Zwischenbilanz der Mannschafts-WM: Russland und Russland führt

  • 4
    Shares

Ich falle mal gleich mit der Tür ins Haus und nenne den Zwischenstand nach fünf von neun Runden und vor dem einzigen allgemeinen Ruhetag – teilweise gibt es ja, da alle Teams fünf Spieler für vier Bretter haben, noch individuelle Ruhetage. Jeweils Mannschaftspunkte und, wenn relevant, in Klammern Brettpunkte.

Bei den Herren: Russland 9, China 8(13,5), Polen 8(12,5), Türkei 7, Indien 6, Ukraine 4 (9,5), USA 4 (8,5), Norwegen 2 (7,5), Weissrussland 2 (7), Ägypten 0. Russland hat zwar bereits einmal “gepatzt”, China allerdings schon zweimal. Überraschend bisher im positiven Sinne Polen und die Türkei, im negativen Sinne die Ukraine – zwar nicht in Bestbesetzung, aber immer noch an drei gesetzt.

Bei den Damen: Russland 8(12,5), Ukraine 8(12), Indien 7, China 6, Polen 5, USA 4(10,5), Georgien, Aserbaidschan, Vietnam alle 4(10), Ägypten 0. Da fiel bereits in Runde eine eventuelle Vorentscheidung zu Ungunsten von China, jedoch noch nicht zu Gunsten von Russland, die danach gegen nominell klar schwächere Teams zweimal nur remisierten. Überraschend im positiven Sinne die Ukraine, vor allem da sie doppelt auf Muzychuk verzichten müssen. Gar nicht läuft es diesmal für Georgien.

Das Fotoangebot auf der Turnierseite ist sehr reichhaltig – nicht immer ist die Fotografin oder der Fotograf erwähnt, jedenfalls in den ersten Runden war es Anastasia Balakhontseva, die in Khanty-Mansiysk Heimspiel hat. Ich habe mir alles angeschaut und bediene mich recht grosszügig. Fotomotive sind neben bekannten Spielern auch eher unbekannte, auch einige die gar keine Züge ausführten oder nur mal 1.e4 oder 1.Sf3, und einiges zum Drumherum. So bekommen ich selbst und die Leser vielleicht den Eindruck, dass wir selbst in Khanty-Mansiysk dabei waren – das ist natürlich nicht der Fall. Das Titelbild bekommt Ian Nepomniachtchi, der mit spektakulären Partien zum bisherigen Erfolg der russischen Herren beigetragen hat. Daneben hat die Turnierseite auch diverse Videos, u.a. Pressekonferenzen und Interviews, die ich mir nur teilweise angeschaut/angehört habe.

Schon vor der ersten Runde gab es eine offenbar spektakuläre Eröffnungsfeier, auch komplett auf Video dokumentiert aber ich zeige nur eine Reihe Bilder in Quer- und Hochformat:

Das indische Damenteam nahm vorher ein Selfie:

Team Russland (Herren) sass in der ersten Reihe:

Alle verfolgen das andächtig, nur Svidler (hinten) ist offenbar mit seinem Handy beschäftigt.

Bei Runde 1 beginne ich bei den Damen – es gab ein Schlüsselduell in dem vielleicht schon eine Vorentscheidung für das gesamte Turnier fiel:

China (von links nach rechts, Brett vier bis eins Lei Tingjie, Zhao Xue, Tan Zhongyi und Ju Wenjun) wartet auf die Russinnen – die Auslosung wollte, dass die beiden Favoritenteams schon zu Beginn aufeinander treffen.

Da sind die Russinnen – im Gegensatz zu den chinesischen Damen und (siehe oben) den russischen Herren nicht einheitlich gekleidet. Nun von vorne nach hinten: Kosteniuk, Lagno, Gunina und (verdeckt) Girya. Insgesamt also eine Ex-Weltmeisterin (Kosteniuk), die aktuelle Weltmeisterin Tan Zhongyi sowie Ju Wenjun, die ihre Landsfrau wohl ablösen will – es fehlt eigentlich nur die Weltranglistenerste und Ex-Weltmeisterin Hou Yifan.

Ja, 1.e4 am Spitzenbrett ist OK.

Den Rest machte Kosteniuk selbst und entschied sich, zusammen mit ihrer Gegnerin, für Spanisch.

Ju Wenjun in Grossaufnahme – nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 ging es weiter mit 3.-a6!? (Elitemänner spielen lieber gleich 3.-Sf6) 4.La4 Sf6 5.d3 d6 6.c4!?. War Kosteniuk da von Arkadij Naiditsch inspiriert, oder von Yu Yangyi? Das sind die elobesten Weisspieler, die das bereits versuchten – zusammen erzielten sie 6/6 aber sooo gut ist 6.c4 wohl nun auch wieder nicht. Auch heute gewann Weiss, Kosteniuk – Ju Wenjun 1-0 – tief im Endspiel entschied bei Türmen und ungleichfarbigen Läufern ein Mehrbauer, 1-0 nach 104 Zügen. Das war aus russischer Sicht nur noch Zugabe: zuvor stand es 2-1 für sie, Kosteniuk musste also nicht unbedingt gewinnen.

Zuvor bereits Tan Zhongyi – Lagno 0-1 – nicht ganz glatt: Lagno stand zwischenzeitlich klar schlechter, dann war es – sagen Computer – ausgeglichen, dann beging Tan Zhongyi den Lapsus 38.Sf7+ (keine extreme Zeitnot, sie brauchte dafür 3 Minuten). Da Lagnos 39. Zug ungenau war, hatte die Chinesin im 41. Zug noch eine Remischance, die sie jedoch direkt nach der Zeitkontrolle nicht nutzte – nur 2 Minuten für 41.Df2? statt Damentausch nebst Verhaftung des schwarzen c-Freibauern. Gunina – Zhao Xue 1-0 war dagegen glatt, da Schwarz im 14. Zug freundlicherweise eine Figur einstellte. Lei Tingjie – Girya 1-0 war aus russischer Sicht unnötig – auch hier der letzte und entscheidende Fehler direkt nach der Zeitkontrolle – aber irrelevant. Bei der Olympiade 2016 in Tromso landeten die Chinesinnen vor den Russinnen, zuvor hatte meistens Russland die Nase vorn, diesmal wieder? Natürlich war es nur die erste von neun Runden. Interviews mit Team Russland:

Damencoach Evgeny Najer

Valentina Gunina nun auch mit patriotischem Jackett.

Noch eine gute Nachricht für die russischen Damen: Konkurrent Georgien spielte gegen Indien nur 2-2 und war damit gut bedient.

Wer ist das denn? IM Subbaraman Vijayalakhsmi war jedenfalls mir gar kein Begriff – an Brett 4 schaffte sie es, ein Endspiel mit Mehrfigur gegen die durchaus bekannte Nino Batsiashvili noch zu verlieren.

Besser machte es Dronavalli Harika – Sieg am Spitzenbrett gegen Dzagnidze. Vor der Zeitkontrolle stand sie zwar mal schlecht, nach der Zeitkontrolle bekam sie Oberwasser. Noch eine Dame wird fotografiert:

Khanty-Mansiysk liegt zwar nicht im Iran, die Ägypterinnen erschienen dennoch mit Kopftuch. Hier Spitzenbrett WGM Wafa, die es kopftuchtechnisch bunt machte. Ihre Partie gegen die Vietnamesin Thi Bao Tram Hoang war dann weniger bunt, die fast 250 Elopunkte bessere Gegnerin gewann mit Schwarz recht geräuschlos. Wafa schaffte es, trotz Inkrement im 38. Zug die Bedenkzeit zu überschreiten, auf Dauer hätte sie wohl ohnehin verloren. Später der Beweis, dass man auch mit Kopftuch charmant lächeln kann – jedenfalls vor Rundenbeginn.

Bevor ich zu den Schach spielenden Herren komme, zwei Fotos von Personen die in anderer Rolle vor Ort waren/sind:

Andrey Filatov ist offensichtlich Russe, und zwar u.a. Teamkapitän des russischen Herrenteams – er wird noch auf anderen Fotos erscheinen bzw. das war bereits der Fall.

Sergey Shipov ist auch Russe, daher kann er Russisch und kommentierte das Geschehen auf Russisch.

Noch mehr Russen, Nepomniachtchi hinten mit mangelnder Koordination betrifft Outfit und Konzentrationspose vor Rundenbeginn. Davor Fedoseev, Matlakov und Vitiugov – Svidler hatte Geburtstag und durfte in dieser Runde pausieren.

Nepomniachtchi (später kommen noch andere Fotos) kann sich auf seine Weise auch konzentrieren – oder wusste er bereits was kommen würde? Gegen einen gewissen Abdelrahman Hesham, GM mit Elo 2372 (2500+ hatte er nie, den GM-Titel bekam er als Afrikameister) wurde es nur Remis. Da seine Kollegen es besser machten, gewann Russland gegen Ägypten recht standesgemäss 3,5-0,5. Dito für China gegen Weissrussland, überraschendere Ergebnisse in jedenfalls einem anderen Match: Türkei-Ukraine 2-2 – schön für die Türken, nicht so schön für die Ukraine. Brett 2-4 wurde – teils allenfalls milde ausgekämpft – Remis, am Spitzenbrett konnte Ponomariov gegen Solak ein gewonnenes Turmendspiel nicht gewinnen.

Polen-Indien 2,5-1,5 war, wenn man sich die Elozahlen anschaut, nicht unbedingt eine Überraschung – Indien spielt ja nicht in Bestbesetzung.

Am Spitzenbrett verlor Wojtaszek – im Schach, nicht im Lotto (offenbar Sponsor des polnischen Teams).

Pressekonferenz daher mit seinem Gegner Santosh Vidit. 6.Se5 war eine Semi-Neuerung von Giri-Sekundant Vidit – auf Niveau teils deutlich unter Elo 2600 bereits gespielt, und auch von Giri in einer Internet-Blitzpartie. Sooo gut, dass Weiss in nur 27 Zügen gewinnen ‘muss’ ist es wohl nicht, der schwarze Läufertanz 16.-19. Le6-d7-f5-c8-d7 war kein allzu ernsthafter Test.

An den nächsten Brettern gewann allerdings Polen (Duda-Adhiban 1-0, Karthikeyan-Piorun 0-1), und an Brett 4 konnte der indische “Neuzugang” Parimarjan Negi (siehe unten) aus zwischenzeitlich klar besserer Stellung gegen Bartel nur remisieren.

Runde 2 – ich beginne mal atmosphärisch:

Schönes Wetter in Sibirien – das gefiel jung und alt, selbst Sonnenschutz musste offenbar sein. Die “alte” (oder jedenfalls ältere) Dame auf dem letzten Foto zuvor in anderer Rolle – schon sind wir beim Geschehen drinnen:

Svidler erscheint etwas verspätet zur Runde (Geburtstagsparty am Abend davor?) und muss zur Kenntnis nehmen, dass er 1.Sf3 gespielt hat. Das reichte für ein Remis gegen Dragan Solak, seine Teamkollegen remisierten ebenfalls gegen die Türkei – die Türken damit nach wie vor ungeschlagen und sieglos, da es gegen Ukraine und Russland ein Erfolgserlebnis war bekommen sie noch ein Foto:

GMs Can, Yilmaz und Solak, GM Sanal vielleicht stehend und kaum erkennbar, Foto werde ich nachreichen. Yilmaz forcierte mit Weiss ein Remis gegen Vitiugov, die 24 Züge (am Ende Dauerschach) gab es zuvor 24-mal, u.a. Yilmaz-Lupulescu, griechische Mannschaftsmeisterschaft 2016. Matlakov konnte Can mit Weiss nicht bezwingen, einer gab noch alles:

Aus dieser Entfernung kann man zwar erkennen, dass Filatov kibitzt, nicht unbedingt dass Fedoseev und Sanal als letzte von allen noch spielen. Auch die Fotografin war wohl neugierig, wer da Überstunden macht:

Ja, Fedoseev und Sanal.

Und dann endete auch diese Partie nach 93 Zügen remis – ab dem 69. Zug Dame und Springer für Schwarz (Fedoseev) gegen Dame und Bauer für Weiss (Sanal).

2-2 für Russland gegen die Türkei war etwas zu wenig, ebenso 2-2 für die Ukraine (wie die Türkei weiterhin sieglos und ungeschlagen) gegen Weissrussland, wobei die Ukraine das eher akzeptierte – Remisen in 15, 20, 23 und 13 Zügen.

Noch spielte Ponomariov, und immerhin hatten er und sein Gegner Sergei Zhigalko bereits einige Male länger nachgedacht bevor sie nach 15 Zügen Frieden schlossen.

Daneben noch dreimal 2,5-1,5: China-Indien, Polen-USA und Norwegen-Ägypten.

Wer ist das denn? Parimarjan Negi – einst Jungtalent, zuletzt schachlich bis auf kleinere Turnierchen in Kalifornien nur noch als Buchautor aktiv, ausserdem Student. Für Indien spielte er zuletzt bei der Olympiade 2014, kurz davor sein letztes ernsthaftes Turnier (Politiken Cup).

Später brauchte er auch drinnen Sonnenschutz.

Noch zwei, die – jedenfalls bei dieser Gelegenheit – nicht Schach spielen sondern darüber reden – Evgeny Miroshnichenko und Anna Rudolf.

Zum Damenturnier diesmal nur ein Foto: Ukraine-China 2-2, nächster Dämpfer für China. Auch Georgien erreichte gegen Polen nur ein Mannschaftsremis. Jeweils war es dabei nicht so friedlich wie Russland-Türkei oder gar Ukraine-Weissrussland bei den Herren, an sechs von zusammen acht Brettern gab es Siegerinnen und Verliererinnen.

Runde 3 – zunächst ein Foto vom Turniersaal vor der Runde:

Bei den Herren endeten die Remisserien von Ukraine und Türkei, ich beginne beim “turnierrelevanteren” Match zu dem es auch jede Menge Fotos gibt:

Ukraine-Russland, Stand zu diesem Zeitpunkt 0-0

Svidler und Nepomniachtchi grübeln parallel-nebeneinander

Dann macht Svidler einen Zug, Nepo ist offenbar nicht einverstanden.

Oder hat es nicht zu bedeuten, da es eben eine seiner Konzentrationsposen ist – schon bevor es losgeht?

Probleme hatte er auch mit einer Wasserflasche.

Nun die Ukrainer, der wilde Korobov neben dem eher braven Ponomariov. Im Team fehlen ja der exzentrische Ivanchuk und der wiederum eher brave Eljanov.

Filatov kibitzt bei Nepomniachtchi-Korobov – auch er schaut skeptisch drein, bis zu diesem Zeitpunkt war es ein wildes Najdorf-sizilianisches Duell bei dem drei Ergebnisse möglich waren. Hier überlegte Korobov über eine halbe Stunde und beantwortete dann 22.Sa2 mit 22.-d5? – es muss dieser Moment sein, da Weiss mit 23.Dg2 reagierte und ab hier klar besser stand. Ansonsten drei relativ gepflegte Remisen, insgesamt also Ukraine-Russland 1,5-2,5.

Hinterher gab Nepo eine Pressekonferenz. Ich kann mich nicht entscheiden, welches Foto das beste von ihm und Eteri Kublashvili ist, also zeige ich mehrere:

Die Türkei machte es anders: zwar war 1,5-2,5 gegen Norwegen drin, aber es wurde 2,5-1,5. Schuld war

IM Frode Elsness, der (einige Zeit nachdem dieses Foto entstand) eine Stellung mit Mehrfigur verlor. Ganz so bizarr wie bei (Runde 1 der Damen) Vijayalakhsmi-Batsiashvili war es nicht: der Gegner hatte die Figur durchaus absichtlich (oder aus der Not geboren) geopfert und die Stellung war vor der Zeitkontrolle kompliziert. 37.Kf1 war offenbar besser als das gespielte 37.Kh2, 40.Le8? (Kontrollzug) war total falsch – nun musste Elsness bereits die Figur zurückgeben mit fast ausgeglichenem Endspiel, so ging es dem weissen König an den Kragen bzw. Schwarz bekam sein Material mit Zinsen zurück.

Gegner GM Vahap Sanal musste – bzw. durfte – zum Interview mit Eteri Kublashvili erscheinen.

Einmal 2-2 mit vier Remisen gab es dann doch, und zwar zwischen China (in Bestbesetzung) und den USA (nicht in Bestbesetzung). Damit waren Russland und China nach Mannschaftspunkten wieder gleichauf, vorne lag allerdings nun Polen. Dass sie auch ihr drittes Match gewannen, war (Gegner Ägypten) keine Überraschung.

Zwischendrin wieder ein “anderes” Foto:

Schachspieler und Journalisten (und Pressechefs) denken manchmal einige Züge voraus: hier interviewt Kublashvili vielleicht die zukünftige Weltmeisterin. Vielleicht auch nicht – das wissen wir in ca. zehn Jahren?

Schon sind wir bei den Damen, Schwerpunkt zu dieser Runde Aserbaidschan – das haben sie sich verdient, nicht nur weil die Chemie im Team offenbar stimmt:

Nicht alles im Team ist Mamma mia – das vierte Brett teilten sich WIM Fataliyeva und WFM Balajayeva. Zur Heldin aus AZE-Sicht wurde Gunay (Mammadzada), die einfach so gegen (Valentina) Gunina gewann.

Was auch immer Gunina hier trinkt, es war kein Zaubertrank. Beziehungsweise sie ist eben ewig unberechenbar, nur auf eines kann man sich bei ihr verlassen: Remis hat Seltenheitswert.

Olga Girya rettete immerhin noch einen Mannschaftspunkt für die favorisierten Russinnen, Gegnerin Fataliyeva machte nach der Zeitkontrolle den für sie fatalen Fehler. Auch sonst bei den Damen knappe Ergebnisse, mal abgesehen von Georgien-Ägypten 4-0.

Warum Nino Batsiashvili auch ein Interview bekam ist nicht ganz klar – vielleicht gerade weil ihr Sieg gegen Eman Elansary (Elo 1887, fast 600 Punkte weniger als die Georgierin) zwar spektakulär aber nicht ganz souverän war.

Tania Sachdev wurde fotografiert, obwohl sie gegen Inna Gaponenko verlor. Und zwar gleich mehrfach, ich kann mich da nicht entscheiden. So verlor Indien gegen die Ukraine. Eine Pressekonferenz gab es mit dem ukrainischen Teamkapitän und Coach Mikhail Brodsky, eine Frage beantwortete er (nur) mit “das kann ich leider nicht kommentieren”: “Warum fehlen die Muzychuk-Schwestern im Team?” Offenbar waren sie anfangs im Aufgebot und später dann nicht mehr.

Zum Schluss, was diese Runde betrifft, die ganze Vielfalt des Schachs – von X bis Z:

Jeffery Xiong, der für die USA doch nicht an eins sondern an vier spielt und da mit 1,5/4 etwas enttäuscht. Wie geht es weiter?

Yu Yangyi (bisher 4/5). Wie geht es weiter? Noch ein Spieler oder eine Spielerin aus China bzw. mit chinesischen roots ginge – Zhao Xue oder Tan Zhongyi, aber

ich zeige noch Jolanta Zawadzka aus Polen.

Runde 4

Zunächst der Turniersaal, diesmal mit Spielerinnen und hinten Spielern. Bei den Damen nahm Russland mit Georgien die nächste Hürde – am Ende 2,5-1,5 (Dzagnidze-Kosteniuk 0-1, Lagno-Javkishvili 1-0 waren die russischen Siege).

Sie konnten es verkraften, dass Gunina sang- und klanglos gegen Khotenashvili verlor.

Zumal es noch eine gute Nachricht für sie gab: auch gegen China erreichte Aserbaidschan ein Mannschaftsremis –

Heldin war heute nicht Gunay (Mammadzada), sondern Gulnar (Mammadova) mit Sieg gegen Zhao Xue.

Auch Korobov schaute mal bei den Damen vorbei, vorne seine Landsfrau WGM Iuliya Osmak.

Bei den Herren weitgehend klare Ergebnisse, nur Polen-Türkei 1,5-2,5 war knapp. Schon wieder gewann ein Türke, heute Emre Can im Turmendspiel gegen Mateusz Bartel, also bekommt er ein Foto:

Damit war der polnische Höhenflug zumindest unterbrochen, und die Türkei – wenn sie so weitermachen würde – eventuell Medaillenkandidat.

China, das bisher eigentlich fast alles richtig machte, hatte ich noch nicht gezeigt. Heute ist die vielleicht einzige Gelegenheit, um (vorne) auch Reservebrett Wen Yang zu zeigen – er remisierte, seine Kollegen gewannen gegen Ägypten. Yu Yangyi fehlt auf diesem Foto, aber ihn hatte ich bereits. Ding Liren fehlt auch, er pausierte gegen Ägypten, remisierte ansonsten am Spitzenbrett viermal gegen Elo unter 2700 und gefährdet damit seinen top10 Status.

Ukraine-Norwegen 3-1 – na also, die Ukraine kann auch Partien und Mannschaftskämpfe gewinnen. Indien-USA 3,5-0,5 war noch deutlicher.

Akobian-Adhiban 0-1 bot Gesprächsstoff, im Analyseraum mit dem Gegner

und im Interview mit Kublashvili. Akobians 7.g4!? hatte nicht den gewünschten Effekt, wobei es das bereits gab z.B. von Shirov. Dafür brauchte Akobian 12 Minuten, später dann fast 25 Minuten für 14.h4? – und das bekommt ein Fragezeichen ohne Ausrufezeichen da er eine kleine materialgewinnende Kombination übersah.

Weissrussland-Russland 1-3 war auch standesgemäss aus russischer Sicht, dazu zwei Fotos:

Nepomniachtchi wird mal wieder fotografiert, Aleksandrov nimmt es zur Kenntnis

und war selbst auch Fotomotiv.

Nochmal zu den Damen – fast hätte ich etwas vergessen:

Die Ägypterinnen hatten sich etwas vorgenommen: heute verlieren wir nicht 0-4! Und es klappte tatsächlich,

auch wenn die Lockerheit dahin war, nachdem gegen die USA die Uhren tickten. Ich zeige beide ägyptische Teams, da auch die Herren auf ihre Art durchaus fotogen sind:

Wafa schaut als einzige der Damen skeptisch drein, vielleicht ahnte sie bereits dass sie gegen Anna Zatonskih übel unter die Räder kommen würde. Ayah Moaataz erzielte den ersten halben Punkt für die Ägypterinnen – gegen Nemcova war vielleicht gar mehr drin, wobei die 300 Elopunkte bessere Gegnerin eben einiges riskiert hatte. Eman (Elo 1887) und Ehab (Elo 1750) haben ohnehin gute Laune.

Im Publikum in dieser Runde u.a. auch Potkin (in rot, nicht nur der Bart) und dahinter Girya die in dieser Runde pausierte. Und wenn wir schon dabei sind, noch ein paar Spieler und Spielerinnen:

Runde 5:

Russland-Norwegen endete vor kurzem in Stavanger unentschieden (Kramnik-Carlsen 1-0, Carlsen-Karjakin 1-0), aber bei der zweiten Garnitur kann Norwegen nicht mithalten – am Ende 3-1 für Russland. Anfangs schien es spannend, da Nepomniachtchis Grünfeld-Inder gegen Frode Urkedal etwas schief ging – aber der Norweger nutzte seine Chance(n) nicht und es wurde remis. An den hinteren Brettern konnten die norwegischen IMs irgendwann nicht mehr mit den russischen GMs mithalten: Vitiugov-Elsness 1-0, Hauge-Fedoseev 0-1.

Nepomniachtchi macht sich hier Sorgen um Svidler, dabei müsste er diese Pose doch kennen? Svidler erholte sich dann bei Spaziergängen durch den Turniersaal:

Wieder gab es eine gute Nachricht für die Russen: Nach den Ausrutschern in Runde drei und vier beschloss die Türkei, dass viermal Remis gegen einen nominell überlegenen Gegner durchaus in Ordnung ist.

Ob das Thema der Mannschaftsbesprechung vor der Runde war, da bin ich überfragt. Jedenfalls endete Türkei-China 2-2 unentschieden.

Danach auch eine Pressekonferenz mit dem türkischen Käpten Krasenkow.

Das andere Team, das zu Beginn fleissig remisiert hatte, schaffte es heute nur an zwei Brettern: Ukraine-Polen 1-3! Am Spitzenbrett verwandelte Ponomariov gegen Wojtaszek eine klar bessere/gewonnene in eine klar schlechtere/verlorene Stellung, kann bei sizilianischen Komplikationen passieren. Damit ist Radek Wojtaszek der bei weitem entschiedenste Spieler am Spitzenbrett – 3,5/5 bei drei Siegen, einem Remis und zu Beginn einer Niederlage. Ansonsten endeten an Brett 1 fast alle Partien remis, selbst der nominell klar unterlegene Ägypter Abdelrahman Hesham konnte drei seiner fünf Partien remis halten. Auch Kravtsiv verlor gegen Gajewski, Duda-Korobov war ein simples Remis. Selbst wenn Moiseenko irgendwie seinen Mehrbauern (vier gegen drei am Königsflügel) gegen Piorun verwertet hätte, wäre es aus ukrainischer Sicht nur Schadensbegrenzung – und immerhin die erste Gewinnpartie im Turnier. Aber dem war nicht so.

Zum Damenturnier: Russland-USA nur 2-2, wie auch Polen-Ukraine. China zerlegte Georgien 3,5-0,5 und hat sich nun immerhin auf Platz vier verbessert, während Georgien das Turnier definitiv abhaken kann. Ägypten hatte nun ein volles Erfolgserlebnis: Wafa(2141) – Harika(2535) 1-0! Damit nur 1-3 gegen Indien.

Zum Schluss zeige ich noch zwei Damen:

Nataliya Buksa, die bei der Ukraine zwar Muzychuk (egal welche) wohl nicht ersetzen kann, aber ihre Sache mit 2,5/3 an Brett 4 durchaus ordentlich machte.

Anna Zatonskih, weil sie fotografiert wurde, weil sie als Fridman-Ehefrau auch ein bisschen Deutsche ist, und weil sie am Spitzenbrett mit 3/5 gegen recht starke Gegnerinnen durchaus überzeugte. Sie schaffte sogar was Harika Dronavalli nicht schaffte: Sieg gegen Shrook Wafa.

Wie geht es weiter? Donnerstag ist Ruhetag für alle. Dann bei den Herren die Spitzenduelle: Runde 6 Polen-Russland, Runde 7 Russland-China. Ebenfalls in Runde 6 kann die Ukraine eventuell China ärgern und damit ihr eigenes Turnier noch ein bisschen reparieren. Die Türkei hat ein vergleichsweise leichtes Restprogramm, u.a. spielen auch sie noch gegen Ägypten – jedenfalls wenn Brettpunkte (medaillen-)relevant werden, sollten sie auch mal höher als 2,5-1,5 gewinnen.

Bei den Damen treffen Russland und Ukraine erst in der letzten Runde aufeinander, wird das der Showdown für Gold und Silber? Andere Spitzenduelle sind in Runde 6 Indien-Russland und tags darauf China-Indien – danach ist vielleicht klarer, welches asiatische Team noch Chancen auf zumindest Bronze hat. Georgien trifft noch auf alle Tabellennachbarn mit derzeit 4-6 Mannschaftspunkten, kann also eine totale Katastrophe noch abwenden und könnte daneben in Runde 8 die Ukraine ärgern.

Generell bleibt es bei Damen und Herren spannend, kein Team dominiert total und damit sind Prognosen schwierig. Am Montag 26. Juni wissen wir Bescheid – da die Schlussrunde zwei Stunden früher beginnt wohl am frühen Nachmittag mitteleuropäischer Zeit. Im Abschlussbericht vielleicht auch mehr “Einzelkritiken”, u.a. ist dann klar ob Vidit nächstes Mitglied im Club 2700+ wird.

 

Print Friendly, PDF & Email
Veröffentlicht unter WM |