Lasker vs Marshall – eine russische Partie

1914 beschloss man die Durchführung eines hochkarätig besetzten internationalen Turniers zu Ehren des zehnten Jubiläums der Petersburger Schachversammlung. Zugleich wurde mit der Auslobung des Turniers bekannt gegeben, das der Sieger des Turniers, sofern es nicht Emanuel Lasker ist, zum “Kandidaten des Weltmeistertitels” erklärt wird. Zu diesem Turnier wurden Meisterspieler eingeladen, die in den 20 Jahren zuvor,  stark besetzte internationale Turniere gewonnen hatten. Von den eingeladenen Spielern sagten 7 Teilnehmer ab, so dass man beschloss das Turnier mit nur 11 Spielern auszutragen.

Der Modus sah vor, dass zunächst alle Spieler eine Partie gegeneinander spielen. Danach spielten die fünf Besten noch einmal zwei Partien aus, wobei die Ergebnisse aus der Vorrunde mitgenommen wurden. Nach dem ersten Durchgang führte Capablanca mit 8 Punkten aus 10 Partien vor Lasker und Tarrasch mit jeweils 6,5 Punkten. Im Finaldurchgang spielte Lasker  gross auf und erzielte 7 von 8 möglichen Punkten. Capablanca hingegen holte nur 5 aus 8 und musste sich am Ende mit dem zweiten Platz, mit nur einem halben Punkt weniger, hinter Lasker zufrieden geben.

Aus der Schlussrunde dieses Turniers die “russische Partie” zwischen Lasker und Marshall, bei der Lasker als Meister der Psychologie eine scheinbar langweilige Eröffnung wählte, aber dann zum richtigen Zeipunkt auf Königsangriff setzte.

Print Friendly, PDF & Email

One thought on “Lasker vs Marshall – eine russische Partie

  1. Was das Großmeisterturnier zu St. Petersburg 1914 angeht, so empfehle ich das gleichnamige Buch, das als Band 23 in der Tschaturanga-Reihe der EDITION OLMS in zweiter Auflage 1989 erscheinen ist. Es enthält alle Partien dieses internationalen Super-Schachevents, den der St. Petersburger Schachverein und nicht die Schachversammlung vom 21. April bis 22. Mai ausgerichtet hat. Zu dem Jubiläumsturnier wurden im Übrigen nur Schachgrößen eingeladen, die je in einem internationalen Turnier einen 1. Preis gewonnen hatten. Von 18 Meistern, die in Betracht kamen, erschienen allerdings nur elf, darunter Siegbert Tarrasch, von dem die ausführlichen Partie-Glossen stammen. Zum Verlauf der Begegnung Lasker vs. Capablanca merkte der „Praeceptor Germaniae“ einleitend an: „Das war gerade das Spiel, das er [Lasker] brauchte: unmöglich, es zu verlieren; einige Hoffnung, es zu gewinnen. Wie sich nun der Angriff vom piano allmählich zum forte steigerte, bis der Weltmeister mit einem sehr nahe liegenden, aber ebenso riskanten, von ihm trefflich berechneten Opfer den Gegner lahmlegte und schließlich überwältigte, das war wieder weltmeisterlich und ein würdiger Abschluß von Laskers Leistung in diesem Turnier.“

    Als entscheidenden Fehler charakterisierte er den 15…. d6-d5. „Die Drohung d4-d5 mußte mit Sb6 pariert werden, dann hatte Weiß zwar das etwas bessere Spiel, aber immer noch nichts greifbares erreicht.“

    Das Turnierbuch ist zur Zeit leider nur noch antiquarisch zu erwerben. AMAZON hat aktuell (Stand 2. September 2017 ) immerhin vier gebrauchte Exemplare für je 29.80 € im Angebot.

Kommentare sind geschlossen.