Mettmann … wie?

Text: Eberhard Schabel – Mettmann ist ein kleiner Ort in der Nähe von Düsseldorf und hierhin hatten der DSB und die DSJ zum nun schon 6. Frauen- und- Mädchenschachkongress eingeladen.

Da meine letzte Teilnahme schon etwas zurück lag, wollte ich dieses Format in diesem Jahr erneut besuchen und schauen, ob sich etwas zu 2012 verändert hat.

Also ab auf die WEB der DSJ und schon nach kurzer Zeit fand ich die Ausschreibung. Einzig das Programm bot noch Lücken auf und der Ort war Mitte Juli noch nicht fix gebucht. Dennoch fragte ich bei Spielerinnen in unserem Verein TuRa SCHACH nach, ob es Interesse gibt mal bei dieser Veranstaltung dabei zu sein. Immerhin sollte es ja um Belange der Mädchen und Frauen gehen. Zu meiner Freude konnten sich Nanke und Anna-Blume eine Teilnahme vorstellen. Beide spielen schon X- Jahre Schach und haben hierbei schon viel erlebt.

Anfang August wurden die Details auf der WEB der DSJ konkreter und wir konnten lesen, dass das Wyndham Garden Hotel in Mettmann/bei Düsseldorf der Kongressort wurde. Weiter konnte ich zu meiner Überraschung lesen, dass ich doch tatsächlich zu einem „Teil“ der Veranstaltung aufgestiegen war.

So wurde ich für die Eröffnung mit eingeplant und man bot mir die Chance unser Projekt „Schach auf dem Reiterhof“ vorzustellen. Übrigens durfte ich das auch schon 2012 und so galt es das Projekt aus einer etwas anderen Perspektive auf zuarbeiten. Zeit blieb jedoch nicht mehr viel hier Ideen zu entwickeln. Zudem hatte ich ja auch noch andere Dinge auf dem Terminplan. Leider waren noch immer einige Lücken beim Programm, aber das würde sich sicher noch ergeben und so fuhren wir am 01.09.2017 ab Hamburg Richtung Mettmann.

Laut NAVI schafft man die Strecke von ca 360 km in knapp 4 Stunden, aber erstens war es Freitag und zweitens gab es bei Bremen eine Baustelle mit einem ca 16 km langen Stau. Es ist meinem Navi zu verdanken, dass wir nicht da hinein gerieten und uns etwas später im Feierabendverkehr der Hansestadt Bremen wieder fanden. Eventuell haben wir 5 Minuten gewonnen, aber wer kann das danach schon nachrechnen. Auf jeden Fall waren wir ca 6 Stunden unterwegs. Zum Glück waren wir so los gefahren, dass wir einen Zeitpuffer hatten und kamen ca 15 Minuten vor Kongressbeginn (19 Uhr) im Hotel an.

Mit uns trafen auch weitere Teilnehmerinnen ein und bei der Vorstellungsrunde konnten wir erfahren, dass Frauen und Mädchen aus Niedersachsen (Hannover), NRW, Hessen, Schleswig-Holstein, Baden, Würtenberg und Bayern kamen. Hinzu gesellte sich ein Mädchenschach- Aktivist aus Mecklinburg Vorpommern und 2 Gäste des Bridge- Verbandes.

Wahrscheinlich sind das auch die Bundesländer, wo die, dem Kongress zu Grunde liegende Problematik am akutesten ist.

Nach weiteren Infos zum Ablauf usw kam dann der Aufruf meines Namens und ich wurde gebeten nach forn zu kommen, da vor längerer Zeit Mädchen aus meinem Verein mich für den „Goldenen Chesso für Mädchenschach“ vorschlugen und die Jury diesem Vorschlag folgte. Die Auszeichnung erfolgte dann während der DJEM in Willingen und nun galt es zum Thema „Warum legt ein Schachverein den Schwerpunkt auf die Förderung von Mädchen- und Frauen?“ zu sprechen.

Vereinbart war ein Gespräch in Interview- Form, was ich als sehr angenehm empfand. Wenn man nämlich ansonsten so ins Reden kommt, dann kann es schon mal passieren, dass man auch ziemlich viel dummes Zeugs von sich gibt.

Ich nutzte die Fragestellungen dazu etwas über TuRa zu erzählen, also Werdegang und derzeitiger Stand. Trainingszeiten- und- Abläufe, Bedingungen, Ideen und auch bestehende Defizite.

Bei der einen oder anderen Frage nutzte ich auch den Spielraum der Fragestellung etwas aus, und ging zBsp darauf ein, dass mich ein Widerspruch bei der Werbung für Mädchen/Frauenschach etwas stört.

Speziell handelt es sich um die schon stereotype Einleitung von Texten der Verbände „In Deutschland spielen nur 7 % Frauen und Mädchen Schach im Verband.“

Von mir wurde darauf hingewiesen, dass dies eventuell eine auf Frauen und Mädchen eher abschreckend wirkende Aussage ist. Eine Frau die sich für Schach interessiert und dies liest, fragt sich natürlich warum sind denn das so wenige und macht sich im Internet schlau. Unter Suche den Begriff „Frauenschach“ eingegeben und dann liest sie überwiegend von Männern aufgeschrieben, dass Frauen aus den verschiedensten Gründen schlechter Schach spielen als Männer, aber dafür eine hohe Sozialkompetenz + Gerechtigkeitssinn besitzen.

Vielleicht sagt sich dann Frau ja „Kein Wunder dass es nur so wenige Frauen beim Schach sind… man braucht sie ja nur um sie vorzuführen.“

Allerdings ist das nur meine Ansicht und Andere mögen anders darüber denken.

Ich würde es gut finden, wenn wir als Verband nach außen darstellen, dass wir die vielen Frauen und Mädchen respektieren und fair behandeln, weil wir sie als Teil der Schachfamilie behalten möchten. Wir haben also nicht „NUR“ 7 % Anteil, sondern wir haben schon viele Frauen und Mädchen, für einen historisch, von Männern dominierten Sport gewinnen können.

Es gab noch einige Fragen mehr und so ca 21.45 Uhr war der Start des Kongress vorbei. Im Anschluß traf man sich in der Hotelbar und lernte sich im Gespräch weiter kennen.

Am Samstag begann der Tag mit dem Weckerklingeln zur Nachtschlafender Zeit (7.30 Uhr) und getreu der Lebensweißheit, „Was soll aus einem Tag werden, der mit Aufstehen beginnt“ schlich ich zum Treff mit unseren beiden Mädchen um dann gemeinsam zum Frühstück zu gehen. Das Buffett war sehr reichlich und der Kaffee schmeckte gut. So langsam baute sich bei mir innere Energie auf und 9 Uhr saß ich interessiert im Seminar „Motivation von Mädchen“ welches von der neuen Mädchenschach- Beauftragten der DSJ, Hanna Marie Klek geleitet wurde. In ihrem Vortrag ging sie auf einige Studien ein, nannte einige Motivationsgründe für Mädchen beim Schach und beantwortete geduldig die aufgekommenen Fragen aus der Runde. Interessant war dabei auch ein Disput darüber, ob es gut ist reine Mädchen- Trainingsgruppen anzubieten oder gemischte Gruppen.

Nach 1,5 Stunden schloß sich eine Pause an und ich traf auf Anna-Blume und Nanke die Parallel beim Seminar „Do’s und don’ts beim Training mit Mädchen“ (Referentin: Gabriele Häcker) waren und die Ausführungen sehr spannend fanden.

Der 2. Block wurde den Gästen des Bridge- Verbandes eingeräumt. Wie die Jahre zuvor wurde ein Verband gesucht, der in etwas ähnliche Themen bearbeitet wie das deutsche Schach. Schon während der Ausführungen des Präsidenten des Bridge- Verbandes und der wohl erfolgreichsten Spielerin Frau Schröder, wurde jedoch schnell klar, dass das Hauptdilemma des deutschen Bridgesports die Altersstruktur ist. Den ca 150 Neuaufnahmen im Jahr stehen 600 Abgänge entgegen, die vom Verband nicht verhindert werden können. Da das Spiel nach eigener Sicht sehr kompliziert und zeitaufwendig sei, wären die Chancen gering junge Leute für Bridge als Sport zu begeistern.

Für mich war der Vortrag und zugleich der Einblick in eine andere Materie sehr interessant.

Übrigens gab es am Abend spontan organisiertes Bridge- Training und wer weiss, ob da eine neue WM- Teilnehmerinnen aus den Reihen des Schachs mit dabei war.

Nach der Mittagspause gab es den Workshop: Vereinsangebote für Mädchen/Frauen Referentin: Kristin Wodzinski

Kristin engagiert sich besonders im Jugendbereich der Karlsruher SF. Bekannt ist sie mir schon seit einigen Jahren und ich komme nicht umhin hier zu schreiben, dass ich auf die K SF schon etwas neidig bin, dass sie in ihren Reihen eine so umtriebige junge Dame haben. Beginn war eine Powerpoint- Präsentation, bei der an Hand ihres Heimatvereins und ihrem Handeln erläutert wurde, welche Ideen entwickelt wurden um Mädchen das Schach näher zu bringen. Ähnlich wie zBsp bei TuRa gab es einige Projekte die getestet wurden und letztendlich setzten sich dann Einige durch und verhalfen den Verein zu mehr Lebendigkeit und Vielfalt in den Trainingsräumen. Auch hier empfand ich es als Angenehm, dass auf alle Fragen mit Auskunft eingegangen wurde. So ging es auch bei diesem Workshop darum, ob die Einrichtung von reinen Mädchen- TGs ein Weg für das Mädchenschach ist oder eher eine Entlastung der Trainer/Trainerinnen darstellt.

Der Tag wurde beschlossen mit dem Format „Speed Dating“. Wer nun dahinter vermutet, dass die wenigen Männer (5) vor Ort sich den vielen Frauen (19) kurz vorstellen durften liegt falsch, auch wenn der Name dies vermuten lässt. Genau genommen handelte es sich um den Markt der Möglichkeiten“ und hier um die Vorstellung von bereits gut laufenden Projekten in Vereinen und Verbänden. Für mich galt es also das „Schach auf dem Reiterhof“ (www.maedchenschach.de) vorzustellen und ich nutzte die Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass dies eins der Projekte ist, die wir innerhalb unseres Jugendbereiches anbieten um mehr Kinder und Jugendliche für Schach zu interessieren.

Allerdings habe ich auch eine charmante Idee aufgenommen, mit dem Projekt ev. auf Deutschlandtour zu gehen.

Geschafft… es war bisher interessant, spannend, zuweilen lustig aber auch nachdenklich.

Worauf ich am Abend jedoch gern verzichtet hätte, waren Nachrichten über einen „Reizgas- Anschlag“ beim Volksfest in Mettmann mit 40 Verletzten, nur wenige 100 Meter vom Hotel entfernt.

Auch der Sonntag musste irgendwann beginnen und so waren wir 8 Uhr beim Frühstück, fanden aber keinen Platz. Dafür waren viele Tische mit dem Schild „Reserviert“ verschönert worden und dem Personal ging es wohl so wie mir Frühmorgens (Was soll aus dem Tag werden, wenn …..) Zum Glück fand sich dann doch noch beim 4. Anlauf eine sympathische nette junge Frau, die für uns ganz fix einen Tisch herrichtete und so konnte ich das inzwischen erkaltete Rührei mit heißem Kaffee genießen.

Auf dem Programm stand für uns noch ein Themenblock und die Feadbackrunde.

Workshop: Mädchen – über die Schule in den Verein, Referentin: Kristin Wodzinski

Dieser Vortrag vermischte sich bei einigen Dingen mit dem Vortrag einen Tag zuvor von Kristin (Vereinsangebote für Mädchen/Frauen). Schwerpunkt war jedoch das Schulschach. Hier wurde den Anwesenden eindrucksvoll dokumentiert, was in den Schulschach- AGs geleistet werden kann und geleistet wird in Karlsruhe und sicher auch Anderswo, um insbesondere Mädchen für den Vereinssport zu begeistern. Viele Turnierteilnahmen, Extra- Lehrmaterial (Diplome), eigene Turniere, systematisches Training und und und.

Eine Frage von mir, ob ein so exzellentes Schachangebot an den Schulen ev. auch hinderlich sein kann, Kinder für die Extrazeit in einem Verein zu motivieren, wurde Ergebnisoffen besprochen.

Fazit:

Unseren beiden Mädels und mir hat jedenfalls auch dieser Themenblock ganz gut gefallen und so konnten wir in der Abschlußrunde auch überwiegend positives äußern.

Allerdings gab es schon das Eine oder Andere, was man vielleicht bei Folgeveranstaltungen ändern könnte. Von einigen Teilnehmerinnen wurden diese benannt und ich denke, dass man sich bei den Planungen daran erinnern wird.

Auch bei unserer Heimreise mussten wir an Bremens Dauerbaustelle vorbei, was uns jedoch diesmal nur ca 20 Minuten kostete.

Print Friendly, PDF & Email