Sir Erich

Nur wenige Menschen wissen, dem Datenschutz sei Dank, wie alt ich  bin. Als ich meinen ersten Schachklub  zum ersten Mal betrat und von innen sah, da war er, von dem heute die Rede ist, fast genau so alt wie ich heute. Nun sind wir 35 Jahre weiter und es freut mich  immer noch, wenn ich über ihn etwas lesen kann. Die Rede ist von Erich Krüger, dem langjährigen Vereinsmitglied des zweimaligen deutschen Mannschaftsmeisters, Essener Schachgesellschaft 04, ein ruhmreicher Verein, der 1993 in der Schachabteilung der Sportfreunde Katernberg aufgegangen ist, die nun seit kurzem Schachfreunde Essen-Katernberg 04/32 heißen.

Soweit ich mich an die Jahre 1982 bis 1986 erinnere, war Erich Krüger, Jurist und Schachautor, ein stets  freundlicher und hilfsbereiter Mensch, der auch junge Schachspieler beim Streben nach mehr mit seinem Wissen unterstützte. Ein stets gut gefüllter Keller, mit Schachzeitschriften und Büchern aus etlichen Jahrzehnten wurden gerne mal für den Nachwuchs geöffnet. Das damalige Ausnahmetalent der ESG und der heutige IM Wolfgang Richter „durfte“ damals bei der Vorbereitung auf die deutsche Jugendeinzelmeisterschaft nicht auf die Krügersche Literatur verzichten.

Ich habe  mir einst die guten alten Schach-Informatoren bei ihm ausgeliehen, um daraus meine Musterpartien zu kopieren, mit dessen Studium ich dann meine ersten schachlichen Erfolge erzielen konnte.

Aus jener Zeit ist mir auch seine Einstellung zum königlichen Spiel in Erinnerung geblieben. Einmal im Jahr fuhr er mehr als 1.000 km von seinem  Wohnort Bochum bis nach San Bernardino, um sich beim legendären Brocco-Open mit den Besten jener Zeit zu messen. Seine beste Platzierung dort war ein dritter Platz.

Von damals kenne ich auch die Anekdote, dass ihm einmal vom Turnierleiter die Nachricht überbracht wurde, er spiele am nächsten Tag gegen Viktor Kortchnoi, was den fleissigen Sir Erich dazu veranlasste, wie damals üblich, seine mitgebrachten Informatoren über Nacht zu studieren. Am nächsten Morgen wurde ihm allerdings mitgeteilt, dass der Turnierleiter gezwungen war neu auszulosen und er stattdessen nun gegen Vlastimil Hort spielen muss. Das Resultat ist bekannt und nicht der Rede wert, aber er nahm es mit Humor und als er die Partie präsentierte hörte man ihn sagen „Der kann Schach spielen“.

Heute am 18.07.2017 bin ich zur Abwechslung mal wieder auf der Homepage seines aktuellen Vereins und lese, dass er vor gut einem Monat stolze 85 Jahre alt geworden ist. Von meinem aktuellen Aufenthaltsort, St. Peter-Ording, zolle ich ihm meinen Respekt für eine außergewöhnliche schachliche Lebensleistung, wünsche ich ihm alles Gute für die weiteren Lebensjahre, die er auf seine Art sicherlich genießen wird.

 

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