Senioren: ChessClassics 2017 in Bad Neuenahr

Gottfried Schumacher berichtet von den Schachmeisterschaften der Senioren 50+ und 65+ in Bad Neuenahr (7.-15.6.2017)

Die ChessClassics sind Geschichte

Der Steigenberger Kursaal

Der Steigenberger Kursaal

Am 15. Juni gingen die ChessClassics 2017 mit ihrer Siegerehrung im Steigenberger Kursaal zu Ende. Nach einjähriger Vorbereitung und Vertragsunterzeichnung gingen 163 Senioren und Seniorinnen neun Tage zuvor an den Start. Dies entsprach ungefähr meinen Erwartungen, betrat ich doch mit den beiden Gruppen Senioren 50+ und 65+ Neuland in Deutschland. Neuland war auch der grandiose Kursaal und der neue Name. Man erinnert sich, die Vorläufer der ChessClassics waren die sieben Seniorenopen an anderer Stelle und die Deutschen Seniorenmeisterschaften 2014 eben auch an diesem großzügigen Ort unter der Verwaltung der Steigenberger Hotelgruppe. Heuer wie damals zeigte sich der Hoteldirektor und seine Mannschaft äußerst versiert im Umgang mit Schachspielern, man kann getrost sagen, besser war nicht möglich!

Der große Kursaal im Jugendstil und der „beste“ Analyseraum in Deutschland, der „Barocksaal“ wie der Jugendstilsaal fälschlicherweise genannt wird, waren im wahrsten Sinne beeindruckend. Das Hotel, die Umgebung zeigten sich pikfein, waren doch die G20-Arbeitsminister wenige Tage zuvor an gleicher Stätte. Wie haben wir gesagt, erst kommt der G20-Gipfel, dann kommt die ChessClassics. Die Infrastruktur war getrimmt, ein Schachsenior sagte, das Internet ist das schnellste in Deutschland (?), ein Anspruch, der aber noch bewiesen werden müsste. Wirklich, die Teilnehmer waren begeistert…

 

Der sportliche Blick zurück

Siegerehrung 65+: Sieger IM Yuri Boidman, Vizemeister und Nestorensieger Erich Krüger, Turnierleiter Gottfried Schumacher

Siegerehrung 65+: Sieger IM Yuri Boidman, Vizemeister und Nestorensieger Erich Krüger, Turnierleiter Gottfried Schumacher

Das Feld der Senioren erfüllte auch hinsichtlich der Spielstärke durchaus meine Erwartungen, immerhin sechs FIDE-Titelträger – zwei Internationale Meister, drei FIDE-Meister und ein Candidate-Master – sowie 25 Teilnehmer mit einer Wertungszahl von mehr als 2100 ELO-Punkten versprachen einen guten sportlichen Wettbewerb. Betrachtet man die einzelnen Runden so sticht gleich Runde zwei hervor: die Führenden der Startrangliste, IM Yuri Boidman und IM Dario Doncevic, gaben gleich beide ihre Punkte ab! Runde drei zeigte wenig dramatische Ergebnisse, Runde vier war es wiederum Boidman, der seinem Ranglistenplatz keine Ehre erwies, das Remis gegen Reinhard Walther war unvorhergesehen genauso wie das Remis von Helmut Hassenrück gegen Hans-Peter Sailer. Ganz und gar nicht einkalkuliert war die Niederlage des späteren Siegers, FM Berthold Bartsch und auch FM Willy Rosen gab seinen Punkt ab. Runde sechs verlief durchaus erwartungsgemäß, bevor in Runde sieben die beiden bis dahin Führenden FM Bernd Baum und Dr. Michael Cichy verloren.

Mit hervorragenden 7,5 Punkten gewann schließlich Berthold Bartsch die Meisterschaft Senioren 50+ und Yuri Boidman überstand schweres Fahrwasser in Runde acht gegen Pierre Blaeser bevor er mit einem halben Punkt Rückstand gegen FM Bartsch in die Punkteteilung einwilligen musste und somit die Senioren 65+ gewann. Zwei würdige Sieger am Ende zeigten sportliche Glanzpunkte, aber auch Glück und Pech gleichermaßen.

 

Senioren 50+ und 65+ – eine gute Idee?

Die Dachorganisation FIDE entschied vor einigen Jahren den Seniorenwettbewerb zu splitten und mit Teilnehmern der Jahrgänge 50+ und 65+ zu spielen. Nachdem nun Vieles den Vorgaben der FIDE zu folgen schien, beispielsweise werden die FIDE-ID’s (FIDE-Identifikationen) übernommen und auch deren ELO-Ranglistenplätze werden für Auslosungszwecke herangezogen, wollte ich mit den beiden Gruppen ebenfalls den Wettbewerb in Bad Neuenahr bestreiten. So weit, so gut. Die Sache hatte allerdings einen „Haken“, sollte sich für eine der beiden Gruppen nicht genügend Teilnehmer finden, müsste alles wieder zusammengelegt werden. Bedauerlicherweise traf genau diese Version ein, gespielt wurde sehr zum Bedauern vieler älterer Spieler der Gruppe 65+ gegen die Jüngeren. Eine spontane Abstimmung unter den 163 Teilnehmern ergab einen Anteil von ungefähr 20%, die einer Vermischung entgegenstanden. Andererseits waren es nur 35 Teilnehmer in der Gruppe 50+ und sogar nur 15 Teilnehmer im Alter von 50-60 Jahren, also den früheren Jungsenioren. Einige zukünftige Turniere werden den gleichen Modus von FIDE und Bad Neuenahr anwenden, so beispielsweise die Deutsche Seniorenmeisterschaft 2018 in Hamburg. Man wird die Entwicklung gespannt verfolgen.

Ich begrüße die Splittung in 65+ und 50+, muss aber für das nächste Jahr vermehrt um Teilnehmer werben und kämpfen. Eine genaue Analyse der Chancen werde ich mit Teilnehmern und Spielmachern durchführen und hoffe, den zukunftsträchtigsten Weg zu finden.

 

Gottfried Schumacher
Turnierleiter ChessClassics

 

Turnierseite: http://www.chessclassics.de

 

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