Petrosians grosse Kunst

Tigran Petrosian (1929-1984) lernte Schach im Alter von 12 Jahren. Eines seiner ersten Bücher, welches auch seinen Spielstil entscheidend prägte, war „Mein System“ von Aaron Nimzowitsch. Mit 17 war er Jugendmeister der UDSSR. 1952 wurde er Zweiter bei der 19. UDSSR-Meisterschaft. Bereits ein Jahr später wurde er zum internationalen Meister und auch zum Großmeister ernannt. Danach war er auf der internationalen Bühne ein Stammgast.

Nach dem Sieg beim Kandidatenturnier 1962 in Curacao, forderte er Weltmeister Michael Botwinnik heraus  und gewann. Nach dem Sieg urteilte der unterlegene Kontrahent:

„Der neue Weltmeister unterscheidet sich in seinem Stil ganz wesentlich von anderen Großmeistern. Sich diesem Stil anzupassen, ist keine einfache Sache“.

1966 verteidigte er seinen Titel gegen Boris Spasski, verlor diesen  aber dann gegen den gleichen Gegner 1969. Später nahm er noch mehrfach an Kandidatenkämpfen teil, unterlag 1971 Bobby Fischer und danach noch dreimal bei den folgenden Ausscheidungskämpfen immer gegen Viktor Kortchnoi.

Er gilt als einer der größten Defensivspieler der Schachgeschichte und war nur schwer zu bezwingen. Hierfür spricht auch sein Score bei der Schacholympiade, dem wichtigsten Mannschafts-Wettbewerb der Welt. Von 130 Partien, bei 10 Wettbewerben, verlor er nur eine Partie, diese 1972 in Skopje, gegen den deutschen Großmeister Dr. Robert Hübner. Einer seiner vielen Spitznamen war auch „der armenische Torwart“.

Mit der heutigen Partie möchte ich vor allem die Aufmerksamkeit auf das Turmendspiel, bei vollem Brett, ab dem 27.Zug lenken. Wer hätte nicht an dieser Stelle Td7 gespielt?  Nicht so der „eiserne Tigran“, der mit seinem sehr feinen Positionsverständnis ruhig, besonnen und zurückhaltend vorging und das Prinzip der 2 Schwächen dabei nicht aus dem Auge verlor.

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One thought on “Petrosians grosse Kunst

  1. Eine Anmerkung sei gestattet: Es fehlt leider der Hinweis, wann diese Partie zwischen Petrosjan und Sosonko gespielt wurde. Das war im Mai 1980, wie dem Schach-Informator Nummer 29/1980 zu entnehmen ist. Platz 1-3 belegten damals Miles, Petrosjan und Geller mit jeweils 8,5/12. gefolgt von Sosonko und Ulf Andersson (je 7/12).

    Die Begegnung Petrosjan–Sosonko wurde übrigens zurecht nicht in die Informator-Partiensammlung des ersten Halbjahres 1980 aufgenommen. Und das nicht nur, weil der Exweltmeister mit fast 51 Jahren längst seinen sportlichen Zenit überschritten hatte, sondern weil diese Begegnung auch nicht typisch für seine Art Schach zu spielen war. „Im allgemeinen war er Stratege, aber von der Natur her war er Taktiker“, so sein Nachfolger Boris Spasski. Eine solche Partie – sie muss dabei nicht unbedingt mit dem für den „eisernen Tigran“ typisches Qualitätsopfer gekrönt werden – hätte ich mir deshalb statt der vorliegenden mit dem doch eher technisch gewonnenen Turmendspiel gewünscht.

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