Biel lief nach Wunsch für Hou Yifan

Die Veranstalter des Biel International Chess Festivals (bzw. das Budget das sie zur Verfügung hatten?) haben das Teilnehmerfeld des GM-Turniers so ausgewählt, dass Hou Yifan durchaus eine Chance auf 50% und eventuell mehr in einem Rundenturnier mit/gegen Männer hatte. Dass es dann deutlich mehr und der Turniersieg wurde, da musste einiges passen. Empirisch kann man bei „Hou Yifan unter Männern“ nun sagen „alle fünf Jahre wieder“ – bzw. genauer gesagt „alle fünfeinhalb Jahre“, nächstes Mal vielleicht Gibraltar 2023. Die Veranstalter haben ja bereits signaliert, dass sie – trotz dem Theater das sie dieses Jahr veranstaltete – weiterhin willkommen ist, zwei Dinge gelten nun einmal in der Schachszene: „Carlsen darf das“ sowie „Hou Yifan darf das“.

Andere Optionen, wie es für Hou Yifan eventuell weitergeht, am Ende dieses Beitrags, nun zunächst der Endstand: Hou Yifan 6.5/9, Bacrot 6, Harikrishna 5.5, Ponomariov, Leko, Georgiadis, Morozevich 5, Navara 4, Waganjan 2, Studer 1. Das Titelfoto wie alle weiteren von der Turnierseite – schon nach Runde 1 hatte Hou Yifan gut lachen.

Zunächst zum Teilnehmerfeld: Mit Harikrishna und Navara zwei Spieler aus der top30 – wobei „Hari“ zum Zeitpunkt der Einladung vermutlich top20 war aber dieses Jahr in fast jedem Turnier etwas Elo einbüsste (Ausnahme zuletzt der FIDE Grand Prix in Genf). Der vierfache Titelverteidiger Maxime Vachier-Lagrave (Sieger 2013, 2014, 2015 und 2016 im Match gegen Svidler) konnte dieses Jahr nicht Dortmund, Biel und Saint Louis kombinieren; 2016 war es – Biel in einem „Turnier mit zwei Teilnehmern“ – möglich. Viele andere top10 Spieler sassen ebenfalls wenige Stunden nach der letzten Runde in Biel bereits beim Sinquefield Cup am Brett – und abgesehen von dortigen PR-Verpflichtungen vorab gibt es ja auch Anreise und Zeitverschiebung.

Mit Bacrot, Ponomariov, Leko und Morozevich vier ehemalige Weltklassespieler. Morozevich spielte zuletzt nur sporadisch – seine letzten Elo-ausgewerteten Partien mit klassischer Bedenkzeit im November und Dezember 2016, davor im Herbst 2015 (immerhin relativ viel Schnell- und Blitzschach, in Russland und vielleicht auch im Internet). Dann Hou Yifan die ich mal objektiv mit Elo etwa 2650-2680, meistens aber nicht immer top100 beschreibe. Waganjan war mal Weltklassespieler, aktuell ist er Nummer 16 in Armenien und Nummer 394 weltweit. Auch er spielt seit Jahren eher sporadisch, und praktisch gar nicht mehr gegen Niveau 2600+.

Dann waren da noch die Schweizer Nico Georgiadis und Noel Studer, beide Elo ca. 2500 (vor dem Turnier praktisch gleichwertig, im und dadurch nach dem Turnier entstand eine Elolücke zugunsten von Georgiadis). Durch die deutsche Brille betrachtet: vergleichbar wären Einladungen in Baden-Baden oder Dortmund für Dmitrij Kollars, Jonas Lampert oder Roven Vogel – aber die müssen angesichts stärkerer junger Konkurrenz im eigenen Land zumindest noch etwas warten, sie sind auch noch jünger als die 21-jährigen Georgiadis und Studer. Die Schweiz hat eben momentan nicht mehr zu bieten – Kortschnoi ist tot, Pelletier war Turnierdirektor, und auch Einladungen für Sebastian Bogner oder Vadim Milov könnte man nicht als Nachwuchsförderung verkaufen. Alpen-Solidarität (ein Platz im Turnier für Markus Ragger) ging anscheinend auch nicht.

Ich beginne mit „Runde null“ – vor dem eigentlichen Turnier spielten teilweise dieselben, teilweise andere zwei bis sechs Schnellpartien (zwei von anfangs acht auch noch eine Blitzpartie). Acht Teilnehmer(innen) und unterschiedliche Anzahl Partien, also KO-Format.

Hier sassen noch alle auf der Bühne – der Leser erkennt vielleicht jeweils mit Schwarz Vlastimil Hort (vorne rechts) und Anatoly Karpov (am dritten Tisch). Wenn er auch Rafael Waganjan erkennt (dazwischen in grau von oben bis unten) weiss er mehr als ich vor diesem Turnier wusste. Da die Veteranen sich jeweils bereits nach zwei Partien verabschieden mussten (Waganjan spielte dann ja noch neun mit klassischer Bedenkzeit) schnell noch ein Foto:

Karpov gegen Morozevich – es ging gerecht zu, in der zweiten Partie hatte Karpov Weiss. Zum Turnier eher kurz und knapp und nur aus Sicht des letztendlichen Siegers: David Navara begann mit einem glatten Sieg gegen Hou Yifan. Höflich wie der Tscheche ist durfte die Chinesin dann die zweite Schnellpartie gewinnen: freundlicherweise spielte Navara 19.-g6?? 20.Sxh6+ und dieser Bauer war äusserst schmackhaft, keinesfalls vergiftet. Im fälligen Armaggedon dominierte wieder Navara.

In seinem Halbfinale gegen Morozevich dominierte Navara dann nicht und gewann trotzdem: Zuerst ein glücklicher Sieg in der ersten Partie – Navara stand mit Weiss zumindest sehr verdächtig, dann war die Stellung ausgeglichen, dann überschritt Moro die Bedenkzeit. In der zweiten Partie hatte Morozevich (Computerurteil) bis zu 46 Mehrbauern – aber auch gewonnene Turmendspiele sind remis wenn man den Gewinnweg am Brett nicht findet und zeigt. Damit Navara-Morozevich 1,5-0,5.

Finalgegner Harikrishna brauchte weder Verlängerung noch Glück um die ersten beiden KO-Runden zu überstehen, dabei hatte er mit Hort und Pelletier (der Turnierdirektor wollte auch ein bisschen selbst Schach spielen) auch leichtere Gegner. Im Finale konnte Navara dann mit Weiss glatt gewinnen und mit Schwarz problemlos remisieren. Beide wurden danach fotografiert:

Dazwischen „Herr ACCENTUS“ – wer auch immer das ist, Organisator oder Sponsorvertreter.

Nun zur Hauptspeise – eigentlich zu Unrecht Schwerpunkt Hou Yifan, andere mischten durchaus ordentlich mit. Ein Start-Zielsieg war es nicht – lag allerdings auch daran, dass sie erst am Ende zwei (jedenfalls an diesem Tag) leichte Gegner bekam.

Runde 1:

Morozevich – Hou Yifan 0-1 – wie eingangs bereits erwähnt, hinterher hatte Hou Yifan gut lachen. Moro opferte eine Figur, danach hatte er eine Figur weniger und das war partieentscheidend. Chess.com hatte das dringende Bedürfnis, Hou Yifan zu loben, und nannte ihre Verteidigung brilliant und grossartig (brilliant und splendid), ausserdem: „derlei Stellungen verteidigen ist gegen Morozevich nicht jedermanns Sache“ (not everyone’s cup of tea). Zunächst zum Gegner: Morozevich ist nicht mehr der der er mal war, ausserdem fehlte ihm Spielpraxis. Wenn man nüchtern die Stellung betrachtet: Hou Yifan fand einige recht naheliegende Verteidigungszüge – keinesfalls kompliziert-einzige Computerzüge. Computer konnten das Figurenopfer rechtfertigen (im Sinne von unklar-ausgeglichen), Morozevich schaffte selbiges nicht. Abschliessend (der Rest war aus weisser Sicht Agonie) hatte sie 27.-Dd5 mit Damentausch, was ein Ende machte an eventuelle weisse Schummelchancen – das können Spieler mit Elo 2650 finden, Spieler mit Elo 1650 eventuell auch.

Nachdem das in einem Kommentar hinterfragt wurde, bringe ich die entscheidende Partiephase ab 17.Sxd5!?:

17.-exd5 (was sonst? Natürlich kann – und muss – Schwarz das Opfer annehmen) 18.e6 Sf8 (stabilisiert, wobei 18.-fxe6 offenbar auch ging) 19.exf7+ Kxf7 (naheliegend, da nach 19.-Kh8?! der potentielle Sargnagel auf f7 bis auf weiteres auf dem Brett bleibt) 20.h6 Lf6 (stabilisiert, offenbar ging 20.-Kg8 oder sogar 20.-gxh6 auch) 21.Sh2 Se7 (noch eine Figur zum Königsflügel, ausserdem gewinnt das bereits zuvor mögliche Lh3 nun nicht einmal eine Qualität zurück. Wieder war 21.-Kg8 eine Alternative, für Engines die bessere). 22.Lh3 Tc6 (rettet wie gesagt die Qualität, und der Turm steht auf der sechsten Reihe jedenfalls nicht schlechter als auf der achten) 23.Sg4 Seg6 (wieder nach dem Motto Figurenschutz für den leicht, aber keinesfalls – nicht einmal annähernd-potentiell – fatal entblössten schwarzen König. Ausserdem Angriff auf den weissen Lf4, der nun den Rückzug antreten muss – was Moro sicher ungern tat) 24.Ld2 d4 (zwar der beste schwarze Zug – Motive auf der langen Diagonale zugunsten von Schwarz tauchen nun auf – aber keinesfalls der einzige) 25.hxg7 Kxg7 (das oder auch 25.-Lxg7, was sonst?) 26.Df3 Tb6 (diesen Tempogewinn nimmt man/frau mit. Wieder war es nicht der einzige und nicht einmal der beste Zug, Engines spielen hier 26.-Lg5) 27.Df5

27.-Dd5 (auch das nicht einmal der einzige Zug, z.B. 27.-a3 um Weiss am Damenflügel zu beschäftigen bevor er – wie eigentlich? – weitere Figuren in die Nähe des schwarzen Königs bringen kann. Aber 27.-Dd5 ist ein simpler menschlicher Zug). Zehn Züge ab dem weissen Figurenopfer bis zu klarem schwarzem Vorteil in vereinfachter Stellung – kein einziger davon schwer zu finden. [Wie Morozevich sein Figurenopfer rechtfertigen und Hou Yifan zumindest Probleme bereiten konnte ist ein anderes Thema – er tat es nun einmal nicht.]

Ansonsten verlor in Runde eins Noel Studer mit Weiss gegen Peter Leko – Studer sollte fast alle Partien verlieren, Leko spielte in neun Runden fünfmal nicht remis (drei Siege, zwei Niederlagen).

Runde 2:

Hou Yifan – Studer 1/2, also trotz vermeintlich (und im weiteren Turnierverlauf auch tatsächlich) leichtem Gegner kein 2-0 Start für die Chinesin. Ob sie eine Qualität geopfert oder eingestellt-verdaddelt hatte ist nicht ganz klar. Zunächst hatte sie dafür (Computerurteil) volle bis mehr als ausreichende Kompensation, später stand sie – auch aus meiner Sicht – recht offensichtlich auf Verlust. Studer wählte den falschen Gewinnplan: statt seine Türme zu aktivieren und in einigen Varianten auch den d-Freibauern zu behalten, setzte er alles auf seinen h-Freibauern – der kam bis h2 und nicht weiter. Der kritische Moment war offenbar im 45. Zug – 45.-Te8, 45.-Th4, 45.-axb3, alles besser als das stürmische 45.-h4.

Da ab hier Amerikaner für chess.com über Biel schrieben (zuvor Peter Doggers) war es denkbar, Hou Yifans holpriges Weissremis gegen Elo ca. 2500 als amazing oder auch awesome zu bezeichnen, aber nein: Remispartien werden (nicht nur dort) oft gar nicht behandelt, ausserdem stand Hou Yifan zu diesem Zeitpunkt nicht im Mittelpunkt der Berichterstattung.

Eine andere Partie sollte ich doch erwähnen:

Navara-Morozevich 0-1 – der ewig unberechenbare Moro entkorkte heute Benoni und gewann recht glatt.

Runde 3: Alles remis – ich mache es mal wie oft die kommerzielle Konkurrenz und belasse es dabei.

Runde 4: Ponomariov – Hou Yifan 1/2 – kurioses Stellungsbild schon nach 14 Zügen: Weiss liess sich einen Tripelbauern auf der c-Linie verpassen und erzeugte dafür einen doppelten schwarzen f-Bauern. Engines bevorzugten die schwarze Bauernstruktur, aber Hou Yifan konnte davon letztendlich nicht profitieren.

Bacrot-Morozevich 1-0 – aus weissem Raumvorteil wurde, da Schwarz die Alternative „hoffnungloses Turmendspiel“ nicht zusagte, ein Mattangriff mit Dame und Turm. Moro spielte so weiterhin das entschiedenste Schach – nur in Runde 3 hatte er, wie alle, remisiert.

Runde 5:

Hou Yifan – Navara 1-0 wurde als „im Stil von Carlsen“ bezeichnet. Schwer zu beschreiben, etwa: prinzipielle Najdorf-Varianten vermeiden, warten bis der Gegner sich schwächt und dann davon profitieren. Navara tut sich generell schwer gegen Hou Yifan, wobei er in Rundenturnieren in drei von drei Partien Schwarz hatte (in ihrem Match 2013 natürlich auch mal Weiss). Ausserdem erwischte er insgesamt kein gutes Turnier und musste sich von 17 Elopunkten verabschieden. Damit war er, um schon einmal etwas Bilanz zu ziehen, der einzige der in Biel enttäuschte – dass Waganjan und Studer leiden würden war vorhersehbar. Georgiadis akzeptierte seine Rolle als Aussenseiter dagegen nicht.

Ebenfalls siegreich in Runde 5: Bacrot, schliesslich spielte er gegen Studer, und Morozevich, schliesslich spielte er gegen Waganjan. Den anderen jungen Schweizer Nico Georgiadis habe ich bisher noch nicht erwähnt, da er (Ausnahme Sieg gegen Waganjan) alles remisierte. Da seine anderen Gegner Elo 2700+ hatten (OK, Ponomariov hatte 2699) war es jeweils ein Erfolgserlebnis.

Nun war Ruhetag, Stand zuvor: Bacrot 4/5, Hou Yifan 3.5, Ponomariov, Harikrishna, Georgiadis 3, Morozevich 2.5 (+2=1-2), Navara und Leko 2, Waganjan und Studer 1. Bacrot auf dem Weg zum Turniersieg, oder sollte Hou Yifan etwa …. ? Wie gesagt, erst Ruhetag und Spielerausflug:

Die Frage zum vierten Foto beantwortet die Turnierseite nicht.

Runde 6:

Harikrishna – Hou Yifan 1-0 – Dämpfer für die Chinesin, die in einem Schwerfigurenendspiel irgendwann Bauer und Übersicht und später die Partie verlor. Zum Schluss wäre es Matt (oder jedenfalls klarer weisser Materialvorteil) geworden, davor gab sie auf.

Ponomariov-Navara 1-0 ist eine von diversen Partien, die ich zu Unrecht ignoriere (ich würde sie wohl näher besprechen, wenn Pono aus den verbleibenden drei Runden mehr als einen Punkt erzielt hätte). Waganjan-Studer 1-0 – der Veteran gewann auch einmal, schliesslich spielte er gegen Studer. Allerdings waren auch andere Ergebnisse drin, darunter „Studer gewann auch einmal, schliesslich spielte er gegen Waganjan“. Noel Studer hatte mal wieder ein Endspiel mit Mehrqualität (die hatte Waganjan bereits im 15. Zug korrekt geopfert) und h-Freibauer. Zeitweise war es für ihn klar besser – am Ende war dann fatal, dass Weiss ebenfalls Freibauern hatte.

Stand nach dieser Runde: Bacrot 4.5/6, Ponomariov und Harikrishna 4, Hou Yifan 3.5, usw. . Bacrot hatte gegen Leko remisiert – Bacrot auf dem Weg zum Turniersieg, oder sollte Hou Yifan etwa …. ?

Runde 7:

Hou Yifan – Bacrot 1-0, warum eigentlich? Nach der Sprengung des Zentrums mit 14.-d5 15.Sxe5 musste sich Bacrot nicht unbedingt auf 15.-Sxe5 16.dxe5 Lxe5 17.f4 Lc7 18.e5 einlassen, so bekam Weiss etwas Druck am Königsflügel und der schwarze König stand später luftig – 15.-dxe4 war durchaus spielbar. Später war 35.-Td8?? so ziemlich der schlechtest mögliche (und dabei einigermassen plausible Zug) – Hou Yifan spielte das recht simple 36.Te5 und Bacrot gab auf. Warum war 35.-Td8?? grottenfalsch? Der Turm ist da ungedeckt („loose pieces [can] drop off“), so kommt nach 36.-Dh7 37.Dg5+ nebst 38.Dxd8 und eine andere Verteidigung gegen 37.Tg5 mit Damengewinn gab es auch nicht (36.-Kf8 37.TxLe6 mit Figurengewinn).

In dieser Runde war noch einiges los, u.a. ein Sturmsieg von Morozevich gegen Ponomariov und auch das Duell der beiden Schweizer:

Studer-Georgiadis 0-1 – diese Partie ging, wie auch Schweiz-intern das gesamte Turnier, an Georgiadis, der nach Komplikationen im Mittelspiel ein klar besseres Endspiel hatte.

Nach Runde 7 war wieder alles offen: Harikrishna, Bacrot, Hou Yifan und Georgiadis(!) 4,5/7, dahinter Moro und Pono mit 4/7.  Hou Yifan hatte mit Waganjan und Georgiadis das nominell leichteste Restprogramm, wobei Georgiadis bisher noch keine Partie verloren hatte. Wie leicht sie beide Partien gewinnen sollte, das lag dann auch an den Gegnern.

Runde 8:

Waganjan – Hou Yifan 0-1 – damit konnte man (auch Hou Yifans Konkurrenten) rechnen, aber wie es zustande kam … . Waganjan spielte eine harmlose Eröffnung und wollte dann mit 16.Dh5 doch aktiv werden – aber die Dame war da als Einzelkämpferin wirkungslos und stand später auf diesem Feld ziemlich dumm. Und dann kam 20.b3-b4?

Weiss musste Bauernverlust am Damenflügel akzeptieren und hätte dafür offenbar zumindest gewisse Kompensation. Nun galt wieder „loose pieces drop off“ – bei Weiss sind Dh5 und Td2 ungedeckt, Schwarz profitierte mit 20.-Lxg2! 21.Kxg2 Dxd4!. Nun ist 22.exd4 Sf4+ einfach, und für diesen Minusbauern hätte Weiss keine Kompensation. Waganjan setzte auf den Gegen-Desperado 22.Dxg6 – es folgte 22.-Dd5+ 23.e4 fxe4 24.Dxe4 Dg5+ 25.Kh1 Dxd2. Auch 26.Dxh7+ Kf7 27.Dg6+ Ke7 28.Dxg7+ Tf7 änderte nichts daran, dass Weiss eine Qualität weniger hatte. Spektakulär? Vielleicht. Lehrreich? Durchaus. Schwer zu finden? Ansichtssache. Mit reichlich gegnerischer Hilfe entstanden? Ja, so sehe ich es.

Ponomariov-Harikrishna 0-1 – Hari konnte mithalten, da er fast aus der Eröffnung heraus ein besseres Endspiel bekam und dann verwertete.

Georgiadis war mit einem Weissremis gegen Leko zufrieden: ab dem 19. Zug wurde wiederholt, besser stand zu diesem Zeitpunkt keiner von beiden.

Bacrot-Navara 1/2: Manchmal verflacht ein scharfer Najdorf-Sizilianer mit heterogenen Rochaden zu einem Remisendspiel, diese Partie war ein Beispiel dafür. Morozevich konnte Boden gutmachen, schliesslich spielte er gegen Studer.

Runde 9 mit den Partien Hou Yifan(5,5)-Georgiadis(5), Harikrishna(5,5)-Bacrot(5) und Leko(4)-Morozevich(5), die beiden übrigen nicht turnierrelevant. Diese drei Partien chronologisch:

Harikrishna-Bacrot 0-1 – tendenziell gut für Hou Yifan, wie so vieles in diesem Turnier. Harikrishna entkorkte 21.Lc5??

und das ging gar nicht, da der Läufer hier ungedeckt ist und Schwarz nicht automatisch 21.-Tfe8 spielen muss. Stattdessen ging und kam 21.-Lxf5 22.Sxf5 (22.Dxf5 Td5, aber der Partiezug war kaum besser) 22.-Dh2+ 23.Kf1 Td2 und nun ist Weiss mausetot, auch wenn Hari aufgrund der Turniersituation noch ein bisschen weiterspielte und erst nach 29 Zügen aufgab.

Hou Yifan – Georgiadis 1-0 – vor dem Turnier wäre das keine Überraschung gewesen. Angesichts Georgiadis‘ Turnier zuvor war es eine, und vom Partieverlauf her war es unnötig. Vielleicht dachte Georgiadis „ich habe ohnehin ein tolles Turnier gespielt, nun kann ich dazu beitragen, dass Biel 2017 ‚Geschichte schreibt‘ ?“. Chess.com beginnt den Biel-Abschlussbericht mit langen Jubelarien zu Hou Yifan, dafür sind die Bemerkungen zur Partie erstaunlich objektiv. Hou Yifan stand (mit Weiss!) schnell schlechter, aber Georgiadis wusste mit seinem Vorteil nichts anzufangen. Vielleicht war sein, bis dahin perfekt umgesetzter, Turnierplan ja: Waganjan und Studer besiegen und die anderen Partien remis spielen.

Warum spielte er dann statt des logischen 15.-Se6 das positionell furchtbare 15.-La6 16.Lxc5 dxc5 mit hässlich-isolierten Doppelbauern auf der c-Linie? Warum hat er danach mit 22.-Db4? einen Bauern eingestellt? Gute Fragen, nächste Fragen – es sei denn es war Absicht, damit Biel 2017 in die Schachgeschichte eingeht. In den entscheidenden Runden haben Waganjan (taktisches Übersehen) und Georgiadis (positioneller Schrott) zu Hou Yifans Turniersieg beigetragen.

Dass Studer und Waganjan nochmals verloren, heute gegen Ponomariov und Navara, ist hiermit erwähnt. Eine Partie dauerte am längsten und schien dabei lange remislich, am Ende dann

Leko-Morozevich 1-0. Sie sprachen bzw. spielten Spanisch – Zaitsev-Variante, dabei nicht die kompliziertesten und schärfsten (zunächst in WM-Matches Kasparov-Karpov geübten) Abspiele. Im 30. Zug wurden die Damen getauscht, zuvor bereits auf den geöffneten b- und a-Linien alle vier Türme. Übrig blieben alle acht Leichtfiguren und zehn Bauern, jeweils d-h. Geht da noch was? Irgendwie war das spätere Springerendspiel besser für Weiss, dabei nicht unbedingt gewonnen. Nach reiflicher Überlegung (18 Minuten) verzichtete Schwarz auf 48.-Kxd5 zugunsten von 48.-Kd4!? – beides ging laut Engines, erst 52.-Ke5? war der entscheidende Fehler. So waren Leko und Moro am Ende punktgleich und beide ziemlich genau im Rahmen der aktuellen Eloerwartung – wie auch Ponomariov und Harikrishna, Bacrot etwas darüber. Und es gab im Turnier einen klaren ersten, einen klaren zweiten und einen klaren dritten Platz. Auch Platz acht, neun und zehn war eindeutig, dazwischen ein Quartett.

Das sind die drei Erstplazierten Bacrot, Hou Yifan und Harikrishna – nicht in dieser Reihenfolge, dann hätte Biel 2017 nicht „Schachgeschichte geschrieben“. Da Hou Yifan weiblich ist, bezeichneten chess.com und Chessbase ihren Sieg als „historisch“, chess24 begnügte sich mit „stunning“. Nun hat sie sagenhafte Elo 2670, d.h. den Eloverlust vom GP-Turnier in Genf leicht überkompensiert.

Ihr Turnierfolg ist etwa oder fast vergleichbar mit Judit Polgars Sieg beim Japfa Classic 2000 in Denpasar, Bali, Indonesien. Auch dieses Turnier hatte mehrere (ehemalige) Weltklassespieler, die ihren Karriere-Höhepunkt hinter sich hatten – Seirawan und Timman hatten ihre besten Jahre in den 1980ern und Anfang der 1990er, Karpov war allerdings bei diesem Turnier immer noch Nummer 11 der Weltrangliste. Auch dieses Turnier hatte mehrere lokale Spieler (zwei aus Indonesien, einer aus Burma). Mehr wert war wohl Polgars Erfolg in Madrid 1994, vor der damaligen Nummer 6, 7, 9 und 11 (Salov, Shirov, Kamsky und Bareev). Mehr wert war sicher auch Platz zwei für Polgar in Wijk aan Zee 2003 – hinter Anand aber vor Kramnik, Topalov, Ponomariov, Bareev, Shirov und Grischuk – alle top10, Polgar selbst war vor dem Turnier Nummer 13, danach selbst Nummer 10.

Für Hou Yifan selbst ist es fast vergleichbar mit Platz zwei (nach verlorenem Tiebreak gegen Short) in Gibraltar 2012. Muss sie und müssen ihre Fans nun wieder 5 1/2 Jahre warten? Es kann auch sein, dass sie nun einen Lauf bekommt wie zuvor Fedoseev und tatsächlich demnächst Elo 2700 knackt. Dann sollte man sie so behandeln wie Fedoseev, d.h. sie sollte die Chance bekommen, sich beim Aeroflot-Open für Dortmund zu qualifizieren. Moment mal, sie bekam doch reihenweise Superturnier-Einladungen „einfach so“, warum eigentlich? Sie ist weiblich!!!!!!! Unfair Männern wie u.a. Fedoseev gegenüber, aber so ist es eben.

Nochmals Bilder:

Auf dem letzten Foto erkennbar: In Biel spielten mehr als diese zehn Schach. Exklusiv auf dem Schachticker (anderswo wurde es kaum erwähnt) noch ein paar Bilder und Worte zum Open:

Nur wenige Spieler wurden individuell fotografiert. Zu Alexander Donchenko nur so viel: Mit der in Biel gezeigten Form (4,5/9, Platz 52 für die Nummer 18 der Setzliste, u.a. zwei Niederlagen gegen IMs mit Elo 2380 und 2337) hätte er im GM-Turnier womöglich noch schlechter abgeschnitten als Noel Studer. Natürlich hatte das Turnier auch Sieger:

Vladimir Baklan (links) und Mateusz Bartel (Mitte) teilten Platz eins mit 7/9, bessere Wertung für den von Lotto gesponsorten Polen (beides siehe T-Shirt). Ganguly war Wertungsbester von sechs mit 6,5/9, die anderen waren Kuljasevic, Salem Saleh, Aravindh, Antipov und Perunovic. Nicht so gut lief es für die an eins und zwei gesetzten Shankland und Kovalenko (beide nur 5,5/9). GM-Normen für IM Bellaiche aus Frankreich, der u.a. drei GMs aus der top10 besiegte (natürlich in diesem Turnier – Shankland, Dragun und Lagarde), und IM Ali Marandi aus der Türkei – der gegen GMs nur remisierte, immerhin sechsmal. Weiterhin vollstbärtig dagegen IM Hambleton aus Kanada, der sich erst rasieren will wenn er die letzte GM-Norm erzielt.

Zum Schluss noch zwei Fotos in ungewöhnlichem Format, gemeinsames Thema bei unterschiedlicher Kleiderordnung: ohne Organisatoren und Helfer geht nichts.

Podium und Organisatoren

Freiwillige Helfer. Die Zahl 50 ist schon auf einigen Fotos aufgetaucht – dies war die 50. Auflage des Bieler Schachfestivals.

 

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5 thoughts on “Biel lief nach Wunsch für Hou Yifan

  1. Lieber Schachfreund Hübner,
    vielleicht haben sie es noch nicht mitbekommen, doch wir leben hier nicht in Nordkorea.
    Keiner zwingt Sie, die Artikel von Herrn Richter zu lesen.
    Aufrufe, Ihnen nicht genehme Berichterstattungen zu unterlassen, lassen mich fast ratlos zurück.
    Falls Sie Friede-Freude-Eierkuchen-berichte bevorzugen, empfehle ich Ihnen die Schachspalte der ‚Frau im Spiegel‘.

    Auch wenn ich mit ihm nicht immer einer Meinung bin, ich finde die Artikel von Herrn Richter klasse. Gerade weil er Stellung bezieht.

  2. Ich kann nicht alle derartigen Kommentare beantworten, einmal mache ich es noch:

    Dass Bacrot, Ponomariov, Leko und Morozevich ihren Zenit überschritten haben ist nicht abwertend sondern Tatsache: Alle waren mal längere Zeit top10 oder jedenfalls top20, alle sind es schon einige Zeit nicht mehr und „Comebacks“ erscheinen unwahrscheinlich. Bacrot war es Mitte 2004 bis Mitte 2007, Ponomariov bis Oktober 2013. Lekos Absturz nach vielen Jahren top10 begann Januar 2010, wobei er noch bis Ende 2014 top20 oder fast war. Morozevich hat sich Ende 2013 aus der top20 verabschiedet – zu diesem Zeitpunkt war ein Comeback noch denkbar, inzwischen (mit Elo deutlich unter 2700) nicht mehr. Damit waren es für Hou Yifan Gegner fast auf Elo-Augenhöhe.
    Dass Morozevich (und auch Waganjan, jedenfalls auf auch nur annähernd vergleichbarem Niveau) zuletzt wenig Spielpraxis hatten ist ebenso Tatsache wie Navaras insgesamt schlechtes Resultat in diesem Turnier. Letzteres ist nicht abwertend, eher im Gegenteil: „eigentlich kann er mehr, nur diesmal eben nicht“.
    Die entscheidende Partiephase gegen Morozevich habe ich nun in den Artikel eingebaut. Mal ehrlich: Welcher der zehn erwähnten schwarzen Züge verdient das Prädikat „brilliant“ oder „splendid“? Würden männliche Spieler derlei Lob bekommen?
    Der Kommentar zu Hou Yifan-Georgiadis in der Schlussrunde war natürlich starker Tobak und nicht wörtlich-zwangsläufig gemeint. Erstaunlich dabei, dass Georgiadis, der zuvor absolut mithalten konnte, nun recht sang- und klanglos unterging (obwohl er zunächst mit Schwarz eher besser als schlechter stand).

    Die Passage zu Judit Polgar: Bitte den gesamten Absatz lesen! Danach erwähne ich deutlich höher einzuschätzende Turniererfolge sowie (eher nebenbei) die Tatsache, dass sie top10 war. Polgar bekam Superturnier-Einladungen, weil sie elomässig in diese Turniere passte. Im Wikipedia-Artikel zu ihr steht gar (zu einem gewissen Zeitpunkt) „In the two years since Polgár became the first woman to ever break into the top 10, her rating had dropped. Although she was in the top 20, this had the effect of her being invited less frequently to the strongest tournaments.“ [frei-knapp übersetzt: Nachdem sie sich in der top10 nicht ganz etablieren konnte, wurde sie nicht mehr regelmässig auf höchstem Niveau eingeladen]. Bei Hou Yifan reichte dagegen top100 oder auch mal noch weniger.
    Wijk aan Zee hat das recht übersichtlich bzw. leicht zu finden: Polgar wurde fünfmal eingeladen, jeweils war sie nach Elo mitten im Teilnehmerfeld (bzw. das letzte Mal 2008 unten, aber immer noch Nummer 22 der Weltrangliste). Hou Yifan wurde dreimal in die A-Gruppe eingeladen, sowie zuvor 2008 in die B-Gruppe. Jeweils war ihre Elo klar schlechter als die aller anderen – Ausnahmen nur Niederländer bzw. Spieler, die sich im Jahr davor qualifizierten. Davon abgesehen war sie wohl (seit 2700 nur noch erweiterte Weltklasse ist) die einzige mit Elo <2700 die jemals oben mitspielen durfte.
    Hou Yifan nun bereits als „Nachfolgerin von Judit Polgar“ zu bezeichnen ist Polgar gegenüber unfair – das machen andere, ich mache es nicht. Ebenso schrieb Schachfreund Enker nun, dass Hou Yifan im Gegensatz zu Giri ein Superturnier gewann – ihm unterstelle ich nicht Manipulation sondern vermute zu seinen Gunsten Unwissenheit. Bei anderen, die es besser wissen sollten, kann man – mit Bezug auf Giri – eher Manipulation vermuten bzw. „es kann nicht sein was nicht sein darf“.

    Natürlich „dürfen“ andere Webseiten Jubelarien zu Hou Yifan schreiben, was ihren Fans eher gefällt. Wenn ich über Biel gar nicht berichtet hätte wäre es vermutlich auch nicht recht gewesen. Ich machte es auf meine Weise – einschliesslich Fakten, die Hou Yifans Erfolg und aktuellen Status relativieren.

  3. Und wie erwartet werden wir Zeuge eines weiteren Kapitels in der unsäglichen Geschichte „Thomas Richter vs. Yifan Hou. ? Herr Richter, ihr Bericht über das Turnier in Biel ist eine Unverschäm*theit. Was haben Sie gegen Frau Hou, dass Sie jeden ihrer Erfolge niederschreiben müssen?
    Da ist „schon das Teilnehmerfeld …so ausgewählt“, dass ihr Turniersieg begünstigt wird. Danach werden erst einmal alle anderen Teilnehmer herabgewürdigt. Sie haben ihren Zenit schon überschritten, sind gerade in schlechter Form, oder ihnen fehlt die Spielpraxis.
    Kann ja nicht sein, dass Hou gegen Gegner auf Augenhöhe gewinnt.
    Die Partien gewinnt Hou, weil:
    – „Morozevich ist nicht mehr der der er mal war, ausserdem fehlte ihm Spielpraxis“
    – die Züge von Frau Hou waren „nahe liegend“, das können … Spieler mit Elo 1650 eventuell auch“
    – „warten bis der Gegner sich schwächt und dann davon profitieren“
    Das Turnier gewinnt sie dann, weil sie „das nominell leichteste Restprogramm [hat]“ und, wir ahnen es schon, „Wie leicht sie beide Partien gewinnen sollte, das lag dann auch an den Gegnern“.
    Der Sieg in Runde 8 ist dann „Mit reichlich gegnerischer Hilfe entstanden? Ja, so sehe ich es.“
    Und dann kommt der negative Höhepunkt des Artikels, die Andeutung, die Partie der letzten Runde könnte geschoben worden sein, „damit Biel 2017 in die Schachgeschichte eingeht.“
    Der Vergleich mit dem Turniersieg Judith Polgars 2000 in Bali liegt nahe. Aber auch der ist natürlich nur zustande gekommen, weil sie gegen „Weltklassespieler, die ihren Karriere-Höhepunkt hinter sich hatten“ gespielt hat.
    Immerhin wird jetzt klar, dass Herr Richter nicht nur etwas gegen Frau Hou, sondern wohl grundsätzlich ein Problem mit erfolgreichen Frauen im Schach hat.

    Und zu allem Überfluss werden auch noch andere Internetseiten, die dankbarerweise über das Event berichten, nieder gemacht. Das ist einfach ganz schlechter journalistischer Stil, Herr Richter.

    Bitte berichten sie in Zukunft nicht mehr von solchen Turnieren.

  4. Lieber Schachfreund Enker,
    Mit derlei Reaktionen war zu rechnen. Ich habe keine grundsätzlichen Probleme mit erfolgreichen Schachspielerinnen (mit erfolglosen auch nicht), nur werden mir Hou Yifans nach wie vor eher bescheidenen Erfolge (da fehlt noch VIEL zu Judit Polgar) zu sehr glorifiziert. Wenn z.B. Fedoseev dieses Turnier gewonnen hätte, hiesse es vermutlich eher „naja, soo stark besetzt war es nicht“.
    Giri hatte vielleicht noch keinen Turniersieg in dieser Kategorie, dafür einen in einer höheren: Reggio Emilia 2011/2012 mit Nummer 6 der Welt Ivanchuk, Nummer 9 Morozevich (derselbe wie nun in Biel und doch ein anderer), Nummer 10 Nakamura. Das (wie Giri) aufstrebende Talent Caruana war Nummer 23, der fünfte Gegner Vitiugov Nummer 22 beide damit auch noch gleichwertig mit Harikrishna und Navara, den besten nun in Biel. „Giri hat noch nie ein Superturnier gewonnen“ kann man überall lesen – z.B. auch beim von mir generell geschätzten Emil Sutovsky der auf Nachfrage schrieb „Reggio war kein Superturnier“. „mit der Jagd auf neue Remisrekorde begnügen“ ist, was Giri betrifft, gängiges Klischee. Auch da gilt: Was oft behauptet wird muss deshalb nicht stimmen – mehrfach, zuletzt beim Tal Memorial 2016, war er nahe dran an weiteren Superturniersiegen.
    P.S.:: „rundum sympathische Persönlichkeit“ – sah ich ähnlich und ich hatte Hou Yifan einmal bei einer Pressekonferenz in Wijk aan Zee mitbekommen, generell habe ich eher Probleme mit ihren fanatischen Fans. Aber dann kam ihr Auftritt dieses Jahr in Gibraltar … . Giri, den habe ich mehrfach direkt mitbekommen, empfinde ich auch als sympathisch und medienfreundlich – da gehen die Meinungen auseinander da nicht alle seinen Humor (über andere aber auch über sich selbst) einordnen können oder mögen.

  5. Lieber Herr Richter,
    schöne Fotos haben Sie da in Ihren Bericht über das Turnier in Biel eingebaut. Der Text liest sich allerdings über weite Strecken recht unsympathisch. So als ob Sie Hou Yifan ihren Erfolg nicht gönnen würden? Oder gar grundsätzliche Probleme mit erfolgreichen Schachspielerinnen hätten?
    Lassen Sie uns doch den Turniersieg von Hou Yifan als das würdigen, was er ist: eine überzeugende und großartige Leistung, die sich (fast) schon mit den besten der legendären Judith Polgar messen lassen kann. Und die viele Leistungen männlicher Schachspieler unterhalb von Carlsen & Co. in den Schatten stellt. Beispielsweise hat Anish Giri, obwohl rund 100 Elopunkte stärker und gleichen Alters, in seiner Karriere noch keinen Turniersieg dieser Kategorie geschafft. Während er und andere Spieler sich mit der Jagd auf neue Remisrekorde zu begnügen scheinen, erfreut uns Hou Yifan mit erfrischendem Schach und einer rundum sympathischen Persönlichkeit. Ich jedenfalls wünsche ihr weiterhin den allerbesten Erfolg!
    Ihr H. Enker

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