Erfurt: Zentrum des Mädchen und Frauenschachs in Deutschland

Eberhard Schabel – Vom 29.07. bis 06.08. war Erfurt das Zentrum des Mädchen und Frauenschachs in Deutschland. Gleich 6 verschiedene Turnierformen wurden in der Landeshauptstadt Thüringens angeboten und wir waren bei einer dieser Veranstaltungen im Radisson Blu Hotel mit dabei. Zum 2x wurde das Frauenschachfestival von Thomas Pähtz und seinen Mitstreitern angeboten und man merkte dem Orga- Team an, dass hier Leute am Werk waren, die Ahnung haben von der Ausrichtung einer derartigen Großveranstaltungen. Das Hotel ist zudem ebenfalls schon einige Jahre auf Schach eingestellt, finden doch da schon einige Jahre die Weihnachtsopen statt, zu dem man sich übrigens für 2017 schon anmelden kann, um dann neben Schach auch einige Größen der deutschen Musikszene, wie den Altrocker Udo Lindenberg und Cluso zu treffen.

Diesmal war der Udo freilich nicht da und so konnten sich unsere Spielerinnen Inken Köhler, Nanke Caliebe, Anna-Blume Giede und Vanessa Foos voll auf ihre Schachpartien konzentrieren. Dies taten sie dann auch mit viel Engagement und Kämpferherz, wobei auch ab und an Caissa sich gnädig zeigte.

Nanke Caliebe

Laut Ausschreibung waren 9 Runden an 5 Tagen angesetzt. Ein hartes Programm für die Mädchen und Frauen im Open und auch beim Youngmasters, welches als Rundenturnier Parallel gespielt wurde. Weiter gab es das Duell Elisabeth Pähtz gegen Alexandra Kosteniuk.

Einige Details zum Open:

58 Spielerinnen aus 14 Staaten, davon 30 aus Deutschland

22 Titelträgerinnen, davon 1x IM, 8x WGM und 6x WIM

23 Spielerinnen jünger als 18 Jahre

Zum Turnierverlauf aus der Sicht unserer Spielerinnen…

In den ersten zwei Runden gab es für unsere 4 Spielerinnen wenige Überraschungen. Gegen die „Machbaren“ konnten Punkte erobert werden und gegen die stärkeren Kontrahentinnen wurde leider verloren. Wobei das Remis von Inken gegen eine Titelträgerin (ELLO 2250) schon ein kleiner positiver Erfolg war. In den Runden 3 bis 5 gab es einige Schatten und wenig Licht. So konnte Vanessa mehrmals eine sehr gute Spielposition erreichen, die sie dann mangels Routine zumeist Einzügig verdarb.

Bei Nanke war in der 3. Partie, gegen eine vermeintlich schwächere Spielerin ein kleiner Tiefpunkt erreicht und dies war wohl auch der Auslöser dafür, dass sie ab da richtig gutes Schach anbot. Anna-Blume spielte noch am solidesten und Inken hatte in den Runden 4 und 5 einige Schwächemomente. In der 6. Runde schlug dann die Stunde unserer Jüngsten und mit einer schönen Angriffspartie konnte Vanessa ihren ersten Punkt erspielen. Nanke konnte den Schwung der beiden Siege mitnehmen und bezwang sehr eindrucksvoll eine weit bessere Spielerin. Auch Inken gewann und Anna-Blume spielte etwas Glücklos.

Die 7. Runde wurde am Donnerstag gespielt, was auch der einzige Tag war, wo nur eine Runde ausgetragen wurde. Alle 4 konnten sich über einen Partiegewinn und einen Eisbecher freuen, den sie sich auch wirklich verdient hatten. Den Rest des Tages verbrachten wir im Einkaufszentrum „Am Anger 1“, um den Ausführungen der Spielerinnen Elisabeth Pähtz und A K zu lauschen, etwas zu blitzen und dann in unsere sehr schöne Ferienwohnung zurück zu kehren. Da angekommen wurden noch einige Tandemduelle gespielt, lecker Abendbrot gegessen und sich ausgeruht.

Der letzte Tag zeigte nicht nur bei den Partien unserer Vier an, dass das Turnier schon ganz schön hart war. So konnte man beim betrachten der Spielverläufe nicht immer vorhersagen, wie das Ergebnis am Ende aussehen würde. Vanessa verabschiedete sich mit einer „Doppelnull“ aus dem Turnier, wird jedoch dennoch eine für sich positive Bilanz ziehen können. Anna-Blume errang zunächst in Runde 8 ein Remis (zu 3,5 aus8) und hoffte auf eine etwa gleichstarke Gegnerin in der Abschlußrunde. Nach Punkten war das dann auch der Fall, aber mit der WGM Ilze Berzina hatte sie dann doch nicht gerechnet.

Nach 0 aus 3 und danach 4 aus 4, ging es Nanke darum die 50 % zu erreichen. In Runde 8 war sie zeitweise nahe dran und in Runde 9 gelang ihr im SH- Derby gegen Britta Leib das erhoffte Remis. Noch etwas besser lief es da für Inken, die aus den beiden letzten Runden noch einen Punkt eroberte und am Ende gut 5 aus 9 aufweisen kann.

In der Abschlusstabelle findet man Inken an 24, Nanke an 32, Anna-Blume an 43 und Vanessa an 55 wieder.

Inken Köhler vs Britta Leib

Nanke Caliebe2nankeBei der Siegerehrung konnte sich Nanke zusätzlich zu ihrem am Ende starken Turnier über den 1. Platz der Raitinggruppe „bis 1600“ freuen.

Die weiteren Siegerinnen und Platzierten findet man auf der sehr informativ, mit vielen Fotos gespickten WEB des Frauenschachfestivals.

http://www.frauenschachfestival-erfurt.de/

Für uns fand der Erfurtaufenthalt mit einem Dom- Besuch und noch einigen Runden am Samstag und einer Stau bedingten etwas längeren Rückreise zu Ende.

Wir haben sehr schöne Tage erlebt und möchten uns bei GM Thomas Pähtz, seiner Tochter Elisabeth, seiner Frau, den Schiris und den weiteren Mitorganisatoren für diese gelungene Veranstaltung bedanken!

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