117. Schweizer Einzelmeisterschaften in Grächen

(13.–21. Juli): GM Yannick Pelletier und WFM Lena Georgescu in der Pole-Position – Von Markus Angst

Zum vierten Mal nach 1999, 2009 und 2013 finden ab kommendem Donnerstag in der Tennishalle des Sportzentrums Grächen die Schweizer Schachmeisterschaften statt. Erwartet werden gegen 300 Spieler(innen), die in fünf Kategorien spielen.

GM Yannick Pelletier und WFM Lena Georgescu sind in Grächen die Favoriten auf den Meistertitel.

Topfavorit bei den Herren ist der 40-jährige Grossmeister Yannick Pelletier. Der mit seiner Familie in Luxemburg lebende fünffache Schweizer Meister (1995, 2000, 2002, 2010, 2014), ist zwar ein überzeugter Anhänger des geschlossenen Titelturniers, bestreitet nach Leukerbad 2015 aber zum zweiten Mal in seiner Karriere das als neunrundiges Open mit internationaler Beteiligung ausgetragene Nationalturnier. Dort ist Pelletier hinter den beiden nicht titelberechtigten ausländischen Grossmeistern Adrien Demuth (Fr) und Mihajlo Stojanovic (Ser) die Startnummer 3.

Nach siebenjähriger Pause gibt Florian Jenni (Oberengstringen) ein mit Spannung erwartetes Meisterschafts-Comeback. Der 37-jährige Grossmeister wurde 2003 und 2006 Schweizer Meister, spielte seine letzte Landesmeisterschaft 2010 in Lenzerheide (Rang 9 im Herren-Titelturnier) und trat danach vom Spitzenschach zurück. Er ist in Grächen hinter Pelletier und vor dem zweifachen Vizemeister IM Roland Lötscher (Staufen), der 2014 und 2016 die Silbermedaille geholt hat, die Nummer 2 der Schweizer.

Neben Yannick Pelletier und Florian Jenni sind mit GM Joe Gallagher (Neuenburg/1997, 1998, 2004, 2005, 2007, 2012), IM Roland Ekström (Sz/Mal/1988, 1999, 2001, 2008), IM Hansjürg Kaenel (Ostermundigen/1976, 1978, 1980), IM Richard Gerber (Genf/1987) und IM Andreas Huss (Lausanne/1983) fünf weitere ehemalige Schweizer Meister am Start.

Prominenteste Abwesende sind – neben der wie schon im vergangenen Jahr verzichtenden Nummer 1 der Schweizer Spieler, GM Vadim Milov (Biel) – Titelverteidiger GM Noël Studer (Muri/BE) und GM Alexandra Kosteniuk (Rus/Sz). Der 20-jährige Noël Studer, der in diesem Frühling als jüngster Spieler der Schweizer Schachgeschichte den Grossmeister-Titel errungen hat, ist ein erklärter Gegner des Open-Systems mit ausländischer Beteiligung, weil diese den Ausgang um den Schweizer-Meister-Titel verfälschen könne. Zudem bestreitet Studer – genauso wie der ebenfalls auf einen Start in Grächen verzichtende Neo-Grossmeister Nico Georgiadis (Schindellegi) – gleich anschliessend an die Schweizer Meisterschaften das Grossmeisterturnier am Bieler Schachfestival. Alexandra Kosteniuk, die vor vier Jahren in Grächen für Schlagzeilen gesorgt hat, weil sie als erste Frau Schweizer Herren-Meister geworden ist, verzichtet aufgrund einer neuen Bestimmung im Reglement. Dergemäss kommen ab diesem Jahr erstmals nur Spieler(innen) in den Genuss von Startkonditionen und Preisgeldern, die auch für die Schweiz spielen. Die russisch-schweizerische Doppelbürgerin ist beim Weltschachbund FIDE jedoch für Russland gemeldet.

Weil Alexandra Kosteniuk in Grächen ebenso fehlt wie die fünffache Schweizer Meisterin WGM Monika Seps (Steinmaur/sie wird in diesen Tagen erstmals Mutter) und WIM Gundula Heinatz (Thun/die Schweizer Meisterin von 2014 verzichtet aus beruflichen Gründen), hat WFM Laura Stoeri (Payerne) gute Chancen, ihren Titel zu verteidigen. Die 20-jährige Waadtländerin ist unter den sieben Schweizerinnen im Nationalturnier allerdings lediglich die Nummer 3. Vor ihr figurieren in der Startrangliste die erst 17-jährige WFM Lena Georgescu (Moosseedorf) und die 23-jährige WFM Camille De Seroux (Genf). Die drei jungen Spielerinnen dürften den Titel unter sich ausmachen – mit Maria Heinatz (Frauenfeld), Catherine Thürig (Olten), Nathalie Pellicoro (Bern) und Gohar Tamrazyan (Erlinsbach/AG) als Spielverderberinnen.

Ebenfalls im Nationalturnier wird der Schweizer Juniorenmeister-Titel vergeben. Klare Favoriten dafür sind die beiden FIDE-Meister Davide Arcuti (Luzern) und Fabian Bänziger (Pfäffikon/SZ), welche die Startrangliste mit grossem Vorsprung anführen. Es wäre eine Sensation, würde die Goldmedaille nicht an einen dieser beiden Spieler gehen.

Im Senioren-Titelturnier, das als siebenrundiges Open gespielt wird, ist der im französischen St-Louis lebende FM Vjekoslav Vulevic einmal mehr die Nummer 1. Das war allerdings auch in den zwei vergangenen Jahren so, doch beide Male schaffte es der Schweizer Seniorenmeister von 2013 und 2014 nicht einmal aufs Podest. Nicht dabei ist Titelverteidiger FM Patrik Hugentobler (Volketswil), der in Grächen einen Start im Nationalturnier vorzieht.

Gespielt wird in Grächen im Tenniszentrum jeweils ab 13 Uhr (Ausnahme letzte Runde am 21. Juli: 9 Uhr). Für alle fünf Turniere kann man sich vor Ort bis eine Stunde vor Spielbeginn anmelden. Der Start des neunrundigen Nationalturniers erfolgt am Donnerstag. Die Hauptturniere II und III sowie das Senioren-Titelturnier (je sieben Runden) beginnen am Samstag – das erstmals ausgeschriebene, lediglich über fünf Runden führende Hobbyturnier am Sonntag.

Die Favorit(inn)en der SEM in Grächen

Die Top 25 des Nationalturniers (9 Runden): 1 GM Adrien Demuth* (Fr) 2548 ELO, 2 GM Mihajlo Stojanovic* (Ser) 2542, 3 GM Yannick Pelletier (Lux/Sz) 2529, 4 GM Andrei Sokolow* (Fr) 2502, 5 GM Florian Jenni (Oberengstringen) 2473, 6 IM Roland Lötscher (Staufen) 2445, 7 GM Joe Gallagher (Neuenburg) 2433, 8 IM Branko Filipovic (Basel) 2428, 9 IM Gabriel Gähwiler (Neftenbach) 2415, 10 GM Alexander Raetsky* (Rus) 2385, 11 IM Roland Ekström (Mal/Sz) 2376, 12 IM Ralph Buss (Pully) 2350, 13 FM Davide Arcuti (Luzern) 2344, 14 FM Fabian Bänziger (Pfäffikon/SZ) 2342, 15 IM Claude Landenbergue (Genf) 2333, 16 WGM/IM Yelena Sedina* (It) 2326, 17 FM Philipp Aeschbach (Zürich) 2319, 18 IM Hansjürg Kaenel (Ostermundigen) 2318, 19 IM Richard Gerber (Genf) 2315, 20 IM Andreas Huss (Lausanne) 2305, 21 GM Miso Cebalo* (Kro) 2303, 22 IM Bogdan Borsos* (Ukr) 2302, 23 Gregor Haag* (D) 2273, 24 Markus Räber (Männedorf) 2261, 25 WFM Lena Georgescu (Moosseedorf) 2251. – * Als Ausländer nicht titelberechtigt.

Die 7 Schweizerinnen im Nationalturnier: 1 WFM Lena Georgescu (Moosseedorf) 2251, 2 WFM Camille De Seroux (Genf) 2134, 3 WFM Laura Stoeri (Payerne) 2110, 4 Maria Heinatz (Frauenfeld) 2028, 5 Catherine Thürig (Olten) 1995, 6 Nathalie Pellicoro (Bern) 1830, 7 Gohar Tamrazyan (Erlinsbach/AG) 1810.

Die Top-10-Junioren (U20) im Nationalturnier: 1 FM Davide Arcuti (Luzern) 2344, 2 FM Fabian Bänziger (Pfäffikon/SZ) 2342, 3 WFM Lena Georgescu (Moosseedorf) 2251, 4 Lukas Schwander (Luzern) 2161, 5 Dario Bischofberger (Trimmis) 2149, 6 Theo Stijve (Villars-sur-Glâne) 2135, 7 Xaver Dill (Basel) 2113, 8 Martin Schweighoffer (Uster) 2083, 9 Noah Fecker (Eggersriet) 2054, 10 Samuel Krebs (Luterbach) 2047.

Die Top 10 des Senioren-Titelturniers (7 Runden): 1 FM Vjekoslav Vulevic (Fr/Sz) 2202, 2 Fabio Cesareo (Chambésy) 2149, 3 Benjamin Huss (Hittnau) 2127, 4 Manfred Gosch (Pfäffikon/ZH) 2102, 5 Pierre Perruchoud (Martigny) 2052, 6 Beat Binder (St-Légier) 2022, 7 Peter Bischoff (Rehetobel) 2019, 8 Hermann Singeisen (Grüningen) 2000, 9 Rolf Haag (Buus) 1914, 10 Oswald Odermatt (Zürich) 1849.

Die Meister(innen) der letzten 10 Jahre

2007 (Leukerbad): Joe Gallagher/Monika Seps

2008 (Samnaun): Roland Ekström/Tatjana Lematschko

2009 (Grächen): Viktor Kortschnoi/Tatjana Lematschko

2010 (Lenzerheide): Yannick Pelletier/Tatjana Lematschko

2011 (Leukerbad): Viktor Kortschnoi/Alexandra Kosteniuk

2012 (Flims): Joe Gallagher/Monika Seps

2013 (Grächen): Alexandra Kosteniuk/Alexandra Kosteniuk

2014 (Bern): Yannick Pelletier/Gundula Heinatz

2015 (Leukerbad): Vadim Milov/Alexandra Kosteniuk

2016 (Flims): Noël Studer/Laura Stoeri

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