Lasker vs. Capablanca

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Wenn man über Lasker schreibt, dann darf diese Partie aus dem Turner zu Sankt Petersburg aus dem Jahr 1914 nicht fehlen. Die Turniersituation vier Runden vor Schluss konnte nicht besser sein. Einen Punkt hinter Capablanca liegend wählte Lasker die Abtauschvariante in der spanischen Partie, die aus Sicht von Lasker grosse Genauigkeit erfordert.

Überraschend war auch, dass Lasker diese Variante tags zuvor selbst mit Schwarz gegen Aljechin spielen musste und damit gewann. Sein Zug 12.f5 mutet seltsam an, ist jedoch bis heute nicht wiederlegt. Der gleichen Idee bediente sich auch Bobby Fischer bei der Schacholympiade 1970 in Siegen, in seiner Partie gegen den deutschen Grossmeister Wolfgang Unzicker.

Bei Capablanca hinterlies diese Niederlage Spuren. Nach dieser Partie wählte er gegen Lasker nie wieder in der spanischen Partie 3… a6, auch nicht 1921 beim Weltmeisterschaftskampf. Ferner verlor er in der nächsten Runde gegen Dr. Siegbert Tarrasch, was Lasker die Führung einbrachte, die er dann nicht mehr abgab.

Zugleich stellt diese Partie auch einen Wendepunkt in dem Verhältnis zwischen den beiden Kontrahenten dar. Capablanca der drei Jahre zuvor Lasker eine Aufforderung zum WM-Kampf über einen Mittelsmann hatte zukommen lassen, wollte unbedingt beweisen, dass er der bessere Spieler ist. Beim Abschlussbankett des Turniers entschuldigte er sich bei Lasker für seine Wortwahl, die Lasker als kränkend empfunden hatte.
Beide sprachen noch eine Weile miteinander. Man kann annehmen, dass hierbei auch Fragen zu einem möglichen Weltmeisterschaft erörtert wurden. Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand ahnen, dass es noch sieben Jahre dauern würde, bis sich die beiden Schachgrössen beim Kampf um die Weltmeisterschaft gegenüber sitzen würden, verantwortlich alleine hierfür waren die politischen Ereignisse, die noch im gleichen Jahr ausgelöst wurden.

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