Der Schachtherapeut – Reloaded

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Eine Rezension von Uwe Bekemann – Und er hat es wieder getan! In bester Loriot-Manier hat Manfred Herbold den Schachspielern auf den Mund, die Finger und ins Gehirn geschaut, um sie dann scharf gezeichnet, humorvoll, oft spitzzüngig und manchmal auch entlarvend so zu porträtieren, dass wir alle den einen oder anderen Zeitgenossen wiedererkennen, manchmal uns selbst sogar wie in einem Spiegel.

Leseprobe

Nach seinem Erstlingswerk „Der Schachtherapeut“ im Jahre 2009 erschienen, hat er nun einen Folgeband mit dem Titel „Der Schachtherapeut – Reloaded“ (Band 2) auf die Menschheit losgelassen. Manfred Herbold lässt uns mit seinen Beschreibungen den Schachspieler als solchen mit fast allen unseren Sinnen virtuell wahrnehmen; man kann ihn quasi sehen, hören, manchmal leider auch riechen und auch ertasten. Allein schmecken lässt er ihn uns nicht, und das ist auch gut so.

Als Schachtherapeut nimmt er sich der Sorgen und Nöte seiner Patienten an, versucht deren Seele oder Psyche wieder in die Reihe zu bringen. Ob sie immer wieder suizidale Eröffnungen spielen, den Patzer des Jahrhunderts auf das Brett gezaubert haben oder einfach nur spielen können, wenn ihr Plüschtier neben dem Brett hockt – der Schachtherapeut hilft. Nur bei seinem schwierigsten Patienten, Herrn Lobrehd, da wird er sich die Zähne ausbeißen. Dieser Herr ist allerdings niemand anders als der Herr Autor selbst, dessen Name sich hier hinter einem Ananym versteckt.

„Der Schachtherapeut – Reloaded“ ist eine Mischung aus vielen bunten Geschichten und Geschichtchen, amüsant, lustig oder auch brüllend komisch, und Schach. Es gibt kommentierte Partien aus dem Amateurschach und dem Meisterspiel, Fragmente, Studien, Kunstpartien unter einem bestimmten Themendach und sehr viel mehr. Zu dem „Sehr-viel-mehr“ zählt beispielsweise auch ein Strauß großartiger Illustrationen von Frank Stiefel, die an sich schon überaus sehenswert sind und zudem noch in eine Symbiose mit dem jeweiligen Gegenstand der Beschreibung treten.

Leseprobe

Herbold trägt den Titel eines Candidate Master (CM), ist ein überaus fleißiger und erfahrener Turnierspieler und in seinem „Zivilberuf“ Lehrer, was ein sicheres Indiz dafür ist, dass er lesen und schreiben kann. Mit „Der Schachtherapeut – Reloaded“ beweist er erneut, dass er nicht nur schreiben kann, sondern ein ausgezeichneter Schreiber in Sachen Schachunterhaltung ist.

In einem zweiten wichtigen Teil des Buches wird er von mehreren Schachenthusiasten unterstützt, die Gastbeiträge beigesteuert haben. Für die bunte Mischung zeigen sich u. a. Franz Jittenmeier, Kopf hinter dem Internetportal Schach-Ticker (Award-Gewinner 2015), Rainer Schlenker, legendärer „Reiter“ des früheren Magazins RANDSPRINGER und Erfinder so amüsanter Begriffe wie „lange Peitsche“ im Schach, sowie der „Glarean“-Herausgeber Walter Eigenmann verantwortlich, um nur drei aus diesem Reigen zu nennen.

Der dritte und zugleich letzte Teil des Werkes, überschrieben mit „Extras“, enthält tatsächlich Extras, also in der Regel kurze Beiträge, für die es keinen inhaltlich gemeinsamen Nenner gibt. Hier finden sich kommentierte Partien, Überlegungen zu einem Eröffnungsthema, kurze Textbeiträge und so das „übliche Formelle“ wie ein Partienverzeichnis.

Wenn ein Buch mit mehreren Vorworten („Vorwörtern“) aufwartet und die Verfasser GM Matthias Wahls, GM Ralf Appel und Ulrich Höfer (Saarländische Schachkultur e. V.) heißen, dann scheint es viel zu versprechen. Ich habe mich davon überzeugt, dass es nicht bei diesem Versprechen bleibt, sondern es den Leser ausgezeichnet unterhält.

Manfred Herbold stemmt das Projekt beinahe ganz alleine. So ist das Buch vorwiegend über seine Webseite www.schachtherapeut.de bestellbar. (Email: mherbold@gmx.net / Tel.: 06351-125374)

In der Vorbereitung meiner Rezension hat er mir einen kleinen erfreulichen Ausblick gegeben. Es sind auch schon Band 3 „Der Schachtherapeut – Revolutions“ und Band 4 (zusammen mit GM Michael Hoffmann) „Der Schachtherapeut – 60 Shades of Chess – Mein Schachtestament“ in Planung und Arbeit.

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