Das dreifache Damenopfer

Alexander Aljechin (1892 – 1946) hatte als Weltmeister eine unglaubliche Dominanz gegenüber den führenden Spielern der Welt und prägte das Schach seiner Zeit. Wenn wir uns nun die Frage stellen, was ihn speziell auszeichnete, so bleibt nicht nur nüchtern die Feststellung, dass er nahezu jedes Turnier gewann, bei dem er mitspielte, sondern auch, dass er sich sehr gut auf seine Gegner einstellen konnte und grundsätzlich gegen jeden auf Sieg spielte, egal ob er die weißen oder schwarzen Steine führte.

Er war ein herausragender Positions- und Kombinationsspieler, dessen Spiel so dynamisch war, wie bei keinem anderen Spieler seiner Zeit. So urteilte Spielmann einst, dass er zwar die Kombinationen Aljechins problemlos erkennen könne, jedoch seine Stellungen nicht erreiche.

Sein konkret schöpferischer Ansatz war Vorbild für die sowjetische Schachschule, so dass seine Partien in den Büchern stets reichlich vertreten waren. Dabei wurde seine Biographie entweder gar nicht oder verfälscht widergegeben. Allein wichtig schien, dass er Russe war, seine adelige Herkunft hingegen wurde lange Zeit verschwiegen.

1920 gewann er die erste Landesmeisterschaft der Sowjetunion. Schach hatte zu jener Zeit noch nicht den Stellenwert, den es später dann einnehmen sollte. Für Aljechin, der sein Vermögen durch Enteignung verlor und infolgedessen entbehrungsreich leben musste, taten sich zunächst keine schachlichen oder sonstigen Perspektiven auf. Er ging den gleichen Weg, wie viele seiner Landsleute, die für sich keine Zukunft in der neuen Republik sahen, er emigrierte im Frühjahr 1921 in den Westen.

Sein Weg führte zunächst nach Berlin, wo er aber nicht lange blieb, denn recht bald zog es ihn nach Frankreich, genauer gesagt nach Paris, seiner neuen Wahlheimat. Seine Heimat hingegen hat er nie wieder gesehen.

Print Friendly, PDF & Email

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.