Superturniere im Juli

Derzeit läuft die Schnell- und Blitzschachshow im belgischen Leuven, darüber wird der Schachticker natürlich berichten. Aber nun schon einmal eine Vorschau auf den Monat Juli, da tut sich einiges: Drei der Leuven-Teilnehmer sitzen am 6. Juli bereits wieder am Brett, für einen ist die An- bzw. Weiterreise weniger kompliziert als die Anreise nach Leuven ab Khanty-Mansiysk. Ein vierter hat eine etwas längere Reise zu seinem nächsten Turnier, das am 9. Juli beginnt. Zwei weitere haben knapp zwei Wochen Pause und können sicher zwischendurch zu Hause vorbeischauen, einer wird vielleicht gar bei einem der in diesem Beitrag genannten Turniere kibitzen. Noch ein viertes Turnier, und dann ist der Monat Juli vorbei.

Es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei den vier Turnieren, eine Gemeinsamkeit: überall spielt ein Chinese oder eine Chinesin, in einem Fall sind es gar deren vier – könnte am Austragungsort liegen. Russen sind auch überall dabei, Deutsche bzw. Schweizer nur bei einem Turnier – liegt wohl auch am jeweiligen Austragungsort. Carlsen pausiert bis zum Sinquefield Cup, ebenso Anand – aber immerhin spielen bei den Turnieren drei Ex-Weltmeister (einer nur Schnellschach, ein anderer dafür doppelt) sowie, ebenfalls doppelt, eine Ex-Weltmeisterin. Auslöser für diesen Beitrag ist auch, dass ein Leser sich zu einem der Turniere erkundigte – und nachdem ich einige Infos fand (war nicht einfach) will ich sie mit einem breiteren Publikum teilen.

Beginnen wir also beim FIDE Grand Prix in Genf vom 6.-15. Juli. Nach einigem Suchen auf worldchess.com fand ich tatsächlich die Teilnehmerliste: Grischuk, Riazantsev, Giri, Gelfand, Jakovenko, Inarkiev, Hou Yifan, Nepomniachtchi, Aronian, Li Chao, Adams, Eljanov, Harikrishna, Svidler, Rapport, Saleh, Mamedyarov, Radjabov. Das ist die dort genannte Reihenfolge, daran halte ich mich. Da steht auch, dass die Runden jeweils um 14:00 beginnen – am 11. Juli ist wohl Ruhetag. Worldchess hatte mich per email auch eingeladen, Tickets zu bestellen. Wenn man damit beginnt und schon bevor man sich definitiv festlegt erfährt man auch den Austragungsort Hotel Le Richemond – den kennen die Spieler vermutlich auch, obwohl sie nicht pro Runde 15 Euro Eintritt bezahlen müssen. Ein eventueller Zuschauer zahlt vielleicht auch keinen Eintritt – Kramnik, aktueller Wohnsitz Genf.

Nun ein Ausflug in eine andere Zeitzone: Zum Danzhou Grandmaster 2017 ist die Teilnehmerliste bekannt und der Termin 9.-18. Juli, sonst nicht allzu viel – es sei denn es gibt irgendwo Infos auf Chinesisch und man beherrscht diese Sprache. Dabei sind Ding Liren, Yu Yangyi, Wei Yi, Ivanchuk, Le Quang Liem, Malakhov, Bu Xiangzhi und Ponomariov. Ivanchuk spielt ja oft und überall, Schach und manchmal auch Dame. Le Quang Liem ist Vietnamese, hat allerdings auch eine recht weite Anreise da er in den USA studiert. Malakhov hat wohl einen Draht nach China, er spielt auch in der chinesischen Liga. Ponomariov bekommt nicht mehr allzu viele Einladungen, aber dort ist er dabei.

Bei diesem Turnier könnte ein Einheimischer gewinnen, bei den beiden nächsten wäre das eine grosse bis Riesen-Überraschung. Auch zu Dortmund (15.-23.7., Ruhetage am 17. und 20.) zunächst nur die Teilnehmer: Kramnik, Vachier-Lagrave, Wojtaszek, Andreikin, Wang Yue, Fedoseev, Nisipeanu, Bluebaum. Kramnik spielt immer in Dortmund, dieses Jahr trägt das Turnier seinen Namen. Vachier-Lagrave ist Titelverteidiger. Dortmund hält sich an die Regel: Voraussetzung für Teilnahme Elo über 2700 oder Qualifikation (Fedoseev schaffte beides: erst gewann er Aeroflot, dann knackte er 2700) oder einheimisch. Machten sie allerdings nicht immer, auch da durfte Hou Yifan mal mitspielen. Rundenbeginn immer 15:00, Liveübertragung eine halbe Stunde zeitversetzt. Ein Open gibt es auch, allerdings nicht allzu stark besetzt: Elofavorit derzeit GM Nalbandian (Elo 2458), einzige bekannte Teilnehmerin WGM Kashlinskaya die Ehemann Wojtaszek begleitet.

Ein Bericht ganz ohne Fotos, das geht nicht, also nun doch eines und dann noch eines:

Schon sind wir in Biel – auch da wird Schach gespielt und zwar vom 24.7.-2.8. (Ruhetag 29.7.) mit Vorspeise am 23.7. . Das Teilnehmerfeld ist etwas bunter als anderswo: Harikrishna, Navara, Ponomariov (der schon wieder), Leko, Bacrot, Morozevich (der ist noch aktiv?), Hou Yifan, Waganjan, Studer, Georgiadis. Die beiden Letztgenannten sind Schweizer, Hou Yifan ist weiblich, Waganjan ist ungewöhnlich. Zuletzt spielte er nur Seniorenturniere oder zu Hause in Armenien, seine letzte Turnierpartie gegen Elo 2700+ war offenbar beim Europacup für Vereinsteams 2008 (immerhin damals Remis gegen Vachier-Lagrave).

Bei der Vorspeise – Schnellturnier im KO-Format – trifft Waganjan alte Bekannte. Dabei sind Navara, Harikrishna, Morozevich, Pelletier, Karpov, Hou Yifan, Waganjan und Hort. Karpov ist Ehrengast anlässlich der 50. Auflage – ein Turnier mit klassischer Bedenkzeit will er sich, oder wollen sie ihm offenbar nicht mehr zumuten, aber ein Foto bekommt er von ihnen und von mir:

Immer im Schatten der GM-Turniere (auch was Berichterstattung auf der Turnierseite betrifft) aber durchaus respektabel besetzt das Bieler Open: derzeit 30 Grossmeister, ich nenne die ersten zehn und den einzigen deutschen GM: Shankland, Ganguly, Kovalenko, Saleh, Bartel, Ivanisevic, Banusz, Erdos, Dragun, Hera, … Donchenko (Nummer 19 der Setzliste).

Noch erwähnenswert: Die finanzielle Zukunft des Bieler Schachfestivals war offenbar „unklar“, aber es hat geklappt – neben einer langen Liste Sponsoren haben auch diverse Firmen, Gemeinden und Privatpersonen kleinere Beträge (bis 1000 Schweizer Franken) spendiert.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.