Darth Vader und die jungen Wilden

Ein Beitrag von Axel Eger – Favorit Liviu-Dieter Nisipeanu gewinnt die deutschen Schach-Meisterschaften in Apolda vor einem Quartett starker Talente. Wer ist euer Vater?, rief Liviu-Dieter Nisipeanu zur Siegerehrung in den Raum, dann gab der bekennende Star-Wars-Fan die Antwort augenzwinkernd gleich selbst: Ich bin es!

Einen halben Punkt Vorsprung hatte der nominell beste deutsche Spieler vor einem Quartett starker Nachwuchsspieler, die alle seine Söhne sein könnten, ins Ziel gerettet und sich zum ersten Mal den Meistertitel geholt. Fraglos verdient, denn der 40 Jahre alte Deutsch-Rumäne, der seit 2014 für den Deutschen Schachbund spielt, agierte solide und geriet praktisch in keiner Partie in Verlustgefahr.

Von links: Alexander Donchenko, Liviu-Dieter Nisipeanu und Rasmus Svane

Gehörten die dahinter platzierten einstigen „Prinzen“ Rasmus Svane und Alexander Donchenko zum erweiterten Favoritenkreis, darf der vierte Platz von Vincent Keymer als Sensation gelten. Das 12 Jahre alte Supertalent verlor nur eine Partie, verpasste mit sechs Punkten aus neun Partien nur haarscharf die Großmeisternorm, hat dafür aber endgültig den Internationalen Meistertitel sicher.

Den bekommt bei den Frauen auch Jana Schneider verliehen. Die 15-Jährige, einzige Frau im Feld, holte starke 4,5 Punkte, knöpfte gleich in der ersten Runde Großmeister Jakob Meister ein Remis ab und empfahl sich mit ihrer Leistung schon jetzt als Kollegin von Elisabeth Pähtz für die Nationalmannschaft. Bei Bundestrainer Dorian Rogozenco steht sie bereits auf dem Zettel.

Jana Schneider

„Alle jungen Spieler haben mit Top-Leistungen ihre Einladung gerechtfertigt“, sagte Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler, der als Organisationschef der von den Apoldaern perfekt ausgerichteten Meisterschaft die Fäden in der Hand hielt.

Eine gutes Turnier spielte Ferenc Langheinrich. Der Erfurter verpasste mit fünf Punkten und Platz 18 die überfällige Internationale-Meister-Norm nur knapp. Zufrieden dürfte auch Cornelius Middelhoff sein. Nachdem er sich „warmgespielt“ hatte, holte der Apoldaer aus den letzten 5 Runden beachtliche 3,5 Punkte.

Eine einzige Enttäuschung blieb dagegen Rainer Buhmann. Der Großmeister und Nationalspieler gewann keine Partie, spielte neunmal unentschieden. Damit stürzte die Nummer drei der Setzliste auf Endplatz 21 ab.

Absolut meisterlich war dagegen der Kampfgeist dieser Titelkämpfe, die als eine der besten der vergangenen zwei Jahrzehnte gelten dürfen. Von 179 Partien mit einer respektablen durchschnittlichen Zügezahl von 48 endeten nur 73 remis. Und von diesen 73 Unentschieden gab es lediglich drei (!), die weniger als 30 Züge auswiesen.

Freilich können auch Meister nicht alle Probleme lösen. Als der junge Vincent Keymer während des Büffets plötzlich mit Teller und Glas in den Händen vor einer verschlossenen Tür stand, wusste er für einen Moment nicht weiter. TA half gern.

Ein Dankeschön an die Thüringer Allgemeine und seinen Redakteur Axel Eger

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