfolge zum Ziel geführt hat.

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2 thoughts on “Ein Damenopfer machte ihn unsterblich

  1. In ihrem Buch WORLD‘S GREATEST CHESS GAMES, das 2010 in den USA von Running Press Book Publishers herausgegeben wurde, haben Graham Burgess, Dr. John Nunn und John Emms eine Sammlung von 125 Partien zusammengestellt. Die drei Auswahlkriterien waren dabei die Qualität und spielerische Brillianz beider Kontrahenten, der lehrreiche Wert der Partie und die historische Bedeutung. Vom legendären Kandidatenturnier in Zürich 1953 hat das Trio immerhin vier Partien für würdig gefunden. Es sind dies die Begegnungen Jefim Geller–Max Euwe (0-1), Max Euwe–Miguel Najdorf (1-0), Paul Keres –Wassili Smyslow (0-1) – der Gewinner belegte übrigens Platz 1 – sowie die hier vorgestellte Partie zwischen Juri Awerbach (8. Februar 1922) – er ist der derzeit mit 95 Jahren älteste noch lebende Großmeister – und Alexander Kotow. Sein Damenopfer, mit dem er die schönste Partie des Turniers spielte, fand „in der Schachwelt wahrlich ein begeistertes Echo. „Einmal in 100 Jahren …“, „Ein Unikat in der Schachliteratur“ – so gaben Kommentatoren in den verschiedensten Ländern ihren Eindruck wieder. Als Autor hat sich Alexander Alexandrowitsch Kotow (12. August 1913 bis 8. Januar 1981) einen Namen mit seinem Buch „Das Schacherbe Aljechins“ gemacht, das zuletzt 1990 als Band 55 der Tschaturanga-Reihe in der EDITION OLMS erschienen ist. Es ist allerdings derzeit nicht lieferbar und daher höchsten antiquarisch zu erwerben. Zwei Exemplare des Sonderbandes aus dem Schweizer Verlagshaus waren heute (22. Juni) für 60,59 € bei AMAZON im Angebot,

  2. Damals gab es noch Hängepartien. Durch die Zugwiederholungen erreichte Kotov nicht nur die Zeitkontrolle, sondern konnte die Stellung dann auch in Ruhe mit anderen (wenn auch ohne Computer) analysieren. Beim Damenopfer musste er nur sehen, dass er auf jeden Fall Dauerschach hat.

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