Schachhistorie: Die Geschichte der Essener Schachgesellschaft 04

Eines der seltenen Druckexemplare der ESG 04-Geschichte (zum Durchblättern bitte anklicken)

Dank Erich Krüger, 40 Jahre lang Mitglied der ESG 04, liegt nun Teil I der ESG 04-Historie als Dokumentation vor – Die Essener Schachgesellschaft, gegründet 1904, und schließlich aufgegangen in den Sportfreunden Katernberg, neuerdings firmierend als „Schachfreunde Essen-Katernberg 04(!)/32“, hat jahrzehntelang das Schachleben in Deutschland mitgeprägt. Die bemerkenswertesten Ereignisse waren der Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft 1947 und 1948 sowie die Ausrichtung der Deutschen Einzelmeisterschaft 1948, die Wolfgang Unzicker knapp vor Georg Kieninger gewinnen konnte.

Als Kostprobe aus “Die Geschichte der Essener Schachgesellschaft 04” zitieren wir eine Passage, die ahnen lässt, unter welchen Schwierigkeiten das Schachleben nach 1945, hier die Turniere 1947 und 1948, organisiert wurde.

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„Trotz der illustren Mitglieder des Ehrenausschusses [der deutschen Meisterschaft in Essen 1948], u.a. waren OB Dr. Dr. Heinemann, Kultusministerin Teusch, Arbeitsminister Halbfell und Finanzminister a.D. Blücher darin vertreten, blieb Dr. Lange [unermüdlicher Organisator und starker Spieler] auf einem mittleren Schuldenberg sitzen. Jahrzehnte später erzählte mir Dr. Lange, dass er die erlittenen finanziellen Einbußen durch Spielbankgewinne in Bad Neuenahr in etwa wieder ausgleichen konnte.

Eine anekdotische Überlieferung meldet eine andere Geldquelle: Die Finanzierung der Turniere 1947 und 1948 fiel Dr. Lange leicht. In seinem Chemielabor wurde aus vergälltem Alkohol ein trinkbares alkoholisches Getränk hergestellt, für das zu Reichsmark-Zeiten auf dem Schwarzen Markt alles zu erhalten war. Die Deutsche Meisterschaft 1948 (es war gerade die D-Mark eingeführt worden) führte zu einem Fehlbetrag, für den er persönlich gerade stand.“

 

Erich Krüger (Foto: Dr. Michael Negele)

Zum Autor
Erich Krüger, geboren 1932 in Cottbus, verschlug es während der Kriegswirren ins badische Offenburg und danach ins Ruhrgebiet. Dort schloss er sich 1954 der Essener Schachgesellschaft 04 an und im Jahr 1993 verstärkte er mit den verbliebenen Mitgliedern der ESG 04 die Sportfreunde Katernberg. Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben als Amtsanwalt nahm er an zahlreichen Seniorenturnieren teil. Er spielte für NRW in der Seniorenmannschaftsmeisterschaft der Landesverbände und war mit dem NRW-Team mehrfach Deutscher Meister. 1998 war er in Weilburg bester Deutscher bei der Senioren-Europameisterschaft. 2000 gewann er den Senioren-Deutschlandpokal. Die Deutsche Seniorenmeisterschaft gewann er 2008 in Erfurt, und da er das 75. Lebensjahr bereits überschritten hatte, war er gleichzeitig auch Deutscher Nestorenmeister. Wenige Tage vor seinem 85-ten Geburtstag errang er bei den „Chess Classics“ in Bad Neuenahr den Nestorentitel und einen Vizetitel in der Kategorie 65+.

Mit der Vollendung des 85-ten Lebensjahres gelang ihm auch die Fertigstellung eines in limitierter Auflage publizierten schachhistorischen Rückblicks: „Die Geschichte der Essener Schachgesellschaft 04 – Teil I: 1904-1966“, die wir den Schachticker-Lesern neben der Download-Version (s.o.) auch als Dokument zum „Durchblättern“ präsentieren.

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