Carlsen gewinnt, Vachier-Lagrave beeindruckend

Bei der Chess Tour in Paris stand Carlsen „bereits als Sieger fest“, dann kam Vachier-Lagrave und überholte ihn, dann brauchte Carlsen Dusel bzw. gegnerische Hilfe um einen Stichkampf zu erreichen, dann gewann er den fälligen Stichkampf. Das Titelbild gebe ich beiden, u.a. da Preisgeld (allerdings nicht Tourpunkte) gleichmässig geteilt wurde. Alle Fotos (bis auf eines) von Lennart Ootes, ab Turnierseite über Flickr.

Aus diversen Gründen hätte ich es MVL eher gegönnt, aber Carlsen-Fans – jedenfalls die Livekommentatoren der Chess Tour – betrachten Carlsens Turniersieg nach Stichkampf als total verdient. Meine Gründe sind, abgesehen von bei mir fehlendem Carlsen-Hype: 1) Ich lebte einige Zeit in Frankreich, auch wenn es lange her ist – bis 1998, damals sah die Schachwelt noch anders aus: Kasparov war Weltmeister, erst in diesem Jahrtausend wurde er nacheinander von Kramnik entthront, hörte als Schachspieler auf und versucht(e) sich als Politiker und Schachpolitiker. Damals kannten wohl allenfalls einige Insider achtjährige Jungtalente wie Magnus Carlsen und Maxime Vachier-Lagrave. 2) Ich begegnete MVL in Wijk aan Zee und empfand ihn als sympathisch, auch wenn die französische Zeitung Liberation ihn mal als weltfremden Nerd porträtierte. Liegt vielleicht an unseren gemeinsamen Interessen, Schach im allgemeinen und Grünfeld-Indisch im speziellen. Carlsen redete dagegen, bis auf uninspirierte Sieger-Pressekonferenzen, praktisch gar nicht mit Medien. 3) Dynamische Spieler sind mir lieber als pragmatisch-ergebnisorientierte. MVL bleibt diesem Stil auch als Weltklassespieler treu, während andere (neben Carlsen auch So und Nakamura) deutlich weniger riskieren – Ergebnisse sind wichtiger als Ideen und Kreativität.

Nach relativ langer Vorrede nun zunächst der Endstand: Carlsen 24/36 +1.5/2, MVL 24+0.5, Nakamura 23, Grischuk 22, Mamedyarov 20, Karjakin 18, So 15, Caruana 14.5, Topalov 11.5, Bacrot 8.5. Das Blitzturnier separat betrachtet: MVL 13/18, Nakamura und Caruana 11, Carlsen und Karjakin 10, Grischuk und Mamedyarov 9, Topalov 6.5, So 6, Bacrot 4.5.

Dabei gab es mehrfach Verschiebungen: Carlsen dominiert, Nakamura kann ihn eventuell einholen, Carlsen dominiert wieder, und dann kam Vachier-Lagrave – aus eigener Kraft und weil Carlsen und Nakamura am vierten Tag gleich vier von neun Partien verloren. Für MVL war es dann fast deja vu unter umgekehrten Vorzeichen: Bei der Blitz-WM 2015 in Berlin „stand er bereits als Sieger fest“ und stolperte auf der Zielgeraden, diesmal kam er von hinten.

Bevor ich das schachliche Geschehen bespreche, ein paar Bilder vom Rahmenprogramm – Samstag morgens vor der Runde:

Bei einem organisierten Ausflug zum Château d’Asnières trafen die Teilnehmer jugendliche Fans. Einer fehlt allerdings auf dem Gruppenfoto und überhaupt, dazu Karjakin auf Twitter: „It is quite unfair when all the players involved on event before the round for about 2 hours,and one player at the same time having a rest.“ [Ziemlich unfair, wenn alle Teilnehmer vor der Runde zwei Stunden beschäftigt werden, und einer kann sich gleichzeitig ausruhen.] Das sah Nakamura ähnlich und klickte daher auf „Like“. Gemeint war Magnus Carlsen – laut Tour-Mitorganisator Malcolm Pein bat er am Abend zuvor, wegen Nacken- und Rückenschmerzen vom Rahmenprogramm befreit zu werden. Laut seinem Manager Espen Agdestein stand das von Anfang an in seinem Spielervertrag – er deutete zumindest an, dass andere Spieler das auch aushandeln konnten.

Mag sein, aber für andere war es vielleicht selbstverständlich, diesen Wunsch der Veranstalter zu erfüllen – unter der Annahme, dass alle mitmachen. Jedenfalls Vachier-Lagrave konnte sich ohnehin kaum verstecken, auch wenn er sich auf dem Gruppenbild offenbar hinter Caruana versteckt. Mal wieder „Carlsen darf das“ bzw. „es gibt Regeln für alle, und Ausnahmen für Carlsen“.

Zu den anderen Fotos nur soviel: MVL war mit dabei – an Aufwärmpartien gegen (Elo unbekannt) lag es allerdings wohl kaum, dass er im Blitzturnier glänzte, zumal er erst am zweiten Tag aufdrehte. Sowie: Nicht nur Grossmeister tragen Sonnenbrille bzw. haben sie dekorativ im Haar. Wer von den Herren mit Sonnenbrille auf dem vorletzten Foto cooler wirkt, der mit Chess Tour Jackett oder der im rosa T-Shirt, das darf der Leser entscheiden.

Tag eins des Blitzturniers: Auf alle Partien, Irrungen und Wirrungen kann ich unmöglich eingehen. Carlsen begann mit 4/4 – neben Nakamura ist auch mir aufgefallen, dass er anfangs gegen Caruana (generell schlechter Blitzer), Bacrot (Aussenseiter) und Topalov (ebenfalls schlechter Blitzer) spielte. Die Partie gegen Caruana war durchaus „smooth“, Bacrot verlor gegen Carlsen – und auch gegen andere – irgendwann die Übersicht.

Zu Carlsen-Topalov ein paar Momente: Im Livekommentar wurde Carlsen dafür gelobt, dass er den „Computerzug“ 28.f5 fand. Dass er 29.Sf4 verpasste war entschuldbar, das war schliesslich ein Computerzug (ohne 29.Sf4 war 28.f5 übrigens nicht besser als Alternativen im 28. Zug). Später half Topalov: 37.-Ld8 nebst 38.-Lc7 war Tempoverlust, 40.-d3 ein Bauerneinsteller, 41.-Sd4 im Prinzip der nächste Bauerneinsteller (aber Carlsen verzichtete auf den „Computerzug“ 42.Dxh6). Nun stand Carlsen ohnehin gut genug, um die Partie zu gewinnen. Einer der vier Carlsen-Siege fehlt noch:

Mamedyarov-Carlsen 0-1 – nach 10 Zügen stand Weiss schlechter, nach 24 Zügen gab er auf. Das war beeindruckend – beeindruckend schlecht von Mamedyarov, der bereits in der Schnellpartie lieb war zu Carlsen.

Stand nach vier Runden im Blitzturnier (zusammen mit den doppelt zählenden neun Runden Schnellschach): Carlsen 18, Nakamura 15, Grischuk 14.5, MVL 13.5, Mamedyarov 13, usw. – Grischuk begann das Blitzturnier mit einer Null gegen ausgerechnet Topalov, dann dreimal remis.

Was war in den ersten Runden noch auffällig? Caruana besiegte nach der Auftaktniederlage gegen Carlsen Karjakin und Vachier-Lagrave, im Vergleich zum Schnellturnier hatte er eine komplett andere Strategie: im Schnellschach verlor er oft aus Gewinnstellungen, nun gewann er Verluststellungen. Nur gegen Nakamura klappte es nicht – eine Chance hatte er ohne sie zu nutzen. Da hiess es dann, dass nur Computer 40.Se7 finden können – aus meiner Sicht: entweder man sieht es oder man sieht es nicht, wenn man es sieht ist es logisch und nicht allzu kompliziert. Caruana wird fotografiert:

Nakamura fiel zunächst, so sehe ich es, vor allem mit wildem Gezocke auf: In Runde zwei wollte er wohl Grischuk über die Bedenkzeit heben, daher verweigerte er mit beiderseits Sekunden auf der Uhr Zugwiederholungen. Dabei landete er immer mal wieder in einer Verluststellung, aber die Stellung auf dem Brett war Nebensache, und dann wurde es remis. In Runde drei bis fünf besiegte er dann nacheinander So, Caruana und Bacrot. Ein Foto bekommt er auch, da er berechenbar unberechenbar ist, nicht nur auf dem Brett:

Schon wieder hat er sich rasiert, das macht er generell etwa einmal pro Turnier.

Ab Runde 5 stockte der Carlsen-Express dann. Die Niederlage gegen Grischuk war genauso unnötig wie dumm. Früh stand ein ausgeglichenes Endspiel auf dem Brett, also gewinnt Carlsen!? Irgendwie erreichte er tatsächlich eine glatte Gewinnstellung, konnte sie allerdings nicht verwerten – generell konnte er in Paris seinen Ruf als „Endspielgott“ keinesfalls bestätigen. Dann spielte er 84.Ke5, zögerte, König zurück nach e6, allerdings gilt ja „berührt geführt“ und das kapierte diesmal auch Carlsen (in anderen Blitzpartien nicht immer). Insgesamt dauerte es zu lange, er hatte die Bedenkzeit überschritten! Aufgefallen ist es Grischuk erst zwei Züge später, da hatte er noch Läufer gegen für Carlsen Springer und Bauer. Laut FIDE-Regelwerk bedeutet Zeitüberschreitung auch in derlei Stellungen Partieverlust, da man noch ein Hilfsmatt konstruieren könnte.

Carlsen-Karjakin 1/2 in Runde sechs – wieder ein Endspiel, wieder Carlsen-Magie die nicht wie gewohnt funktionierte. Er stand zwar besser aber konnte dann den Sack nicht zumachen. Karjakin verteidigte sich aktiv und stand dadurch, vielleicht eher „aus Versehen“, einen Zug lang gar auf Gewinn. Allerdings war bei knapper Zeit 56.-Txc3 wohl zu naheliegend um die Gewinnzüge 56.-Te3 oder 56.-Kf5 überhaupt zu erwägen – beides stoppt den weissen e-Freibauern während der schwarze g-Freibauer nun sehr stark ist. Dass Carlsen später gleich zweimal Ke6 mit Gewinn übersah ist eher verwunderlich – im 58. Zug verdarb stattdessen Kd6 noch nichts, aber nach dann 59.Te3? hatte er nur Dauerschach. 58./59.Ke6 konnte man durchaus sehen, auch in einer Blitzpartie, jedenfalls wenn man einen einschlägigen Ruf hat.

Aus Runde 6 ein anderes Foto: Grischuk-Caruana umringt von Kibitzen mit Elo über 2700. Der eine oder andere sah vielleicht den Gewinnweg für Weiss, Grischuk sah ihn nicht – aus dieser Verluststellung war für Caruana dabei nicht mehr drin als das letztendliche Remis.

Runde 7: MVL-Carlsen 1-0, die zweite von am Ende fünf Partien. Im Mittelspiel der Doppelfehler 29.Dc4?? Dc6?? (29.-f5! mit Figurengewinn) – vom gesamten Partieverlauf her eher ein „Detail“. Erstaunlicher dann, dass Carlsen ein ausgeglichenes Endspiel gleich zweimal vergeigte. Zwischendurch wollte MVL mit 45.g4 zu schön gewinnen – sein ganzer Vorteil war dahin, aber er spielte weiter und bekam eine zweite Chance.

Stand nach Runde 7: Carlsen 18.5, Nakamura 17.5, MVL 16.5, Grischuk 16, usw. . Mamedyarov war durch drei Niederlagen gegen Carlsen, Vachier-Lagrave und Nakamura weit zurückgefallen. Und nun ein Prestigeduell, relevant für die Tabellenspitze:

Das war der erste Händedruck zwischen Carlsen und Nakamura, der zweite 110 Züge später – auch weil andere Partien schon zuvor beendet waren hatten sie später Zuschauer:

Gefühlt war eher Nakamura am Drücker, ob er jemals wirklich gewonnen stand ist unklar. Mit seinem wilden Gezocke landete er einen halben Zug lang in einer glatten Verluststellung: nach 85.-Sg1?? konnte Weiss mit 86.Kf4 usw. den schwarzen Springer fangen – „usw.“ war dabei nicht trivial (lange Tablebase-Abspiele), Carlsen spielte 86.Kg4. Am Ende war König gegen König remis.

Runde 9 lief wieder nach Wunsch für Carlsen: So übersah eine Springergabel, die ihn Qualität und Partie kostete. Nakamura gewann ebenfalls: Karjakin tauschte fälschlicherweise die Damen, danach war Nakamuras Turm plus Bauer stärker als zwei Springer – falsche Einschätzung, kein grober Patzer. Stand nach drei von vier Tagen: Carlsen 20, Nakamura 19, Grischuk 17.5, MVL 17, usw. – Zweikampf um den Turniersieg zwischen Carlsen und Nakamura?

Grischuk zeige ich, auch wenn er seinen Status als erster Verfolger von Carlsen los war. Ausserdem noch zwei Interview-Fotos:

Gesponsort wurde das Turnier ja u.a. von Canal+.

Tag zwei des Blitzturniers begann mit Paukenschlägen: Caruana-Carlsen 1-0 in einer Partie, in der alle drei Ergebnisse möglich waren: es ging drunter und drüber, Carlsen machte den letzten Fehler. Nakamura-MVL 0-1 war dagegen, um Maurice Ashley zu zitieren, „smooth“. In dieser Runde kein einziges Remis, aber auf alle Partien kann ich nicht eingehen.

Die nächsten beiden Runden wieder nach Wunsch für Carlsen: Bacrot verlor irgendwann, genauer gesagt im 68. Zug, den Faden. Zu Topalov-Carlsen 0-1 hat sich Seirawan vielleicht verplappert, als er es „too smooth“ nannte. So war es – Weiss spielte einfach schlecht – aber schnell korrigierten sich die Livekommentatoren und nannten Carlsens Leistung „grossartig“. Das war’s dann aber bis auf weiteres, also nun ein Carlsen-Foto:

Stand nach 12 Runden: Carlsen 22, Nakamura und MVL 19.5, Grischuk 19, usw. . Ursache davon auch in Runde 12 So-Nakamura 1-0 und Grischuk-Mamedyarov 0-1, jeweils glatt.

Ab hier lief es nicht mehr nach Wunsch für Carlsen. In Runde 13 dachte Mamedyarov „zwei Geschenke an Magnus, das reicht“ – in der Schnellpartie patzte er, die erste Blitzpartie war von Anfang an schlecht, nun wurde es remis. So gewann schon wieder, nun gegen Grischuk, MVL besiegte Landsmann Bacrot. Nakamura-Caruana endete remis, da Schwarz mit 35.-Lxg3??! erfolgreich bluffte – Weiss sah nach 36.fxg3 irgendwelche Gespenster und spielte daher etwas anderes.

Runde 14 auch noch einigermassen OK für Carlsen: remis gegen Grischuk, unklar ob dessen Mehrbauer im Damenendspiel jemals gewinnträchtig war. Mamedyarov-Karjakin 0-1, da der Azeri seinen 62. Zug zu schwungvoll ausführte: 62.Tb7 war remis, 62.Tb8??? Lxb8 und er gab sofort auf – wohl DER Patzer des Turniers, wobei es noch einen kurioseren geben sollte. Das Foto von Mamedyarov weniger für seinen Auftritt im Blitzturnier, aber dieser Bericht gilt ja auch der Veranstaltung insgesamt:

Bacrot-Nakamura 1-0 war überraschend, nicht nur weil der Berliner Spanier doch eigentlich solide-remislich ist.

Nun lief es gar nicht mehr für Carlsen: Runde 15 Karjakin-Carlsen 1-0. Erst akzeptierte Karjakin Carlsens Bauernopfer, wobei der doppele a-Bauer nach 16.bxa5 nur ein „halber“ Mehrbauer war. Dann gab er den Bauern zurück und machte Druck am Königsflügel, Carlsen musste letztendlich seine Dame gegen Turm und Leichtfigur geben. Laut Computerorakel hatte er zwischendurch eine Festung, laut Partie jedenfalls nicht auf Dauer. Parallel gewann MVL gegen Mamedyarov, die nächste Runde damit unter ähnlichen Vorzeichen wie Carlsen-Nakamura in Runde 8. Der Franzose hatte nach wie vor einen Punkt Rückstand auf den Norweger und Schwarz im direkten Duell.

Und dann Carlsen-MVL 0-1! Es war ein Duell „solide“ (6.Le2 gegen Najdorf) gegen kreativ. Schwarz opferte irgendwann seine Dame gegen Turm und Läufer und zentraler Freibauer. Computer glauben nicht durchgehend an voll ausreichende Kompensation, aber dann wurde MVLs Mut zum Risiko belohnt da Carlsen mit 57.b4?? patzte – das erlaubte 57.-Sd5 nebst -Sc3+ nebst -d1D.

Höchste Zeit für ein Foto des Franzosen – aus mehreren habe ich das ausgewählt, das auch den (Privat- und Turnier-) Sponsor zeigt.

Parallel Mamedyarov-Nakamura 1-0, da waren alle drei Ergebnisse möglich und Remis eigentlich dann Formsache. Im Doppelturmendspiel stand Weiss zumindest klar besser, aber dann war der Vorteil dahin. Irgendwie landete er im reinen Turmendspiel dann in einer Verluststellung, aber Schwarz vergab den Gewinn. Logisches Partieende wäre 77.-f1D+ 78.Txf1 Txh5, und Turm gegen Turm ohne Bauern ist remis. Aber Nakamura entschied sich, warum auch immer, für 77.-f1S!?? und Weiss behielt mit 78.Tf2+ Kg1 79.Txf1+ seinen Mehrbauern. Dieses Turmendspiel war immer noch Tablebase-remis, aber Nakamura vergeigte es!

Diesmal war Nakamura also „Täter“ und Opfer bei einer kuriosen Umwandlung, zuvor war er in Blitzpartien zweimal Zuschauer: Letztes Jahr spielte Topalov gegen ihn in Paris in Gewinnstellung 42.-e1?? ohne sich für eine Figur zu entscheiden – Nakamura reklamierte „illegaler Zug“ und gewann die Partie. Noch kurioser eine Blitzpartie gegen Caruana in St. Louis, Video hier: Was genau passierte ist etwas unklar – Caruana spielte -c1, wollte den Bauern dann in eine Dame umwandeln und drückte dabei aus Versehen die Uhr. Der Schiedsrichter unterstellte Caruana keine Absicht, die Partie ging weiter.

Stand nun: Carlsen und MVL 23, Nakamura und Grischuk 21, usw. – noch zwei Runden.

Runde 17: MVL und Karjakin trennten sich remis – in einer scharfen Variante war Dauerschach nach 14 Zügen wohl unvermeidlich. Nakamura-Carlsen 1-0 kann man so beschreiben: Carlsen spielte im Stil seiner Gegner (in diversen Partien) und vergeigte ein ausgeglichenes Endspiel.

Vorteil MVL, aber noch wurde eine Runde gespielt, mit diesen Partien:

Carlsen-So 1-0: Carlsen machte einiges richtig, So machte jede Menge falsch – schon bevor er im 24. Zug eine Figur einstellte.

Grischuk-MVL dauerte länger, später mit Kibitzen:

Jedenfalls Carlsen freute sich, dass es remis endete. Topalov freute sich ohnehin, dass er in Paris mitspielen durfte.

Damit also Stichkampf, Beginn der ersten Partie siehe Titelfoto. Die Partie wieder nach dem Motto „solide-abwartend gegen kreativ“. 1.d4 Sf6 2.Lf4 g6 3.e3 Lg7 4.Sf3 d6 5.Le2 Sh5 6.Lg5 h6 7.Lh4 g5 8.Sfd2 Sf4!? 9.exf4 gxh4 – das gab es bereits 25-mal, allerdings noch nie auf Niveau 2650+. Es war lange Zeit dynamisch ausgeglichen, dann verlor MVL den Faden.

Zum Leidwesen von MVL verzichtete Carlsen auf 56.g8S?? oder auch 56.g8?? und spielte stattdessen richtig 56.g8D, und kurz danach

Vorteil Carlsen. In der zweiten Partie wählte Carlsen die bekannte Remiswaffe spanisches Marshall-Gambit, MVL ist einer von wenigen die das noch zulassen. Mit Weiss erreichte er nichts und dann weniger als nichts, unter anderen Umständen hätte Carlsen wohl weitergespielt statt eine Zugwiederholung zu erlauben – die MVL nicht vermeiden konnte.

Damit war die Welt doch wieder in Ordnung für Carlsen – im Livekommentar wurde er kräftig gelobt und als echter Champion bezeichnet, für den „grossartigen“ Sieg in der letzten regulären Runde gegen So (der in seinen drei Partien dreimal lieb war zu Carlsen) und für den Auftritt im Stichkampf. Die erste Partie musste MVL wahrlich nicht verlieren, die zweite Partie war dann aus Carlsens Sicht Formsache. Hinterher ein „routiniertes“ Carlsen-Interview und kein Interview mit MVL. Vielleicht hat er es verweigert, das würde mich überraschen; vielleicht hatte die Chess Tour die voll auf Carlsen-Hype setzt kein Interesse. Ein bisschen Lob für MVL gab es allerdings auch. Auch ich habe seine Partien vielleicht zu wenig gewürdigt – sie waren oft zu gehaltvoll um sie relativ kurz und knapp zu besprechen.

Hinterher sogar noch ein Gruppenfoto vor dem Château d’Asnières mit allen, Carlsen inbegriffen. Das stammt von Anastasia Savina und wurde von Europe Echecs auf Twitter veröffentlicht. Darauf auch einige andere, u.a. (zwischen So und Mamedyarov mit anderem Jackett und anderer Haarfarbe) ihr Chefredakteur Bachar Kouatly.

Wie geht es weiter? Schon nächste Woche mit einer fast identischen Schnell- und Blitzschach-Show im belgischen Leuven.

 

 

 

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2 thoughts on “Carlsen gewinnt, Vachier-Lagrave beeindruckend

  1. Danke Tiger-Oli, wobei es in der Entstehung nicht „smooth“ war – hat einige Stunden gedauert, was Leser hinterher vielleicht spüren oder auch nicht.

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